Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Frieda

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Frieda » Mi Jun 30, 2021 9:22 pm

Hallo Laura,

das mit den überfordernden Emotionen kann ich sehr gut verstehen. Und auch das mit dem Gefühl "oh Gott! Morgen ist ein wichtiger Termin für mich." Das ist immer schwierig auszubalancieren... irgendwie gehört wohl beides in dein Leben. Und vermutlich hast du auch schon öfter solche Situationen trotzdem gut gemeistert - vielleicht daran denken, um Mut und Selbstvertrauen für dich zu schöpfen. (Es sei denn, es geht dir zu schlecht - dann wäre vielleicht auch ein Verschieben möglich?)

Einen Abgrund habe ich auch in mir, er wird langsam, sehr langsam kleiner bzw. heller, weil ich mehr Erinnerungen bekomme durch die Traumaverarbeitung. Bei mir stecken "dort" die heftigsten Erinnerungen drin. Es gibt einen Grund, warum da ein Abgrund ist.... leider. Letztlich ist es auch eine Form von Schutz...

Dass mit den Erinnerungen vergessen, kenne ich nur bei Szenen, die ich noch nicht in der Therapie verarbeitet habe... die kommen und gehen als Flashback Bewusstes Erinnern funktioniert dann manchmal, aber häufig nur mit sehr großer Anstrengung.

Vielleicht helfen dir meine Gedanken ein bisschen. Ich wünsche dir einen guten Abend. Was könntest du dir noch Gutes tun? Wie dafür sorgen, dass du dich weniger verloren fühlst (Decke, Schokolade, schöne Musik, Freundin anrufen etc.)?

Frieda

Dorie unlog

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Dorie unlog » Mi Jun 30, 2021 9:35 pm

Hallo Laura

Ich verstehe dich. Irgendwie kenne ich das, wenn ich etwas verarbeitet habe, dann verschwinden auch wieder die Erinnerungen. Sie verblassen. Sie kamen aber auch irgendwann wieder hoch. Ich war dabei aber da in einer ähnlichen Situation, die verarbeitet wurde. Konnte ich damit umgehen, war sie vollständig gelöst. Konnte ich es nicht, dann kamen die Gefühle wieder dazu hoch.

Ich habe mal von jemandem gehört, der auch verarbeitet hatte, dass dieser Abgrund für ihn eine leere war. Es wurde verarbeitet, ABER, es wurde nicht neu gefüllt mit irgendwas. Kleines Beispiel, als ich mein Kind etwas los lassen musste, entstand eine leere. Ich musste diese leere mit etwas füllen und mir zb eine neue Aufgabe suchen.

Es kann sein, dass du noch nicht genug geweint hast, kann aber auch sein, das es einfach von der Leere noch kommt oder auch andere Gründe, die ich nicht weisst.

Vielleicht ist das Interview morgen deine Chance den Abgrund zu füllen? Ich weiß es nicht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Angst es nicht zu schaffen, das die das alles verursacht. Aber wissen tu ich es leider nicht. Ich wünschte ich würde die Antwort kennen um dir zu helfen.

Viel Glück und Erfolg für morgen.

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Jul 01, 2021 8:57 am

Guten Morgen ihr beiden! Vielen Dank für eure motivierenden Nachrichten!!!

Ich habe eben das Vorstellungsgespräch auf nächste Woche verschoben. Gestern habe ich auch noch die Biontech Impfung bekommen. Und insgesamt geht es mir nicht gut. Sowohl Psychisch, als auch Physisch. Ich will den Job haben! Früher hätte ich mich halt über meinen Körper hinweg gesetzt. Heute glaube ich, dass es besser ist, auf mich zu hören... Und ich fühle mich heute definitiv nicht danach, eine maximal-Fassade hochzuziehen. Ich möchte gerne zeigen, wer ich bin und was ich kann, wenn es mir gut geht!

Ja es ist wirklich schwierig Emotionen und Anforderungen auszubalancieren. Da schwingt halt auch nochmal mit, dass ich früher ein "High Performer" war und echt viel geleistet habe. Jetzt Frage ich mich, ob ich das überhaupt noch hin bekomme.... Ich denke die Entscheidung gegen das Gespräch heute, war gut! Das ist ein neuer Weg entgegen meines alten Musters.

Ja wenn ich so drüber nachdenke - mein Abgrund ist auch kleiner, als früher! Aber irgendwie ist er noch da und es irritiert mich massiv, dass Erinnerungen, die schon Mal da waren, plötzlich verschwunden sind! Ich kenne es bisher auch nur so wie du Frieda.

