langjährige Therapie, aber keine Heilung

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Aufatmende
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langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » Fr Mai 27, 2022 6:34 pm

Hier sind einige User*innen schon lange da. Mit längeren guten Phasen ohne Forum, mit Wechsel des Namens, mit erneuten Abstürzen oder neuen unaushaltbaren Erinnerungen oder Phasen von mehr oder weniger akuter Suizidalität.

Wie geht ihr damit um, dass es eben nicht gut oder heil wird, dass hinter dem Berg, den man gerade mit großer Anstrengung und letzter Kraft bestiegen hat, der nächste Anstieg wartet, mit (innerer) Einsamkeit, mit Schuldgefühlen, mit Dingen, die man glaubte, überwunden zu haben und die mit geballter Macht zurück kommen, mit Menschen, die triggern und denen man nicht ausweichen kann, mit Kämpfen um weitere Therapiesitzungen?

So lang sollte das gar nicht werden. Ich wollte nur Eli antworten, was ich mit Fluss der Erinnerung meine:
In Therapie bearbeitete Erinnerungen, die noch da sind, aber nicht mehr quälen. Wenn sie (im Fluss) wieder auftauchen oder mehr vom selben, ein anderes Jahr, ein anderer Täter :evil: , dann kann ich ihnen zuwinken wie Laub im Wasser oder einem Schiff am Horizont und mir sagen, dass es schlimm war und nicht ( ganz) wieder gut zu machen, aber vorbei, Vergangenheit.

Ich dachte, ich wäre durch, dann tauchte auf, dass es mehrere Täter außerhalb der Familie gab. Dann, dass es nicht nur verschiedene Anteile in einer Erinnerung gab, sondern diverse Innenpersonen mit einem ausgeprägten Ich-Bewusstsein.
Inzwischen ist es so, dass weder die Gräuel einer einzelnen Erinnerung noch das Lebensgefühl, von jetzt auf gleich eine andere zu sein und "verrückte" Dinge zu tun, außerhalb von Therapie und Forum nicht mehr mittelbar sind. Außer Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Die muss man erstmal finden!
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Pianolullaby
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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Pianolullaby » Fr Mai 27, 2022 8:15 pm

Auch wenn ich noch nicht so lange dabei bin, aber dafür auch schon lange in Therapie würde ich gerne etwas dazu da lassen.
Ja, auch mir geht es so, dass immer wieder eine Steigung kommt.
Ich für mich habe beschlossen, dass ich niemals den Tätern den Sieg über mich gönne. Nein, ich bin stärker,
ich gebe nicht auf, denn dann hätten sie gewonnen. So lange ich immer 1x mal mehr aufstehe als hinfalle,
ist der Sieg der Meine.

silan
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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von silan » Fr Mai 27, 2022 8:37 pm

👀 aufatmende... das liest sich als würdest du uns kennen🙊
Ich weiß nicht ob wir alle Kriterien erfüllen, weiß z.B. nicht wie lange wir hier schon schreiben... aber der Rest...
Vielleicht ist es ja ok, wenn wir hier mit schreiben? Wenn nicht kann man das ja vielleicht irgendwie wieder löschen lassen.

Ich habe zufällig gelesen, dass jemand von hier beim Tabuthema Suizid geschrieben hat. Ich versuche hier seit ca. 9 Monaten das Außen zu managen, so gut es geht. Und unsere Thera vor absoluter Überflutung von uns durch diverse Medien zu bewahren. Daher bin ich froh, dass einige anscheinend nach anderen, neuen Wegen suchen. Auch wenn ich Snow gar nicht kenne.
Viele Jahre haben hier schon Leute Therapie gemacht... seit 1991, soweit ich das rekonstruieren kann. Aber erst seit wir unsere jetztige Thera haben, seit ca 2,5 Jahren, kommt Bewegung in die ganze Sache... mit allem drum und dran.
Diejenigen, die bis vor ca. 9 Monaten das Außen gelebt haben sind bei unserer Annäherung ganz plötzlich durch eine Mauer von uns abgeschnitten. Mittlerweile haben wir wieder Kontakt, sie arbeiten innen weiter an dem, was sich aufgetan hatte.
Doch wir haben plötzlich da gestanden, zu dem Zeitpunkt nur eine Handvoll Leute, die vorher nie das Außen zu verantworten hatten, nicht einmal wussten, dass die Welt sich verändert hat in den letzten 30, 40, 50 Jahren. Seitdem versuchen wir das irgendwie zu wuppen, das laufende Ausenleben... und das immer größer werdende Innenleben... und werden geflutet von allem was man sich vorstellen - oder eher mal so gar nicht vorstellen kann. Wir stehen fast täglich irgendwie mit unserer Thera in Kontakt und denken so oft...jetzt ruft sie die freundlichen Herren mit der schicken Jacke mit den Ärmeln auf dem Rücken... wir werden geflutet mit Erinnerungen, mit Schmerzen, mit Verboten mit Verletzungen von klein(st)en Kindern, mit Programmen die uns zermürben.
Die letzten zwei Jahre Therapie haben wir aus eigener Tasche bezahlt, jetzt zahlt erst einmal die KK wieder. Die Therapiefortsetzung wurde damals abgelehnt. Mal sehen, wie lange die jetzt die Kosten übernehmen.

