Worte finden

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Schnappa

Worte finden

Beitrag von Schnappa » Fr Jul 28, 2017 2:04 am

Hallo ihr lieben,

Wie schafft ihr es mit euren Therapeuten/Beratern zu sprechen? Ich finde einfach nicht die richtigen Worte und finde dann total viele Gegenargumente. Bringe dann nichts raus und habe dadurchdas Gefühl nicht weiterzukommen. Ich möchte da ran, aber bekomme es nicht hin.

Gruß, Schnappa

Picasso
Beiträge: 195
Registriert: Do Apr 06, 2017 6:22 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Picasso » Fr Jul 28, 2017 8:39 am

Liebe Schnappa
Ich persönlich habe fast 6 Jahre Therapie gehabt, bevor wir an das eigentliche Thema rangekommen sind. Bzw. war das Thema viel früher schon da, aber ausser meinem Erleben (Schnappatmung, Erstarren, richtiggehende Panikattacken) kam da nichts. Wir haben dann nur beruhigt. Erst jetzt beginne ich Worte zu finden und darüber zu reden.
Ich lese hier immer wieder, dass man eine gewisse Stabilität sicherlich braucht hierzu und auch Vertrauen hat zu der Person mit der man spricht und genau das kann wohl in unseren Fällen Jahre gehen.
Ich weiss nicht, wie weit du mit dem allem bist...

Ich wünsche dir alles Gute!
Picasso

SophiawirdErwachsen
Beiträge: 414
Registriert: Mo Jul 17, 2017 12:05 am

Re: Worte finden

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Fr Jul 28, 2017 10:03 pm

Hallo Schnappa,
ich muss mich da Picasso anschließen...
ich habe insgesamt ca.7Jahre gebraucht bis ich fähig war, das Thema anzugehen...
und erst seit ca. einem Jahr bemerke ich, dass es mir leichter fällt etwas zu erzählen und ich mir nicht schon im Kopf vorm Aussprechen widersprechen muss, sodass nie etwas herauskommt außer Maximal wirres Gestammel und Menschen nur denken ich bin plemplem *:)...

Ich glaub es geht darum sich selbst zu glauben... Je sicherer und klarer du in deiner eigenen Geschichte wirst.. und je mehr du dir selbst Raum gibst, desto besser wird es.
Es ist halt ein harter Weg, zumindest für mich ...

Alles Gute

Benutzeravatar
kleine Bärin
Moderator
Beiträge: 10277
Registriert: So Aug 12, 2007 11:17 pm

Re: Worte finden

Beitrag von kleine Bärin » Fr Jul 28, 2017 10:14 pm

hallo schnappa,

aussprechen ist einfach schwer.
vielleicht kannst du darüber mit der thera sprechen. darüber, dass du
da blockierst. so hab ich das zumindest angefangen und dann haben wir
uns langsam rangetastet. haben geklärt, was ich befürchte, was ich brauche,
um mich sicherer zu fühlen und dann hab ich erste vorsichtige testballons gestartet.

gruß die bärin
for those who fight to light the dark: Bild

Ich habe die Verantwortung für mein Leben und meine Taten.

Izzy
Beiträge: 1300
Registriert: Di Jan 31, 2017 2:53 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Izzy » Fr Jul 28, 2017 11:05 pm

Liebe schnappa,

kann mich hier einreihen ..es braucht viel Zeit und Vertrauen und ganz kleine Schritte um sich sicher zu fühlen. Und ich habe mal gelesen, dass Traumainahalte nicht im Sprachgedächtnis verankert sind und es deswegen auch so eine Art innere Blockade/Unfähigkeit gibt, darüber zu sprechen.
Was meinst du mit Gegenargumenten?
Meinst du so innere Stimmen,die verbieten darüber zu reden oder sagen man ist ja verrückt oder das glaubt die eh nicht?
Kenne das auch, dass ich denke ich möchte da ran und mir dann zu Hause noch recht sicher bin Dinge anzusprechen und dann schwups, Rolladen runter und es geht nicht. Und irgendeinen Grund wird es haben, warum es noch nicht geht..eine Art Schutzfunktion.

Liebe Grüße
Isa

Schnappa

Re: Worte finden

Beitrag von Schnappa » Sa Jul 29, 2017 10:49 am

Hallo ihr Lieben,

wow, mit so vielen Rückmeldungen habe ich gar nicht gerechnet... Danke dafür :)

Ich denke, ich werde das beim nächsten Mal wirklich ansprechen. Ich fühle mich in dem Moment, in dem ich da einfach stumm sitze auch immer richtig blöd. Wie eine Erwartungshaltung, die ich nicht erfülle. Immer wenn wir näher an das Thema kommen, oder ich auch nur die Befürchtung habe, kommt von meiner Seite nichts mehr. Auch manchmal bei wirklich nicht schlimmen Sachen, die ich aber vorm aussprechen schon so weit in meinem Kopf weitergesponnen habe, dass ich denke, dass das zu einem "blöden" Thema führen kann. Muss mir nur noch überlegen, wie ich das genau mache.

