Stabilisierungstechniken

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Lopi94

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lopi94 » Di Feb 10, 2015 8:43 pm

Hallo ihr lieben,
die Klopftechnik habe ich auch zur Stabilisierung gelernt. Oft fällt es mir schwer, überhaupt etwas zu spüren und manchmal werde ich extrem von Emotionen überflutet, die ich gar nicht kontrollieren kann. Was löst diese Klopftechnik eigentlich aus und warum ist sie so hilfreich? Ich würde mich sehr freuen, wenn mir das mal jemand bitte beantworten könnte. LG

Macadamia

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Macadamia » Sa Mär 21, 2015 7:14 pm

Helfer und Freunde - Imaginationsübung

Diese Übung habe ich aus einem Buch. Sie hat mir sehr viel gebracht:

Ich setze mich zuerst damit auseinander welche 5 Personen oder Gestalten aus meinem Leben oder meiner Vorstellung mir am meisten Halt gegeben haben, mich am meisten unterstützt haben, an mich glaubten oder mir in gewissen Lebensabschnitten einfach Mitgefühl oder Motivation gaben.

Ich gebe jeder dieser Figur in meiner Vorstellung einen Platz in meinem Zimmer oder Wohnung. Je nach dem wie eng oder nicht so eng die Beziehung war platziere ich sie näher an mir oder weiter weg. Genau so wie ich mich damit wohl fühle.

Bei mir sitzt z.B. eine Freundin auf dem Bettrand, die andere untem Bettende, ein Kollege steht am Fenster und meine Tante steht im Türrahmen, jede von diesen Personen hat für mich eine ganz besondere Funktion und jede hat seine Stärke an einem anderen Ort. Der Kollege versteht mich rational sehr gut, die eine Freundin ist sehr mitfühlend, die andere sehr aufheiternd und meine Tante motiviert mich und glaubt an mich. So habe ich einen wunderbaren Mix aus Dingen die für mich wichtig sind.

Dann, wenn irgend ein Thema hochkommt: Schmerz, Trauer, Wut, Zweifel oder irgendetwas was mich belastet, teile ich es ihnen mit und stelle mir vor, wie sie auf mich reagieren. Wie sie mir Mut zusprechen, Mitgefühl haben, wie sie Verständnis zeigen, vielleicht ist sogar jemand da, der mich in den Arm nimmt und tröstet.

Mir hilft es besonders bei Themen die noch schambeladen sind... die kann ich so sehr gut das erste mal "mit jemandem teilen" und ich weiss sie reagieren positiv auf mich und manchmal hilft es mir auch, es zuerst mit den "Figuren in meinem Zimmer" etwas zu teilen und dadurch finde ich dann den Mut im realen Leben mit jemandem darüber zu reden.

peshewa
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Mi Mär 25, 2015 12:35 am

darf ich fragen, ob es dir einfach fällt, bei imaginationsübungen "bei der sache" zu bleiben? also nicht ungewollt dinge zu assoziieren, die dich dann wieder in einen üblen kreislauf bringen? sowas wie freundin sitzt auf dem bett, sie wird zum monster, alle sind gegen dich blabla. real meine ich, also real, nein, schon im kopf, aber ohne deinen einfluss. wie
kontrollierst du deine imagination, hast du dazu irgendwie einen tipp für mich?
-

peshewa
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von peshewa » Fr Mai 08, 2015 12:51 pm

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survivor

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von survivor » Mi Jun 17, 2015 2:53 am

die Klopftechnik habe ich auch zur Stabilisierung gelernt. Oft fällt es mir schwer, überhaupt etwas zu spüren und manchmal werde ich extrem von Emotionen überflutet, die ich gar nicht kontrollieren kann
Ich habe da schon ein paar Technikvorschläge bekommen. Fällt mir aber auch alles sehr schwer zuweilen umzusetzen. Die Klopftechnik Technik kenne ich ehrlich gesagt noch nicht. Was ich allerdings auch schon erlebt hab, ist, daß diese Emotionen eben wie ein Schwall über einen kommen. Einen überfluten halt. Oder bei mir ists manchmal so, dass sich da ein gewisses Gefühl wie von innen ausdehnt. Merke ich schneller, ist aber sehr hartnäckig. Krieg ich meistens beim besten Willen nicht mehr weg. Das einzige, was manchmal hilft ist so ein Reizimpuls. Dann beiss ich mir schon mal auf die Lippen oder so. Aber das hilft auch nicht immer und wenn dann auch nur recht kurzfristig.

