Gedankenraum - zu mir selbst finden

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Aufatmende
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » Mi Mär 30, 2022 4:31 pm

Ich sehe die beiden Kindern, jedenfalls so viel, wie du von ihnen schreibst.
Ich sehe ihre Angst und ihre Wut.
Ich wünsche der Ängstlichen, dass sie lernt, dass es heute sicher ist. Ich wünsche dir, dass du sie sehen und lieben, würdigen und beachten kannst.
Ich möchte ihr sagen, sie darf einfach sein, ohne etwas tun zu müssen.

Ich wünsche der Wütenden, dass sie sich ausruhen kann und Pause machen.
Dass sie dir mitteilen kann, worüber sie wütend ist.

Ich wünsche dir Geduld und Zuversicht und ein wenig Selbstliebe.
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A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » Mi Mär 30, 2022 7:34 pm

Liebe Aufatmende,

hab ganz lieben Dank für deine Worte. Das tut wirklich gut deine liebe Rückmeldung hier zu lesen. Und es fühlen sich dabei auch alle in mir gesehen und wertgeschätzt.

Ja, Selbstliebe ist genau der Punkt.

Ich habe vorhin nochmal in mich hinein gefühlt und gehört. Da schreit es die ganze Zeit "Ich hasse mich! Ich hasse mich! Ich HASSE mich!!!!"
Immer wieder in Dauerschleife.

Ich als Erwachsene tu das gar nicht. Aber die Kinder in mir. Die Wütende hasst sich.
Und die Ängstliche wird von allen gehasst.

Ja, es ist meine Aufgabe als Erwachsene dem entgegen zu wirken... Und gleichzeitig zu schauen wo es herkommt...

Mit meinen erwachsenen Augen auf die Kleinen sehen. Da spüre ich keinen Hass. Da ist Mitgefühl und Traurigkeit. Gleichzeitig fällt es mir so schwer hinzusehen, weil es so sehr weh tut, der Schmerz unendlich groß ist.

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"Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein."

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » Mi Mär 30, 2022 7:46 pm

Du brauchst nur einen einzigen Buchstaben zu tauschen: Ich hasse dich!
Die Wut müsste sich eigentlich gegen die Täter richten. Aber sich das zu erlauben ohne vor Angst zu sterben und sich auch zu erlauben, in Gedanken mörderisch gewalttätig zu Sein, sich zu rächen, war bei mir ein langer Weg.
So gesehen ist die Wut eben auch berechtigt!
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » Mo Mai 02, 2022 6:12 pm

An die Kleine:

Es tut mir so leid, dass du dich hasst. Ich spüre deine absolute Not und dein Leid. Es tut mir so leid, was du alles ertragen und auf dich nehmen musstet.
Es tut mir leid, dass du keine Wahl hattest.
Es tut mir leid, dass du denkst, dass die einzige Wahl zu st*rben besser gewesen wäre. Dass du, weil du nicht den T*d gewählt hast, ein abgrundtief schlechter Mensch bist. Dass du es nicht verdient hast zu leben.

Weißt du, ich bin dir gleichzeitig so unendlich dankbar.
Dankbar dafür, dass du all das Leid auf dich genommen hast und durchgehalten hast. Du bist so ein unglaublich starkes Mädchen.
Ich verdanke dir mein Leben, dass wir heute noch da sind und positive Momente genießen dürfen. Ich bin dir so unglaublich dankbar fürs Kämpfen und die Zeit, die ich noch haben darf.

Auch wenn du dich hasst - und für den Moment ist das okay, weil ich weiß, dass es sich notwendig und richtig für dich anfühlt und ich möchte und kann dir keine Gefühle verbieten. Es ist in Ordnung. Gleichzeitig wünsche ich dir, dass du dich selbst eines Tages mit anderen Augen sehen kannst, dass du das Mitgefühl und die Liebe annehmen kannst.

Ich weiß es wurde sehr viel kaputt gemacht in Bezug auf Liebe und Vertrauen. Ich wünsche mir neue, andere Erfahrungen für dich, die Trost geben und ein Licht in der Dunkelheit sind, die den Schmerz etwas lindern.

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » Mo Mai 02, 2022 10:20 pm

Ich bin sehr berührt von dem was du geschrieben hast.
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » Sa Mai 21, 2022 5:32 pm

Danke liebe Aufatmende.


