Genau jetzt

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~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 23, 2019 11:13 pm

Danke euch, fürs immer wieder schreiben. Bin schon ganz beschämt, weil ich selbst derzeit so fast nur bei mir bin :oops:

Der Tag fing gut an, den Katern sei dank, die ihren ABlauf eben einfach noch immer drauf haben und durchsetzen :)
Mein Stimmungstief und die Hoffnungslosigkeit, alles ist so schwer und überhaupt war ja irgendwie abzusehen. Zweieinhalb Monate vollversorgt, gut verpackt und betreut ist eben etwas ganz anderes als hier daheim allein.

Der Hausarztbesuch verlief gut und hinterher an der Arbeit lief es noch besser. Da gehöre ich hin und will ich sein :) Die Wiedereingliederung ist geplant und es klingt gut. Meinen Dienstplan für den restlichen Juni habe ich auch. Das fühlt sich gut an, steht alles schon im Handy und ich habe nur wenige Tage, mit vielen Lücken dazwischen. Softstart :)

Zahnarzt ging auch und richtig gut, sogar. Ich war viel, viel ruhiger... Atemübungen reichten aus um ruhig zu bleiben und das Rätselschloss unter der Decke lenkte ab. Nur der Zahnan sich macht Ärger... Hartnäckige Entzündung, seit Anfang des Jahres... trotz Wurzelbehandlung noch "Schmerzen" wenn er drin rum popelt und eben noch immer Sekret... Nun denn...

Ich war sogar einkaufen. Zwar "nur" Blumen, denn beim Gedanken an den Lebensmittelladen wurde ich schon unentspannt. Aber hey, BLUMEN!


Da wurde mir klar, dass meine Vorsätze und Pläne ja gar nicht vorsahen dass sofort alles super sein muss. Ich muss nicht alles sofort schaffen. HILFE annehmen hatte ich mir vorgenommen. Also machte ich was ging und das steht jetzt draußen auf der Terasse. Denn, daheim ging dann nix mehr, außer erschöpft sein. Einpflanzen steht also morgen an, nachdem ich MIT JEMAND zusammen einkaufen gewesen sein werde. Hilfe annehmen!


Ich war vorhin dann noch bei meiner Mutter, irgendwie hatte ich vergessen, oder was auc immer... auf jeden Fall hätte ich zum Abendessen da sein sollen, war es aber nicht... bin dann nach kurzem Schriftwechsel am Handy noch hin und es war schön. Ich überlge sogar zu fragen ob ich ihr nicht einfach Geld geben kann die nächste Zeit und ich da mitesse. Zumindest manchmal, oder so... mal sehen.

Konnte ihr auch von den Anträgen erzählen und ich soll sie mitbringen.


Der erste echte Tag daheim war jetzt also glaube ich doch keine Katastrophe.

SH
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Maya
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Maya » Fr Mai 24, 2019 12:15 am

Und hey, Blumen sind wirklich was! Sagst du so ironisch.

Aufatmende
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Fr Mai 24, 2019 6:19 am

Das liest sich soooo anders als vor der Klinik. Das klingt nach Hoffnung und Zukunft.
Rückfälle sind Vorfälle!

aoi
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Re: Genau jetzt

Beitrag von aoi » Fr Mai 24, 2019 6:16 pm

Hallo liebe SH;

schön, dass du wieder da bist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Ankommen zu Hause sehr schwer ist. Du musst ja nicht alles auf einmal erledigen. Gib dir Zeit und arbeite die für dich wichtigen Dinge zuerst ab. Der Rest kann warten. Es ist doch toll, wie dich deine Kater empfangen haben! Das freut mich für dich!

Btw: Was ist denn Mangobier? :)

WoW! Du warst schon wieder auf der Arbeit?! Das ist doch ein großer Schritt! Und es klingt gut, dass es dich so sehr freut und du dich dort gut aufgehoben fühlst.

Es ist toll, dass du dir Hilfe holen kannst :) Das Gespräch mit deiner Mutter scheint einiges bewirkt zu haben. Das klingt ebenfalls positiv. Freut mich, dass ihr gemeinsam Essen konntet. Wie ging es dir damit?

