tabuthema suizid

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Adina

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Adina » Do Apr 28, 2022 11:20 pm

Eli hat geschrieben:
Mi Apr 27, 2022 10:44 pm
Ich weiss nicht was tun.

Ich drücke alles weg. Automatisch. Ich kann so aber nicht leben. Dann bin ich... Nur ein Roboter der funktioniert. Ohne Gefühl. Ab und zu Alkohol wenn das Runterdrücken schwer wird. Zerfasert sein. Nur eine Hülle irgendwie.

Wenn ich mich annäher an das was Anteile und Bilder sagen und ich mich dem länger zu wenden will (und das muss ich), dann werde ich arbeitsunfähig. Dann weiss ich nicht wie weiter in dieser Welt sein. Das kann nicht gesagt werden. Dafür gibt es keine Worte.
Das kann nicht aufgenommen werden von anderen. Das kann nicht getröstet werden.

Warum?
Warum?
Warum?

Ich will leben aber ich kann einfach nicht.
Wir können das nicht.
Hallo Eli,

Du musst das nicht lesen oder beantworten.

Ich würde gerne irgendwas Hilfreiches dazu sagen, aber ich weiß leider nicht was beziehungsweise will ich es nicht noch schlimmer machen. Aber ich habe deinen Beitrag gelesen und es tut mir wirklich von Herzen leid, dass du/ihr in dieser Situation bist/seid. Ich kenne das „Gefühl“ so gut, wie eine leere Hülle zu sein.

Es gibt Hoffnung. Es kann besser werden. Auch nach zwanzig Jahren Stillstand oder Verschlechterung. Ich hoffe, du fühlst dich dadurch jetzt nicht unverstanden, aber ich wollte das trotzdem schreiben, weil man in diesem Zustand ja keine oder kaum Hoffnung wahrnimmt, obwohl sie existiert.

Gibt es denn irgendetwas, das du dir hier im Forum wünschst, das dir gut tun würde? Du meintest in einem anderen Thread ja, dass du hier schreibst, um nicht alleine zu sein und um etwas Trost zu bekommen. Ich würde so gerne etwas sagen, um dich wenigstens ein kleines bisschen zu trösten, auch wenn du schreibst, dass es nicht getröstet werden kann. Es tut mir so leid, dass du/ihr das so empfinde(s)t. Es ist nicht fair.

Viele Grüße
Adina

PS: Sorry wegen der Anrede, ich bin mir nicht sicher, ob „du“ oder „ihr“ besser ist, aber ich meine das auf jeden Fall nicht respektlos oder so. Wenn du möchtest, kannst du aber gerne sagen, was dir lieber ist.

Eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Eli » Fr Apr 29, 2022 1:56 pm

Hallo Adina

Danke das ist nett von dir.
Du als Anrede ist auf jeden Fall OK.

Es ist schon gut wenn jemand reagiert. Es ist auch nichts akutes sondern eher so etwas chronisches. Kennst du vielleicht.
Es ist einfach so viel.

Achtung starker Trigger



Also es gab ja auch viel gutes an meiner m aber letztlich war sie Täterin und nicht zu knapp. Und der Erzeuger sowieso und dann noch die Orga und RG kacke... Ich weiss nicht was ich früher gedacht habe was ich alles nicht erinnere... Dachte einfach den MB durch meinen V*ter... Mmh. Denk es braucht einfach viel Zeit um das alles anzunehmen und zu verarbeiten.


Trigger Ende


Und manchmal ist dann die Verzweiflung so gross dass das hilft zu wissen diesen Ausweg gibt es.

Aber die thera meldet auch immer wieder zurück dass es viel Hoffnung gibt und das glaube ich am Ende auch. Nur habe ich eben Angst sie zu verlieren...
Aber ja es gibt Hoffnung. Da hast du Recht.

Manchmal kommt das auch wenn zu viel Stress ist im aussen.
Am Wochenende einfach nur ruhe. Denke das hilft schon ein wenig.

Danke dir Adina.
Eli

PS Es tut mir leid dass du das Gefühl kennst...

Silberlicht unl.