Danke Dori! Gut zu wissen, dass ich damit nicht die einzige bin! Ich hätte gerne einen "Fahrplan", der mir sagt wo ich gerade stehe. Wenn alles integriert wäre, dann würden die Emotionen ja auch nicht mehr hochkommen. Interessant, wie das bei dir abgelaufen ist.

Ja "Leere" ist ein gutes Bild. Ich glaube es fühlt sich auf ein wenig so an. Hmmm wie fülle ich diese Leere? Ich gebe mir grosse Mühe eben auch mein Sozialleben zu pflegen und an stabilen Beziehungen zu arbeiten. Eben Dinge, die früher auf der Strecke geblieben sind und teilweise einfach zu schwierig waren.
Es ist eine schöne Vorstellung, dass ein Job, der mir gut tut, auch dazu beitragen kann diese Leere füllen könnte. Von den Interviews, die aktuell am Laufen sind, ist das glaube ich der mit dem höchsten Potenzial. Höchstes Potenzial im Bereich "was tut mir gut".
Es kann sein, dass du noch nicht genug geweint hast, kann aber auch sein, das es einfach von der Leere noch kommt oder auch andere Gründe, die ich nicht weisst
Das ist ein guter Punkt! Nur wie kommt man an die Erkenntnis?

Hmmm danke auf jeden Fall für eure Worte ihr beiden!!! Ich glaube auch, dass es echt klug war, mir heute einen Tag Pause zu gönnen und nicht über meine Verhältnisse zu leben! Die innere Achterbahn kann mal kurz Pause machen!

Alles Liebe
Laura

Dorie unlog

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Dorie unlog » Do Jul 01, 2021 2:00 pm

Hallo Laura

Ich finde gut, das du verschoben hast und auch das es ging. Erhol dich gut von der Impfung. Das ist auch wichtig, dass wenn du den Job wirklich willst, das du zeigen kannst das du den Job willst. Mit Fassade könnte das gegenüber wahrscheinlich auch nicht so spüren.
Ich wollte den Job und mir ging es damals auch wirklich gut und beim Vorstellungsgespräch, wo nicht ich mich vorstellen musste, sondern die Firma sich vorgestellt hatte, da konnte ich wirklich Punkten. Ich war die einzige, wo die Chefin selbst gemerkt hatte, dass ich will. Ich hatte keine Fragen gestellt, wo die Chefin merkte, das ich nicht will. Bei den anderen hatte sie gleich gemerkt, die suchen Dinge, die sie als Gründe suchen um nicht arbeiten zu können. Ich habe gefragt, ob man auch nur für eine gewisse Anzahl von Std arbeiten muss, zb 30 Std und sie sagte nein. Ich habe meine Bewerbung gleich abgegeben und gesagt, dass ist der Job, den ich möchte, was muss ich tun? Das war alles. Ich habe am selben Tag wegen eines Vorstellungsgesprächs gefragt und 2 Tage später hatte ich den Vertrag. Aber es ging mir da gut und ich hatte keine Fassade. Beim Gespräch wo ich den Vertrag unterschrieben hatte, habe ich mit offenen Karten wegen meiner Psyche gesprochen. Aber das war für sie bis heute kein Problem, weil ich trotzdem gut gearbeitet hatte und meine Kunden zufrieden waren.
Ich manage heute alle meine Kunden selbst, ich habe mehr Verantwortung als andere Mitarbeiter die Kunden haben. Ich habe alles sehr gut "unter Kontrolle", selbst wenn ich krank bin, kläre ich das selbst. Selbst wenn ich Urlaub habe, versuche ich zu schieben oder wenn gar nichts geht, dann erst sucht das Büro um Vertretung. Ich bin selbstständig sozusagen und weiß meine Pläne besser. Ich bin also trotzdem eine Hilfe, auch wenn ich verhindert bin. Aber mir geht es gut damit und das zeige ich auch. Das krank sein selbst nicht, aber das ich dann dem Büro trotzdem noch helfen kann, baut wieder auf. Sie wissen das ich Traumatherapie mache und die stehen da absolut dahinter. Selbst wenn ich länger ausfallen würde, würde es eine Lösung geben.

Mich irritiert es nicht, weil ich das kenne. Bei dem Interview mit meiner Traumatherapeutin, waren Erinnerungen weg, die ich schon verarbeitet hatte, nicht alle, aber viele. Die waren nicht präsent, weil andere dafür präsenter waren. Und ich war halt nicht in der Situation, wo sie hätten hoch kommen müssen.

