Genau jetzt

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Aufatmende
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Mi Mai 29, 2019 11:04 am

Ich hab mit einem Bewohner einen Sekt, den ich mitgebracht habe, getrunken und auf die Meisterschaft der Bayern in der Bundesliga angestoßen. Obwohl ich mich gar nicht für Fußball interessiere. Das war echt lustig :)
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Mai 29, 2019 12:47 pm

Hihi, ja sowas kenne ich auch. Habe einen Bewohner zum Geburtstag besucht, im Frei.

Toller Job, wenn er nicht gerade scheiße ist :)

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Mai 29, 2019 12:59 pm

Bezüglich Theratermin. Nun erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Hatte mich um eine Stunde vertan, somit wurde aus Liste schreiben nix, sondern ich bin wie der geölte Blitz zum Auto gespurtet.

Vor Ort war es heiter und einfach ein guter erster Termin.

Ich brauchte keine Beziehungsklärung, das war gar kein Thema. Einfach reden und wieder da sein. Ihr ein wenig Klinikalltag erzählen und sie war so amüsiert davon.

Eine Frage aber... nun sie meinte, ob sie sie stellen darf und ja (klar! bin viel zu neugierig :) ) nun, was ich denn wohl mache, wenn ich das Trauma mal abgelegt habe?

Erst habe ich es nicht verstanden, dann aber doch.

Was ich aus und mit meinem Leben mache.... zur Zeit lässt mich das Trauma schweben, sie erlebt mich so, etwas abgehoben vom Boden, wie mit einer Art Gleitschirm.

Das passt (tut aber so ein klein wenig auch weh)


Etwas mit und aus meinem Leben machen....

Das Trauma ablegen....


Joa, da ist schon was dran. Dieses im traumatisiert sein verharren ist …. mhm, weiß nicht vielleicht auch feige(?)


So ganz zufrieden schien sie mit der gestellten Diagnose nicht zu sein... ich soll meinen Alltag genau im Blick behalten, auf verschiedenes achten. Besser wäre natürlich, meinte sie, es wäre wie in der Klinik jemand dabei der mir Dinge bewusst macht, aufzeigt etc.
DIS stand im Raum, aber ganz ehrlich ich bin im Gegensatz zu ihr froh dass das nicht diagnostiziert wurde. Die BPS ist weg als Diagnose und darüber bin ich froh, es steht nichts, garnix von einer PS im Brief :) Kombinierte dissoziative Störung passt doch, finde ich.

Dinge beobachten, ok, auf Dinge achten... nun denn, bin ja bereit das mitzumachen. Aber ich will da nix "füttern" das soll nicht so viel Raum haben.


Also es geht weiter bei und mit ihr.


Nächste Woche bi ich dann mit Liste ausgestattet und ich denke ich werde meine Geschichte, also das aufgeschriebene auch tatsächlich mit nehmen. Das war heute ganz, ganz kurz Thema und ich möchte es ihr geben. Es macht manches etwas leichter, denke ich.


Wähgequengel am Schluss, ich soll mir was sportliches suchen und das machen (!)

Na dann :)


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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Mai 29, 2019 1:07 pm

Ach ja doch eins noch, sie bedauert wohl ein wenig dass sie die Traumatherapie dort nicht hat besser publik machen können (nachdem ich sagte dass ich die Klinik dafür gar nicht auf dem Schirm hatte, sondern eben Göttingen, hohe Mark, Waldschlösschen usw.)

Tja, das darf gerne erst mal so bleiben ;) Weil, zweieinhalb Jahre Wartezeit in Gö, oder 8-12 Monate in der HM usw. nun ganz ehrlich, sollen doch alle dahin pilgern. Dem guten Ruf wird zumindest die HM für "normale" Menschen, also keine Jesusfreaks nicht gerecht. Fertig aus, meine Meinung. Dass die mehr Geld für weniger Leistung bekommen, ärgert mich allerdings.

Das darf gerne so bleiben bis ich fertig bin. Zeitnah professionelle Hilfe, möchte ich gern noch eine Weile haben. Es ist glaube ich so gut, weil es nicht so bekannt und überrannt ist.

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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Mi Mai 29, 2019 9:38 pm

Hi SH,

ja, genau das schrieb ich ja vor kurzem. Daß ich versucht hätte, mir vorzustellen wie es wäre, wenn alles gut wäre, wenn ich alle meine Ziele erreicht hätte (hier weg sein, eigene Wohnung, Trauma verarbeitet, gesund.. ), und dann festgestellt habe, das ich es plötzlich total langweilig fände und garnicht wüßte, was ich dann eigentlich tun sollte. Ich hatte das Thema auch mal mit meiner Thera und sie sagte, eh man so weit ist, wirklich alles gelöst und verarbeitet zu haben, müßte man anfangen, sich ein neues Ziel zu suchen. Irgendetwas was man erreichen will, für das man sich bemühen will. Und wenn man das fast erreicht hat, wieder ein neues Ziel. Täte man das nicht, würde man früher oder später untergehen, weil man einfach ein Ziel braucht. Allerdings fand sie auch, es würde wenig Sinn machen, wenn ich mir jetzt schon Gedanken darüber machen würde, weil ich jetzt noch nicht einmal weiß, wer ich überhaupt eigentlich bin und was ich eigentlich wirklich mag und wo ich mich nur immer angepaßt habe. Erst wenn ich das wüßte, könnte ich mir überlegen was ich noch erreichen will.