Wie schon geschrieben, hoffentlich ist es ok, dass ich hier was geschrieben habe?
Nora

Eli

Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Eli » Fr Mai 27, 2022 8:54 pm

Hallo Silan bzw Nora

Von meiner Seite kannst du gerne mit schreiben. Habe dich immer gern gelesen und weiss noch dass ich das schlimm fand als ihr vor einigen Monaten oder Jahren(?) mal schriebt (bzw jemand von euch) dass ihr viele neue Anteile entdeckt habt.

War denn die Therapie davor nicht gut? Kannten die sich nicht aus? Oder wärt ihr vielleicht noch nicht bereit?
Finde das liest sich sehr schlimm aber freue mich dass ihr da einen guten halt habt. Lernt ihr denn auch euch selbst zu regulieren, euch zu kümmern? Jeden Tag thera Kontakt finde ich sehr krass bzgl emotionaler Abhängigkeit für euch...

Hallo aufatmende

Danke für deine Erklärung.
Ich hatte mir das so ähnlich gedacht dass du das meinst.

Ich kann gerade leider gar nicht so viel zu dem anderen sagen auch wenn ich gerne würde, weil das bei uns einfach zeitlich ziemlich anders war.
Also erst von null auf hundert das viele sein gemerkt, dann die Erinnerungen aus den Bereichen 1, 2, 3 und 4 und eben Dinge wo ich weiss dass da nicht mehr schlimmeres kommen kann.

Das war in den letzten zwei Jahren so krass viel aber ich weiss eben dass zwei Jahre viel zu kurz sind. Es ist alles neu und wiederholt sich sozusagen (noch?) nicht.
Ich hatte diese Gefühle eher jahrelang davor in der sch Therapie als nichts voran ging.

Gerade bin ich einfach sehr von überfordert wie schnell immer neue Sachen hochkommen. Aber emotional begriffen hab ich das nicht. Ist noch bei den Anteilen zum Glück. Und bin auch noch nicht da, was bearbeitet zu haben und dann kommt ähnliches vom "gleichen" trotzdem nochmal. Stell ich mir aber sehr ermüdend und frustrierend vor.
Deshalb kann ich dazu leider nicht so viel sagen..manche Erinnerungen sind auch sehr einmalig. Denk also da hab ich das Gefühl evtl auch nicht so. Keine Ahnung.

Kampf um Stunden ist ein sehr sehr schweres Thema... Das muss ich gerade weg schieben... :cry:

Leute mit pdis oder Dis findest du bei Berta (betroffene beraten da aber sind natürlich keine Freundinnen oder so) oder in einer guten Traumaklink... Oder wenn du in einer großen Stadt wohnst evtl in einer Selbsthilfe Gruppe. Da würde ich aber glaub aus diversen Gründen nicht hingehen wollen. :roll: Es gibt auch 1,2 Foren nur für Menschen mit Dis..hatte Mal gefragt aber nie Antwort von denen bekommen bzw sie waren voll.

Ich habe zwei Freundinnen mit Dis die ich aus einer Trauma klinik kenne. Das hilft sehr, auch wenn wir natürlich nicht über Trauma reden. Aber zu wissen die verstehen das viele sein.. das hilft.