Lieben Gruss,

~survivor~

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Dorie
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Dorie » Mo Jun 29, 2015 8:51 pm

Ich bin zwar nicht macadamia, aber viell darf ich auch antworten
peshewa hat geschrieben: kontrollierst du deine imagination, hast du dazu irgendwie einen tipp für mich?
Ich mache öfters imaginationsübungen.und ich muss manchmal mich ganz doll konzentrieren und mal gehts ohne kontrolle gut.

Die übung von macadamia finde ich klasse. Es sollen ja menschen sein, die dir positives in deinem leben geben. Hast du das in real? Menschen die dir immer gut getanhaben?

Ich habs auch schon mit starken tieren gemacht. Funktioniert auch sehr gut.
Träume nicht dein Leben,sondern lebe deinen Traum


Gib mir die Gelassenheit,Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut,Dinge zu ändern,die ich ändern kann.
Gib mir die Weisheit,das eine vom anderen zu unterscheiden.

Cheetah

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Cheetah » Sa Jul 25, 2015 8:03 pm

Eben entdeckt.

http://www.psyaspect.ch/beratungundpsyc ... techniken/

Noriam30

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Noriam30 » Mi Sep 09, 2015 10:04 am

Ich habe drei Krafttiere, den Wolf, das Wildschwein und den Raben. Der Wolf beschützt mich, das Wildschwein gibt mir Kraft und der Rabe trägt meine Gedanken an einen sicheren Ort.

Wenn ich mich ganz schlimm fühle trage ich Schmuckstücke von meinen Großeltern oder von meinem Onkel, alle drei starben kurz hintereinander und wenn ich ihren Schmuck trage bin ich wieder wie das Kind dem nichts schlimmes widerfahren konnte weil sie da waren um es zu beschützen.

Silja

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Silja » Mi Sep 30, 2015 9:07 am

Mir hilft, wenn ich sachlich bleibe.

Mir hilft, wenn ich unsinnige Gedanken entlarve

- egal, ob eigene oder die von anderen -

Und sie sachlich ordne.


Dazu frische Brennnesseln pflücken und in Wasser aufkochen. Munter machender Tee.


Mir hilft arbeiten.

Eine Aufgabe zu erfüllen ist super
und ernst.

Dieser Ernst hilft mir über den Schmerz weg.

Allerdings nicht wenn man ständig gemobbt wird.
Ich habe schon
zigmal gekündigt! Weg damit! Wie einen Tippfehler einfach vergessen.

Nur gute Leute an sich ran lassen.

Man kann nette Arbeit finden.

Hab jetzt nette Arbeit gefunden.
Für drei
Stunden am Tag. Minijob.



Dankbarkeit
Zu seinen Kunden macht glücklich.

schieb

Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von schieb » Fr Dez 04, 2015 11:35 am

*schieb*
auch wenn er angespinnt ist.
es tut mir alles so leid :-(

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Lorelei
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Mo Dez 07, 2015 10:07 pm

*wischt hier mal bisschen Staub weg*

öchött!*hust*
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Lorelei
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Do Dez 10, 2015 9:24 pm

Danke für alle, die diesen Thread hier aufgehoben und weiter gepflegt haben. Ich hoffe, er bleibt für euch eine wichtige Inspirationsquelle für die eigene Heilung. Ich habe in der Zwischenzeit eine neue Körperarbeit ausprobiert. Wer sich seinen Körper wieder zurück erobern möchte, endlich wissen möchte, wie sich das richtig anfühlen könnte, was Entspannung sein kann, und keine Angst vor einem Menschen hat, der einen weinen sehen könnte, dem kann das hier vielleicht auch weiter helfen.
Shiatsu beruht auf der Behandlung des Körpers durch traditionelle chinesische Medizin (TCM), kommt aber aus Japan. Es arbeitet mit den energetischen Meridianen des Körpers. Beim Klienten werden verschiedene, spezielle Punkte über sanften Fingerdruck und andere, ähnliche Bewegungen aktiviert. Der Körper bleibt dabei bekleidet.