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Silberlicht unl. » Sa Apr 30, 2022 8:46 am

Was ist eigentlich mit deinem Notfallplan?
Wieso arbeitest du nicht damit?

Eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Eli » Sa Apr 30, 2022 1:14 pm

Hallo silberlicht

woraus liest du, dass ich nicht damit arbeite? Ich arbeite damit. Nur weil ich einen habe heisst es nicht, dass ich hier meine gedanken nicht teilen oder es mir nicht mehr schlecht gehen darf.
eli

Silberlicht unl.

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Silberlicht unl. » Sa Apr 30, 2022 4:05 pm

Hallo Eli,

an deiner Gewichtung, also in welchem Thread wieviel steht.

Es ist völlig o.k., wenn du Gedanken/Gefühle teilst, wenn es dir schlecht geht.
Interessant und hilfreich für Überlebende, denen es ähnlich geht, dürfte allerdings eher sein, wenn du teilst, wie du mit deinem ausführlichen Notfallplan arbeitest und wie sich Gedanken/Gefühle dabei verändern, vor welchen Herausforderungen du dabei stehst und welche hilfreiche Routinen sich entwickeln.

Dein Blick wird sich immer zuerst dahin begeben, wo dein größerer Fokus liegt.
Im HEUTE ist das deine Entscheidung.

Viele Grüße

Silberlicht

Adina

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Adina » Sa Apr 30, 2022 8:23 pm

Hallo Eli,

Danke, dass du dich bedankst :) Und ich antworte dir gerne, weil ich finde, dass du es mir wert bist.

Natürlich „darf“ es dir trotz Notfallplan schlecht gehen! Ich meine, genau dafür ist ein Notfallplan ja da, eben gerade wenn es einem schlecht geht. Und auch, wenn man mit einem Notfallplan arbeitet, wird ja trotzdem nicht alles auf einmal gut.
Außerdem ersetzt ein Notfallplan nicht die positive Zuwendung anderer Menschen. Und gerade das kann ja manchmal enorm hilfreich sein. Dass einem jemand zuhört und man nicht alleine damit ist und diese ganzen Belastungen nicht alleine mit sich herumtragen muss, wenn man anderen davon erzählen kann. Ich finde, es kann leichter werden, wenn andere die Belastungen sozusagen mittragen, allein schon, indem sie davon wissen.

Du (beziehungsweise jeder Mensch) hast das Recht auf deine eigene Wahrnehmung und das darf dir niemand nehmen. Und ich persönlich finde es total gut, dass du deine Gedanken mitteilst!

Wenn ich aufhöre zu kommunizieren, stürze ich noch tiefer in dieses schwarze Loch. Wenn ich aufhöre, mit anderen zu kommunizieren, höre ich irgendwann auch auf, mit mir selbst zu kommunizieren und dann bin ich innerlich quasi komplett leblos und dann fehlt eigentlich nichts mehr, um den Rest auch noch zu beenden. Ist aber nur meine persönliche Erfahrung, das muss bei dir nicht genauso sein.

Deswegen schreib dir ruhig alles von der Seele, was du hier gerne schreiben möchtest. Nur wenn du magst/kannst und es dir gut tut. Ich werde versuchen, es zu lesen und dir zu antworten, wenn du das möchtest. Es ist wirklich nur ein Angebot, okay? Ich bin dir keinesfalls böse, wenn du es nicht annimmst.
Falls dir das zu persönlich ist, öffentlich zu schreiben (was ich total verstehen kann), könntest du auch versuchen, es für dich aufzuschreiben und zum Beispiel mit in die Therapie zu nehmen (falls du das nicht ohnehin schon machst).