Ich finde es total stark von dir wie du deinen ersten Tag gemeistert hast. Da kannst du stolz auf dich sein!

Freu mich dich wieder zu lesen.
Bis bald
Aoí


PS: Mach weiter so :) :) :)

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Mai 27, 2019 7:59 am

Hallo Aoí
aoi hat geschrieben:
Fr Mai 24, 2019 6:16 pm
Btw: Was ist denn Mangobier? :)
Es ist Maracuja Bier, das ist ein fertiger Biermix. Schmeckt eiskalt ganz gut, finde ich.


Manches habe ich in den Jahren, ohne viel Drama, oder sonstigen Trara abgelegt. Mein NICHTS, ja GARNIX trinken zum Beispiel. Nach wie vor habe ich mit manchen betrunkenen Menschen Probleme und was mich betrifft ziemlich strenge Prinzipien, aber manchmal, ja manchmal gönne ich mir sowas :)


So langsam bin ich daheim angekommen, was ich aber viel besser finde ist, dass ich aus der Klinik weg bin. Das zu erklären ist schwer, aber vorletztes Jahr bin ich ja, verfrüht, labil und wer weiß was alles entlassen worden, aus dieser Klinik, mit dem ach so guten Ruf... verabschieden ging bei manchen nicht, wäre aber gegangen wäre ich wie geplant bis zum 29. geblieben... so kam es damals, dass ich Mittwochs entlassen wurde und Sonntags wieder dorthin fuhr... in den Gottesdienst, zu Frau Wolle, Herrn Perle... zu der Nachtschwester... den Gelände, dem ganzen. Es blieb nicht das erste Mal und noch immer tut es weh und zieht mich dorthin. Nicht abgeschlossen...

Nun, mich zog am Wochenende nichts in die neue Klinik.. Ja, es sind Mitpatienten da, die ich mag und eine hat sich das sogar gewünscht... und ja, ich würde gern die ein oder andere Schwester sehen, oder so.... Das alles drängt aber nicht, oder tut weh. Es ist eher wie ein Echo, in mir drin.

Ich hatte einen guten Abschluss dort. Viel, sehr, sehr viel positives Feedback, so dass ich, wie so oft in dem Aufenthalt geweint habe. Ein Geschenk mit auf den Weg, viele liebe Wünsche und Umarmungen dazu. Manchem noch meine Nummer gegeben, nur falls Interesse besteht, kein muss. Manches hält nur während des Aufenthalts und das ist in Ordnung so. Das Leben geht weiter.

Die OÄ kam nochmal, gab mir meine Unterlagen zurück, das geschriebene, meine Geschichte... für einen weiteren Aufenthalt wäre es evtl. sinnvoll es wieder mitzubringen, meinte sie (ja) ich schenkte ihr etwas und ich glaube sie hat sich gefreut. Zuvor ein längeres Gespräch mit der Thera da. Weiterer Aufenthalt war auch da Thema und auch, was mir ehrlich gesagt gut tat, dass sie mich gerne wiedersehen würde. Weiß nicht mehr genau wie der Satz von ihr war. Aber, eben dass da auch Sympathie war und eben ein wiedersehen schön wäre... und ja, das wäre es wohl. Ich mag das aber nicht planen, will, wenn dann bei Bedarf wieder da hin. Nur, bedeutet dass wohl, dass sie vielleicht nicht mehr da sein wird. Ist ja noch nicht ganz fertig, muss im Rahmen der Ausbildung noch woanders hin. Infos, an mich und ich schätze das. Wie lange sie auf jeden Fall noch da ist sagte sie.
Tja, da fällt NICHT planen dann doch schwer ;)

Wenn es so sein soll, dann soll es so sein. Das wird sich aber erst zeigen wenn es soweit ist.

Ich habe so viel im Kopf von den letzten beiden Tagen, nur ist das alles ein wenig durcheinander. Ein Gespräch mit der OÄ einen Tag vor Abreise, wo ich vieles nochmal sagen konnte, sie manches auch interessant fand, denke ich. Meine Symptome, bzw. meine Gedanken dazu...

