Stabilisierungstechniken

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Lorelei
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Sa Mai 28, 2016 1:02 pm

Mittelstufe

Die Inspiration für diese Mini-Serie kam aus dem englischen Serie "How clean is your house", in der Kimwood Burn und Aggie McKenzie und ihr Team in Messie-Haushalten klar Schiff machen. (Ja, es gibt professionelle Anbieter dafür!) Der Zustand der Wohnungen hat mich persönlich weniger interessiert als die Wege, die sie benutzt haben, um dort heraus zu kommen.

Schritt 1: Dinge wegwerfen, die unnötig die Wohnung verstopfen und keinen Wert mehr haben. Es gibt so viele Dinge, die man horten und stapeln kann - von Teetassen bis zu Buddelschiffen - aber wenn es einfach zu viele sind, dann bleiben die wertvollsten Schätze unentdeckt unter einem Stapel von unnötigem Müll.

Was ist Müll? Verdorbene Nahrungsmittel. Abgelaufene Medikamente. Plastiktüten. Leere Kisten und Kartons. Elektronikschrott wie z. B. defekte Mikrowellen oder ein alter Computer, der noch da steht, obwohl man längst einen neuen besitzt. Irreparable Kleidung. Kleidung, die nicht mehr passt und auch nicht geändert werden kann. Kleidung als Erinnerungsstücke an einen Urlaub, der seine Magie längst verloren hat.

Seelisch betrachtet: Dinge, an die ich mich nicht mehr erinnern möchte, die mich runter ziehen oder mich dazu bringen, mich schlechter zu fühlen.

Was ist unnötiger Krimskrams? Dinge, die man z. B. für wenig Geld auf einem Antikmarkt gekauft hat, die eigentlich "ganz nett" sind, aber viel zu viel davon, und die den Blick auf die "echten Schätze" verstellen. Lösung: Einen Experten den Wert der Gegenstände schätzen lassen und die besten oder emotional wertvollsten behalten. Mit dem "ganz nett, aber eigentlich nicht wirklich nützlich oder für mich notwendig" - Rest einen Garagenverkauf machen oder sich beim Flohmarkt anmelden. Online geht's auch, z.B. via ebay. So kann man nebenher mit Aufräumen sogar noch ein wenig Geld verdienen. :)

Seelisch betrachtet: Alles, was den Blick auf meine "wahren Schätze" verstellt.

Schritt 2: Putzen.

Staub, Dreck, Schimmel sind alles Behausungen für gesundheitsschädliche Bakterien, die Allergien, Asthma und Hautkrankheiten hervorrufen können. Gerade, wenn ihr gesundheitlich etwas empfindlicher gelagert seid, wird eure Lunge auf eine saubere Umgebung deutlich besser reagieren. Hier könnt ihr euch am besten von guten, nicht wertenden Freunden helfen lassen, denn wer hängt schon an einer zentimeterdicken Staubschicht? :lol:

Hier sind Handschuhe angebracht. Einiger Dreck, der besonders in der Küche immer wieder gern auftritt, ist eine Mischung aus Staub und Fett. Dagegen lässt sich ganz toll mit Backpulver/Natron und Essig-Essenz etwas unternehmen. Beide zusammen ergeben ein aufschäumendes Gemisch, das solche Verbindungen gut beseitigt. Nicht auf Keramikflächen anwenden. Weitere Haushaltstipps findet ihr auf etlichen Webseiten - gegen die besonders hartnäckigen Flecken...

Seelisch betrachtet: Ich reinige mich von allem, was mich belastet.


Am Ende dieser Phase seid ihr bestimmt ganz schön geschafft. Aber guckt euch mal um, was ihr alles geleistet habt!
Was hinter uns liegt und was vor uns liegt ist nichts in Vergleich zu dem, was in uns liegt. - Ralph Waldo Emerson

unterwegaimleben

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von unterwegaimleben » Do Jun 02, 2016 7:24 pm

Ich mache ja nun bald seit einem halben Jahr Shiatsu-Behandlungen und möchte davon ein wenig berichten
(ich erhalte sie)

Während der Behandlung liege ich auf dem Rücken, später auf dem Bauch, dabei trage ich bequeme Kleidung und warme Socken. Durch den sanften Druck, der auf den Meridianen auf meinen Körper ausgeübt wird, kann ich mich auf ganz angenehme Weise ganz spüren. Ich komme sehr ins hier und jetzt. Mein ganzer Körper entspannt sich nach und nach. An den darauf folgenden Tagen kann ich deutlich besser schlafen

Ich fühle eine Verbindung mit meiner inneren Kraft und Lebensfreude.