Ja, chronische Suizidgedanken kenne ich sehr gut. Und auch das Gefühl, dass einfach alles zu viel ist und ich das alles nicht ertrage und ich einfach nur Ruhe vor allem haben möchte.
Mir hilft es in solchen Momenten manchmal, wenn ich erstmal für mich alles aufschreibe, was gerade an Gedanken und Gefühlen und sonst alles so da ist bzw. hochkommt. Einfach aufschreiben, so wie es gerade da ist, möglichst ohne darüber nachzudenken, wie es wirkt (und wenn ich doch darüber nachdenke, schreibe ich auch das auf). Und danach versuche ich, erstmal zur Ruhe zu kommen und zu akzeptieren, dass ich diese ganzen Dinge nicht auf einmal und nicht jetzt sofort lösen kann, insbesondere nicht, wenn ich gerade sowieso mit allem überfordert bin.
Und dann versuche ich (eventuell mit Unterstützung von anderen Menschen), mich in einem ruhigeren Moment nach und nach mit dem auseinanderzusetzen, was ich aufgeschrieben habe und das ganze Chaos irgendwie sortiert und die Probleme gelöst zu kriegen. Also dieses „Es ist alles so viel“ in kleinere Stücke zu teilen, die ich in kleineren Schritten angehen kann, damit mich das Ganze nicht so erschlägt. Weil man kann es vielleicht eher überleben, wenn man von vielen kleinen Steinchen getroffen wird als von einem riesigen Felsbrocken, obwohl es im Endeffekt das gleiche Gewicht ist. Denke ich.
Es kommt aber wirklich auf den Moment an, weil manchmal kann diese Methode auch die „Büchse der Pandora“ öffnen und es dadurch noch schlimmer machen, wenn ich alles aufschreibe.
Ich weiß jetzt nicht, wie es bei dir ist. Vielleicht ist das auch totaler Schwachsinn. Jeder Mensch ist da ja anders und darf auch anders sein.

Darf ich fragen, was aktuell bei dir „einfach so viel“ ist? Also ich meine, eher Altes oder eher Dinge in der Gegenwart oder eher Sachen in der Zukunft oder alles zusammen? Da es chronisch und aktuell nicht akut ist, so wie ich dich verstanden habe, gab es keine konkreten Auslöser oder? Korrigiere mich gerne, wenn ich falsch liege.

Ich kenne es auch, dass es mich beruhigt, einen letzten Ausweg zu haben, wenn die Verzweiflung zu groß wird.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so korrekt verstanden habe, aber deine Verzweiflung kommt gerade vor allem wegen dieser Erinnerungen und eventuell kommt noch Stress im Außen in der Gegenwart hinzu oder?


Trigger:

Es tut mir so leid, dass du sowas erlebt hast. Es tut mir wirklich einfach nur aus tiefstem Herzen leid. Ich würde es so gerne ungeschehen machen und dir diese Belastung nehmen. Es irgendwie wieder gut machen.
Ich kenne diese furchtbare innere Zerrissenheit, wenn es an Tätermenschen auch gute Dinge gab. Und diese unerträgliche Situation in der Familie.

Trigger Ende.


Wie geht es dir jetzt? Konntest du ein bisschen zur Ruhe kommen heute?

Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und Geduld und liebe Menschen um dich herum, die es gut mit dir meinen (falls du das ertragen kannst, wenn nicht, wünsche ich dir, dass du es bald ertragen kannst).

Ich würde mich freuen, wenn du dir aus meinen Beiträgen einfach das raussuchst, was für dich passt und wenn für dich gar nichts passt, ist das auch vollkommen okay und das darfst du mir auch gerne mitteilen, wenn du das möchtest.

Viele Grüße
Adina

Frieda

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Frieda » Sa Apr 30, 2022 8:49 pm

hallo eli,

ich habe dich gelesen und mich hat der Satz "Es kann nicht beruhigt werden" besonders berührt... das kenne ich zur gut... es ist dann einfach zu viel, das Gefühl zu zerbrechen... ich bin gerade dabei mit genau solchen erinnerungen/anteilen zu arbeiten. Und ich habe lange Zeit gehadert: DAS kann ich nicht aushalten. Das darf nicht wahr sein. Warum auch noch das... bei mir kommen noch massive körperliche Schmerzen und Einschränkungen dazu (was ja auch kein Wunder ist - ich bin am Körper attackiert und terrorisiert worden). ich war wirklich extrem verzweifelt, Suizidgedanken etc. Der Weg ging in dem Augenblick weiter als ich es akzeptiere. und während ich das schreibe, kommt es mir so lapidar vor... aber das war es nicht. Zu akzeptieren, dass die aktuelle (!) Situation so beschissen ist, dass ich überhaupt nicht weiter weiß undkeinen Funken Hoffnung mehr habe, war unglaublich schwer. Das bedeutet nämlich sich auf die Situation einzulassen. Und das zu betrauern. Und das hat natürlich nicht beim ersten Anlauf funktioniert, sondern ich musste meine Schmerzen immer wieder akzeptieren und Schritt für Schritt bin ich dadurch vorangekommen...