Ich bin froh, daß auch das so gelaufen ist, wie ich gesagt hatte: Sie ist hinterher noch genauso für Dich da wie vorher :-)

Ah, super, bist Du die BPS los, das freut mich :-) Ich denke ich wäre die Diagnose auch los, wenn meine Thera Diagnosen aufschreiben würde. Vielleicht tut sie das ja mal, wenn ich wegziehe und eine neue Thera suchen muß.

Und ich kann auch ganz gut verstehen, daß Du ganz froh darüber bist, daß das nicht soo öffentlich bekannt ist. Wenn Du schon einen guten Ort gefunden hast, dann wärs natürlich auch toll, wenn er dann im Fall der Fälle auch kurzfristig erreichbar ist für Dich.

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 30, 2019 2:02 pm

Ja ich erinnere mich :) Normales Leben, ohne den ganzen Müll wäre erst mal ganz schön langweilig ;) Ich wünsche dir ganz bald etwas mehr Langeweile ;)

Nun, ich glaube das war aber bissi anders gemeint gestern. Es ging eher so in Richtung dass (bei mir! ich will das jetzt nicht als Vorwurf gegen jemand hier verstanden wissen) das Trauma eben auch in gewissem Maß ein "Grund" ist sich nicht aufs Leben einzulassen, sich rauszuziehen usw. So eine Art "Entschuldigung", eine Ausrede. Verstehst du was ich meine? Ich habe das nicht als Vorwurf aufgefasst, wohl aber als ein mal anschubsen, zu schauen was ich eigentlich in der Lage bin zu schaffen, zu tun... Sie hat meine Kompetenzen angesprochen... aber eben auch dass es mir besser stünde die mal zuzulassen, zu nutzen, zu teilen...

So eine Sichtweise trifft bei mir auf sehr dankbaren Boden, gerade so irgendwie...

Sie hat auch etwas anders angesprochen. Die eine Art weg zu dissoziieren, das Still werden, aus dem Kontakt gehen eben. Nun, ich fühle mich da ja wie im Kerker. Sie hat dazu aber gesagt dass das etwas sehr MACHTSVOLLES hat. Sie meinte so entziehe ich mich und mein Gegenüber kann gegen Wände rennen und sonst was veranstalten...

Zum einen mag ich gerade sehr das Bild einer machtvollen SH (erst mal aufrecht hinsetzen ;) ) und zum anderen hilft mir das vielleicht auch da schneller raus zu kommen.


Mir wieder bewusster zu werden dass da mehr ist als Trauma und vor allem ich mehr bin als traumatisiert. Die ganzen Einschränkungen derzeit machen ja sonst nur noch depressiv. Gelegentlich mal den Fokus verändern und schauen was ich kann und gut mache tut gut und ich genieße gerade richtig das so annehmen zu können, ohne in "alles ist hoffnungslos Gedanken" zu fallen, oder mich total abzuwerten.

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Do Mai 30, 2019 9:44 pm

Hi SH,

ja, ok, das verstehe ich dann auch wie sie das gemeint hat. Bei mir ist es ja anders, mir ist ja noch garnicht so lange bewußt, daß es überhaupt ein Trauma gibt. Mein Leben lang hab ich immer gedacht, ich hatte halt ne miese Kindheit, ja und? Muß man eben mit leben und sich nicht so anstellen, ist schließlich vorbei. Fertig, aus. Da wußte ich natürlich auch noch nicht alles, aber eigentlich hätte mir da auch schon klar sein können, das man mit so einer Kindheit eben nicht so einfach leben kann wie andere und es sich irgendwo auswirken muß.
Bei mir waren immer die körperlichen Probleme im Vordergrund, und letzten Endes kommen die ja wohl auch hauptsächlich dadurch. Aber ich habe mir die Frage auch schon öfters gestellt, was wäre ich denn, wenn ich all diese Krankheiten nicht hätte? Was könnte ich dann wohl alles leisten? Nur dann kam der Gedanke, daß ich dem was ich dann körperlich leisten könnte, psychisch irgendwie garnicht gewachsen wäre, auch wenn ich mir nie erklären konnte, warum eigentlich. Warum ich da so viel weniger leistungsfähig bin als andere. Ja nun verstehe ich es endlich. Wenn die Krankheiten weg wären, käme das Trauma, obwohl die Krankheiten ohne Traumaverarbeitung auch garnicht weggehen können. Jetzt schweife ich ab und kriegs einfach nicht auf die Reihe zu schreiben was ich eigentlich schreiben wollte.
Aber ich finds auf jeden Fall gut, daß Du aus ihrer Frage was positives ziehen kannst und Dich dadurch mehr auf Deine Ressourcen konzentrieren kannst. Bei mir würde die Frage, auf meine Krankheiten bezogen, wohl erstmal Abwehr verursachen und ich würde mich angegriffen fühlen. So wars zumindest früher, jetzt ist das wohl schon ein bißchen anders.

Stimmt, Dissoziationen können in der Tat auch was machtvolles haben, so hab ich das noch garnicht betrachtet!