@Izzy

Ja genau, ich möchte dann etwas sagen/ansprechen und dann kommen gleich Gedanken wie:
Nein!
Stell dich nicht so an!
So schlimm war das gar nicht!
Was soll sie denken!

Und ich bin dann einfach mehr in meinem Kopf unterwegs und bekomme dann nichts mehr raus. Oder antworte nur noch mit ja und nein.

Alles blöd momentan...

Lieben Gruß, Schnappa

lara64
Beiträge: 2072
Registriert: Sa Mai 12, 2012 2:36 pm

Re: Worte finden

Beitrag von lara64 » Sa Jul 29, 2017 5:23 pm

Hallo schnappa,

es gab doch einfach Gründe, NICHT darüber zu reden/reden zu dürfen.
Das zu würdigen hat hier sehr geholfen.

Und natürlich haben die Täter doch genau das so formuliert..es war doch nicht so schlimm..

Und dann gab und gibt es hier den "Non-verbalen" Zugang wie Bilder/Skulpturen/Gedichte..

ein achtsamen und behutsamen Umgang wünschen wir dir mit deinen Erfahrungen.

Shalom-lara64

Izzy
Beiträge: 1300
Registriert: Di Jan 31, 2017 2:53 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Izzy » So Jul 30, 2017 9:45 pm

Liebe Schnappa,
Wie eine Erwartungshaltung, die ich nicht erfülle.
Eine gute Thera hat keine Erwartungen und nimmt sich die Zeit, die es braucht. Oft sind es dann unsere eigenen hohen Erwartungen.
Meine wiederholt immer mantramäßig "Ich hab Zeit" , wenn irgendwas nicht geht. Und es geht auch ganz viel nicht :roll:
Das abscannen nach Risiko- Themen kenn ich auch ..oder das andere, extra von irrelevanten Themen anfangen bzw. Köder legen, die ums Problem herumschiffen

Die Gedanken die du hast, hab ich auch..jedes Mal. So wie Lara schrieb, es gab gute Gründe darüber nicht zu reden und es ist ein Schutz.

Bei mir ist es fast immer so, dass zu Beginn der Stunde die Stimmen recht laut sind. Das hat sich so eingespielt, dass die Thera mich konkret drauf ansprecht, wer da gerade laut ist...meist merkt sie das auch am Verhalten. Dann fragt sie ob sie Kontakt aufnehmen darf und der jeweilige Schützer darf sich äußern (meist übersetzt, also von innen nach außen weitergeleitet).
Und sie werden auch wie oben beschrieben, gewürdigt und es wird gefragt, was sie brauchen.
Mittlerweile ist es ein Art Ritual geworden zu Beginn jeder Stunde.
Weiß nicht ob deine Thera sowas macht? Weiß sie von den Stimmen im Kopf? Ich hatte es ihr irgendwann mal aufgeschrieben und mitgebracht, was die so sagen...Die können ja auch nicht in unsere Köpfe reingucken und wissen manchmal gar nicht, warum man sich so verhält und was hilft.

Liebe Grüße!
Isa

Schnappa

Re: Worte finden

Beitrag von Schnappa » Mo Jul 31, 2017 11:46 pm

Hallo ihr Lieben,

@Lara64 Ja, du hast Recht, leider habe ich diese Gedanken auch noch immer sehr viel. Theoretisch weiß ich, dass das alles nicht richtig war, aber mein Gefühl sagt mir immer etwas anderes. Und ich komme dann aus dem Gedankenkreisen nicht mehr raus. Ich habe auch leider noch nicht den passenden Weg gefunden, Dinge rauszulassen. Das erschwert einiges.

@Izzy Ja, das mit den irrelevanten Themen mache ich auch. Und in plötzlichen Themenwechseln oder dem Überhören von Fragen bin ich auch sehr gut. Leider alles kontraproduktiv. Und das mit den Erwartungen ist auch so. Ich kenne es, zu funktionieren. Und es fällt mir sehr schwer, über Gefühle zu sprechen, oder Schwäche zu zeigen.
Das mit den Stimmen habe ich einmal erwähnt, aber in einem anderen Zusammenhang. Ich bin sehr viel in meinem Kopf unterwegs und spreche teilweise mit mir selbst. Also im Kopf. Also wenn es z.B. um eine Entscheidungsfindung geht oder so. Weiß nicht wie ich das genauer erklären soll. Darüber haben wir kurz gesprochen.

Am Mittwoch bin ich wieder da, ich habe mir jetzt einen Zettel geschrieben und probiere das anzusprechen. Es ist in der Situation aber auch einfach dieses "Druck-Gefühl". Wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle, reagiere ich sofort mit Gegendruck bzw. Flucht. Auch wenn mein Gegenüber das nicht so meint oder das als Druck empfindet. Aber meine Interpretation ist meist so.