Wichtig: Zu Beginn jeder Körpertherapie dem Shiatsu-Gebenden sagen, dass ihr traumatisiert seid und euch deshalb eine sensible Behandlung wünscht. So kann sich der Therapeut besser auf euch einstellen. Der nachfolgende Text ist eine Handreichung für Shiatsu-Gebende, aber auch aufschlussreich für Menschen, die gern mehr über Shiatsu als unterstützende Heilmaßnahme bei Traumata wissen möchten.
Shiatsu als Therapie (Fortgeschrittene-Profis)
Peter Itin, Auszüge aus dem gleichnamigen Buchmanuskript

[...]
Shiatsu bei Traumafolgen

Shiatsu kann bei traumatisierten Menschen generell dazu beitragen,

- körperliche Symptome zu lindern

- emotionale Stabilität, Wohlbefinden, Lebensfreude und Lebensqualität zu verbessern

- Energieblockaden zu lösen und Verbindungen wiederherzustellen

- Körperbewusstsein, Selbstbewusstein und Abgrenzungsfähigkeit zu stärken.

[...]

Es ist zentral, bei Trauma-KlientInnen zuerst ein Gefühl von Verbindung und Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit, Schutz und positiver Unterstützung herzustellen und einen entsprechenden „energetischen Raum" auf der Beziehungsebene aufzubauen. Unsere eigene innere Stabilität, Zentriertheit, Ausgerichtetheit und Zuversicht wird von der Klientin auf der Schwingungsebene aufgenommen. Umgekehrt spürt sie Unsicherheiten, Verletzung, Mitgeschwemmt-werden. Sie wird möglicherweise immer wieder austesten: „bin ich hier sicher?" In einem mitfühlenden, Halt gebenden Containment fühlt sie sich sicher, respektiert und gut aufgehoben. Dies ist eine Grundbedingung dafür, dass sich das Nervensystem entspannen kann. Es gilt zu respektieren, dass gewisse KlientInnen anfänglich nicht in der Lage sind, die Augen zu schliessen und sich vertrauensvoll der Behandlung hinzugeben. Gewisse ertragen anfänglich nur kurze Sequenzen von Körperkontakt. Zentrierung, Ausrichtung und Handlungsfähigkeit sind als Fokus bedeutsam. Die Arbeit am Hara (Zentrum), mit Lenker-/Konzeptionsgefäss und Blasenmeridian (Mittellinie), Kopf und Füssen (Verbindung Himmel/Erde) und mit den Händen (Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit) können die innere Stabilisierung stärken.

Die erlittenen Grenzverletzungen erfordern, dass Grenzen von der TherapeutIn thematisiert, respektiert und gestärkt werden. Das Vertrauen in den Körper muss wieder aufgebaut werden. Unachtsame Berührungen sind zu vermeiden. Wir fragen nach, ob das, was wir tun, für die Klientin O.K. ist. Es ist zu klären, ob gewisse Körperzonen Tabu sind und nicht berührt werden sollen. Man sollte fragen, wie der Druck sein muss, damit er angemessen ist. Damit kann man erreichen, dass die Klientin sich ihres Körpers wieder bewusst wird und den Mut hat, Bedürfnisse auszudrücken. Dies stärkt ihre Eigenverantwortung und Persönlichkeit. Indem wir mittels Fragen zu gespürten Veränderungen das Bewusstsein auf das physische Erleben des Körpers lenken, kann die Klientin den eigenen Körper, sich selbst und ihre Grenzen wieder besser spüren. Shiatsu soll der Klientin inneren Raum geben.