Den Fahrplan hätte ich auch gerne. Ich kann dir hier auch ein schönes Beispiel nennen. Ich war ja mal lesbisch. Als die letzte Beziehung zu der Frau zerbrach, hatte ich mir Gedanken darüber gemacht. Im Prinzip gab es in all meinen Beziehungen, egal ob früher Mann und später die Frau. Die Probleme waren gleich und ich habe mir Gedanken gemacht, warum ich Irgendwann Frauen wollte. Ich bin damals daran gewesen, dass es daran lag, weil ich kein männliches urvertrauen hatte und es könnte daran gelegen haben. Ich hatte das verarbeitet und als das gelöst war, fand ich zwar Frauen toll, aber ich konnte mir keine Beziehung mehr vorstellen und es ging dann wieder mit dem Mann. Ich dachte es wäre ganz gelöst und verlor keine Gedanken mehr dazu.

Ich hatte das meiner Therapeutin erzählt und ich musste dann wieder feststellen, dass das eine zwar gelöst ist, aber das andere noch nicht. Das andere ist, die Aufarbeitung meiner Mutter. Ich kenne meinen Vater nicht. Bei einem Mann zb ist eine Beziehung nicht Figurmässig geknüpft. Aber alle Frauen die ich hatte, hatten das Verhalten und die Figur wie meine Mutter. War sie zu dünn, konnte ich keine Beziehung führen. Das war eine knallharte Erkenntnis. Ich habe zwar was gelöst und obwohl ich danach nur einen Freund hatte und keine Frau mehr hatte, aber ich weiß, solange ich meine Mutter nicht verarbeitet habe, kann es mir wieder passieren, dass ich mich in eine Frau verlieben kann "wenn die Figur" stimmt. Und das ist auch ein Grund, warum ich lieber Single bleiben will, bis ich wirklich weiß was ich will.

Ja, so ist das bei mir. Das ist meine Erfahrung in den letzten 5 Jahren gewesen. Ich hatte vor ca 3 Wochen etwas gelöst gehabt und paar Tage später kamen Erinnerungen wieder hoch. Erinnerungen die ich schon verarbeitet hatte und nicht mehr im Kopf drin waren. Es lief emotionallos wie ein Film ab. Es war nicht mehr belastend und ich wusste das hatte auch damit zu tun gehabt, aber es ist gelöst. Im Moment sind diese Erinnerungen noch im Kopf, weil das grad in der Therapie Thema ist, aber ich weiß auch, wenn wir uns einen anderen Thema widmen, ist es wieder raus.

Viell ist das nicht das einzige was du brauchst um das damit zu füllen? Du gibst dir Mühe daran zu arbeiten. Wie ist das denn für dich? Ist das mehr noch Kampf? Vertraust du den Leuten und geht es dir dabei gut? Machst du genug Pausen für dich? Das muss ja nicht immer nur Sofa sein, sondern Dinge die dir gut tun. Es können ja unterschiedliche Sachen sein, die eine leere füllen können. Der MB hatte ja viel Platz in deinem Leben und wenn alles integriert ist, dann wäre zb auch etwas größeres zu füllen. Aber das ist eben bei jedem unterschiedlich.

Ich habe vorher mir nicht vorstellen können, dass arbeiten mir gut tun könnte, weil ich ja nur mit mir beschäftigt war. Egal wo ich gearbeitet hatte zwischen durch, es war nie gut und ich fühlte mich nicht wohl.

5 Jahre Seelsorge und schon einiges gelöst, machten es mir leichter, die Job Richtung zu finden und viel ehrenamtlich arbeiten zu können. Ehrenamtlich, weil ich selbst entscheiden kann, wann und ob ich es kann. Wenn es mal nicht ging, wegen Krankheit, war alles nicht schlimm, weil keine Konsequenzen kamen.

2018 im Sommer bekam ich was unmöglich für mich war, wovor ich immer Angst hatte. Einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Arbeit wo ich immer noch bin. Meiner Chefin war nicht mein Lebenslauf wichtig mit den vielen Lücken, sondern meine Erfahrung mit Menschen, die Hilfe brauchen und davon habe ich genug. Ich habe eine sehr große Verantwortung, was auch für mich vorher nicht ging. Ich arbeite nur wenig Std, aber ich hab eine große Aufgabe wo ich wachse, aber ich auch glücklich bin. Früher war, wenn es privat Probleme gab, das so, dass ich am liebsten meinen Job verliere. Heute ist es so, dass ich mehr gucke, was kann ich tun um ja meinen Job zu behalten.