Vielleicht helfen die Gedanken etwas...

viele Grüße
Frieda

Adina

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Adina » Sa Apr 30, 2022 10:52 pm

Frieda hat geschrieben:
Sa Apr 30, 2022 8:49 pm
hallo eli,

ich habe dich gelesen und mich hat der Satz "Es kann nicht beruhigt werden" besonders berührt... das kenne ich zur gut... es ist dann einfach zu viel, das Gefühl zu zerbrechen... ich bin gerade dabei mit genau solchen erinnerungen/anteilen zu arbeiten. Und ich habe lange Zeit gehadert: DAS kann ich nicht aushalten. Das darf nicht wahr sein. Warum auch noch das... bei mir kommen noch massive körperliche Schmerzen und Einschränkungen dazu (was ja auch kein Wunder ist - ich bin am Körper attackiert und terrorisiert worden). ich war wirklich extrem verzweifelt, Suizidgedanken etc. Der Weg ging in dem Augenblick weiter als ich es akzeptiere. und während ich das schreibe, kommt es mir so lapidar vor... aber das war es nicht. Zu akzeptieren, dass die aktuelle (!) Situation so beschissen ist, dass ich überhaupt nicht weiter weiß undkeinen Funken Hoffnung mehr habe, war unglaublich schwer. Das bedeutet nämlich sich auf die Situation einzulassen. Und das zu betrauern. Und das hat natürlich nicht beim ersten Anlauf funktioniert, sondern ich musste meine Schmerzen immer wieder akzeptieren und Schritt für Schritt bin ich dadurch vorangekommen...

Vielleicht helfen die Gedanken etwas...

viele Grüße
Frieda
Hallo Frieda,

Ich bin zwar nicht Eli, aber ich hoffe, es ist okay für dich, wenn ich trotzdem darauf antworte? Falls nicht, darf das gerne gelöscht werden.

Mir hilft dein Beitrag gerade auf jeden Fall! Dass man in dem Moment, wenn man gar nicht mehr kann und alles nicht mehr ertragen kann, es so akzeptiert, wie es aktuell ist (aber das heißt ja nicht, dass es für immer so sein muss). Die Akzeptanz fällt mir sehr schwer in solchen Momenten, weil es so unerträglich ist, dass ich nicht wahrhaben und es sofort beenden will. Deswegen werde ich das mit in meine Notizen aufnehmen. Vielen Dank für diesen Input, Frieda!

Viele Grüße
Adina

Eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Eli » So Mai 01, 2022 10:18 am

Hallo,

@frieda: danke es tut gut nicht allein zu sein. Ja es ist einfach zuviel, ich hab oft, wenn ich nicht abgelenkt bin, das gefühl, es ist nicht auszuhalten. was ich auch normal finde angesichts der situation.aber wie du schreibst: akzeptanz hilft kontrolle zurück zu bekommen. nur tut es eben sehr weh und dauert. das mit dem körper tut mir total leid. ich hatte mal einige zeit schmerzen und das ist extrem triggernd und macht ja auch menschen ohne trauma suizidalität.. ich hoffe du findest da hilfe und einen umgang. und die trauer ist ein riesiges thema. wäre gern weniger allein damit wenn sie ein bisschen kommt aber auch das muss wohl akzeptiert werden und kann sich ja verändern.