Lieben Gruß, Schnappa

Izzy
Beiträge: 1300
Registriert: Di Jan 31, 2017 2:53 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Izzy » Di Aug 01, 2017 10:59 pm

Liebe Schnappa,

ja Druck ist immer ein schlechter Begleiter..aber gar nicht so einfach den loszuwerden. Denn Funktionieren ist ja auch überlebenswichtig und etwas davon abgeben immer ein Risiko.
Wünsch dir dann morgen eine gute Therastunde und dass das Thema genug Raum bekommt und die Thera gut damit umgeht.

Liebe Grüße
Isa

Multi
Beiträge: 87
Registriert: Fr Jul 14, 2017 7:49 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Multi » Do Aug 03, 2017 10:59 am

Hallo Schnappa,

Ich wollte mal nachfragen, wie es gelaufen ist?

LG

Multi

Schnappa

Re: Worte finden

Beitrag von Schnappa » Fr Aug 04, 2017 7:29 pm

Hallo ihr beiden!

Es war wirklich sehr gut, Habe das Gefühl, endlich mal etwas geschafft zu haben.

Aber im Nachhinein kommen jetzt die blöden Gedanken. Und viele Träume, nicht alle schlecht, aber sehr intensiv und dadurch anstrengend. Aber es fühlt sich langsam gut an, einen Ort zu haben, der da ist. Wo ich etwas sagen kann, aber nicht muss. Das ist ein schönes Gefühl. Und auch meine Auslastung diese Woche ist gut, kann also ganz gut mit allem umgehen.

Ich hoffe die blöden Gedanken werden nicht schlimmer. Gerade in den Tagen vor dem nächsten Termin mache ich mir meist "Sorgen". Ist dann immer ein bisschen schwer.

Lieben Gruß, Schnappa

Izzy
Beiträge: 1300
Registriert: Di Jan 31, 2017 2:53 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Izzy » Sa Aug 05, 2017 9:37 am

Liebe Schnappa,

oh das freut mich.
Und schon für deinen Mut belohnt? :)
Wo ich etwas sagen kann, aber nicht muss
Finde den Punkt ganz wichtig. Schön, dass du das so erlebt hast.

Was macht dir denn Sorgen?
Liebe Grüße
Isa

Schnappa

Re: Worte finden

Beitrag von Schnappa » Sa Aug 05, 2017 9:51 pm

Belohnen kann ich nicht so gut... ich bleibe bei:"ich habe nichts dummes gemacht" :roll:

Sorgen im Sinne von:
Das war zu viel!
Das ist zu nah!
Wie hat das gewirkt?
Was passiert das nächste mal?
Was weiß sie jetzt?
Welche Reaktionen zeige ich?

Einfach mal grob zusammengefasst... variiert immer ein bisschen :oops:

Ich habe da manchmal zwei komplett verschiedene Denkweisen, die da aufeinander prallen. Entweder total logisch, wenn ich dann verstehe, warum was sinnvoll ist, ist das für mich okay... oder total unlogisch, wo ich mich einfach leiten lasse und egal wie sinnvoll etwas ist, ich will das dann nicht. Geht natürlich auch in die andere Richtung. Da den richtigen Weg zu finden ist schwer.

Schönes Wochenende, Schnappa

Izzy
Beiträge: 1300
Registriert: Di Jan 31, 2017 2:53 pm

Re: Worte finden

Beitrag von Izzy » So Aug 06, 2017 9:57 am

Liebe Schnappa,

sich Belohnen ist auch eine Art der Konfrontation bzw. es zulassen können und das Gefühl aushalten zu können und braucht vielleicht auch etwas Zeit. Aber kann man üben :)


Die Gedanken kenn ich auch gut und das ganze Karussell was es mit sich bringt.

Da hilft manchmal die bewusste Gegenposition:
Als Therapeutin hat sie gelernt, gut mit ihren grenzen umzugehen und für sich zu sorgen. Und wenn ihr etwas zuviel werden sollte, dass sie es anspricht.
Aber sie sind ja geschult und erfahren und haben mit dem Thema ja schon oft zu tun gehabt. Meine hat mal gesagt, wenn ich meinen Job nicht gerne machen würde und das tragen kann, dann würde ich ihn nicht machen.
Und was sie denkt, darauf haben wir eh keinen Einfluss. Es ist immer der Vertrauensvorschuss, den wir geben müssen mit dem entsprechenden Risiko.

Du kannst sie aber auch fragen, wenn du es dir zutraust. Das hab ich auch schon ein paar Mal gemacht. Auch ob sie Bescheid gibt, wenn es ihr zuviel ist, ob sie denkt sich stelle mich an, ob sie denkt ich sei verrückt...
Da hat man auch ein Gefühl für Authentizität einer Antwort.

Schönen Sonntag dir :)

Antworten