Liebe Grüße,
Imagica

P.S.: Danke für den Wunsch nach mehr Langeweile, damit hast Du mich jetzt auch noch zum grinsen gebracht :mrgreen:

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 30, 2019 10:20 pm

Hallo Imagica,


oh ja die Langeweile wünsche ich dir von Herzen :)

LANGEWEILE für jeden! Es sollte Demos dafür geben und Petitionen.

Scherz beiseite, ich meine das Ernst. Wollte jetzt auch bei dir, oder anderen die das lesen nix negatives auslösen. Denn da steckt ja einiges an SH-Arschtritt drin. Gerade geht das bei mir aber gut. Mit dem Bild einer machtvollen SH kann ich durchaus mehr anfangen, als mit dem kleinen zarten.

Auf das kleine zarte, ging sie aber ein (verflixt aber auch! ;) ) sie sagte dass dieses machtvolle das zarte verdeckt. Das zarte kann nicht raus, bekommt keine Platz, wird hinter der harten Mauer verborgen. Ja verflixt aber auch, da will ich so ne Art Hulk sein, fühle mich grün und stark und gefühlt einen Meter größer in der Praxis und dann sagt sie SOWAS!

Bis ich mich dem zarten widmen kann, geschweigedenn es zeigen und damit arbeiten braucht es aber glaube ich erstmal wieder (mehr) Sicherheit.
Die Klinik tat mir was das betrifft auf verschiedenen Ebenen gut. Zum einen Aussöhnung mit dem Aufenthalt vor 16 Jahren und erste Schritte in Richtugn darüber reden und die Erfahrung heilen lassen zu können (braucht aber glaube ich noch etwas) dann eben die Bestätigung dass ich sehr wohl stationär behandelbar bin, kein widerliches Kriechtier bin das nicht wiederkommen darf. Ja und eben ganz unabhängig vom eben genannten ein Ort an den ich kann, wenn es daheim nicht mehr geht (suizidale Krise ausgeschlossen)

Jetzt die Thera die einfach da ist, wie vorher auch. Die ausserdem soooo sensibel ist und gleich gemerkt hat wie ich den Raum scanne und von sich aus ganz viel als nach wie vor sicher, oder eben neu benannte. Kein Gefühl mehr von Zweifel im Kontakt mit ihr.


Wie und warum auch immer laufe ich gerade relativ sicher zwischen "stell dich nicht so an, krieg dein Leben auf die Reihe!" und "es darf dauern und Zeit in ANspruch nehmen bis es mir besser geht"


Normalerweise wäre ich nämlich auch beleidigt und würde mich missverstanden fühlen ;) Ich hätte da einen Vorwurf hineininterpretiert, denke ich.

Jetzt aber denke ich bei dem machtvollen Aspekt daran, dass ich ja voran kommen will und statt mein wohlwollendes gegenüber gegen Wände laufen zu lassen, für eine Art Guckloch, oder gar Tür sorgen will.
Da sind also Dinge die ich nicht gern hören, oder beantworten mag, oder die mir Angst machen, oder über die ich nicht reden darf.... was zu der Mauer führt. ICH kann und will da aber einen Weg raus finden (weil es ist eben doch auch irgendwie ein Kerker) Der Weg raus, führt aber vielleicht erstmal darüber jemand da rein zu lassen?

Naja so ganz ausgereift ist das Bild noch nicht, merke ich gerade.


Bei dir ist vieles leider deutlich schlimmer, finde ich. Also ich meine das nicht abwertend und will es auch nicht als hoffnungslos erscheinen lassen. Was ich eigentlich sagen will ist, dass du das so machst wie du kannst und eben deutlich schwierigere äussere Umstände hast, mit denen du kämpfst.

Ausserdem finde ich ist beleidigt reagieren und sich gegen die Einschätzung von Theras wehren manchmal auch echt notwendig. Nicht alles stimmt mal eben so, nur weil es ein Fachmann/frau sagt. Die liegen auch mal daneben ;)

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Fr Mai 31, 2019 9:39 pm

Hi SH,

hmm.. so als Idee, wenn Du Dir vorstellst, mal ein kleines Loch in die Mauer zu machen? Entweder ein Loch reinbohren oder einen Stein rausnehmen. Mal so als Anfang. Damit Dein hilfreiches Gegenüber eben nicht nur gegen Wände rennt, sondern wenigstens eine klitzekleine Chance hat. Im Laufe der Zeit könntest Du das ja erweitern, oder imaginativ durch eine Tür, oder vielleicht erstmal ein Fenster (ist kleiner) ersetzen.

Klingt aber nach wie vor gut bei Dir! Du kommst stark und selbstsicher rüber und mit Kraft, einiges anzugehen.

Klar, Theras haben natürlich nicht immer Recht, wär irgendwie auch schlimm wenns so wär. Dann wären die ja allwissend und so jemand würde mir wirklich Angst machen.

Wo bist Du eigentlich mittlerweile bei Voyager? Ich hatte gestern "Das Vinculum". An den Titel konnte ich mich noch sehr gut erinnern, aber worum es in der Folge ging, davon wußte ich absolut garnix mehr. Beim ansehen war ich doch sehr überrascht, daß ich mir sowas nicht hatte merken können. Ich hab die Folge wirklich absolut garnicht wiedererkannt. Obwohl ich sie ganz sicher schon mehrfach gesehen habe. Allerdings was drin vorkam.. puh.. ja.. das kam mir dann aber doch bekannt vor.