Ein Gespräch mit der einen Ärztin noch, die meine letzte Krise dort mit begleitet hat. Auch da, war Thema ob ich wiederkomme und ein sie bleibt noch ganz lange als Info und dass sie sich freuen würde.

Die eine Schwester, bei der mein erster Eindruck soooo falsch war. Sie war so hilfreich und mega sensibel für Emotionen und hatte gute Ideen... und konnte am Ende eben auch sehr gut aushalten, dass ich traurig war. Dieses traurig sein war oft Thema in der letzten Woche. Dieses, zwar gern nach Hause gehen, aber ungern dort weg wollen. Abschiedsschmerz eben. Den hielt sie aus, ohne große Worte, ohne relativieren, ohne Ablenken.... aushalten und mich da durch begleiten.
Wobei doch einen Satz gab es, der so weh gut tat. Gibt es eigentlich ein Wort für "weh-gut"? nun sie sagte, dass manche Patienten in Erinnerung blieben, in guter und dass man immer mal an sie denkt und dass ich so jemand bin.

Oh man, da fängt es gleich an zu tropfen.


Ein Herzensmensch sei ich, meinen Humor soll ich auf jeden Fall behalten, dass ich vieles erreicht hätte... dass ich wiederkommen kann... ich hörte von so vielen Menschen dort, so enorm viel gutes.

Von nahezu jedem der mir wichtig war konnte ich mich persönlich verabschieden.


Ich höre jetzt erst mal auf. Bisschen viel...


weh-gut eben


SH
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~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Mai 27, 2019 8:27 am

Ach ja, doch eins geht noch, denke ich. Ich konnte ein wenig hohe Mark dort lassen. Etwas symbolisches, denke ich.

In der HM gabs ja diese komischen Anmeldetage, Wartelisten und (in meinen Augen) Bevorzugung von langjährigen Patienten. Das führte ja dazu, dass ich ganze zweimal Maltherapie hatte. Nun, ich kann nicht malen, aber das dort tat gut (die Kreativtherapien dort waren tatsächlich gut, freier als in der jetzigen Klinik, dennoch... bin ich grummelig wenn ich daran denke) nun, die Thera dort hatte mir im Abschlussgespräch gesagt, ich solle das weitermachen... das malen... sie sagte auch dass sie Patienten bittet, ihr Himmel zu malen, weil ihr Büro so Kellerartig sei... sie bat mich nicht, sagte nur dass sie Patienten darum bittet. Da fühlte ich mich ja schon wie ein ungewolltes Übel, wie ein Kaugummi am Schuh, wie etwas das weg soll, dabei wäre ich auch gern ein Patient gewesen den sie darum bittet :( (Ja, Grummeln begleitet die Erinnerungen an die HM noch immer)

Nun, ich kaufte in der Woche nach Entlassung ein komplettes Set. Einen Block, Kreiden, Acryl-Farbe, Pinsel und auch zwei klitzekleine Staffeleien, mit Leinwand. Ich wollte ihr einen Himmel mit Wolken darauf malen und einen Nachthimmel voller Sterne...

Letztendlich lag das ganze hier herum. Ungenutzt. Immer mal rausgeräumt und mit Gram, oder Tränen in den Augen wieder weg gepackt.
Letztendlich wanderte alles und das eben nach wie vor sogar eingeschweißt in der Originalverpackung mit in die neue Klinik.

Am letzten Abend schenkte ich das ganze Set und noch ein paar Dinge mehr einem Mitpatienten. Manche Menschen haben es schwerer als andere, manche haben so wenig und geben so viel. Dieser Patient hatte ein Geschenk mehr als verdient. Ich bekam ein Bild zum Abschied. Gemalt mit den Kreiden aus dem Set.


Lange rede kurzer Sinn, ich habe ein bisschen HM dort lassen können, ENDLICH hinter mir lassen können.