Oft sehe ich dann vor meinem inneren Auge meinem sicheren Ort und die inneren Kinder. Der sichere Ort blüht auf, er wird bunt, Schmetterlinge fliegen, Blumen blühen. Heute konnte ich wie in einer Art Familienaufstellung meiner Mutter ihre Probleme zurückgeben und bin dann mit meinen Kindern an den sicheren Ort. Sie haben sich gegenseitig angesehen und die Hände gehalten. Es ist ein großes Gefühl von Erleichterung entstanden.
Ich kann der Behandlerin sehr vertrauen. Das ist nicht selbstverständlich bei mir.

Vorher und hinterher sprechen wir darüber, wie es mir geht, was ich brauche und was ich mir wünsche.
Ich bin echt froh, dass ich dank Loreley den Mut gefunden habe, das auszuprobieren.

peshewa
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Do Jun 09, 2016 8:47 am

ist das nicht schrecklich? berührt werden und so?
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Lorelei
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Do Jun 09, 2016 8:43 pm

Achtsame Berührungen

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Für unterwegsimleben, bei dieser Frau, in diesen Shiatsu-Behandlungen, bei gezielt für Überlebende konzipierten Stunden, offenbar nicht. :D Eher das Gegenteil. :) Nach dem, was ich so von ihr lese, scheint es ihr damit gut zu gehen. Ich freu mich!

Das Zauberwort heißt Achtsamkeit. Achtsame Berührung, die darauf reagiert, wie wir uns zeigen, bewegen und in diesem Moment sind, ist ein guter Weg, um einige Dinge zu heilen. Wenn man von Berührung nur Schmerzen und Probleme erwartet, durchaus aus berechtigten Gründen!, vermeidet man sie. Klar. Aber man gibt sich selbst auch nicht die Chance, neue, positive Erfahrungen zu machen. Die Bereitschaft dazu ist nicht von einem Tag auf den anderen zu erzwingen. Ihr entscheidet, was euch gut tut.

Anfänger

Eine stabilisierende Art der Berührung ist die, die von euch selbst kommt - die Eigenberührung. Ihr habt dabei die Kontrolle und könnt zu 100% bestimmen, was wie passiert.

Peter Levine empfiehlt, leicht die eigene linke Handfläche zu klopfen. Dann die Hand. Dazu kann, wer das mag, sagen: “Das ist meine Hand. Meine Hand gehört zu mir. Meine Hand ist mit meinem Handgelenk verbunden.“ Ihr könnt auch gern euren Fuß oder euren Ellenbogen nehmen, wenn euch das lieber ist, oder andere Worte verwenden. Im nächsten Schritt geht ihr dann zum nächstliegenden Körperteil, der damit verbunden ist. Hört mit der Übung auf, wenn sie euch unangenehm ist, und macht vielleicht an einem anderen Tag weiter.
(Peter Levine, “Vom Trauma befreien“).

Ihr könnt mit der Eigenberührung feststellen, welche Berührung euch eigentlich gut tut. Dass eure Füße auch eine Unterseite haben, die man oft viel zu wenig beachtet. Welche Art von Behandlung ihr euch selbst geben könnt, um euch besser zu fühlen.

Eine kräftige Massage mit Druck gegen die verspannten Nackenmuskeln? Nur kurz die Hände über kreuz auf die Schultern legen, um sich sprichwörtlich wieder runter zu kriegen vom Hamsterrad? Mal wieder die gute alte Wärmflasche oder ein Körnerkissen auspacken, um Bauchweh zu lindern? Einmal kalt das Gesicht waschen und dann mit einem warmen Handtuch trocknen? Düfte?

Ihr entscheidet, womit ihr euch gut fühlt.

Mittelstufe

Wer sich in die Hände eines achtsamen Menschen begibt, um sich wieder zurück zu gewinnen, braucht - natürlich - Mut und Vertrauen. Vorher reden hilft enorm, damit euer “Heilpartner“ weiß, was ihr jetzt gerade braucht. Informiert euch im Voraus über eure entsprechende Behandlungsmethode, um zu wissen, was euch in etwa erwartet. Shiatsu, Somatic Experiencing, Yoga für Überlebende, Alexandertechnik, Feldenkrais, Ayurveda, alles ist wunderbar dafür.