Alles liebe euch beiden
Eli

Aufatmende
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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » Sa Mai 28, 2022 8:45 am

Natürlich ist das okay. Dass du hier schreibst. Ich will niemanden ausgrenzen. Ich habe dich schon in dem anderen Thread gelesen. Was du erlebt hast unter die Füße zu kriegen plus Arbeit bis zur Erschöpfung puuh.
Du hast meine volle Bewunderung.
Hast du denn schon Möglichkeiten, Erinnerungen zu bremsen oder Vereinbarungen mit den "Neuen" zu treffen oder kämpfst du "nur" täglich ums Überleben?
Was wäre, wenn du nicht arbeiten würdest?
Rückfälle sind Vorfälle!

Wildi
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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Wildi » Sa Mai 28, 2022 10:41 am

Hallo in die Runde!

Ich mache auch schon soo lange Therapie, auch zu "dem" Thema. Hab viel erreicht, einen guten Umgang mit mir selbst gefunden etc.

Jetzt stellt sich heraus, was für ein Selbsthass in mir ist. Und was für eine Spaltung. Einerseits schreit mein Körper seine Erfahrungen durch Schmerzen, Entzündungen etc. heraus, und niemand von professioneller Seite hat meine Erlebnisse jemals angezweifelt. Meine Thera spricht von F*lter, von ihrer eigenen Erschütterung darüber, was mir angetan wurde. Und ich – da ist das Andererseits – bin zutiefst überzeugt, dass ich alles erfunden habe, die größte Lügnerin unter der Sonne bin und, falls da doch etwas gewesen sein sollte, es nicht so schlimm war.

Naja, das wollte ich bloß erzählen.
Atmen.

silan
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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von silan » Sa Mai 28, 2022 3:30 pm

Hallo Eli, danke für das Willkommen. Ich weiß leider nicht,wer hier davon geschrieben hat. Kanns auch nicht finden.. aber ja, wo die früher von ca. 40 Leuten ausgegangen sind, meint unsere Thera jetzt, es wird irgendwo im mittleren dreistelligen Bereich liegen, wie viele wir tatsächlich sind.
Ich ( Nora ) kann nicht wirklich sagen, warum das in den vielen Jahren Therapie gelegen hat, dass so vieles im Vreborgenen blieb. Wir vermuten, dass der Tod der Eltern eine große Rolle gespielt hat, denn erst danach fing es hier wohl an, dass sich was veränderte. Aber auch die Therapie ist anders. Wir haben seit 2020 eine neue Therapeutin und die geht anscheinend ganz anders an die Sache ran. Aber wir vermuten auch, dass die anderen Theras sich nicht getraut haben tiefer zu gehen. Denn Anzeichen, dass da noch viel viel mehr ist gab es wohl schon lange. Wir haben noch Kontaktbücher aus den Anfängen der Therapie bis heute und da finden sich schon früh Hinweise. Aber wir können nicht beurteilen, wie viel die damaligen Theras davon wussten oder ob überhaupt.
In unserer jetztigen Therapie lernen wir viel uns um unsere Leute zu kümmern. Aber wir stecken noch in den Kinderschuhen. Damit unsere Thera nicht völlig von uns geflutet wird, bin ich vor einigen Monaten nach vorne gekommen um das zu regulieren. Zu dem Zeitpunkt war es so, dass sie fast täglich über Stunden mit SMS und sowas geflutet wurde. Zu dem Zeitpunkt waren wir sehr orientierungslos, die meisten gar nicht im hier und jetzt verankert und einfach nur ängstlich und verzweifelt weil sie nicht wussten was los ist und nur auf irgend eine Form von Bestrafung gewartet haben. Da war unsere Thera so eine Art Rettungsanker. Außerdem sind viele Leute mit hoch gekommen, die nicht so toll finden, was hier gerade passiert und alle lieber wieder auf ihre alten Plätze prügeln wollen. Auch die haben sie total traktiert, sie bedroht, uns als Spinner dargestellt, die Therapie gekündigt etc.pp. Da ist sie jetzt mit uns am arbeiten, dass wir uns kennenlernen und intern zusammenarbeiten lernen. Das ist alles viel Arbeit und mega zeitintensiv. So dürfen ihr jetzt z.b. alle die möchten immer eine Mail schreiben. Die liest sie aber nur wenn sie in der Praxis ist. Und sie kann auch nicht jede beantworten. Außerdem können wir sie im Notfall per SMS anschreiben. Aber wir arbeiten mit ihr auch sehr daran zu schauen, was kann der oder diejenige alternativ machen um gehört zu werden oder auch Hilfe zu bekommen. Und es ist für uns gut, wenn wir merken dass wir uns auch untereinander helfen können oder andere Alternativen finden.
Eine emotionale Abhängigkeit zu einer Thera hatten wir schon mal vor vielen Jahren. Das wollen wir auf gar keinen Fall wiederholen. Natürlich ist diese Art der Arbeit sehr nah, aber es gibt klare Grenzen, die nicht überschritten werden. Da achtet nicht nur unsere Thera drauf, auch uns ist das sehr wichtig.
So wie du es bri dir beschreibst, ist es hier derzeit auch. Die Übrrforderung, wie schnell derzeit viele unglaubhafte Sachen hochkommen, wo in der Therapie immrr wieder der Gedanke kommt, wenn ich ihr das jetzt auch noch erzähle, dann sorgt sie für ein bequemes Bett in der Klapse... Aber bislang ist es dann eher so gewesen, dass sie zwar superbetroffen war, aber immer wieder sagt, ja, ich glaube dir / euch das, das erklärt so vieles oder ich weiß das schon und und und. Und auch hier hängt das meiste emotional noch bei den entsprechenden Leuten, die es betrift/betraf.
Auch vom Körper sind wir weit entfernt. Derzeit gibt es vorne niemanden, der sich damit identifiziert. Er ist ein lästiges Anhängsel und es bedarf wohl noch viel Auseinandersetzung mit dem, um wirklich zu begreifen dass der irgendwie dazu gehört.
Soviel erstmal von hier.
Liebe Grüße