Außerdem kann ich ohnehin nicht malen ;)

SH
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Gastacht

Re: Genau jetzt

Beitrag von Gastacht » Mo Mai 27, 2019 8:42 am

Wow sh das klingt total schön.
Verpack das sehr gut im Herzen. Schreib es dir evtl auf für eine skills box für dunkle Tage.
Ich bin so froh dass auf der Klinik waage nun wieder viel auf der positiv Seite liegt.
Und ich Stimme den Leuten da zu. Vehement. :wink:
Guten Wochenstart
Gastacht
Ps und tu mir einen gefallen und plane!!! :mrgreen:

Imagica
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Mo Mai 27, 2019 9:51 pm

Liebe SH,

ich mußte ein bißchen grinsen als ich Deine Texte las. Du machst das genauso wie ich (oder ich wie Du, oder wie auch immer, auf jeden Fall kommts mir bekannt vor). Ich versuche nämlich immer (zeitweise auch total unbewußt), negative Dinge/Erlebnisse auszugleichen, indem ich sie im hier und jetzt abändere, bis es was Positives wird. Bestes Beispiel bei mir ist da Weihnachten. In meiner Kindheit war das immer Streß pur, Streit und warten warten warten. Wir Kinder durften dem Baum nicht zu nahe kommen, weil da immer echte Kerzen dran brannten. Dauernd mußte man dahinstarren und aufpassen daß es nicht anfing zu brennen, man durfte den Baum nie aus den Augen lassen. Dann gabs die Bescherung immer abends spät erst, und direkt wenn Geschenk ausgepackt war, mußten wir ins Bett. Damit spielen war nicht. Erst am nächsten Tag war das erlaubt. Außerdem mußten wir uns schrecklich langweilige Weihnachtsmusik stundenlang anhören. Heutzutage hör ich meine Toten Hosen Weihnachts-CD, die ist zum lachen :D
Heutzutage gibts eine Lichterkette, der Baum wird von mir und den Kindern am Tag vorher geschmückt und die Bescherung ist gleich morgens, damit sie ganz viel Zeit haben, mit ihren Sachen zu spielen. Ich nehme mir viel Zeit, damit ich MIT ihnen spielen kann. Mit mir hat nie Jemand gespielt. So gleiche ich es zwar größtenteils für meine Kinder aus, aber das hilft mir auch. Jetzt ist es ein schönes Fest.
Aber so mache ich das bei allem. Und daß Du das Malset jetzt verschenkt hast, klingt jetzt nach genau so einem Ausgleich. Find ich gut!

Ich weiß nicht, ob es ein Wort für "weh-gut" gibt, aber ich verstehe auf jeden Fall was Du meinst :-)

Liebe Grüße,

Imagica

bloß ich
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Re: Genau jetzt

Beitrag von bloß ich » Mo Mai 27, 2019 11:01 pm

Mir fällt zu dem Wort weh-gut, berührt sein ein. Ich weiß nicht, ob das für dich auch passt, aber ich wollte es dir gern da lassen. Ich lese hier immer mit und finde es eine richtig schöne, warme Erfahrung für dich, die du da in der Klinik machen könntest.

Liebe Grüße
bloß ich

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Mai 27, 2019 11:43 pm

Das klingt richtig schön Imagica. So detailliert hatte ich euer Weihnachten nicht mehr in Erinnerung.

Und ja, da sind wir uns wohl sehr ähnlich. Es heute schön machen, hat finde ich tatsächlich eine wohltuende und ja, ich denke auch in gewissem Maß eine heilende Wirkung.

Langfristig wird es aber leider notwendig sein sich die alten Verletzungen im Detail anzuschauen und da Trauerarbeit leisten, oder sowas in der Art. Dem ganzen nähere ich mich ja erst. Es braucht Zeit sich dem überhaupt zu nähern und mir das einzugestehen. Also dass da tiefe Verletzungen sind und dass sie gesehen und behandelt werden wollen/müssen...