Ein traumatisierter Organismus funktioniert in rigiden, engen Mustern und fürchtet sich davor, die Kontrolle zu verlieren. Kontrollmechanismen geben das Gefühl von Sicherheit, selbst wenn diese eine Scheinsicherheit ist. Keine Kontrolle mehr zu haben ist mit dem Trauma und mit Lebensgefahr assoziiert. Überkontrolle darf nur langsam, schrittweise gelöst werden. Kontrolle heisst Halten, Festhalten. Sie drückt sich körperlich als dauerhafte Muskelkontraktion aus. Aktive Dehnungen können vom Nervensystem als Wiederüberwältigung interpretiert werden und retraumatisierend wirken. Es darf nur sukzessive Druck aus dem System weggenommen werden. Das Lösen von Jitsu muss sehr sorgfältig geschehen. Wir bieten dem Jitsu ein Gefäss zur Entspannung an. Loslassen können ist Angstfreiheit, Vertrauen. Dies ist nur möglich, wenn man sich auf innere Ressourcen abstützen kann. Bei Trauma ist besonders wichtig, nicht als erstes das Ziel zu haben, gefrorene, konzentrierte Energie aufzulösen, auch wenn der starke Traumavortex die Aufmerksamkeit zum Jitsu zieht. Es ist wichtig, sich zuerst dem Kyo zu zu wenden. Wir verbinden uns mit dem unerfüllten Bedürfnis, z.B. nach getröstet werden, genährt werden, gehalten werden, und unterstützen dessen Kraft und Ressourcen.

Je grösser das geistige Wegtreten, die Abkopplung vom Hier und Jetzt erfolgt ist, desto bedeutender wird der Einsatz des vollen Körpergewichts, damit die Klientin sich selbst, das Leben, das Materielle Da-Sein, die irdische Basis, das Substanzielle und Stabile wieder spürt. Oft geht es darum, den eigenen Körper überhaupt wieder wahrzunehmen, abgespaltene Teile des Körpers wieder zu spüren („dies ist meine Arm") und sie wieder mit dem Ganzen zu verbinden (Arm-Schulter-Rumpf). Dissoziation ist auch Gefühllosigkeit und die Unfähigkeit, klar zu denken. Im Trauma übernimmt das Reptiliengehirn die Regie. Es geht darum, Gefühle wieder zu zu lassen und rasende Gedanken zu beruhigen. Im Shiatsu können wir die verschiedenen Frequenzebenen wieder aktivieren und in Verbindung bringen.

Im Trauma ist eine überlebenswichtige, somit besonders kraftvolle Bewegung (Flucht, Kampf) gewaltsam unterbrochen worden. Sie steckt als blockierte Energie immer noch im Körper. Auf eine maximale Anspannung folgt in der Überwältigung eine Kollabierung des Energiesystems. Wir finden somit besonders extreme energetische Phänomene vor: Jitsu (Fülle, komprimierte Energie, die nach Bewegung und Befreiung ruft) und Kyo (Leere, die nach Nährung, Erdung und dem Wiederherstellen von Verbindungen ruft). Bei Übererregung geht es darum, denn Organismus zu entspannen und zu beruhigen. Bei Erstarrung geht es darum, sorgfältig wieder in die Bewegung zu kommen. Durch einen sanften Wechsel zwischen Jitsu und Kyo wollen wir ein natürliches Pendeln und die Wiederherstellung des Selbstregulierungsmechanismus bewirken. Beispielsweise kann ein rhythmisches Bewegen des Arms ein sanftes Pendeln zwischen Öffnen (Lunge) und Schliessen/Schützen (Dickdarm) evozieren, sodass sich der Organismus auf diese Qualitäten rückbesinnt.

Bei Posttraumatischen Belastungsstörungen wirkt das energetische Muster des vergangenen Ereignisses noch lange Zeit weiter. Im Shiatsu können wir mit zeitlich zurückliegenden Energiemustern Kontakt aufnehmen und dazu beitragen, die in der Zeit festgefrorene, noch wirksame Energieschablone aufzulösen. Wir können Hara-Diagnosen für den traumatischen Zeitpunkt durchführen und feststellen, welche Meridianenergie zu jenem Zeitpunkt Kyo war und das damals unerfüllte Bedürfnis stärken. Wir können in der energetischen Evaluation feststellen, in welchen Jahren sich die Energie deutlich anders anfühlt (zusammenzieht, leer wird usw.). Dadurch können wir mögliche Trauma-Zeitpunkte erkennen und Zusammenhängen auf die Spur kommen.