Schau da gut auf dich. Es ist wichtig das auch du dich gut fühlst wenn du arbeiten möchtest. Nur wenn es dir auch dort gut geht, kann das eine gute recource sein. Fängst du wenn es passt, auch gleich voll ein? Oder fängst du erst klein an?
Ich bin ja noch mit der Verarbeitung zugange und ich weiß inzwischen, dass es auch noch etwas dauern kann, bis ich wieder hoch gehen kann, aber das werde ich zb Stück für Stück machen und nicht gleich ganz wieder hoch. Erst wenn ich wirklich so weit bin. Das kannst also nur du entscheiden.

Ja wie kommt man an die Erkenntnis. Es ist eine blöde Antwort, ich mag die auch nicht hören, aber mir hat man geantwortet, "das kann ich dir nicht sagen, aber wenn es soweit ist, wirst du es sehen"

Ich kann mir vorstellen, wenn es noch nicht genug geweint ist, dann könnte es vielleicht noch dauern. Liegt es vielleicht einfach an der Leere, finde ich es vorstellbar, dass es vielleicht auch dann mit dem Job immer weniger werden kann. Ich habe damals mal zu meiner Seelsorge gesagt, dass ich Angst davor habe, deswegen zu weinen, weil das Gefühl da ist, nie wieder aufhören zu können. Aber da sagte sie das wenn man genug geweint hat, dann hört es auf. Meine Traumatherapeutin hat es mir auch gesagt, die ganzen Tränen müssen irgendwann raus und das sich viele halt auch gesammelt haben. Aber der Tag wird kommen, wo alles raus ist.

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Jul 08, 2021 4:49 pm

@Dorie

Danke für deinen Beitrag. Ich gehe darauf noch ein versprochen! Ich bin aktuell nur total durcheinander...

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mo Jul 19, 2021 8:48 pm

Hallo Dorie,

jetzt habe ich Mal ein wenig Zeit und Energie um dir zu antworten! Danke für deine lange Nachricht!

Ja die Entscheidung bzgl Vorstellungsgespräch war richtig. Ich bin da eine Runde weiter und am Mittwoch dann vor Ort.

Aktuell geht es auch ganz gut. Das ist definitiv hilfreich! Ich hatte letzte Woche nochmal einen Termin mit dem Thera und wir haben tatsächlich Mal wieder Hypnose gemacht. Das war Sau anstrengend und es hat sich auch noch jede Menge gelöst. Unter anderem hatte sich auch schon in den Tagen davor ein ziemlich destruktiver Anteil gezeigt, der mir auch immer sehr deutlich im Kopf gewesen ist. Der Kern des Termins war, dass ich dem Leben nicht vertraue und auch mir selbst nicht. Ich würde sagen, dass das mit meiner Geschichte durchaus Sinn macht. Wir haben den Stein ins Rollen gebracht und ich fühle mich etwas sicherer, auch was meine eigenen Fähigkeiten betrifft. Durchaus sehr hilfreich bei den kommenden Bewerbungsgesprächen!

Die letzten Tage fühle ich viel Schmerz hochkommen. Ich habe einiges zugelassen und viel geweint. Es überflutet mich aber nicht und ich kann es dosiert raus lassen.
Ich habe meine Bewerbung gleich abgegeben und gesagt, dass ist der Job, den ich möchte, was muss ich tun? Das war alles. Ich habe am selben Tag wegen eines Vorstellungsgesprächs gefragt und 2 Tage später hatte ich den Vertrag. Aber es ging mir da gut und ich hatte keine Fassade. Beim Gespräch
ja ganz genau so macht man das! 😉 Super! Es ist gut, wenn man akzeptiert wird, auch wenn (oder gerade weil!) man zeigt, wer man ist! Und wie du das ja beschreibst, steigert das massiv die Selbstwirksamkeit und das Selbstvertrauen! Toll!

Ich glaube das ganze ist ein Prozess. Ich empfinde es nicht wirklich leicht zurzeit. Aber ich setze mich vielen Situationen aus und verlasse meine Komfortzone, um Schritt für Schritt das Leben neu zu erobern. Irgendwie ein Leben ohne Trauma aufbauen.