Diese Woche habe ich mich zum ersten Mal getraut die Therapeutin nach einer Art Diagnose zu fragen. Schon lange steht eine PTBS fest, dann meinte sie mal, dass es mehr als das sei, eine kPTBS. Und nun meinte sie, dass es das allein auch nicht sei. Es ist wohl eine Form von DIS. Sie spricht ja auch seit längerem von meinem inneren System und das ist das, was ich auch spüre. Dennoch ist es gleichzeitig erleichternd und verwirrend. Ich weiß nicht. Ich habe keine oder bzw. keine großen Amnesien, die den Alltag in der Gegenwart betreffen. Vielleicht ist es ja eine pDIS, ich weiß nicht. Die Therapeutin meinte, dass es viele Diagnosen, auch die kPTBS, bis vor kurzem wohl noch gar nicht offiziell gab.

Ich weiß gar nicht wie ich mich damit jetzt fühlen soll. Bin ich erleichtert oder verwirrt? Ja, beides.

Und macht die ausgesprochene Diagnose jetzt überhaupt einen Unterschied? Vielleicht erklärt sie einiges. Gleichzeitig ist da auch Widerstand in mir.

Erleichterung, Verwirrung, Widerstand.

Ach keine Ahnung...

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Eli

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Eli » Sa Mai 21, 2022 5:54 pm

Hallo liebe a. Rhiannon

Schön dich zu lesen.

Ich dachte das schon lange dass ihr eine p Dis habt... :wink:
Von dem was du erlebt hast (rit und org Gewalt) und wie du schreibst.

Mir hilft das sehr nach Jahrzehnten endlich die Diagnose zu haben und erst seitdem wir die Diagnostik gemacht haben gibt es einen Zugang nach innen sprich merke das innen.

Aber ja ich war am einfach auch erleichtert und sehr verwirrt bzw panisch. Aber das hat sich nach ca vier Wochen ziemlich gelegt. Zwischendurch leugne ich aber auch immer Mal wieder. Glaub das ist normal.

Es ist ja eh schon alles da und du bzw ihr seid nicht anders nur weil es da plötzlich einen Namen für gibt.
Hoff der Widerstand vergeht. Hatte den kaum weil es einfach passte und sich auch extrem richtig anfühlte..

Ich rate einen Skid d zu machen. Weil das ist letztlich eine richtige Diagnostik. Dauert ca zwei Stunden. Ist ein längerer Fragebogen zu derealisation und depersonalisation aber eben auch struktureller Dissoziation.
Alles andere ist mehr beobachten etc
Ich hab auch nur selten amnesien in der Gegenwart aber viele Anteile die... Mehr darf ich dazu nicht sagen. Wenn es dich interessiert gern per PN.

Ja eine pdis und eine kptbs gibt es erst seit dem ICD 11.
Kannst ja Mal googeln. Da gibt es einige gute Seiten zu und Tina von Dis Ding erklärt das auch gut in einem video.
Wenn du Fragen hast gerne und auch gern per PN wenn zu privat.

Liebe Grüße
Eli

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » So Mai 22, 2022 5:29 pm

Für mich macht eine Diagnose keinen Unterschied. Ich bin so geworden, wie ich bin, weil ich über einen langen Zeitraum extreme Gewalt von mehreren Tätern erlebt habe und nur einigermaßen normal leben konnte, indem ich Erinnerungen, Gefühle, ganze Teile von mir komplett abgespalten habe.
Dank einer langjährigen sicheren therapeutischen Beziehung kann ich immer mehr von mir wieder zu mir nehmen.
Das reicht mir.
Vor zwei Jahren hätte ich noch vehement bestritten, dass es andere Innenpersonen in mir gibt. Heute sind die Innenpersonen tägliche Realität und beharren auch auf ihrem Ich-Status.
Radikale Akzeptanz hat mir am meisten geholfen. Aber auch damit habe ich lange gerungen.
Mehr gern per PN
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A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » Mo Jun 06, 2022 1:44 pm

Liebe Eli, liebe Aufatmende,

habt ganz lieben Dank für eure Antworten. Das wollte ich euch gerne schon früher hier lassen.

Vielleicht melde ich mich auch nochmal mit PN bei euch. (Deinen Namen habe ich dabei jedoch nicht gefunden Eli) Derzeit setzte ich mich jedoch mit noch anderen Sachen auseinander, die noch unklar sind.



Trigger




Da sind derzeit so schlimme Bilder und Gefühle in mir. Das Mädchen in mir, das immer wieder schreit, dass sie sich hasst. Es ist nackt und schmutzig, hält sich die Ohren zu und hat die Augen zusammen gekniffen. Es will nichts sehen und nichts fühlen.