Wie erkenne ich einen achtsamen Menschen? Er hört zu, wenn ich etwas erzähle. Er geht auf meine Probleme ein und versucht, sie respektvoll zu behandeln. Er fragt, ob Berührungen, Temperatur im Raum etc. angenehm sind. Wenn ich mich in mich selbst zurück ziehe, redet er mit mir oder wartet, bis ich mich von selbst dafür entscheide, wieder zurück zu kommen. Er achtet darauf, dass es mir im Rahmen des jetzt Möglichen gut geht. Er entschuldigt sich, wenn er einen Fehler macht. Dieser Mensch möchte, dass ich mich nach unserer Begegnung besser fühle. Und wenn ich weinen muss, dann muss ich eben weinen, es ist erleichternd und löst Verspannungen auf. Wenn ihr so jemanden findet, seid ihr in guten Händen.


Fortgeschrittene und Profis

Fortgeschrittenen und Profis, die ihre eigene Sexualität wiedergewinnen möchten, seien verschiedenste Formen der achtsamen, sanften Massage, der Besuch mit einer Freundin im Hamam und ein behutsamer Einstieg ins rote Tantra ans Herz gelegt - am besten erst informieren, ob das etwas für euch ist, bevor ihr Seminare besucht, und gut auswählen, was zu euch passt. Kalis Kuss, Berlin, bietet da Angebote auch extra für Überlebende an.

Auch Tanz kann hier eine Brücke darstellen, Kundalini Dance oder Bauchtanz bildet wieder neue Verbindungen und erinnert euch an eure angeborene Lust zur Bewegung, die allen Menschen von Geburt an eigen ist.
Weiblichkeit ist etwas Schönes, ein kostbares, sensibles Geschenk der Natur. Sie hat Respekt und Freundlichkeit verdient. Ich komme da langsam wieder hin und freue mich darauf, mich damit nicht mehr verstecken zu müssen, sondern es mir wieder zu eigen zu machen, mich damit wohlzufühlen und mich darin auszudrücken. Ganz ich zu sein. Ja, es ist immer noch manchmal eine Herausforderung. Aber sie lohnt sich, das ganze Lebensgefühl wird anders. Reicher. Intensiver. Weniger eingeengt. Und: Ich entscheide immer noch, was ich will und was ich nicht will. Das sollte die Voraussetzung dafür sein.
Was hinter uns liegt und was vor uns liegt ist nichts in Vergleich zu dem, was in uns liegt. - Ralph Waldo Emerson

peshewa
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Do Jun 16, 2016 11:53 am

Frage 1: Gemäss meinem Ex-Thera "stabilisiere" ich mich seit kleinauf in die Phantasie, anstatt in die Realität.
Was hält ihr von diesem Satz?

Frage 2: kommt man an diesem Kö...-Thema nicht einfach vorbei? Also generell an Levine und auch anderen, die
in diese Richtung gehen? Im Endeffekt sind wir doch nur Hirn.
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Birgit unl.

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Birgit unl. » Do Jun 16, 2016 7:27 pm

Zu 1. Gut, das ihr das könnt und diesen Ort habt, um überhaupt mal zu euch kommen zu können. Soweit ich dich immer gelesen habe, war für dich die Realität selten stabil. Eher immer so, das ihr euch in einer Art Bringschuld fühlt.

Muss aber sagen, das ihr auch andere Momente habt und da sehr sicher und stabil seid. Nehme mal z.B. das Fotografieren, da seid ihr sehr sicher und gut drinne, könnt das auch sehr gut erklären, wie das geht. Da fangt ihr Momente der Realität ein. :)

Also, da ist nicht nur die Phantasiepech, gibt auch eine sehr reale.

Und hier sind wir dann schon bei Frage 2. Dieses Real sein, macht ja auch berührbar und wenn man so verletzt ist, kann jede Berührung weh tun, weil es eben real macht, auch das, was da körperlich angetan wurde.

Ob man darum kommt? Glaube nicht. Wenn wir leben wollen und das wollen wir wohl, sonst hätten wir wohl kaum überlebt, dann bleibt uns nichts anderes, als in unserem Körper zu sein, um das was wir uns von Herzen wünschen auch leben können.