Der Thera hat sich voll gefreut, als ich von dem Verschwinden der Erinnerungen berichtet habe. Er hat das in der Vergangenheit wohl schon öfter erlebt und bezeichnet auch das Thema "Vertrauen in mich und das Leben", als einen nächsten Schritt. Eine grundlegende Sache, die eigentlich noch tiefer geht, als das Trauma. Das nehme ich jetzt einfach Mal so an. Und wenn irgendwann doch noch etwas Neues hoch kommt, dann ist das auch vollkommen okay. Weil ich mich davon nicht mehr aus der Bahn werfen lasse!
Ich hatte das meiner Therapeutin erzählt und ich musste dann wieder feststellen, dass das eine zwar gelöst ist, aber das andere noch nicht
ja ein sehr gutes Beispiel, das Mal wieder zeigt, wie viele Themen überlagert sind. Das kenne ich auch! Dinge zeigen sich erst, wenn andere abgearbeitet sind. Und manchmal braucht man dann auch Zeit, um neue Kraft zu sammeln. Und vermeintlich ein Thema kann sich in mehrere aufteilen - aber von anderen Facetten. Zwiebel schälen!!!
Im Moment sind diese Erinnerungen noch im Kopf, weil das grad in der Therapie Thema ist, aber ich weiß auch, wenn wir uns einen anderen Thema widmen, ist es wieder raus
ja das beschreibst du schön! Ich vermute langsam, dass es eben genau so abläuft.

Und wenn ich jetzt Mal ein klein wenig hoffen darf, dann hoffe ich einfach, dass das Trauma wirklich zu einem Grossteil integriert ist. Aber Natürlich kann es immer Mal wieder passieren, dass das Leben einen auf eine neue "Facette" schubst. Dafür muss ich jetzt aber erstmal Leben, damit ich solche Situationen erleben kann.
Du gibst dir Mühe daran zu arbeiten. Wie ist das denn für dich? Ist das mehr noch Kampf? Vertraust du den Leuten und geht es dir dabei gut? Machst du genug Pausen für dich?
Ich glaube der Kampf wird weniger. Also speziell nach dem letzten Thera Termin habe ich den Eindruck, dass innerlich mehr Ruhe eingekehrt ist. Schrittweise glaube ich auch, dass ich nun mehr Vertrauen in mich selbst habe. Es ist schon Mal sehr schön, dass die sabotierende, kommentierende Stimme in meinem Kopf nun schweigt. Das hilft definitiv sehr! Ich kann mich immer mehr auf mein Gefühl verlassen.
Pausen Versuche ich mir aktiv zu nehmen. Aktuell geht das ja noch, weil ich nicht arbeite. Zur Not sage ich dann auch Verabredungen ab. Oder heute Mittag hatte ich den Eindruck, dass es mir gut tun würde für 2 Std in den Wald zu gehen. Und das hat gut getan! Wie das alles sein wird, wenn ich wieder arbeite, das weiss ich noch nicht.

Ja vielleicht wird mir die Arbeit wirklich gut tun. Neuer Input. Neue Menschen, Aufaben, Herausforderungen. Ich hoffe sehr, dass ich das schaffen werde und stabil genug sein werde!
Schau da gut auf dich. Es ist wichtig das auch du dich gut fühlst wenn du arbeiten möchtest. Nur wenn es dir auch dort gut geht, kann das eine gute recource sein. Fängst du wenn es passt, auch gleich voll ein? Oder fängst du erst klein an?
Ja genau das ist sehr sehr wichtig! Deswegen lasse ich mir zurzeit auch den Raum, den richtigen Job zu finden. Ich plane voll einzusteigen. Und die Stelle am Mittwoch ist echt nicht schlecht! Da hätte ich schon richtig Lust drauf. Hat sich aber im ersten Gespräch als Vorstandsassistenz fachlicher Art herausgestellt. Vertrauensarbeitszeit, aber ein ziemlich soziales Unternehmen. Wäre aber eben direkt der Turbo Einstieg. Ich schau Mal, ob ich überhaupt weiter komme. Und am Ende ist es wichtig, dass ich mit den Menschen angenehm zusammenarbeiten kann. Der Thera sagt, ich soll auf mein Gefühl hören.

Ja die Tränen müssen raus! Das gelingt mir aktuell immer besser. Dem ganzen einfach aktiv einen Raum geben und es zulassen. Das ist der Weg! Ich hoffe das wird auch mit dem neuen Job okay bleiben. Abwarten und mich selbst spüren!