Da sind Gedanken von ihr, dass sie lieber gestorben wäre. Dass sie damit nicht leben könne. Sie dürfte nicht leben und nichts Schönes erleben.

Da sind Bilder von Blut. Viel Blut. Und der Gedanke, die Angst, dass eines der Mädchen es nicht geschafft hat. Dass es kein Unfall war. Dass die Männer das mit Absicht gemacht hätten, um uns andere ruhig zu stellen oder keine Ahnung wieso.
Es darf auch eigentlich gar nicht sein. Vielleicht denkt sich mein krankes Hirn das auch nur aus. War das Grauen noch nicht schlimm genug?! Das ist ausgedacht. Wieso sollte das jetzt plötzlich in meinem Kopf sein?
Weil die anderen Sachen auch plötzlich da waren. Und es war echt.
Aber das hier kann nicht echt sein. Es darf nicht echt sein. Und reden darf ich darüber eigentlich auch nicht.

Und wenn ich es erzähle? Wenn ich es meiner Therapeutin erzähle, müsste sie dann die Polizei einbeziehen oder besteht dann bei sowas immer noch Schweigepflicht?
Und überhaupt bin ich doch total verrückt mir sowas auszudenken. Nur um Aufmerksamkeit zu bekommen oder als Entschuldigung für meine Diagnose oder wieso überhaupt?

Ich möchte doch, dass die Bilder und Gedanken daran wieder weg gehen. Aber es kommt immer wieder und dann kommen Tränen und Angst.

Wenn es nur ausgedacht ist, dann ist es nicht so schlimm.
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » Mo Jun 06, 2022 4:17 pm

Was wäre der Sinn darin, dass du es dir ausdenkst?
Es war so schlimm! Es gibt solche gewalttätigen skrupellosen Menschen!
Ich kenne die Gefühle, die du hast, nur zu gut.
Ich setze mich zu dem Mädchen und sage ihr, dass die Männer schmutzig sind und Hass verdient haben. Dass das Mädchen ein gutes Leben mit Freude und Freunden verdient hat.
So weit ich weiß, reicht die Schweigepflicht der Therapeutin auch bis zum Mord. Welche Beweise gäbe es denn auch?
Es ist nicht deine Schuld!
Rückfälle sind Vorfälle!

Eli

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Eli » Mo Jun 06, 2022 8:29 pm

Hallo a.rhiannon,

ich habe dir eine pn geschrieben.

meine therapeutin sagt oft, es ist wichtig für sich wirklich die wahrheit zu finden und dazu gehört auch zu zweifeln, nicht bei allem gleich zu sagen: das war in jedem fall so. das finde ich auch wichtig, weil man nur so die wahrheit wirklich findet. aber ich lese, dass du das ja schon zu genüge tust.

evtl trigger

mal zur frage: wieso sich das ausdenken? bzw. auch zu Aufatmendes frage nach dem sinn:

bewusst ausgedacht hast du es sicher nicht. du ja sowieso nicht, wenn du verstehst was ich meine. :roll: wieso auch? ich glaube aber das zur wahrheit gehört, dass es eben in solchen kontexten fake und verwirrung an der tagesordnung ist. was nicht heisst dass deine erinnerung nicht stimmt!

meiner erfahrung nach klärt es sich auch oft mit der zeit...wenn man anteilen zb erklärt, was wahrheit bedeutet, dass es wichtig ist, die wahrheit zu sagen, zu fragen ob es einen neutralen beobachter gibt, der eben einfach nur beobachtet hat etc (in solchen kontexten kann es ja sehr gefährlich sein die wahrheit zu sagen oder die wahrheit ist l*ge und umgekehrt, andererseits gibt es aber auch in solchen s*stemen manchmal anteile, die faken, um zu verwirren, angst zu machen, mehr an die täter zu binden, junge anteile konnten nicht unterscheiden etc.. alles nicht so einfach.)
es gibt zb ja auch fake hinr*chtungen etc. die frage ist ob das emotional am ende wichtig ist bzw einen unterschied in eurem erleben macht. das entscheidest du bzw. ihr.

ich sende dir bzw. euch viel kraft. wenn es nun raus kommt, hast du vielleicht die kraft das jetzt auch auszuhalten, obwohl es immer noch unsagbar leidvoll ist. ich hoffe die therapeutin ist für euch da.
wenn du noch fragen hast zur pdis etc wie gesagt gerne (zu anderem natürlich auch)

eli

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von lara64 » Di Jun 07, 2022 4:22 pm

Hallo A.Rhiannon,

wir lesen oft still mit.