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Jun 01, 2019 11:38 am

Ja, an so etwas in der Art habe ich gedacht, Imagica.

Es fühlt sich für mich selbst eben doch eher nach Kerker und nicht können an. Also ausgeliefert sein, reden wollen, gefangen sein, gehalten, erstickt..... All sowas kommt, wenn ich in der Situation bin, bzw. wenn ich versuche da raus zu kommen. Wenn ich so schweigsam werde, den starren Blick bekomme (habe mir von Dr. K erklären lassen wie das im außen aussieht) nun ich bin da ja bewusst da, also ich höre alles und sehe was halt in meinem Blickfeld ist. Nur reden geht nicht und oft Bewegen auch gar nicht. Wenn ich das ne Weile aushalte und der AUßenreiz verschwindet geht's wieder, oder aber wenn ich nen passenden Reiz von Außen bekomme. Also was ablenkendes z.B.

Dieses Bild einer machtvollen SH, also dass dieses Dissoziieren eben etwas mächtiges ist, gefällt mir deutlich besser und das will ich diesem ausgeliefert aushalten müssen Gefühl entgegen setzen.

Der Versuch trotzdem zu reden, oder von mir aus mich zu bewegen endete bisher eher in den oben genannten Dingen und Chaos im Kopf.
Ich hoffe nun daraus dass auflösen zu können. Also von mir aus vielleicht erst mal keinen Weg raus zu finden, aber jemand rein lassen. Über ein Loch, Fenster, Tür, oder Gegensprechanlage, oder wer weiß was...

Soweit die Idee.

Dr.R fragt ja oft ob sie nachfragen darf, also glaube ich dass ich das Thema ansprechen und eine Art gemeinsame Strategie mit ihr besprechen kann. Also das Dissoziieren zum Thema machen, ohne zu dissoziieren und sagen was ich darüber bis jetzt weiß, hören was sie denkt und weiß und dann schauen ob wir eine Absprache treffen können für den Fall das....

Irgendwie so.


Mit Voyager bin ich fertig geworden in der Klinik. Habe viele Nächte nur sehr schwer ins Bett finden können und so schaute ich, während ich Bärchen strickte eine Folge nach der anderen...

Das Ende finde ich der Serie nach wie vor nicht würdig :(

Was du berichtest kenne ich so auch (interessant, nicht?) ich überlege gerade welche Folgen es genau waren, aber bei zweien war es sehr, sehr ähnlich. Ich habe Voyager auch definitiv schon mehrfach KOMPLETT angeschaut. Dennoch waren da zwei die mir unbekannt waren. Ähnlich wie bei dir muss ich sie aber kennen, denn der Titel war mir nicht unbekannt. Inhaltlich war es neu.


Habe gerade gelesen dass du einen Simon´s Cat Kuchen machst. Weißt gerade nicht ob wir das Thema schon mal hatten, aber ich LIEBE Simons Cat :)

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Jun 01, 2019 12:19 pm

Unabhängig von den Plänen für die Therapie bin ich mittlerweile angekommen, zurück und ja auch das Chaos ist zurück und ja ich habe Lücken und wenn ich mich hier umsehe und mir das alles vor Augen führe ist es sehr schwer sich nicht minderwertig zu fühlen, oder wie ein Versager, oder als wäre alles Zeitverschwendung gewesen....

Ich brauche Struktur von außen, alleine schaffe ich es nicht. Es sieht hier wieder aus wie Kraut und Rüben, ich habe in den jetzt fast eineinhalb Wochen einmal gebadet und auch wenn Dr.R will dass ich auf manches achte (wie meine Schrift, was total unsinnig ist, weil ich möglichst NICHT von Hand schreibe) naja nun ich will auf das alles nicht achten.

Dauerhaft Klinik nicht, irgendeine betreute Wohnform will ich auch nicht. Es bleibt mindestens so wie es jetzt ist. Meine Wohnung bleibt!

Montag geht es wieder zur Arbeit, zwar noch Wiedereingliederung, aber ich freue mich schon endlich wieder an der Arbeit zu sein, aber vor allem ENDLICH wieder etwas sinnvolles tun und dadurch zumindest einen Teil des Tages gut hinter mich zu bringen.

Habe mit meiner Mutter geredet und sie würde für mich mit kochen, wenn ich wieder fest arbeite. Klingt jetzt vielleicht nach nix besonderem, aber das anzusprechen bei ihr, direkt, ohne Umschweife ein Problem ansprechen und um Hilfe zu bitten... das war schwer.

Da sind aber noch mehr Dinge die zumindest noch eine Weile wohl nicht so einfach funktionieren, bzw. gar nicht. :( Für die Anträge brauche ich jemand der mir in den Arsch tritt, der darauf achtet dass ich sie ausfülle und vor allem dass ich sie wegschicke. Die Wohnung, Medikamente, ich (was das unangenehmste ist, weil da eben auch die "duschen geht nicht" Dinge dazu gehören und die Lücken) das sind alles Baustellen bei denen ich Hilfe brauche.