@adina: auch dir danke für deinen langen text. danke für den satz dass ein notfallplan nicht zuwendung ersetzt. da hast du so sehr recht mit! Das kann soll und wird er nie. das mit dem aufhören mit der kommunikation klingt schlimm. kann ich mir gut vorstellen, ist aber glaube ich bei mir anders. ich höre dann nicht auf zu kommunizieren, was manchmal aber vielleicht auch gut wäre, weil mich vieles triggernd in so zuständen und dann manchmal kontakt auch vieles verschlimmern kann was weder ich noch die andere person will. und danke für das angebot, aber werde öffentlich hier nichts mehr schreiben über hintergründe, details etc. aber ich habe hier zu viel mist mit unempathischen userInnen erlebt in den letzten jahren. das hat sich leider sehr zum negativen verändert. ein haufen leute sind deshalb hier weg. naja ein forum ist auch nur der spiegel einer immer weniger zu kommunikation fähigen und harten gesellschaft (viele ausnahmen inbegriffen :wink: )
ja der meiste stress kommt durch die erinnerungen. mein außen ist abgesehen von der einsamkeit etc ok. job stabil und gut, freizeit so schön und vielfältig (sport ist einfach so wichtig bei trauma, aber macht mir ex sportmuffel auch echt spass. kann ich jeder person hier nur empfohlen, egal auf welchem niveau aber regelmässig) wie noch nie.
das mit dem schreiben kann ich gut vollziehen. ich weiß nicht wie es manche ohne schreiben schaffen. und genau dann teile ich einiges in der thera (und wir sortieren es) oder auch mal mit jemand anders. freu mich wenn du da auch einen weg gefunden hast, der dir hilft. danke. ich hab gestern was gemacht was mich ein bisschen beruhigt und das werde ich heute nochmal versuchen.

@silberlicht: da ein forum für mb für mich vorrangig raum gibt für negatives, was gerade in mir ist und irgendwohin muss, kann jemand in diesem forum nicht beurteilen wann ich welchen fokus setze. das ist zwangsläufig verzerrt und das ist auch ok so. ich bin nicht hier um zu teilen wann es mir gut geht, wann ich mich gut reguliere etc. also MEIN weg ist das nicht und muss auch nicht. es ist mein ort und ich nutze ihn so, wie ich ihn brauche. du kannst dir aber sicher sein dass ich in den letzten zwei jahren viel besser gelernt habe den fokus bewusst zu ändern, sonst hätte ich die zeit gar nicht überlebt.
ich muss und will hier nichts teilen (in so einer situation) damit es anderen hilft. ich bin wenn es mir schlecht geht nicht der co-therapeut für andere. wenn ich FÜR MICH schreibe, schreibe (und das wenn es mir sau schlecht geht) ohne an andere zu denken, dann hat das ja auch eine implizite VORBILD funktion und es ist einfach wie es mir geht und was raus muss. nicht mehr und nicht weniger.
wenn ich den fokus immer nur vom schlechten weg wende hin auf lösungsorientierung und ressourcen etc, fühlt sich das für mich/uns ungut an. das muss nicht sein. ich versinke nicht lethargisch in der depression über wochen, aber es ist vollkommen ok auch mal von verzweiflung zu schreiben und von hoffnunglosigkeit, suizidgedanken nicht weg zu "machen". nach all den jahren in denen das verboten war. es ist eine leistung das überhaupt zu spüren. und dem kann und muss raum gegeben werden. sagt auch die thera. es wird dabei selten uferlos und wenn bekommt das hier eh niemand mit.
ich hoffe nun ist es klarer.
wenn du noch was sagen möchtest bitte in einem @tread. Möchte den rahmen hier nicht sprengen.

Die.Wolfsfrauen.
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Re: tabuthema suizid

Beitrag von Die.Wolfsfrauen. » So Mai 01, 2022 1:09 pm

anderer gast hat geschrieben:
Mi Apr 27, 2022 10:33 pm
Hallo liebe Wolfsfrauen

Ich bin immer für das Leben und würde mich auch immer für das Leben entscheiden.

Ich wünsche euch, das ihr euren inneren Frieden findest, egal wie er für euch aussieht.

Ich kann euren Frust, Ärger, Wut so gut verstehen und was manche für Argumente haben, wie, andere sind besser, die darf man sich mal gepflegt klemmen.

Ich weiß nicht wie euer Alltag aussieht, aber nur was ihr sagt, finde ich verständlich, das das nicht zu ertragen ist. Ich kann die Wut dahinter verstehen, das ihr das nach all den Jahren nicht mehr möchtet. Es tut mir so leid, das ihr das so erleben müsst.