Auch heute nur einen kurzen Input zu den Zweifeln und der Wahrheit. Von dem was Eli schreibt, kann ich vieles auch so bestätigen. Geholfen haben uns zwei Autorinnen hierbei, zu verstehen was da neben der RG auch MC passiert und wie manipulativ da vieles ist. Dass bis zum Schluss vielleicht nie geklärt werden kann, was ist real passiert und was wurde simuliert und die Kleinen zu verwirren, manipulieren, ängstigen und gefügig machen...

und wenn real ist, was erinnert wird - nein wenn ihr das der Thera erzählt muss und darf die nicht die Polizei informieren. Es sei denn es liegt fürs hier und heute noch eine Straftat vor. Ansonsten hat sie Schweigepflicht, und kann es notfalls in die Supervision mitnehmen..

Shalom - lara64

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » Di Jun 07, 2022 7:09 pm

Danke für eure lieben Antworten Aufatmende, Eli und lara64.

Ich bin erstmal wirklich froh mit dem Thema nicht alleine gelassen zu werden. Ich hatte nach dem Schreiben des Beitrags mehrmals überlegt es wieder zu löschen. Es ist dann doch mit viel Angst und Tabus besetzt.

Eure Antworten haben mir auf jeden Fall das Gefühl gegeben damit nicht völlig allein zu sein.
Was mir auch hilft ist, dass es für meine Aufarbeitung nicht darauf ankommt, ob es wahr ist oder nicht. Es kommt auf das Gefühl bzw. die Gefühle an, die dadurch entstanden und wegegeschlossen wurden. Und einen neuen Umgang damit zu finden. So an das Thema ran zu gehen hilft mir irgendwie offener dafür zu sein. Ob das jetzt überhaupt Sinn ergibt oder nicht weiß ich nicht. Aber so fühlt sich dann doch ein neutraler Beobachter in mir mehr angesprochen ohne direkt von allen in irgendeine Richtung sofort boykottiert zu werden. Zumindest für kurze Zeit ist es möglich neutral drauf zu sehen.
Dabei finde ich es auch hilfreich, dass es dann (hoffentlich) auch für die Therapeutin nicht darauf ankommt, ob es wahr ist oder nicht. Denn Beweise etc. gäbe es tatsächlich nicht. Ich möchte auf keinen Fall vor Gericht etc. irgendetwas aussagen müssen.

Gleichzeitig merke ich immer noch wie schwer es ist darüber überhaupt - und sei es nur rein hypothetisch - zu schreiben. Es herrschen so viele Verbote in mir drin.

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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende » Di Jun 07, 2022 8:48 pm

Jedes Schreiben durchbricht das Schweigegebot der Täter und macht das Reden leichter.
Auch ich kenne Fake und ich kenne, zum Töten (von Tieren) gezwungen zu werden und dabei zusehen zu müssen. Aus Spaß am Morden und sich an der Angst zu weiden.
Ich kann noch immer nicht glauben, was ich erinnere. Nicht, weil ich den Innenpersonen nicht glaube, sondern weil ich nicht glauben kann, dass Menschen zu so vielen geplanten ausgeklügelten Grausamkeiten fähig sind.
Das macht stumm.
Das Forum war über all die Jahre immer wieder ein Ort, an dem ich üben konnte zu reden.
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon » So Jun 12, 2022 1:08 pm

Gestern hat mich eine Person sehr getriggert und ich bin geswitcht. Ich habe es richtig gemerkt, konnte aber nichts dagegen tun. Ich bin in einen wütenden Anteil geswitcht und habe mich schon sehr unfreundlich verhalten. So würde ich mich normalerweise anderen gegenüber nicht verhalten. Leider kreuzen sich unsere Wege jedoch ab und zu und ich möchte es vermeiden, dass das nochmal passiert.

Ich habe jetzt versucht mir die Situation nochmal vorzustellen und wie ich mich alternativ fühlen und verhalten möchte. Dazu habe ich mir den Satz 'Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich' gesagt. Das hatte zwar Null mit Tanzen zu tun, aber passte irgendwie.

Mir ist noch bewusst geworden, dass da gleichzeitig Mitleid, Verantwortungsgefühl, vor allem aber unendliche Wut durch jegliche fehlende Rücksichtnahme getriggert werden.

Ich hoffe, ich kann in Zukunft besser mit der Situation umgehen.

War mir dann schon auch peinlich im Nachhinein. Gleichzeitig hat es mir nochmal viel mehr bewusst gemacht, wie sehr ich mir selbst Wut auf andere verbiete. Ich richte jegliche Wut lieber ausschließlich auf mich selbst.

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