Mir war vor der Klinik schon klar dass das dort gar nicht alles aufgelöst werden kann, das wäre selbst ohne drei Wochen "Ankommen" nicht möglich gewesen, denke ich.
Was möglich war, habe ich getan. Es zum Thema machen. Ja das war erst mal schriftlich und dann habe ich sehr viel Zeit verstreichen lassen, aber zum Schluss habe ich es auch angesprochen.
Das ist nicht nichts und auch nicht wenig. Das ist das was ging.


Ich wäre gerade gern jünger, oder unfähiger... es soll mir aus der Hand genommen werden... aber das würde ich nicht ertragen ehrlich gesagt und es wäre ein Rückschritt... ich mache das selber.

Ich kann so vieles nicht mehr allein, oder nur unter enormen Stress und mit vielen Einschränkungen... das soll sich nicht noch mehr ausweiten.


Ehrlich gesagt finde ich es gerade schwer genug das so zu sehen und zu schreiben.

So richtig gut geht's mir damit nicht :(

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Jun 01, 2019 5:21 pm

Weil ich von dem Thema gern weiter weg kommen möchte und es gerade auch bin... Vielleicht wird's doch nur ein Platzhalter. Ich weiß nach wie vor nicht so recht wie ich da in Worte fassen soll, ohne zu vergleichen und auch nicht ohne zu bewerten. Das Thema ist nicht neutral und ich bin es auch nicht.

Und ich habe zu viel Zeit, ganz offensichtlich zu viel Zeit. Den ganzen Tag am herumgrübeln wie ich das in Worte fassen kann.

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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Sa Jun 01, 2019 6:00 pm

Ist denn nicht auch sinnvoll, was du in deiner Wohnung für dich tust?
Ich mache mir für vieles Listen, weil ich es sonst vergesse. Die Arbeit, die ich erledigt habe, hake ich ab. Meistens ist es abends dann doch mehr, als es sich angefühlt hat.
Du könntest auch aufschreiben, was du kannst. Z. B. kreative Lösungen finden wie das Schlafen auf dem Boden. Für Bewohner sorgen. Dinge hier für andere liebevoll und kritisch formulieren.
Dir fällt bestimmt noch mehr ein.
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Jun 01, 2019 6:35 pm

Hallo Aufatmende,
ja schon, aber das füllt den Tag nicht, bzw. mir ist das zu wenig. Außerdem fällt es mir schwer diese Dinge als (einzigen) Lebensinhalt positiv zu sehen. Da rutsche ich ins abwerten, oder in Gedanken zu Sinnlosigkeit. Und ganz unabhängig davon brauche ich ein Einkommen um mir die Katzen und die Wohnung so behalten zu können.

Ich brauche unheimlich viel Zeit um manches zu machen, oder zu kompensieren. Ich will aber nicht dass das mein einziger Lebensinhalt ist. Das am Abend als positiv zu betrachten ist zwar möglich (manchmal) aber ich fühle mich nach einem Arbeitstag, oder wenn ich jemandem helfen konnte, oder so etwas in der Art, deutlich besser.

Wobei du das ja auch geschrieben hast ("für Bewohner sorgen")

Ich möchte einfach dass das bleibt. Jedes mal wenn ich auch nur das Gefühl habe das wird mir streitig gemacht, oder in Frage gestellt, verliere ich den Boden unter den Füßen und beginne zu kämpfen.

So und jetzt versuche ich mal meine Wohnung zu verlassen. Es ist frustrierend dass das hier schon wieder so schwierig ist.
Also alte Strategie rauskramen. Ich soll den Rasen mähen, meint mein Steifvater. Ich finde ja die Bienen brauchen auch Gänseblümchen. Da ich aber auch neuen Lavendel für sie habe und meine Tomate und diverses andere Wasser brauchen (dringend!) wäre das gerade ein hilfreiches "muss"

Ausserdem ging in den letzten eineinhalb Wochen auch einiges ohne "muss" ich war einmal alleine unterwegs, zwar nur kurz und hinterher klatschnass geschwitzt, aber immerhin

Und nachher dann schreiben wie ich das erlebt habe... wie mit mir umgegangen wurde in der Krise und was da hilfreich war und was nicht.

Vielleicht mache ich ja morgen etwas das dem Wetter gerecht wird und Spass macht. Hatte zwei Versuche gestartet etwas zu verabreden, aber dazu gehören ja eben doch dann zwei und wenn der andere nicht will... :(

Schlafen klappt übrigens erstaunlich gut, sogar ohne Boden. Die Katerchen sind sehr hilfreich dabei, die finden Boden anscheinend doof ;)


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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Jun 01, 2019 9:35 pm

Mir geht's besser als vor dem Klinikaufenthalt, vor allem geht es mir aber nicht schlechter. Das liegt denke ich nicht nur an mir, sondern es hat viel damit zu tun wie mit mir umgegangen wurde. Und damit meine ich nicht dass man mir in den Arsch gekrochen ist (manchmal kam mir das fast so vor) sondern dass gerade der Umgang mit Suizidalität ein sehr professioneller war.

Suizidalität ist eben nicht grundsätzlich ein Schrei nach Aufmerksamkeit, oder eine kleine Sache, die man mal so eben durch eine kleine Übung in den Griff bekommt.
Es sollte Ernst genommen werden und das grundsätzlich.