Alles Liebe
Laura

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Di Jul 20, 2021 7:45 pm

Morgen um 11 ist die zweite Runde zum Vorstellungsgespräch als Vorstandsassistenz. Heute habe ich mich einige Stunden vorbereitet, aber meine Aufmerksamkeitspanne ist gerade durchaus eingeschränkt. Aber immerhin waren das ein paar Stunden.

Gleichzeitig kommt da die Angst hoch, ob ich evtl. Den falschen Weg einschlage. Was mache ich, wenn das morgen tatsächlich klappen sollte. Die Aufgabe ist spannend - aber will ich das überhaupt? Schaffe ich es meine Energie so einzusetzen, dass ich ausreichend auf mich selbst achte? Kann ich mit der Verantwortung umgehen, oder möchte ich nicht lieber eine Aufgabe mit weniger Verantwortung? Fragen über Fragen!

Und daneben steht mein Körper, der Signale sendet. heute Vormittag habe ich mir den Raum gegeben und musste weinen. Vorhin war das dann wieder so. Plötzlich hatte ich das Gefühl, mir würde die Luft abgeschnürt und unglaubliche Kopfschmerzen. Also den Bewerbungskram weggepackt und ich musste wieder bitterlich und voller Schmerz weinen.

Es ist nicht verwunderlich, dass das momentan hochkommt. Ich spüre sehr wohl, dass der Thera Termin von letzter Woche Nachwirkungen hat. Vor allem kann ich erst seit ein paar Tagen die Emotionen wirklich rauslassen. So verletzlich wie aktuell werde ich nicht immer sein. Aber ist das ganze mit einem Job als Vorstandsassistenz zu vereinbaren???

Naja... Ich glaube, wenn ich wirklich will, dann geht das schon irgendwie. Und trotzdem ist es wirklich nicht einfach gerade diese Schritte in meinem Leben zu gehen! Alles sehr anstrengend und fordernd!

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mi Jul 21, 2021 1:25 pm

Puuuuhhhh geschafft und wieder daheim. Das war echt anstrengend! Bin souverän geblieben, obwohl ich mich an ein paar Kennzahlen nicht erinnern konnte. Naja Mal abwarten, 2 Kandidaten sind wohl noch in der Pipeline. Morgen ein anderes Vorstellungsgespräch. Aber wieder online.
Ich hab jetzt meeeeega Kopfschmerzen, obwohl ich schon 2 Ibus Intus habe. Meine Kapazität ist echt nicht mehr das, was sie Mal gewesen ist! 🙄

Gestern Abend musste ich auch nochmal richtig heftig weinen. Ist echt alles nicht wirklich einfach zurzeit! Aber ich finde ich schlage mich trotzdem ganz gut!

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Jul 22, 2021 6:42 pm

Ich habe erneut bitterlich geweint. Seit dem Tehra Termin bekomme ich nochmal so viel mehr Zugang zu meinen Emotionen. Ich nehme das in meinem Körper so deutlich wahr, wie nie zuvor. Der Kloß im Hals war so deutlich! Ich habe da hinein gespürt und dann ist es aus mir heraus gebrochen.

So viel Schmerz & Leid!
Ich war ganz alleine
Ich war so tapfer und stark
Verlassenheit
Das Gefühl beschmutzt worden zu sein
Hoffnungslosigkeit
Verloren
Es nicht wert sein zu leben
Der Wunsch zu sterben
Das Gefühl bereits tot zu sein
Ein Schatten meiner selbst, der nicht sterben darf, aber auch nicht leben kann
Gefangen in den gefrorenen Emotionen
Ausgeliefert
Missbraucht
Gequält
Gewürgt und fast getötet
Hintergangen
Fallen gelassen
Verraten
Schutzlos

Der Panzer fällt. Ich fühle mich selbst so deutlich, wie nie zuvor. So verletzlich.

Ich habe überlebt!!!

Ich lebe!

Das alles ist passiert, aber es ist in der Vergangenheit!

Ich darf leben!

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Sa Jul 24, 2021 11:12 pm

Im Leben ankommen the next level? Ich weiß auch nicht... Das Leben ist Scheisse! Es ist hart und verletzlich und angreifbar sein, ein gigantisches Risiko!

Ich bin bei meiner besten Freundin zu Besuch. Für mich ist es wichtig, eine gute Beziehung zu ihrem Freund zu haben, aber er ist eben auch sehr speziell und ein Mensch mit dem ich sonst niemals Kontakt hätte. Kommt aus einer echt gestörten Familie mit viel Gewalt und Übergriffigkeit. gestörte Impulskontrolle. Aber egal - meine beste Freundin ist wie eine Schwester und wenn das der Mann an ihrer Seite ist, dann ist mir wichtig, dass wir miteinander gut umgehen können.