[...]

Bei absichtsvoll zugefügten Traumata ist es oftmals wichtig, nicht zu „tun", sondern mit der Berührung vor allem „da zu sein", Vertrauen und Wohlbefinden zu vermitteln und nährend, tröstend zu arbeiten. Man muss warten können, mitschwingen, mit der inneren Kraft der Klientin in Kontakt treten. Damit gibt man ihrem Organismus Raum und Zeit, das zu prozessieren und zu integrieren, was angezeigt ist.
Die Zitate stammen von der Website der Zen-Shiatsu Schule Berlin. Es gibt aber in ganz Deutschland Shiatsu-Praktiker. Eine Praxis in deiner Nähe findest du über den deutschen Shiatsu Verband.
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Lorelei
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Fr Dez 11, 2015 12:19 am

Pflanzenheilkunde (Anfänger - Profis)

Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie bezeichnet die Lehre von der Verwendung von Heilpflanzen als Arzneimittel zur Vorbeugung und Therapie von Erkrankungen. Sie gehört zu den ältesten bekannten Therapien, die kulturübergreifend auf allen Erdteilen anzutreffen ist. Den Begriff Phytotherapie prägte im 20. Jahrhundert der Arzt Rudolf Fritz Weiss, der ihn im deutschen Sprachraum einführte.
Pflanzenheilkunde ist neben der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin eine von dreien außerhalb der Schulmedizin anerkannten Therapieformen. Pflanzliche Mittel darf man ohne besonderen Nachweis der Wirksamkeit verordnen.
Frauenmantel *t*

Bild

Regelmäßig als Tee getrunken, soll Frauenmantel helfen

- den Zyklus zu regulieren
- Menstruationsschmerzen zu lindern
- bei ausbleibender Blutung helfen
- bei Wechseljahrsbeschwerden
- zur Vorbereitung auf die Geburt
- zur Kräftigung nach der Geburt
- nach Eingriffen an der Gebärmutter
- bei Verdauungsstörungen
- bei prämenstruellem Unwohlsein.

Als Spülung oder Badezusatz mindert Frauenmantel Ausfluss, Entzündungen oder Reizungen von Scham und Scheide, als Umschlag oder Waschung hilft das Kraut bei der Wundheilung. Eine Teekompresse tut übermüdeten Augen gut, ein Frauenmantel-Umschlag strafft die Brust während der Stillzeit. Außerdem soll er das Hautbild verbessern. Bei entzündetem Zahnfleisch und bei Halsweh soll mit dem Tee gegurgelt werden.

Auch in der Homöopathie gilt der Frauenmantel als wirksames Mittel gegen alle möglichen Frauenbeschwerden. Als Bach-Blütenessenz wird das Heilkraut jenen Frauen empfohlen, die größere Nähe zur weiblichen Kraft in sich suchen oder in Zeiten der Veränderung wie den Wechseljahren, die mit Ungewissheit verbunden sind, Schutz suchen. In der medizinischen Astrologie steht der Frauenmantel für klares Denken und weibliche Kreativität.

Zubereitung und Anwendung
Tee aus Frauenmantel: Übergießen Sie 1 EL Frauenmantelkraut aus der Apotheke mit 1/4 l Wasser und bringen Sie dies zum Kochen. An einem warmen Ort (auf der Heizung oder in der Sonne) eine Viertelstunde lang ziehen lassen, dann abseihen. 1 bis 3 Tassen täglich trinken. Sie können den Tee auch für äußerliche Anwendungen verwenden.
Teemischung gegen PMS: Vermischen Sie je 2 Teile Frauenmantelkraut, 2 Teile Brennnesselblätter, 2 Teile Ringelblumenblüten, 1 Teil Melissenblätter, 1 Teil Kamilleblüten und 1 Teil Rosenblütenblätter. Übergießen Sie 2 TL davon mit 1/4 l kochendem Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen, 2-bis 3-mal täglich eine Tasse trinken.
ähnlich: Mönchspfeffer, Rotklee, ab ca. sechs Wochen: Traubensilberklee
Salbei