In der hochgelobten HM äußerte ich suizidale Gedanken und dass mir das Angst macht. Ergebnis war ein Gespräch mit der Schwester die gerade Dienst hatte. Ja der Rahmen war gut, wir gingen in einen extra Raum und ja sie war sehr bemüht und wir machten eine Imaginationsübung und ja ich glaubte ihr als sie meinte das wäre etwas altes, ich würde das ja kennen und könne damit umgehen.

Letztendlich ging ich dann, wie geplant zum Einkaufen. Auf dem Rückweg bin ich dann fast vor die Bahn gesprungen die da kam. Das hat mich so geschockt dass ich danach in den nächsten Busch gekotzt habe.

Ich konnte NICHT damit umgehen!

Danach und ja das kann man mir vorwerfen ging ich nicht nochmal zu der Schwester.
Meine Konsequenz war dass ich das Gebäude nur noch verließ um zu Therapien zu gehen und das Gelände gar nicht mehr.

Das Thema blieb. Ich holte mir nachts bei dem einen Pfleger ein Stethoskop. Er fragte wofür und ich erklärte dass ich Angst habe, schon meinen Puls gefühlt habe, meinen Atem beobachtet, aber dass da noch immer Unsicherheit ist. Mit ihm konnte ich tatsächlich so Sachen wie "inneres Kind" sagen... nun, ich wollte meinen Herzschlag hören, um sagen zu können "schau du lebst"
Wir hatten ein längeres Gespräch in der Nacht. Er hat eine Tochter, aber das Alter passte nicht... dennoch fragte ich was dreijährige von Tod und sterben überhaupt verstehen und wissen.

Nichts davon landete überhaupt in der Dokumentation.


Gegen Ende wollte ich einfach nur schlafen in der einen Nacht, keine Gedanken kein Drängen... ich weinte in der Stationsküche, weinte bei der Schwester die mich da einsammelte weiter... bat um ein Medikament, irgendwas dass mich "abschießt" ich wollte nur schlafen, nicht denken...
ich durfte im Stationszimmer bleiben, sie rief bei Arzt an, der keine Zeit hatte.. später dann zurück rief...

letztendlich bekam ich ein Medikament, ohne Arztkontakt.

Beim Abschlussgespräch, das so kalt und abweisend war. Vorbei, einfach vorbei, wiederkommen ausgeschlossen... nun ok, das ist eine Sache, aber ich hatte Angst vorm nach Hause fahren generell. Denn da wartete ja nichts, keine Anbindung, keine Thera und ich hatte diese Gedanken, die mir nach wie vor Angst machten. Trotz Vorbereitung. Ich hatte Termine vereinbart und dafür gesorgt dass die Katzen daheim sind.... aber ich hatte trotzdem Angst. Angst vor mir selber... Und ja ich kenne das, aber eben auch ja, ich hatte zwei Suizidversuche, die auf der Intensivstation endeten. Also sagte ich es, im Abschlussgespräch... und sie wirkte überrascht, Dr.dM als wisse sie davon nichts. Kurze Stille und wieder dieses auf den Boden schauen. Dann, fast schon beiläufig, "wenn die Gedanken schlimmer werden können sie ja in die Psychiatrie"


Das ganze war kein Aufmerksamkeitsgehasche, das war nicht um bleiben zu können. Der ganze scheiß endete daheim ja damit dass ich meine Katzen umbringen wollte, damit sie nicht allein zurück bleiben und ich bin nachts zu der Brücke gefahren um mir das anzuschauen.

Ich verstehe es ja selber nicht... diese Angst vor mir selber. Denn ich will das ja gar nicht und wollte es da wohl auch nicht. Es ist wie aufgepfropft, ein wenig fremd. Vielleicht Zwangsgedanken, was weiß ich...

Angst dann und so viel ICH. Ich wie ich eben bin. Planen... Daheim sind seit dem ausreichend Tabletten und auch noch die Tropfen beiseite gestellt. Denn ich hatte so scheußliche Angst oben auf der Brücke, dass das nur mit Medis geht. Geld abheben für die Katzen vorher.... solche Sachen... weil umbringen kann ich sie nicht. Ins Fell geheult habe ich R. nachdem er anfing zu schnurren als ich die Hände um seinen Hals gelegt hatte.
Sämtliche Kontakte abgebrochen die ich damit nicht in Verbindung haben wollte. Dr.K, die Beraterin und die ins Auge gefasste neue Thera Dr.D überall gesagt dass ich einfach meine Ruhe will. Ich wollte nicht dass es hinterher heißt "warum wurde nichts unternommen" oder so. Niemand sollte für mich verantwortlich sein, wenn ich gegen jede Absprache verstoße...

Letztendlich, weil es wohl doch etwas fremdes ist, oder ich doch zu sehr leben will, oder einfach ein Angsthase bin.... nun, ich entschied mich fürs Leben. Innerlich beruhigt durch eine At Absprache, dass es ja eine Option bleibt, aber erstmal schauen ob Leben nicht doch geht... Quasi: SO wird nicht weitergelebt, aber das muss nicht unbedingt gleich sterben bedeuten.