Manchmal bedaure ich, dass in der neuen Klinik soooo viel Angebot war. Der Tag war VOLL (hätte es aber nicht sein müssen, man ermahnte mich immer zu sagen wenn etwas zu viel ist ;) ) Ursprünglich wollte ich ja eigenständig ALLES dokumentieren. Damit ich irgendwas in der Hand habe.
Merke gerade wieder, wie unterirdisch meine Erwartungen waren.
Nun, letztendlich war der Tag voll. in den Lücken im Therapieplan, war lediglich umziehen, oder mal durchschnaufen, oder ein Rundgang durch den Park drin. Abends habe ich viel mit Gruppenmitgliedern gemacht. Man wir waren eine tolle Truppe :) Tja und dann kam die Nacht... da habe ich mich mit Bärchenstricken runter reguliert... das aber teilweise stundenlang. Also runter reguliert, dann die erste Baustelle: Bad. wieder runter reguliert.... nächste Baustelle Bett.

Es gelang mir erst gegen Ende des Aufenthalts mir zeitnah Hilfe zu holen, also zur Schwester zu gehen. Meine Nächte waren kurz.

Irgendwann fand ich meinen Rhythmus und hilfreiches drumherum. Letztendlich schlief ich auf dem Boden. Das führte in den letzten knapp vierzehn Tagen zu Irritation. Da war ich nicht nur wegen dem bett auf der "besonderen" Station, sondern fest dort geführt. Sprich, nachts drei Rundgänge und tagsüber fest dreimal melden.
Nun, ich konnte erklären warum ich das mache und zeigen dass es durchaus bequem und warm ist. Keine Strafe mir gegenüber. Die eine Schwester meinte ich würde eine "Höhle" bauen. Das Bild setzte sich im Team wohl fest. Es gefällt mir auch ganz gut, nur ist es aber eigentlich eher ein "Nest" gewesen :)


In meiner zweiten Woche war ich ja schon "geführt" auf der Station. Nach dem ersten Zusammenbruch. Da waren die Rundgänge nachts eine absolute Katastrophe und riesen Stressfaktor für mich. Wir fanden aber Wege und nach einer Woche war es dann ja auch vorbei.
In der letzten Zeit, also vor Entlassung, konnte ich das alles ganz anders sehen, fühlen und für mich annehmen. Es war Fürsorge, es war gut für mich. Ich konnte es als Schutz empfinden.

Es gab Entwicklung :)


Gegen Ende und dann nochmal kurz vor Entlassung redete ich mit der OÄ und auch der Thera über "meine Geschichte", also das aufgeschriebene. Es ist zwar nicht vllständig, aber eben irgendwie doch. Da steht so viel und chronologisc passend. Vieles erklärt mir warum ich so bin wie ich bin. Tja und alles, oder zumindest Teile davon möchte ich mir irgendwann mal genauer anschauen. Genauer als damals mit Dr.K. Damals ging noch nicht so viel, damals ging es um Einordnen, hauptsächlich. Ich glaube aber und das sagte die Thera und die OÄ auch immer wieder... nun ich glaube sie haben das angeregt... Dr.R hier vor dem Aufenthalt auch schon... nun also dass da verletzte "Anteile" sind (mit dem Wort freunde ich mich etwas widerwillig an, aber es passt ganz gut ins Bild, also darf es bleiben) also nun dass es eben darum geht, die gut zu versorgen, VORHER um es sich überhaupt anschauen zu können und in die Tiefe gehen zu können.
Ich selbst habe ja im Kopf, diese Anteile heil zu machen, zu beruhigen. Es mir anschauen, versorgen... "heilen", heil machen... diese Anteile letztendlich schlafen legen, ziehen lassen oder so...

Die Unterlagen wieder mitbringen war Thema und ich sagte dass ich überlege das ganze auch Dr.R zu geben. Das wurde positiv aufgenommen. Sinnvoll wäre es.

Jetzt überlege ich, es tatsächlich am Mittwoch mit zu ihr zu nehmen.

Ihr zu schrieben warum Klinik und besonders DIE Klinik schwer ist für mich war ja sehr gut. Sie verstand einiges, denke ich und ich fühlte mich Ernst genommen.