Heute morgen war er schon grummelig, kurz wegen einer Lappalie pampig und für mich schon wieder vergessen. Wir Mädels waren dann den ganzen Tag draussen wandern und haben am Ende vom Asia Restaurant Essen mitgebracht. Und dann ist es beim Abendessen zu einer Eskalation gekommen. Eine Diskussion über ein Thema und er hat es falsch aufgefasst. Würde sagen klassisches Sender Empfänger Problem. Er mega Aggro, und ist plötzlich ist einer Intensität von Null auf Hundert ausgerastet, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Hat mich persönlich angegangen wie Scheisse ich immer argumentieren würde und was für einen Mist ich immer laber. Dass er es total ätzend findet mit mir zu diskutieren usw. Dann aufgestanden und raus gegangen. Ich hatte noch versucht zu deeskalieren und auch aufgefordert doch bitte ruhig zu bleiben und nicht zu schreien. Er immer weiter rein gesteigert.... Wäre er nicht so ausgerastet, hätte ich mich im nächsten Moment dafür entschuldigt, dass ich ihn offensichtlich getriggert hatte. Aber diese Möglichkeit gab es nicht - dafür den massiven Angriff auf mich selbst.

Wo ist das Problem?
Ich bin bei meiner besten Freundin so wie ich bin! Hier gibt es keine Fassade. Hier bin ich wie ich bin. Verletzlich. Ich selbst. Keine Schutzbastion. Und dann werde ich in diesem Zustand so massiv angegangen und mir wird im verletzlichen Zustand gesagt, wie Scheisse ich bin.

Ich bin wirklich sehr verletzt worden. Ich musste weinen und war kurz davor zu fahren. Meine beste Freundin und ich waren nochmal draussen und haben über alles geredet. Er war mehr als unpassend in seinem Verhalten und sie kennt so was auch. Naja einen Schaden hat er definitiv auch durch seine Familie. Und trotzdem ist es mehr als deplatziert mich so massiv anzugreifen. Mir ist erst im Gespräch klar geworden, dass er als Position "Freund meiner besten Freundin" in den Genuss kommt, mich ohne Fassade und ohne Schutzbastion zu erleben. Und genau das macht es so furchtbar schlimm. Darf ich jetzt nicht mehr sein, wer ich bin, wenn ich bei ihr bin? Mich so verletzlich zu zeigen und dann so angegriffen zu werden und in meiner Person als so Scheisse gesehen zu werden, das tut weh.

Ich habe immer wieder geweint. Das scheint wohl nun eine neue Seite in meinem Leben zu sein. Das nervt, aber ich konnte es nicht unterdrücken, so verletzt bin ich gewesen. Das war wirklich schlimm, schließlich habe ich meine Fassade abgelegt. Ich habe mit 4 Jahren gelernt, dass man grosses Leid erfährt, wenn man verletzlich ist. (Dann erlebt man Missbrauch.) Es war harte Arbeit für mich, das zu verändern und Menschen zu vertrauen. Aber ich verstelle mich hier nicht und ich bin verletzlich. Und wenn ich dann so massiv angegriffen werde, dann tut das wirklich weh. Vor allem war das eine total Lappalie. Traurig!

Lange Rede kurzer Sinn. Ich reisse die Fassade ein, ich habe geschützte Räume in denen ich mich ausprobiere und dann werde ich im verletzlichsten Zustand auf unpassende Art und Weise massiv angegriffen. Das ist hart. Das schockiert. Das tut weh.

Wie viel von dem, wer ich bin, will ich zukünftig offenbaren? Ist der Ort wirklich sicher, wenn der Freund meiner besten Freundin hier ist?

Das ist gerade wirklich Scheisse!!! Vor allem bin ich gerade so oder so am struggeln. Der Thera Termin hängt mir echt nach, ich kämpfe mich irgendwie durch die Bewerbungsgespräche und lass mich nicht unter kriegen.... und dann so etwas. 😢😢😢

The next level?

Vielleicht doch wieder eine Fassade hochziehen?