Zurück zu Dr.K und der Beraterin und auch Dr.D UND auf die Suche nach Traumatherapeuten in der Nähe (weil Dr.D gesagt hatte sie nimmt mich zwar empfiehlt aber jemand mit mehr Erfahrung) Und so dann letztendlich zu Dr.R


ja und die hat schon in Stunde eins Suizidalität abgefragt und wollte mich direkt in die Klinik fahren weil ich es nicht verneint habe. Denn ich war (und bin?) eben nicht sicher im Leben verankert gerade. Ich sagte es gibt keine Handlungstendenz, sondern eben diese -SO lebe ich nicht ewig- Absprache mit mir und auch dass es bei Dr.K bekannt ist usw.


Bis ich dann endlich bereit war für Klinik verging ja einige Zeit und ich finde in der Zeit entfernte ich mich (wenn auch mm weise) von der Suizidalität. Irgendwie war du ist da ja Hoffnung dass es besser wird/werden kann.


In der neuen Klinik war Suizidalität von Anfang an Thema. Sie versicherten sich mehrfach in der ersten Woche bei mir wie das ist und auch wie das in der HM war. Man befürchtete ich würde nichts sagen. ich machte deutlich dass ich mich melde, es dann aber kein Theater oder Aufmerksamkeitsspeil ist, sondern ich mich melde wenn ich mit mir selber nicht mehr klar komme (so meine Erfahrung von damals, also ganz damals bei Dr.K noch und dann eben auch in der HM)

Es wurde geklärt dass die Klinik für akute Suizidalität nicht der richtige Platz ist (ja wusste ich) und ich machte deutlich dass ich im Fall des Falles NICHT in die eine Klinik gebracht werden will, weil das im weiteren Sinn mein Arbeitgeber ist und das mal echt gar nicht geht... nun, es gibt ja mehr als nur eine und so war das Thema dann vom Tisch. Es war tatsächlich vom Tisch, denn ich war nicht suizidal. Abgefragt wurde es immer mal, aber da war nichts.


Was da genau hinter meiner Suizidalität steckt weiß ich noch nicht genau. Es gibt mehrere Ebenen glaube ich. Denn was da in der HM hochkam war meiner Meinung nach eher die Angst von mir als dreijährige die nicht weiß was sterben ist, aber fast erstickt wurde und eben doch wohl weiß was das ist...???? Das gekoppelt mit der allegemein schlechten Situation, dazu die Zeitlücken, bzw. damals eben eher das in einem Gang stehen und nicht wissen wie ich da hingekommen war, das einnässen... nun das alles machte wohl so unsicher... das was auch immer sich da fest setzte und tot sein wollen/müssen die einzige Lösung war. Das alles aber irgendwie fremd, denn ich hatte ja Angst davor... kompliziert....


Nun, es scheint aber eben auch Trigger zu geben.

In der neuen Klinik bin ich ca zwei Wochen vor Entlassung, abends spontan woanders hin gelaufen. Nicht wie immer zu dem einen Laden, sondern gezielt zu einem anderen, den es hier bei mir daheim auch gibt. Das war der Gedanke dahinter, schauen ob das auch geht. Da war ich nur noch nie gewesen. Letztendlich führte der Weg an der dicht befahrenen Straße entlang und das über eine längere Strecke.
Da hatte ich den Impuls einfach einen Schritt nach rechts zu gehen. Einfach sterben...
Auch fremd, bzw. ich habe mich so davor erschreckt... das war schlimm und machte Angst.

Nun, der Laden tat sein übriges, mir ging es da nicht gut... der Rückweg war eine Mischung aus dem Versuch nicht in Panik, oder heulend zusammen zu brechen, mich vom Straßenrand fern halten und dissoziieren....

Letztendlich kam ich zurück, verschwand erst mal in meinem Zimmer und hockte mich, mit Decke in die Ecke.

Der erste Versuch es zu sagen schlug fehl. Ich bin zwar nach vorne, aber mich verließ irgendwie der Mut es zu sagen... (ja ich weiß das ist Mist gewesen)

Der Rest der Woche war dann durch die Vorbereitung aufs Elterngespräch geprägt. Da war daS tatsächlich kein Thema mehr für mich. Ich war mit dem Klinikalltag und eben den Vorbereitungen beschäftigt.

Freitag Nacht aber wurde mir bewusst dass mein Geburtstag vor der Tür steht und der ist ja seit fünf Jahren schwierig. Dazu dann dieses "in der Klinik sein" und dass zwei Mitpatienten vor längerer zeit herausgefunden hatten dass ich bald Geburtstag habe und ich hatte gesagt wann... nun, ich "befürchtete" dass es nicht einfach ungesehen vorbei geht... und da kam wieder die Erinnerung an die Straße... dazu die von der Brücke... R. Hals in meinen Händen.... ich auf der Intensivstation, damals intubiert aufgewacht, mit dem Gefühl zu ersticken.... ich in der Wanne und überall Hände, Arme, beine, Wasser... ersticken, sterben krampfen...Gedanken an mein -so wenig können- Angst vor Jobverlust... Schmerzen im ganzen Körper, vor allem aber in den Händen, Armen und Beinen....

Sterben als Lösung für die Angst vorm sterben...

Und das alles ging nicht wieder weg... in der Nacht nicht und auch am nächsten Tag nicht...