Dass die OÄ und die Thera meine Geschichte ab der dritten Woche (die Thera hat es aber später erst gelesen, nachdem sie es erst mal der OÄ gegeben hatte) kannten, war positiv für mich. wurde sehr sensibel umgegangen. ICH durfte entscheiden was damit passiert. Es wurde nichts thematisiert, ohne dass ICH es selber angesprochen habe. Die Tatsache dass die, rein sachliche, Info bereits bekannt war (also worüber ich da wortkarg und stammelnd) redete war sehr hilfreich.

Also ja, ich überlege es Dr. R zu geben.

Ich denke und fühle dass sie mindestens ähnlich sensibel damit umgeht.

Tja aber Gedanken mache ich mir eben auch und SH-typisch eben weeeeeeiiiiiiiiit drumherum. Ich überlege dass es ja Zeit in Anspruch nimmt es zu lesen. Also möchte ich vorschlagen früher zu gehen, oder so. Dann überlege ich wann mir das überhaupt passen würde, dass sie es liest. Denn mir ist der Inhalt ja unangenehm. Möchte ich dabei sein? Oder lieber lesen bevor ich komme? Oder nachdem ich gegangen bin?
Will sie das überhaupt lesen? Ist es überhaupt notwendig? Warum will ich das?

Ganz leise im Hintergrund ist Unsicherheit. Die Angst weggeschickt zu werden. DAS ist als erstes dran! Also zu klären und mich absichern, ob es bei ihr weitergeht.

habe mir Gedanken gemacht woran ich meine Unsicherheit fest mache. Nun, ich sollte mich auf Medis einstellen lassen und habe das nicht getan. Ich habe vieles erst spät thematisiert und manches gar nicht.

Das will ich also auf jeden Fall diese Woche ansprechen. Ach ja und ihr sagen dass sie recht behalten hat - "es wird Ihnen gut tun" - ja das hat es.


Mhm, ich habe irgendwie sehr viele Themen. Zu viele wohl für einen Termin.

Danke sagen für das mich hartnäckig in die Klinik schicken
Abklären ob es weiter geht
nach mehr Terminen fragen, also wöchentlich, statt wie bisher 14 tägig
"meine Geschichte" bekannt machen, ihr geben
nochmal klären wie die ambulante Arbeit konkret aussieht bei ihr (ich bin eben doch noch sehr VT geprägt und weiß nicht so recht wie das jetzt mit TP abläuft)
die drei Anträge die ich stellen will zum Thema machen (schauen inwiefern sie mir da helfen kann)
fragen was mit der Puppe geschehen soll (damit ich sie endlich fertig machen kann, bisher lebt sie unvollendet im Karton)
Sagen dass ich Dr.K gerade fürchterlich vermisse


ja, das ist so ein Punkt... ich vermisse sie schrecklich. Nicht permanent, aber die letzten Tage sehr hartnäckig.
Schaue mir ihr Bild an, die Karte von ihr. Bedaure, dass sie es wohl vergessen hat dass wir darüber geredet hatten dass ich eine (neue) Karte zum Abschied bekomme. Merke dann aber dass das kein Groll ist, eher so ein: Ich hätte gern noch mehr einzelnes das hilft mich an sie zu erinnern.

Dieses Quartal ist fast zu Ende, dann geht sie in Rente. Dann ist sie weg. Ganz weg... für immer weg...

Ein evtl. Schlupfloch gibt es. Wobei, nein es ist kein Schlupfloch. Eher etwas das zeigt wie intensiv die Beziehung auch anders herum war. Es zeigt wie verantwortungsbewusst sie ist. Wie gut sie mich kennt. Dass ihr wichtig ist dass Dinge geklärt sind. Es soll mir gut gehen.

Oh man, ich heule...

Dass es schwierig werden wird, hatte ich Dr. R schon ganz zu Anfang gesagt. Dass eben da eine ganz enge intensive Beziehung endet und mir das schwer fällt. Sie würde sich auf die Trauer einstellen, sagte sie. Nun denn....

Also ich hoffe gerade auf sowas wie in der Klinik. Ein begleiten, da sein, aushalten... sowas in der Art.