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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » Sa Mai 28, 2022 7:26 pm

Ich danke euch sehr. Es tut einfach gut zu wissen, dass man nicht allein ist (obwohl man mit Innenpersonen sowieso nie allein ist :? )
Ich versuch mal, das was hier geschrieben wurde und helfen könnte, in kurze prägnante Sätze zu fassen:

Ich bin stärker als die Täter und habe sie besiegt.
Ich darf meiner Thera Mails/ WhatsApps/ SMS schreiben, die sie liest, aber nicht unbedingt beantwortet.
Die Thera setzt klare Grenzen.
Die Thera glaubt uns uneingeschränkt, selbst das, was wir uns selbst nicht glauben können.
Meine Thera zeigt, dass sie erschüttert/ betroffen/ traurig ist über das, was passiert ist.
Ich kommuniziere mit dem Innen und kümmere mich um sie.
Ich lerne, meinen Körper als zu mir gehörig zu betrachten.

Ich hoffe, ich habe nichts überlesen.
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » Sa Mai 28, 2022 7:42 pm

@Eli
Und bin auch noch nicht da, was bearbeitet zu haben und dann kommt ähnliches vom "gleichen" trotzdem nochmal. Stell ich mir aber sehr ermüdend und frustrierend vor.
Die Erinnerung als solche ist sch....
Aber inzwischen ist es möglich, vieles allein zu machen und meiner Thera nur noch zu schreiben. Das macht extrem stolz und die Selbstwirksamkeit kommt bei der betroffenen Innenperson an. Wir bearbeiten nur das, was mir länger den Schlaf raubt oder zu viele Körpersymptome macht. (Ich kenne meine Therapeutin seit 14! Jahren)
Kampf um Stunden ist ein sehr sehr schweres Thema... Das muss ich gerade weg schieben... :cry:

Meine Thera hat für den Gutachter geschrieben und ich habe 36 Stunden bewilligt bekommen. Halleluja! Ich hatte natürlich immer wieder lange Pausen oder nur 1 Termin pro Quartal.
Ich habe zwei Freundinnen mit Dis die ich aus einer Trauma klinik kenne. Das hilft sehr, auch wenn wir natürlich nicht über Trauma reden. Aber zu wissen die verstehen das viele sein.. das hilft.
Ich habe eine Telefonfreundin. Die ist der größte Schatz, den ich letztes Jahr gefunden habe.
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von silan » Sa Mai 28, 2022 11:48 pm

Liebe Aufatmende,
ja, es tut gut nicht alleine damit zu sein. Ich bin dankbar dafür, hier jetzt etwas Austausch zu finden.