Und da ging ich dann... abends zur Schwester.... und über den Umweg Schmerztablette (denn mir tat wirklich alles weh und ich wollte erstmal das weg bekommen) nun ich sagte dass ich suizidale Gedanken habe....

Und die Schwester hat nicht an mir rumgedoktert, sondern sie rief die diensthabende Ärztin dazu.
Gespräch mit ihr im Nebenraum. Und dann das sie die Oberärztin dazu holt. Das machte mir erst mal tierisch Angst, es war schon nacht und ich konnte bis zum Schluss die in der HM geschürte Angst vor Oberarztkontakt.... nun ich sah mich auch schon in der Psychiatrie...

Letztendlich ging die Ärztin mit mir in die Sitzgruppe auf Station, weil da noch meine Sachen lagen. Dann ging sie mit mir in mein Zimmer um das Zeug dahinzubringen und ich konnte etwas davon mit nach vorne nehmen, vor das Stationszimmer wo ich warten sollte, wenn das ok ist (denn im Stationszimmer war gerade Nachtmediandrang) und ja das war für mich in Ordnung (ehrlich gesagt wollte ich am liebsten im Boden versinken, wegen dem ganzen Aufwand und der Aufmerksamkeit.... nun ich hatte etwas vergessen im Zimmer und sie (die Ärztin!) wäre NOCHMAL mit mir ins Zimmer um das zu holen. Da sagte ich aber es geht auch so.

Zehn Minuten später war die OÄ da. Und ich hatte so ein Glück, dass MEINE Dienst hatte.

Längeres Gespräch, mich fragen, absichern... mich erzählen lassen.... nachfragen...

Letztendlich war es ebenso Glück dass ich nach wie vor auf der besonderen Station mein Zimmer hatte. Denn sonst hätte ich mein Zimmer räumen müssen, um auf die Station verlegt zu werden. Wäre ich nicht klar von eine Handlungstendenz distanziert gewesen wäre ich auch postwendend in die Psychiatrie überwiesen worden.

Nun letztendlich blieb ich in meinem Zimmer, wo ich ja ohnehin schon war. Allerdings wieder mit drei Rundgängen nachts und einem mich dreimal am Tag melden müssen und da achteten die Schwestern sehr drauf. Ich bekam Zeit und mit den ganzen Dingen die sich da nun so zeigten (zum Beispiel das auf dem Boden schlafen) ging man sehr sensibel um.

Es gab Gespräche mit der Pflege, aber bei Suizidalität eben dann auch DIREKT den diensthabenden Arzt. Ich redete mit meiner Thera und auch nochmal mit der OÄ.




Ich habe mich sicher gefühlt. Selbst die Rundgänge nachts, die in der zweiten Woche ein absoluter Stressfaktor waren, konnte ich als Fürsorge und hilfreich annehmen. Ja und auch die fünf Visiten in der Woche... Durch diese äussere Sicherheit und den dann hinter mich gebrachten Geburtstag (damit ging die OÄ und auch eine Schwester übrigens auch total sensibel um) nun ich fing mich.... irgendwann war es vorbei...


DAS war hilfreich. Durch die Krise begleitet werden, Ernst genommen werden, sowohl in meiner Angst, aber eben auch im "ich melde mich" Versprechen.

Und ja es war mir möglich einen Blick auf das zu werfen was da passiert. Es ist nicht nur ich mit drei und eigentlich Angst vorm sterben, oder ich ab 30 unzufrieden mit dem Leben, da ist auch ich mit neun und dem Wunsch tot zu sein. Vielleicht ist da noch mehr und so ganz sind mir die Zusammenhänge nicht klar, oder die Dynamik die sich da entwickelt hat.... aber ich bin NICHT Suizidal entlassen worden, man half mir da durch und jetzt möchte ich mir das mit Dr.R anschauen, damit es nicht mehr so sein muss. Ich möchte schauen was es braucht dass ich da schneller raus komme, oder e gar nicht erst soweit kommt.


Ach ja und ich finde der Umgang in der neuen Klinik war professioneller und zugleich viel zugewandter als in der HM. In KRISEN wurde immer der Therapeut einbezogen und dann auch die Oberärztin (auch bei deutlich weniger brisanten Themen) wenn Nacht, oder Wochenende war, wurde der Arzt gerufen, oder aber der Therapeut (es ist 24 Stunden lang mindestens ein Arzt und ein Therapeut anwesend) und wie man sieht eben auch der entsprechende Oberarzt, wenn nötig.


Gott was hatte ich Angst... aber ganz ehrlich? Rückwirkend betrachtet erwarte ich so eine Behandlung in einer Klinik und finde das genau richtig gehandelt wurde.


Ich war zweimal auf der Intensivstation und seit der HM weiß ich (wieder) wie sich sterben anfühlt, wie sich ersticken anfühlt... wie schlimm das ist... ich habe große Angst vorm sterben und warum auch immer such ich die Lösung im Tod, oder irgendwas in mir.... also es kann schief gehen, wenn man etwas nicht ernst nimmt. Manchmal ist man selbst nicht in der Lage sich zu schützen, oder das Hoffnungslose ist zu groß um das Gelände zum Beispiel nicht zur verlassen... und in solchen Momenten, wenn man sich Hilfe sucht, sollte man sie bekommen.

SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

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