Und irgendwie sollte die Suizidalität Thema sein. Denn da hat sich glaube ich etwas getan. Mir ist ganz, ganz kurz etwas bewusst geworden. Bzw. da war so eine Art Lichtblitz. Ein kurzes sehen, ohne wirklich erkennen zu können was da ist.

Dazu, also zu dem rein äußeren werde/will ich hier definitiv nochmal was schreiben. Wie DORT damit umgegangen wurde. So rein im Außen. Sicher war es. Leider, leider aber war es mir nicht möglich mich dem Lichtblitz zu nähern. Nur ganz kurz bei der OÄ.

Ich würde das gern im Hinterkopf behalten. Dass da vielleicht doch eine Klärung möglich ist. Eine Heilung vielleicht auch.

Da ist nicht nur das halb tote Eichhörnchenbaby in den S-Krisen. Da ist eine neunjährige (ich) die sterben will, oder muss, oder was auch immer...



Gut, dass ich jetzt drei Termine hintereinander auf jeden Fall wöchentlich bi Dr.R bin.


SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Mai 27, 2019 11:46 pm

bloß ich hat geschrieben:
Mo Mai 27, 2019 11:01 pm
Mir fällt zu dem Wort weh-gut, berührt sein ein. Ich weiß nicht, ob das für dich auch passt, aber ich wollte es dir gern da lassen. Ich lese hier immer mit und finde es eine richtig schöne, warme Erfahrung für dich, die du da in der Klinik machen könntest.

Liebe Grüße
bloß ich
Hat sich gerade überschnitten
Danke bloß ich, fürs Gedanken machen und mit lesen.

"berührt" passt, trifft es aber nicht zu hundert Prozent. Ein wenig Melancholie ist denke ich auch dabei...wer weiß. Vielleicht gibt es eine Bezeichnung. Vielleicht findet sich noch eine die es in vollem Umfang ausdrückt.

Lieben Gruß,
SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Di Mai 28, 2019 9:46 pm

Hi SH,

ja, das sind wohl zu viele Themen für einen Termin, aber Du könntest ja sagen, was Du alles gerne zum Thema machen würdest in nächster Zeit. So muß dann nicht alles in einen Termin passen, aber Du hast es schonmal gesagt und sie weiß dann schon Bescheid. So kann es Dir auch nicht passieren, daß Du dann irgendwann den Mut verlierst, irgendein Thema anzusprechen, weil "angekratzt" ist es dann ja schon. So wie Du sie bisher beschrieben hast, würde sie dann irgendwann von selber danach fragen wenn Du nicht von Dir aus nochmal was dazu sagst.

Ich wollte eigentlich noch was schreiben, aber jetzt ist es weg und fällt mir nicht mehr ein.

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Mi Mai 29, 2019 7:12 am

Ich schreibe meiner Therapeutin viel. Sie hat schon oft gesagt, dass ich ihre Sorge sein lassen soll, wie sie die Zeit dafür abrechnet (Z.B. als kurzen Telefontermin) und dass das Lesen für sie ein Gewinn Ist, weil sie manche meiner Bilder für andere Patientinnen nutzt, die (noch) keine Worte für etwas haben. (Sie hat natürlich gefragt.)
Wir haben auch immer klare Absprachen getroffen. In welchem Zeitraum sie antwortet oder seit sie 2 Kinder hat eben auch mal gar nicht usw.
Vielleicht entlastet dich das?
Ich glaube auch, es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man wie in der Pflege auf eigene Knochen zähneknirschend Überstunden macht und sich Scheiß Arbeitszeiten fügen muss oder ob man wie eine Therapeutin abgesehen von Krankenkassen - Papierkram selbstbestimmt arbeiten kann.
Ich freue mich total für dich, wie geordnet und mutig du schreibst!
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Mai 29, 2019 8:26 am

Imagica hat geschrieben:
Di Mai 28, 2019 9:46 pm
Hi SH,

ja, das sind wohl zu viele Themen für einen Termin, aber Du könntest ja sagen, was Du alles gerne zum Thema machen würdest in nächster Zeit. So muß dann nicht alles in einen Termin passen, aber Du hast es schonmal gesagt und sie weiß dann schon Bescheid. So kann es Dir auch nicht passieren, daß Du dann irgendwann den Mut verlierst, irgendein Thema anzusprechen, weil "angekratzt" ist es dann ja schon. So wie Du sie bisher beschrieben hast, würde sie dann irgendwann von selber danach fragen wenn Du nicht von Dir aus nochmal was dazu sagst.