Die Aromatherapie weiß schon lange, dass bestimmte Düfte das Nervensystem beeinflussen können. Nun haben Forscher der Universität Seoul/Südkorea untersucht, wie beruhigend die unterschiedlichen ätherischen Pflanzenöle wirken. Dazu wählten sie 35 Patientinnen, die eine schmerzhafte und unangenehme Untersuchung vor sich hatten, als Probanden aus. Die Studienteilnehmerinnen wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe atmete vor der Prozedur das Aroma von Lavendelöl ein, eine zweite Salbeiöl und die dritte Gruppe Mandelaroma. Die Aromatherapie erfolgte in allen drei Gruppen jeweils 60 Minuten lang. Während der Aromatherapie maßen die Forscher den Blutdruck, den Puls und die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol bei allen Studienteilnehmerinnen. Den größten beruhigenden Effekt erzielte nach dieser Untersuchung das Salbeiöl: Es senkte den Puls um 25 % besser als das Lavendelöl.

Die beruhigende Wirkung des Salbeiöls können Sie auf verschiedene Weise nutzen. Die einfachste Variante: Sie geben ein paar Tropfen reines ätherisches Salbeiöl (aus dem Bioladen oder Reformhaus) in eine Duftlampe und atmen die aufsteigenden Aromen ein. Sehr wirkungsvoll ist auch ein warmes Vollbad, dem Sie ein paar Tropfen des ätherischen Öls hinzufügen. Ein solches Entspannungsbad ist besonders am Abend geeignet, wenn Sie anschließend ruhen können.
ähnlich: Lavendel, Kamille
Johanniskraut

Kein Antidepressivum, geschweige denn auf pflanzlicher Basis, hat in den letzten Jahren einen solch spektakulären Aufschwung genommen wie das Johanniskraut (Hypericum perforatum L.). Inzwischen steht es unter den antidepressiven Substanzen nach Verordnung und Verwendung sogar an vorderster Stelle (auch wenn es inzwischen wieder Umsatzeinbrüche gab). Und dass es sich um ein "teures Edel-Placebo" handelt, behaupten nicht einmal mehr seine schärfsten Kritiker, im Gegenteil: das Phyto-Antidepressivum Johanniskraut hat inzwischen durch mehr als 40 klinisch-therapeutische Studien belegt, dass sein Behandlungserfolg für leichtere (bis mittelschwere) Depressionen mit dem von synthetischen ("chemischen") Antidepressiva vergleichbar ist. Außerdem werden noch spezielle Heilanzeigen diskutiert: Winterdepression, körperbezogene Störungen, Trauerreaktion, Burnout-Syndrom, prämenstruelle Störungen, Klimakterium, Tinnitus (Ohrgeräusche), chronischer Schmerz u. a.

Die Nebenwirkungen halten sich - zumindest zahlenmäßig - in Grenzen (sind jedoch bei ausreichender Dosierung auch nicht völlig vernachlässigbar). Bei den Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln gibt es allerdings klinische Erkenntnisse, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Insgesamt gilt Johanniskraut - zumindest für einen großen Teil der (leichteren bis mittelschweren) depressiven Zustände - als sinnvolle Behandlungsalternative. Da Depressionen aber nicht nur belastend, sondern auch gefährlich werden können, sollte es einzig und allein der Arzt sein, der hier über die Therapie entscheidet, den Verlauf kontrolliert und den Behandlungsabschluss bestimmt.
Und natürlich gibt es noch viele andere tolle Heilkräuter, z. B. Brennnesseln, Melisse oder Rosenblätter. Gibt es alles als Tee oder Präparat in eurer Apotheke vor Ort. Oder manchmal auch im Bioladen. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht ausgeschlossen, im Zweifel den Apotheker oder Arzt fragen.