Früher... vor meiner Zeit waren die Leute hier sozial eingebunden. Sie hatten Freunde mit denen sie sich getroffen haben, sich austauschen konnten, sich verstanden fühlten etc. Und eine Frau, die life und in Farbe damit konfrontiert wurde, dass es innerhalb kurzer Zeit einen kompletten Außenteamwechsel gegeben hat und jetzt irgendwie damit umgehen muss, dass plötzlich eine Hand voll Unbekannte (anfangs, wir lernen uns immer besser kennen und verstehen) vor ihr stehen und erst einmal begreifen müssen was da eigentlich los ist... Das ist alles super schwer zu handeln. Auch ist es schwer für uns, ein völlig fremdes Leben einfach mal so zu ''übernehmen''. Mit den Freunden der anderen können wir nichts anfangen. Da ist nichts was irgendwie verbindet. Unsere Frau ist echt ok. Sie hat das alles mitbekommen und hilft uns so gut sie kann. Die Familie unserer Frau kennen wir ebenfalls gar nicht. Klar, wir haben im letzten ¾ Jahr die mal gesehen, aber wer ist wer und nur beim erzählen die richtigen Gesichter dazu zu haben ist eine Herausforderung. Und auch in Gespräche mit denen verwickelt zu werden ist super schwer. Weil es doch immer mal zu Themen kommen kann, über die wir gar nicht informiert sind. So sind wir derzeit eigentlich ziemlich isoliert. Auch das häusliche Umfeld ist ja ein ganz anderes, viele die in den letzten Monaten nach vorn gekommen sind wissen nicht, dass es sich um unser Haus handelt und haben Angst irgendwo in der fremde festgehalten zu werden. Sie und eigentlich wir alle tun sich sehr schwer damit zu lernen, dass wir hier sicher sind. Wir haben große Angst vor die Tür zu gehen und unser Zuhause zu erkunden. Dabei gibt es hier so viel. 20 Jahre haben die anderen an einem sicheren Zuhause gearbeitet, eigentlich mit allem drum und dran. Wir haben sehr viel Platz, uneinsehbar, sogar Ponys und viele andere Tiere. Auch Spielmöglichkeiten für die Kinder gibt es und sie haben einen großen Gemüsegarten auf Hochbeeten angelegt, weil der Körper so zerstört ist, dass wir auf Rollator und Rollstuhl angewiesen sind. Aber nichts geht. Wir sind mit dem was gerade passiert so überfordert, dass wir wie gelähmt dem ganzen gegenüberstehen und nicht annehmen können, dass das unser ist, dass wir sagen düefen wer oder was da passiert.
Ja, und die Körpersache... das ist ein weiteres Megading, dass bei uns noch so ganz am Anfang ist. Die Akzeptanz, dass es einen Außenkörper gibt, der mal so ganz anders ist als das was wir als Körper haben. Oder auch nicht...oder nur bedingt... so ganz wissen wir es selber noch nicht so genau. Und das dieser Körper auch irgendwie ''mitgenommen'' werden muss, also gepflegt, gekleidet, beachtet und so. Das fälllt uns sehr schwer. Auch anzuerkennen, dass der Außenkörper eine Schwerbehinderung hat ist schwierig. Es kommt immer noch vor, dass man vergisst Rollator oder Rollstuhl zu benutzen und nach wenigen Metern auf der Klappe liegt. Oder dass, gerade bei Kindern, diese Außenkörper aus irgendwelchen Gründen doch mal besser funktioniert und wir uns plötzlich unerreichbar weit von unseren Hilfsmitteln entfernt haben. Zum Glück haben wir da einen sehr aufmerksamen kleinen Helfer, unseren Enkel, der mit bei uns im Haus lebt. Er ist 7 Jahre alt und schiebt uns den Rollstor immer hinterher, sollte ihn mal jemand vergessen... aber auch mit den Enkelkindern... zu verstehen, dass die beiden da sind und zu uns gehören, dass unsere Kinder mittlerweile erwachsen sind und unsere Enkelin nicht unsere Tochter ist. Sie sieht ihr zum verwechseln ähnlich... viel...
Und als Krönchen obenauf der ganze Trigger-Uberflutungsscheiß mit allem drum und dran, vielen Kindern die nach vorne purzeln mit vielen Verletzungen und Schmerzen und weiteren Erinnerungen und anderen, die versuchen alles zurückzudrängen und die alte Ordnung wieder her zu stellen, alles in Frage stellen und uns jeden Knüppel versuchen zwischen die Füße zu werfen den sie finden können... im Moment ist es ein großer Überlebenskampf. Aber wir wissen auch, dass wir im Grunde genommen gute Voraussetzungen haben. Wir haben ein SICHERES Zuhause. Wir haben finanzielle Sicherheit und und Menschen, die uns zwar immer noch fremd sind, denen wir aber wichtig sind. Und wir haben eine Therapeutin, die bereit ist mit uns und für uns zu kämpfen. Und auch wenn es immer wieder in Frage gestellt wird, dieses Leben, oft nicht aushaltbar und schmerzhaft, ich wünsche mir, das wir das hinbekommen. Soweit erstmal...
Danke an alle die sich die Mühe gemacht haben, das zu lesen.
Nora