Und du hast recht, für das Gehirn ist es erst mal egal, ob Real oder Phantasie. Es reagiert auf beides.

Ich denke aber, das da eben auch der tiefe Wunsch danach ist, das es eben auch real wird, was man sich erträumt. Es fühlt sich nämlich auch Einsam an, wenn es "nur" in einem selbst ist.

Weiß nicht, ob ich damit deine Wahrnehmung getroffen habe und du dich darin wieder siehst. Wenn nicht, einfach überlesen. :wink:

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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Fr Jun 17, 2016 10:10 am

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Zuletzt geändert von peshewa am Fr Jun 17, 2016 2:24 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Birgit unl.

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Birgit unl. » Fr Jun 17, 2016 10:44 am

Sorry pesheva.
Meinte nicht, das du multipel bist. Meinte da die verschiedenen Persönlichkeitsanteile, die ich mal unterschiedlich stark wahr nehme.

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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Fr Jun 17, 2016 10:47 am

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Zuletzt geändert von peshewa am Fr Jun 17, 2016 2:24 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Birgit unl.

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Birgit unl. » Fr Jun 17, 2016 10:55 am

Ok, hab ich dich eben falsch wahr genommen.

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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Mo Jun 20, 2016 9:20 am

ZU 1: Eine gute Überlebensstrategie, die du für dich gefunden hast. Wenn du sie aber zu oft anwendest, dann ist "der Weg zurück" nicht mehr so einfach, denke ich mir. Dann bleibst du gedanklich halt im Traumland, vom Kopf her, während die Welt, von der du lieber nicht so viel mitkriegen willst, an dir vorbei zieht. Das Problem ist nur, dass der Rest von dir da nicht ganz mitgehen kann. Zwischendurch braucht es die Realität, einfache Dinge, die du schaffen kannst und das auch weißt. Sonst kommst du mit den Eindrücken aus der realen Welt - die es ja immer noch gibt - leicht durcheinander, und stellst womöglich Beziehungen zwischen den Dingen her, die so gar nicht da sind.

Zum Beispiel: "Heute ist der Himmel blau. Das muss deswegen sein, weil ich gestern blaue Schuhe an hatte". Funktioniert in der Phantasie wunderbar. Reell hast du mit der Wahl deiner Kleidung keinen Einfluss auf das Wetter. Das kannst du selbst überprüfen: "Ist das wirklich so? Stimmt das, was ich da denke? Ist der Himmel tatsächlich am nächsten Tag blau, wenn ich vorher blaue Schuhe an hatte?" Du probierst es aus, ziehst deine blauen Schuhe an, und stellst fest, dass es am nächsten Tag, wenn du aus dem Fenster schaust, regnet. Deine Hypothese, dass deine Schuhe das Wetter beeinflussen, war also falsch. Und das ist gut zu wissen. Denn es gibt dir auch wieder ein Stück Sicherheit, wenn du weißt, was wie funktioniert.
Du kannst aber trotzdem deine blauen Schuhe mögen. Und den blauen Himmel.

Das ist zumindest meine Hypothese zu diesem Satz von deinem früheren Therapeuten. Du kannst auch gern deinen jetzigen Thera fragen, was der dazu meint.

ZU 2: Du kannst natürlich einen anderen Ansatz wählen. Wenn dir Gedankliches erstmal mehr liegt, und du dort besser anfangen kannst, dann machst du halt das zuerst. Es ist auch gut, an seinen eigenen Glaubenssätzen etc. zu arbeiten. Ich würde nicht mit Körperarbeit anfangen, bevor du nicht von dir selbst aus spürst, dass du bereit dafür bist und das willst. Dein Ja muss am Anfang stehen. Ja, ich will das riskieren, wenn ich dafür endlich wieder ein Stück mehr Realität zurück bekomme. Ja, ich möchte wieder ein Gefühl für mich selbst entwickeln. Ja, ich will wieder Verbindung zu mir aufnehmen und den Dreck wegschaufeln, der noch übrig geblieben ist. Dann geht das. Vorher: Viel Geborgenheit, viel Schutz, alles, was dir gut tut, ohne Nebenwirkungen zu haben. Es wird kommen, wenn du dafür bereit bist. Nicht vorher. Da mit einer Extraportion "Ich muss jetzt unbedingt" ranzugehen, und deine eigenen Grenzen zu früh zu verschieben, halte ich für verfehlt.