Quellen: psychosoziale-gesundheit.net, heilkraeuter.de, fid-gesundheitswissen.de. Bild: wikimedia commons
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Sa Dez 12, 2015 12:18 pm

Räuchern (Mittelstufe-Profis)

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Und gestern, ganz neu: Räuchern ausprobiert! Wie bei der Aromatherapie funktioniert das über Düfte, die direkt ins limbische System gehen. Auf einigen Weihnachtsmärkten findet man auch einen Stand mit Räucherwaren. Wer noch nicht weiss, ob das etwas für ihn oder sie ist, kann zuerst mit hochwertigen Räucherstäbchen arbeiten. (Billige enthalten mehr Klebstoff als alles andere). Wer es gerne ausprobieren will, braucht ein feuerfestes Gefäß, Quarzsand, eine kleine Räucherkohle und eure gewählte Räuchermischung.
Etwas Sand in das Gefäß geben (Keramik geht gut), Kohle in eine kleine Flamme halten (Zuckerzangen und Teezangen mit Ei am Ende sind klein genug), bis ein paar Funken sprühen. Kohle auf den Sand geben, ca. 1/2 TL Sand auf die Kohle geben, damit das Räuchergut nicht so schnell verbrennt. Räuchergut auf die Kohle geben und den Balkon oder die Bude beduften. Den Rauch bei Bedarf mit Vogelfedern verteilen.

Besondere Empfehlungen: Myrrhe. Sie erdet und bringt die Nerven zur Ruhe. Ist gut als Räucherware fürs erste und zweite Chakra, die mit Erdung, Sicherheitsgefühl, innerer Kraft zu tun haben. Macht auch ein bisschen schummrig, danach also besser nicht direkt Auto fahren. Mir hat sie gestern beim Entspannen geholfen.
Wer merkt, dass bei der Entspannung zu schnell unangenehme Gefühle auftauchen, sollte vielleicht besser ein anderes Räucherpaket wählen - bei Depressionen ist Myrrhe z. B. nicht angesagt, da helfen andere Stoffe besser.

Drachenblut wirkt noch intensiver. Deshalb ist es meistens in Mischungen anzutreffen.

Salbei ist traditionell für eine Hausreinigung gut. Es gibt aber noch viele andere Mischungen. Am besten direkt am Stand einmal Probe schnuppern und schauen, wie das auf euch wirkt.

Bitte geht konzentriert und achtsam mit dem Feuer um und beachtet allgemeine Sicherheitshinweise. Und jetzt viel Spaß beim Räuchern!

Im Internet zu bestellen unter z. B. mondfee.de
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Re: Stabilisierungstechniken

Beitrag von Lorelei » Sa Dez 12, 2015 7:44 pm

Stabilisierendes Essen (Anfänger-Profis)

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Über Nahrungsmittel, die einen aus Angst- und Panikzuständen wieder heraus holen können, hatte ich bereits vor ein paar Seiten geschrieben. Jetzt geht es um Nahrungsmittel, die einen generell wieder runterkommen lassen und den nährenden, geborgenen Charakter besser betonen. Geschmäcker sind natürlich verschieden; und ihr könnt selbst einmal schauen, welches Essen ihr am ehesten mit Geborgenheit und Wärme, Ruhe und Zufriedenheit assoziiert - vielleicht sogar verknüpft an Personen oder Ereignisse, die euch gut getan haben? (Ist bei mir z. B. italienischer gezuckerter Instant-Kamillentee.)

Klinisch belegt ist die Stabilisierung durch Nahrungsmittel nicht. Aber es gibt viele, die einfach gut tun. Mein Lehrer empfahl mir, alles zu essen, was meine Erdmitte, mein Hara, stärkt - in der kalten Jahreszeit also vor allem Wurzelgemüse. Wer Fleisch isst, isst Fleisch, wer Fisch isst, isst Fisch, bei Vegetariern sind das mehr Pilze, Kartoffeln, Kürbis, Wurzelgemüse, Käse und Milchprodukte, und wer vegan lebt, greift zu Nüssen, Soja, Seitan und Tofu. Besonders stark in diesen Eigenschaften, die eher schweren Nahrungsmitteln den Vorzug geben, ist die russische Küche. Klar: Wer so viel anstrengendes Winterwetter hat, braucht öfter etwas Wärmendes. Und kochen mit Wurzelgemüse hat in Russland Tradition. Das Gegenteil der eher schweren, erdenden Kost ist die leichte vegane und leichte französische Küche, mit viel Salat, Obst und wenig Fett. Das ist gut, um Gewicht zu verlieren, macht auch empfänglicher für feinstoffliche Energien, aber bringt weniger gut auf den Fußboden zurück.