Eli

Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Eli » So Mai 29, 2022 12:43 am

Liebe Nora

Das klingt einfach unfassbar krass und schlimm und traurig
Das mit dem Enkel klingt aber unfassbar lieb. :D er wird sicher Mal ein ganz toller sozialer Mann. :wink: Kinder sind einfach toll. Die nehmen einen ja wie man ist. Er findet es sicher kaum besonders wie ihr seid. Du bist einfach die geliebte Oma. :!:
Hoffe auch eure Tochter unterstützt euch und dass sie psychisch gesund ist.

Und dass sich nach dem Tod der Erzeuger so viel geändert hat finde ich schlüssig. Mir graut es auch schon davor wenn meine Eltern sterben, weil dann eben erst klar wird dass einem nichts mehr geschehen kann.das löst sicher sehr viel aus dieses neue eigentlich tolle Gefühl.

Ich finde deinen letzten Text sollten alle lesen die finden dis werde gehypt oder sei irgendwie toll oder da sei komischerweise alles immer so anders (niemand hier im Forum).

Finde das so traurig weil die Lebenszeit einfach auch gering ist... :cry: um eben so viel sch zu bearbeiten. Und eben früher die Therapien ja auch meist schlechter waren.

Das mit der thera freut mich sehr. Das klingt gut.
Habt keine Angst dass sie euch nicht glaubt oder weg spe**t. Heute ist es anders. Das würde sie niemals tun. Und es gibt Menschen wie uns, die leider ahnliches kennen und wir sind auch nicht in der Klapse. Zumindest nicht deshalb weil wir so was erzählen. 8) oder weil wir lügen würden oder eine Str*Fe bräuchten. Wir werden im heute, im Jahre 2022 nicht schlecht behandelt. Versprochen.

Ich sende euch von Herzen viel Kraft. Und auch deiner Frau viel Kraft.
Eli

Eli

Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Eli » So Mai 29, 2022 1:04 am

Hi aufatmende, Nora und andere Mitleser innen,

Mmh möchte was zu den Sätzen sagen.
Die passen nicht für uns. So gar nicht. :oops:

Ich darf ihr nichts mehr schreiben. Nur noch selten kurz. Das hat sich verändert und tut weh. Andere sind wichtiger, bekommen viel mehr Zeit und eben liebe. Wir nicht, weil wir eben nur Patientin sind. Versteh ich rational. Ist halt so. Pech. Nur emotional bricht uns das, weil wir eben andere Menschen suchen aber es die nicht gibt..und es früher anders war, das gut tat, half. Nun geht das nicht mehr und wir bleiben eben wieder allein mit all dem schrecklichen..

Und der Satz, die thera zeigt dass sie betroffen ist. Traurig...
Das ist gerade null so. Deswegen geht es uns seit einer Woche extrem schlecht. Das interessiert sie nicht. Müssen noch tagelang warten bis wir das klären können. Will ich gar nicht klären.
Sie hat klar gezeigt an ihrer Reaktion, dass es egal ist, ich allein klar kommen muss. Hat mich wie Dreck behandelt. Das triggert extrem, löst viele Symptome aus bis hin zu Suizidalität.
Es geht hier nicht um irgendwelche Erinnerungen zu MB, VG oder körperlicher Gewalt mehrerer Menschen. Es geht um anderes.
Um den puren Horror.