Liebe Grüße,

Lo
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Mo Jul 04, 2016 5:25 pm

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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Mo Jul 25, 2016 6:35 pm

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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Fr Jul 29, 2016 2:58 pm

Nachtrag zum Aufräumen:

Marie Kondo, aus Japan, hat sich das ganze Leben am liebsten mit Aufräumen beschäftigt (auch eine Methode, erstmal nichts mit Menschen zu tun zu haben) und ein sehr gutes Buch darüber geschrieben. Ihre nach ihr selbst benannte "KonMari"-Methode hilft bei allen Menschen, die mal so richtig entrümpeln wollen, aber nicht wissen, wie, sehr gut weiter. Ich hab's für's Bad ausprobiert und es strahlt förmlich von innen! :)
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Fr Jul 29, 2016 3:29 pm

Arbeiten mit dem Psoas-Muskel (Mittelstufe - Profis)


Vor einigen Wochen habe ich angefangen, mich näher mit dem Psoasmuskel auseinander zu setzen. Wenn ihr öfter mit Freeze-Zuständen zu kämpfen habt, die ihr so gar nicht gebrauchen könnt in dem Moment, kann eine Entspannung des Psoas-Muskels euch dabei unterstützten, das Nervensystem zu beruhigen. Bei Stress wird dieser Muskel automatisch angespannt und macht unsere Beine für Kampf- oder Fluchtbewegungen bereit. Entspannen wir jetzt diesen Muskel bewusst, gibt das das Signal zurück ans Nervensystem: "Es droht keine Gefahr. Komm wieder runter auf Normalmodus." :)

Neugierig geworden? Dann könnt ihr hier weiter lesen.
Danielle Prohom Olsen, übersetzt von Bhajan Noam

Der Musculus psoas ist der tiefste Muskel des menschlichen Körpers, der unser strukturelles Gleichgewicht, die Muskelintegrität, die Flexibilität, die Kraft, die Beweglichkeit der Gelenke und die Organfunktionen beeinflusst.
Auf beiden Seiten der Wirbelsäule entspringend, umspannt der Psoas seitlich vom 12. Brustwirbel (T12) jeden der 5 Lendenwirbel. Von dort verläuft es abwärts durch den Unterbauch, das Beckens und endet am oberen Ende des Femur (Oberschenkelknochen).

Der Psoas ist der einzige Muskel, der die Wirbelsäule mit den Beinen verbindet. Er ist für unsere aufrechte Haltung verantwortlich und ermöglicht es, unsere Beine beim Gehen anzuheben. Ein gesund funktionierender Psoas stabilisiert die Wirbelsäule und, unterstützt vom Rumpf, bildet er eine Art Ablage für die lebenswichtigen Organe des Unterbauchs.

Die Psoas ist durch Faszien mit dem Zwerchfell verbunden, die sowohl den Atemreflex wie einen Angstreflex auslösen können, denn der Psoas ist unmittelbar mit dem Reptiliengehirn, dem ältesten Teil des Hirnstamms und des Rückenmarks, verbunden. Schon lange bevor sich Sprache oder die höhere Organisationskapazität des Cortex entwickelten, hielt das Reptiliengehirn, das für seinen Überlebensinstinkt bekannt ist, die essentiellen Kernfunktionen aufrecht.

Unser schnelllebiger moderner Lebensstil (mit ständigem Ansturm von Adrenalin auf unser sympathisches Nervensystem) bewirkt ein chronisches Triggern und Straffen des Psoas - und macht uns damit im wörtlichen Sinn bereit zu rennen oder zu kämpfen. Die Muskelkraft des Psoas hilft, in Aktion zu treten - oder sich zum Schutz wie ein Ball zusammenzurollen.

Spannen wir ständig, bedingt durch Stress oder Anspannung, den Psoas an, kann der Muskel irgendwann eine Vielzahl von schmerzhaften Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen, Ischias, Bandscheibenprobleme, Spondylose, Skoliose, Hüft-Degeneration, Knieschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Verdauungsproblemen auslösen.

Ein angespannter Psoas erzeugt nicht nur strukturelle Probleme, er engt die Organe ein, übt Druck auf die Nerven aus, hindert den Bewegungsfluss und beeinträchtigt die Zwerchfellatmung.