Ich wollte eigentlich noch was schreiben, aber jetzt ist es weg und fällt mir nicht mehr ein.

Liebe Grüße,
Imagica
Oh ja, viel zu viel :oops: ich werde eine Liste schreiben, jetzt schnell. Damit ich das ganze nicht nur gesagt habe, sondern es zu meinen Unterlagen dazu kommt, also bei ihr in die Akte meine ich.

Als erstes das was Priorität hat. In diesem Fall Beziehungsklärung. Also die Frage ob sie weiter macht mit mir und erzählen was ich eben NICHT gemacht habe in der Klinik und ja (jetzt wird's unangenehm) sie auch nochmal fragen ob sie das alles wirklich nicht wusste und heute anders reagieren würde, oder eben fragen ob sie damals überhaupt alles wusste (war ja nur Vertretung) Jeder war überrascht als ich sagte dass damals beim Elterngespräch eben auch mein Vater da war... sie selbst hatte in einem der letzten Termine etwas gesagt wie dass er selbst eingewiesen gehört hätte, weggesperrt.... tja mitnichten, man hielt es für eine gute Idee dass er zum Elterngespräch kommt...

Das sind Dinge die als erstes dran sind, denn ich kann nicht mit ihr arbeiten wenn das unterschwellig noch da ist. Rein vom Kopf her weiß ich die Antworten schon, aber ich hätte gern eine Bestätigung. Oder eben, wenn es doch andere Antworten sind, ein klären.


Das also zu erst, alles andere als eine Art Liste für später. Nicht unbedingt nacheinander abzuarbeiten, oder so, sondern eher damit es eben nicht "vergessen" wird.

Lieben Gruß SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Mai 29, 2019 8:30 am

Aufatmende hat geschrieben:
Mi Mai 29, 2019 7:12 am
Ich schreibe meiner Therapeutin viel. Sie hat schon oft gesagt, dass ich ihre Sorge sein lassen soll, wie sie die Zeit dafür abrechnet (Z.B. als kurzen Telefontermin) und dass das Lesen für sie ein Gewinn Ist, weil sie manche meiner Bilder für andere Patientinnen nutzt, die (noch) keine Worte für etwas haben. (Sie hat natürlich gefragt.)
Wir haben auch immer klare Absprachen getroffen. In welchem Zeitraum sie antwortet oder seit sie 2 Kinder hat eben auch mal gar nicht usw.
Vielleicht entlastet dich das?
Ich glaube auch, es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man wie in der Pflege auf eigene Knochen zähneknirschend Überstunden macht und sich Scheiß Arbeitszeiten fügen muss oder ob man wie eine Therapeutin abgesehen von Krankenkassen - Papierkram selbstbestimmt arbeiten kann.
Ich freue mich total für dich, wie geordnet und mutig du schreibst!
Danke dir Aufatmende,
nun antworten wird sie (schriftlich) nicht. Schreiben soll ich eigentlich auch nicht. Datenschutzverordnung :roll: Ich habe das ein paar Mal ignoriert, bzw. mich bewusst entschieden dennoch zu schreiben und jeweils war das dann hinterher auch so in Ordnung. Eine Antwort wird es aber denke ich nicht geben. Das ist schade aber in Ordnung.

Fragen ob ich schreiben darf nehme ich mir aber vor. Das würde ich glaube ich gern.

Oh ja und es ist auch ein Himmelweiter Unterschied ob mein Chef selbstverständlich erwartet dass ich dies und jenes zu den du den Zeiten zu schaffen habe und möglichst daheim ständig erreichbar und auf Abruf bereit stehen soll... oder ob ein Bewohner mich bittet etwas zu kaufen dass nicht auf der Einkaufsliste im Heim steht ;)

Lieben Gruß,
SH
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