Am Ende ist es bei uns gerade fast wie früher.
Wir sind egal und allein und das ist sch.. macht extrem suizidal.
Da ist viel Vertrauen weg und ich weiss nicht ob das nochmal verziehen werden kann.
Ich hätte das nie erwartet und versteh es auch nicht. Ich hätte nicht viel gebraucht. Aber ein Mini bisschen. Tja das ist wohl zu verlangt von der dummen f*tze.
Wir haben genug mit dem Horror zu tun. Diese zusatzliche Verletzung durch sie schl*gt dem Fass den Boden aus...

Danke dass ich das schreiben durfte. Keine Ahnung wie die nächsten Tage überleben. Aber ja werden wir. Wie immer.
Eli

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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » So Mai 29, 2022 9:26 am

Ich habe es ganz gelesen.

Das mit der totalen Verwirrung bezüglich der Enkelkinder kenne ich auch. Aber eher so, dass eine Innenperson anfängt zu begreifen, dass sie ihren Körper, der sich jung anfühlt, mit mir Älteren teilt, weil mein Enkel jetzt so alt ist wie sie damals war.
Auch mein Körper ist rheumatisch angeschlagen und ich brauche demnächst ein neues Knie, laufe aber auf meinen eigenen Füßen.

Mit deiner Frau kann ich nicht ganz folgen.
Hast du Kinder eines anderen Mannes, lebst aber jetzt als Frau mit einer Frau zusammen?
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Aufatmende » So Mai 29, 2022 9:46 am

@Eli
Ist leider durcheinander, weil deine Postings warum auch immer erst nach meiner Antwort an Nora erschienen

Sind da möglicherweise Switches in einer Sitzung passiert und deine Thera hat den Überblick verloren oder der (zu Recht) wütende, sich verlassen fehlende Teil mit relativ wenig Ressourcen im Vergleich zu der klugen, reflektierten Erwachsenen hat das letzte Posting geschrieben?
Möglicherweise hat die Thera auch eine Grenze gesetzt, weil sie zu sehr beschimpft wurde und es wäre dein Auftrag, wie auch immer das gehen könnte, die Beschimpfungen, die vielleicht von den Tätern übernommen sind, zu begrenzen?
Es tut mir sehr leid, dass die Beziehung zu deiner Thera so brüchig geworden ist.
Aber vielleicht nicht für alle in dir?
Ich konnte bisher mit meiner Thera alle Übertragungen und auch ihre Fehler gemeinsam mit ihr auflösen, obwohl es reichlich mühsam war.
Und manche Nicht-Reaktion hat mich kurzfristig aus der Bahn geworfen, auch wenn sie Corona und durch eine schwer kranke Angehörige verursacht war.

Du bist wichtig!
Da sind Menschen an deinem Arbeitsplatz, die dich brauchen!
Ich habe eine Ahnung vom puren Horror: Folter, Sadismus, selbst zur Tätern gemacht werden.
Es ist Vergangenheit, wenn auchnicht im Körper und in den Gefühlen!
Rückfälle sind Vorfälle!

Eli

Re: langjährige Therapie, aber keine Heilung

Beitrag von Eli » So Mai 29, 2022 10:01 am

Liebe aufatmende
Danke für deine Zeit und deine Mühe.
Ich kann dir ehrlich gesagt nicht folgen

Ich habe niemanden beschimpft. Es gab auch keine switchs.
Ich hab einfach nur von flashbacks gemailt was ich auch durfte worauf sie schrieb ich solle durch halten. Das war sehr lieblos was mir auch andere bestätigt haben (keine Freunde).

Und sorry aber ich lebe nicht für meine Arbeit. Mein Vertrag läuft eh bald aus und es gibt vermutlich keinen neuen. Reichlich armselig wenn es sonst niemanden gibt. Und für mich auch nicht ausreichend um nicht Suizid zu begehen.

Ich finde es schwierig dass nicht Mal das leid stehen bleiben kann. Dass es immer irgendwie noch positiv umgedeutet werden muss. Vielleicht hilft dir das. Ich finde es gerade schwer

Und ich weiss dass das Vergangenheit ist. Das ist überhaupt nicht der Punkt unter dem ich leide. Und es geht auch nicht um Täterin sein. Bitte interpretier nicht irgendwas. Danke.

Eli

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