Natürlich ist kochen ein wenig Aufwand, aber es kann auch sehr viel Spaß machen, neue Rezepte auszuprobieren. Ich versuche wieder zu staffeln, weil jeder mit Nahrungsmitteln etwas anderes verbinden kann. Ihr pickt euch wie immer das heraus, was euch gut erscheint.
Aprikosensuppe mit Schlagsahne (Anfänger, vegetarisch)
4 Personen

600g getrocknete Aprikosen
200g Reis
200g Zucker, 200-400g Schlagsahne

Aprikosen mit dem Zucker in Wasser weich kochen und im Sud abkühlen lassen. Abtropfen, große Früchte mit dem Mixer pürieren, kleine ganz lassen. Reis im Wasser garen und heiß auf Teller verteilen. Aprikosen auf den Reis füllen und alles mit flüssiger oder leicht geschlagener Sahne übergießen.
Das Ganze lässt sich natürlich auch nach Belieben würzen, z. B. mit Zimt, Honig, Vanille, Minze... bin das nur ich, oder erinnert sich dabei noch jemand an Grießbrei und Milchreis?
Borschtsch auf Kiewer Art mit Pilzen (Mittelstufe, vegetarisch)
4 Personen

60 g getrocknete Steinpilze
1-1 1/2 l Wasser
300 g Kartoffeln, 300g Weißkraut, 100g geschälte rote Bete
je 1 Petersilienwurzel, Karotte, Zwiebel
1/4 l Rote-Bete-Saft (Bioladen, dm)
1 EL Tomatenmark
50g Butter, 1 EL Mehl, 1/8 l saure Sahne
2 Eigelb, 1 Bd. Petersilie
Salz, Pfeffer, Essig, Lorbeerblatt, Zucker

Getrocknete Pilze in warmem Wasser einweichen und gut abspülen. Im Wasser mit Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt weich kochen und abseihen. Pilze abtropfen lassen und klein schneiden. Geschälte rote Bete in Streifen schneiden und in etwas Pilzbrühe weich dünsten. Karotte, Petersilienwurzel und Zwiebel grob hacken, in Butter anrösten und mit Tomatenmark verrühren. Pilze ebenfalls anbraten. Kartoffeln und Kraut in abgeseihter Pilzbrühe 15 min. kochen. Rote Bete, Wurzelwerk, Pilze, Rote-Bete-Saft zufügen und gut durchkochen. Mehl mit etwas Pilzbrühe glatt rühren und die Suppe damit binden. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und so lange kochen, bis alle Zutaten gar sind. Saure Sahne mit Eigelb verquirlen und auf die mit Borschtsch gefüllten Teller verteilen. Mit gehackter Petersilie bestreuen.


War mir so zu aufwändig, ich hab alles in einen Topf geworfen und war trotzdem zufrieden... ;) wer dieses Rezept vegan genießen möchte, ersetzt Butter durch Alsan, saure Sahne durch Sojasahne und lässt das Eigelb weg. Glutenallergiker können statt des Mehls auch Speisestärke verwenden. Fortgeschrittene und Profis loggen sich bei Chefkoch.de ein oder suchen z. B. nach traditionellen russischen Rezepten von Alla Sacharow. Oder gehen zurück zu solchen Klassikern wie Bratkartoffeln mit Spiegelei.

Für alle lieben anonymen Messies unter uns: Vergesst nicht, eure Küche nach dem Kochen wieder aufzuräumen. Schimmelpilze & Co. steigern das Risiko für Erkrankungen der Atemwege und der Haut, und in einer aufgeräumten Küche ist es leichter, für sich selbst zu sorgen. Wem das alles zu aufwändig ist: Vielleicht lasst ihr euch mal wieder bekochen? Entweder durch einen lieben Menschen oder durch ein Restaurant, mit dem ihr euch selbst wieder etwas Gutes tun könnt. :)

Zum Nachtisch Mousse au chocolat? ;)
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