Habe ich das richtig verstanden, es gibt einen Sterbeverein, wo was passiert? Ist das hier in Deutschland oder ist es das was da in Holland ist? Sterbehilfe?

Ist das gesetzlich erlaubt, das eure Betreuung euch da gesetzlich vertreten darf auch in diesem Punkt? Ich finde das wenn dann richtig krass, aber ich kann diesen Wunsch nach friedlich einschlafen gut verstehen. Auf jeden Fall besser als auch noch qualvoll und wirklich heimlich. Aber ich finde von ihr doof, das sie das anbietet mit dem reden und dann nicht mehr? Ich kann verstehen, dass das schwer ist, aber dann bietet man das nicht an.

Aber in erster Linie wünsche ich euch einfach mal die richtige Hilfe, die euch sehen kann, euer Leid sieht und endlich mal den Hintern hoch bekommt um euch zu helfen. Es braucht andere Hilfe, aber eben Hilfe. Ich wäre ein Mensch der euch ganz sicher vermissen werdet.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und lass dir eine lieben Gruß hier

Eine die euch immer wieder gelesen hat
Hallo liebe anderer Gast...
wir wollten Dir seit Tagen schon immer mal wieder antworten, aber wir haben dazu inhaltlich "einfach" keine Kraft mehr.
Und wir haben auch Sorge, dass das Thema Sterbehilfe in seiner scheinbaren Brisanz hier dann wieder zu endlosen Diskussionen führen würde, die unserer Meinung nach aber letzten Endes nichts bringen würden ausser Stress und gegenseitigen Verletzungen.
Wir sind weiter mit der Betreurin zu dem Thema im Kontakt, über die entsprechenden Vereine (auch in Deutschland) kann sich jede/r im Internet informieren. :wink:
Unserer Einschätzung nach wird uns vermutlich ein Antrag auf Suizidassistenz letzten Endes auch nichts bringen, da wir glauben, dass dann wieder mit der Heilbarkeit von psychischen Erkrankungen und anderem dagegen argumentiert werden würde. Um Lebensqualität bzw. der entsprechenden Unterstützung für etwas, das das Wort "leben" verdient, würde es dann (vermuten wir) wieder in den Begründungen gehen- in der Realität würde sich unsere Vermutung nach aber wieder keiner darum scheren- oder besser gesagt, sich dafür zuständig fühlen.... es würden wieder alle rumschreiben, was für ein "Skandal" das wäre, aber Einrichtungen, die Menschinnen wie uns aufnehmen würde es dadurch auch nicht geben. Daran glauben wir nicht mehr.. :|
Ausserdem kostet so eine Suizidassistenz 'ne Menge Geld, die manfrau auch erst einmal haben muss. Also letztendlich denken wir, dass das ganze für uns eh so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hätte. Was bedeutet, dass dann wohl für Menschinnen, die wirklich sterben möchten, sich weiterhin durch "die üblichen" Methoden suizidieren müssen.
Jetzt antworten wir doch mehr, als wir wollten :roll: Auch irgendwie typisch :? :oops: :roll:
Wir hoffen, dass das Thema jetzt hier nicht mit uns (oder über uns) diskutiert wird, denn eigentlich und vor allem wollte wir Dir wenigstens ein "Danke" für Deine lieben Worte dalassen... und einen lieben Gruss zurück an Dich senden....