In der Tat ist der Psoas so unmittelbar an den grundlegenden physikalischen und emotionalen Reaktionen beteiligt, dass ein chronisch angespannter Psoas dem Körper kontinuierlich Gefahr signalisiert. Irgendwann können sich dabei die Nebennieren und das Immunsystem erschöpfen.

Diese Situation wird durch viele Dinge in unserem modernen Lebensstil verschärft, von Autositzen zu einengender Kleidung, von Stühlen zu Schuhen, die unsere Haltung beeinträchtigen, die natürlichen Bewegungsabläufe verändern und dabei unseren Psoas verkrampfen.

Der erste Schritt zur Pflege eines gesunden Psoas ist unnötige Spannungen und Stress abzubauen. Doch um mit dem Psoas „zu arbeiten“, sollte man nicht versuchen, die Muskeln zu kontrollieren. Die Wachheit aller Sinne zu kultivieren ist die Botschaft. Dies beinhaltet die bewusste Wahl, Achtsamkeit für seinen Körper zu entwickeln.

Ein entspannter Psoas ist ein Zeichen von spielerischem und kreativem Ausdruck. Statt des verkrampften Psoas, stets bereit zu rennen oder zu kämpfen, ist der entspannte und geschmeidige Psoas bereit, sich zu dehnen und öffnen, um zu tanzen. In vielen Yoga-Übungen (wie z. B. dem Baum) können wir durch die Enge bedingt die Oberschenkel nicht vollständig nach außen drehen, solange der Psoas nicht entspannt ist. Ein gelockerter Psoas erlaubt es, die Vorderseite der Oberschenkel zu strecken und die Beine unabhängig vom Becken zu bewegen. Ebenso ermöglich er ein freies und vollständiges Aufrichten des Rumpfes und ein Öffnen des Herzens.

Durch Förderung eines gesunden Psoas können wir wieder lebenswichtige Energien in unserem Körper entfachen, wenn wie lernen uns an die Kräfte des Universums anzubinden. Innerhalb der taoistischen Tradition wird der Psoas der Sitz oder der Muskel der Seele genannt, er umgibt den unteren "Dan Tien", das Hauptenergiezentrum des Körpers. Ein flexibler und starker Psoas ermöglicht subtile Energien durch die Knochen, Muskeln, Nerven und Gelenke fließen zu lassen.

Der Psoas, von Energie durchströmt, verbindet uns mit der Erde. Wie ein Erdungskabel verhindert er Schocks und eliminiert Energiestagnation. Befreit und geerdet kann die Wirbelsäule und der zentrale Energiekanal (Sushumna) „erwachen“. Wie die Gravitationsströme das Gewicht durch Knochen, Gewebe und Muskeln in die Erde übertragen, schickt sie die Erde zurück und die Kräfte fließen in die Beine und in die Wirbelsäule. Sie energetisieren, koordinieren und beleben die Körperhaltung, die Bewegungen, den Ausdruck, die Gefühle und Gedanken. Es ist ein ununterbrochenes Gespräch zwischen dem Selbst, der Erde und dem Kosmos.

Beim nächsten Üben - oder innerlich in einem stillen Moment - lohnt es sich, darauf zu achten, was der bio-intelligente Psoas einem zu erzählen hat.
Es gibt viele Wege, mit dem Psoasmuskel zu arbeiten, z. B. über:

- Yoga (z.B. Berg, Taube, Hocke, herabschauender Hund, Königskobra...)
- Pilates (Single Leg circles, Katze, etc.)
- TRE (Trauma release exercises)

Alle diese Übungswege lernt ihr am besten mit professioneller Anleitung. Wenn ihr schon mit Yoga, Pilates oder TRE vertraut seid, könnt ihr die entsprechenden Übungen auch gerne für euch daheim ausprobieren. Jo Ann Staugaard-Jones bietet in ihrem Buch "Psoas-Training" eine Kombination mehrerer Richtungen an und schafft Verbindungen zwischen Yoga, Pilates und emotionalem Befinden. Ich habe einige der Übungen in dem Buch ausprobiert, seit ich sie regelmäßig mache, wird nicht nur meine Haltung besser, sondern ich kann die Effekte eines entspannten Psoas-Muskels deutlicher spüren - super Sache, wenn man stressige Termine vorbereitet und cool bleiben möchte.

Liebe Grüße,
Lo
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