Und Eli... Dich wollten wir noch um Entschuldigung bitten- nicht unbedingt für das, was wir inhaltlich geschrieben haben- aber dafür, dass wir Dich so "angepampt" haben. Das tut uns Leid... wir haben "einfach" überhaupt keine Haut mehr durch all das, was in den letzten Jahren innen und aussen geschehen ist. Und deshalb können wir oft überhaupt nicht mehr so reagieren, wie wir es eigentlich gerne können würden.
Wir glauben, die Lebenswirklichkeiten sind manchmal so extrem unterschiedlich, weißt Du? Dadurch "passieren" dann ungewollte Verletzungen...
Es gab früher mal eine Situation, die uns immer wieder einfällt. "Früher", als wir zwar schon so "krank" waren, dass wir nicht der mehr arbeiten konnten und der Klinikmarathon schon angefangen hatte... wo wir aber trotzdem noch viel mehr Halt hatten, als wir heute haben. Und da waren wir "damals" also in der dortigen Psychiatrie... und dort war es so, dass wenn man ein Gespräch mit dem zuständigen Arzt wollte, musste man sich in eine Liste eintragen, sonst hat man eben kein Gespräch bekommen. Und es gab dort Patienten/innen, die wollten das aber gar nicht. Für uns war das damals überhaupt nicht nachvollzieh- oder verstehbar. Genauso wenig, wie wir die Mitpatientin verstehen konnten, die wirklich Tag und Nacht in ihrem Bett lag und hin- und wieder unsanft von den Pflegerinnen in die Dusche geschoben wurde :roll: (Wir haben die anderen aber nie in irgendeiner Form dafür "kritisiert" oder sowas- wir haben es nur wirklich aus unserer damaligen Situation noch nicht verstehen können). Und wir schreiben das, weil wir das leider inzwischen aus eigener Erfahrung verstehen können... wir wissen ja nicht, was deren "Geschichte" war, also warum die z.B. überhaupt kein Arztgespräch wollten- aber wir für uns können das inzwischen eben nach unserem "Hilfe"marathon des letzten Jahrzehnts von der anderen Seite sehen- was wir damals überhaupt nicht verstehen oder nachvollziehen konnten, weil es uns trotz allem schlecht gehen immer noch besser ging als heute...
Jetzt sind wir aber inzwischen auch so "kaputt" und desillusioniert, dass wir diese damals noch andere Seite quasi gewechselt haben. Auch wir halten in unserer jetzigen Situation nicht mehr viel von bestimmten Arztgesprächen. Und wir brauchen auch momentan nicht unbedingt "Therapien"- egal welcher Art... sondern ganz konkrete (feinfühlige und traumasensible) "Lebenshilfe".
Menschen um uns und so etwas wie "Normalität". Einen "Alltag". Halt. Eine Aufgabe, die wir bewältigen können und als sinnvoll empfinden. Und Mitmenschlichkeit.... Und weil wir das nicht "alleine" schaffen, bräuchten wir eben eine bestimmte Art von Wohneinrichtung...
Weil wir inzwischen zu den "normalsten" Sachen gar nicht mehr in der Lage sind... sprich 7 Tage und Nächte die Woche eigentlich im Bett verbringen und die einzige Kommunikation mit so etwas wie Aussenwelt überwiegend per Internet läuft.
Oh je... jetzt ham wir Dich so zugetextet :oops: :roll: Und wissen noch nichtmal, ob verstehbar ist, was wir mit dem letzten Kram versuchen wollten zu sagen? :roll: Und war ham auch schon wieder Angst, vor irgendwelchen Reaktionen von Userinnen, die in uns wieder zuviel auslösen. Vielleicht sollten wir das also besser gar nicht abschicken... wegen der Angst... und unserer Verletzlichkeit :oops:
Aber irgendwie "müssen" wir das nun wieder tun... auch wenn es vielleicht dumm ist.. :oops:
Also noch einmal, es tut uns Leid, dass wir so pampig reagiert haben... und wir bitten Dich dafür um Entschuldigung....
Liebe Grüsse auch an Dich...

eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von eli » So Mai 01, 2022 2:37 pm

liebe wolfsfrauen

das ist lieb... danke für euren text. ja er ist sehr verstehbar.
nein wolfsfrauen es ist total in ordnung für mich. wirklich.
weil ihr habt recht.. ich kenne so situationen wie eure. für einige tage oder auch mal ein, zwei monate. aber das hat nichts mit dem zu tun was ihr seit jahren erlebt... und eben immer und immer wieder ablehnung. und nicht zuständig sein.
das beispiel war auch gut von der psych.
ein wenig versteh ich das auch. 1 sind in psychs echt eh viele kotz ärzte (war auch schon oft in mehreren) und 2. hab ich eben auch meine erfahrungen mit therapeuten gerade beim thema komplextrauma und dis...puuh thema wechel. :twisted:

manchmal denk ich die traumata sind nichts dagegen... sondern was einen umbringt ist eben das "hilfs" system. sagen ja so menschen wie huber auch..
und bei mir ist da viel hilflosigkeit. heul schon wieder... weil das so ungerecht ist und so schrecklich.
weiss gar nicht wie ihr das alles schon so lange überlebt.
deshlab tut es mir leid von meinem zeug geredet zu haben.
ich war mit 16 mal in einer klinik. die war wunderbar. klein und schnuckelig. ne alte villa im wald. ein mitpatient und ich wollten später da mal eine klinik aufmachen. also wir sagten wir nehmen alle auf die niemand will... oh mann. ich wünschte wir könnten das... :cry:

ich denk an euch. vielleicht mal frau huber ansschreiben..? kam mir noch... falls ihr das nicht schon habt oder sie doof findet..
eli

Eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Eli » Fr Mai 20, 2022 10:56 pm

Fucking sch...
Das wird eh am Ende so sein.
Weil am Ende ist man die einsame nutte. Heute wieder mehrfach eins in die Fresse. Sprich es wird sehr deutlich gezeigt und gesagt wie unwichtig und allein wir sind.

Ich kann das nicht mehr!!! :twisted:
Ich hasse Menschen.

Trost und Geborgenheit bekommt man wohl erst wenn man tot ist. Ich brauche echt nicht viel aber ein Minimum an Trost wäre angesichts von den letzten Horror flashbacks irgendwie menschlich. Aber halt nicht für die fo*ze.
Die anderen sind immer wichtiger. Wie früher.

Aufatmende
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Re: tabuthema suizid

Beitrag von Aufatmende » So Mai 22, 2022 5:34 pm

Du bist wichtig.
Du hast deine Würde bewahrt.
Ich würde dich gerne trösten und dir Geborgenheit geben.
Wenn es in Ordnung ist, setze ich mich in deine Nähe und hätte eine Decke und etwas zu trinken für dich.
Rückfälle sind Vorfälle!

Eli

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Eli » So Mai 22, 2022 7:54 pm

Danke aufatmende, dass du mir immer wieder schreibst besonders weil du selbst so kämpfst.

Das bedeutet mir gerade viel, weil ich eine sehr sehr schwere Nacht hinter mir habe. Eine der schwersten, wenn nicht die schwerste mit flashbacks.
Und die thera schreibt dazu: halten sie durch und bis in zwei Wochen.
Versteh das rational aber emotional ist das schrecklich und macht sehr suizidal. Damals waren wir allein und heute sind wir es wieder bzw immer noch. Auf eine Art hat sich nichts geändert. Nur dass man von Tätern wenigstens keine Hilfe erwartet.
Deshalb sind deine Worte heute besonders wichtig und ein Trost. Ja setz dich gerne einige Meter weit weg. Ich bin für was leckeres Essen. Sushi oder Pizza. Du hast die Wahl. :)
Danke.
Eli

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Re: tabuthema suizid

Beitrag von Aufatmende » Di Mai 24, 2022 8:37 pm

Du bist nicht allein. Deine Thera ist da und schreibt dir. Die Menschen im Forum sind da.
Hoffentlich waren die letzten beiden Nächte besser?
Ich weiß, ich brauche dir keine Tipps geben, wie du mit Flashbacks umgehst. Das weißt du, auch wenn es manchmal eben nicht funktioniert, sich wieder in Sicherheit zu bringen.
Da du auch schon einige Therapie Jahre auf dem Buckel hast, wage ich zu behaupten: dein Unterbewusstsein weiß, was es tut und es ist an der Zeit, das aufzulösen, was die Flashbacks auslöst.
Du hast eine Thera und genug Ressourcen.
Es ist nur scheiße schwer und kostet immens viel Kraft.
Aber es macht lebendig, langfristig.
Zur Not kannst du die Telefonseelsorge anrufen. Die sollten jedenfalls: raus aus dem Film hinkriegen.
Und auch das könnte ein Signal sein, dass du nicht allein bist.
Rückfälle sind Vorfälle!

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