Benutzeravatar
Dorie
Beiträge: 10044
Registriert: Mi Sep 29, 2010 11:12 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Dorie » So Jul 25, 2021 10:19 am

Hallo Laura

Puh. Ich hatte auch eine Freundin, die eine Impulskontrollstörung hat. Hatte ihr jahrelang geholfen, aufgrund dieser Störung. Aufgrund ihrer Erfahrungen konnte sie nur schwer vertrauen und ich hatte viel vermittelt zwischen ihr und dem Gegenüber. Wir selbst sind 2x aneinander gerasselt, wo ich ihre Wut abbekommen hatte. 1x weil sie auch mir schwer vertrauen konnte. Aber da hatte ich eine klare Ansage gemacht. Wenn sie mir nicht vertrauen kann, kann ich ihr nicht helfen. Ich möchte nicht beleidigt werden, weil ich ihr nichts getan habe. Bei ihr hatte ich da Glück gehabt. Sie hat darüber nachgedacht und sie kam wieder. Es lief ab da wirklich gut. Sie brauchte ihre Zeit, aber sie hat die bekommen. Ca 6 Monate sind wir uns aus dem Weg gegangen.
Meine Meinung war wichtig, vorher war meine Meinung ja scheisse, weil sie eine andere hatte. Unsere Meinung durfte dann neben einander stehen. Sie ist ansonsten mehr mit anderen aufeinander geknallt. Wütend war sie innerhalb von 1 Sekunde. Da ich Wut gut kannte und wusste was ich brauchte, habe ich gut mit ihr reden können. Aber wie gesagt, sie ging da nur 1x gegen mich.

Das 2x, seitdem ist Funkstille. Durch ihre Störung hat sie ihre Wut nicht unter Kontrolle und sie lässt das halt auch an ihre Kinder und Tiere aus. JA macht nichts und die wissen was da passiert. Die Mutter hat eine Efh und das wars. Und wegen der Tiere da hat sie eine Anzeige von mir bekommen. Die Tiere sind leider auch noch da, aber sie steht unter Beobachtung.

In deinem Fall. Kennst du das selber das du so aggressiv werden kannst? Was hast du dir von dem gegenüber gewünscht?
Ich habe raus gelesen das du bei ihm selbst jetzt ja ruhig warst, wenn ich das richtig gedeutet habe. Weil ich denke nicht ans entschuldigen, wenn ich auf wütend bin.
Kannst du dich in ihn rein versetzen? Also in die Wut? Mir hat damals zb geholfen, dass mein Gegenüber ruhig blieb und mich einfach nur gefragt hat, was da passiert ist, was mich so wütend macht. Aber ich habe auch keine Störung. Vielleicht braucht er immer wieder Zeit zum nachdenken. ABER um nachdenken zu können, braucht er, denk ich, eine klare Ansage. Sag ihm was du fühlst, wenn er dich beleidigt oder dich so angeht. Er selbst merkt es gar nicht, was da passiert und wie es dem gegenüber ergeht. Er ist selbst in seiner Wut gefangen und kennt es nur so auszurasten und das sein gegenüber dann entweder kuscht oder mit schreit.
Er braucht bessere Erfahrungen, das man damit umgehen kann.

Wie geht deine Freundin damit um, wenn er so zu ihr ist?
Träume nicht dein Leben,sondern lebe deinen Traum


Gib mir die Gelassenheit,Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut,Dinge zu ändern,die ich ändern kann.
Gib mir die Weisheit,das eine vom anderen zu unterscheiden.

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » So Jul 25, 2021 3:21 pm

Hey Dorie,

danke dafür, dass du deine Gedanken und Erfahrungen geteilt hast! Klingt ja meeeeega anstrengend mit der Freundin und auch nicht wirklich gesund. Ich kann verstehen, dass du da bei Gewalt gegen Kinder &Tiere irgendwann genug hast und dich rausziehst! Das ganze ist schon echt herausfordernd!

Ich bin jetzt wieder Zuhause und echt platt - nicht wirklich geschlafen letzte Nacht!

Ich habe das bei ihm in der Vergangenheit schon ab und zu Mal erlebt, war aber nie das Opfer seiner Wut. Für mich ist das eine massiv überfordernde Situation, weil die Impulsivität, mit der sich das entlädt, wirklich aus heiterem Himmel kommt. Und extrem verletzend!

Er hat sich heute Morgen für sein Verhalten entschuldigt. Ihm ist klar, dass er sich vollkommen deplatziert verhalten hat und mich zu unrecht so massiv angegriffen hatte. Das finde ich gut und wir haben ein offenes Gespräch geführt. Ich habe erklärt, dass ich in der Gegenwart meiner besten Freundin einen sicheren Ort habe und verletzlich bin, ohne Fassade etc. Wenn er mich so massiv angreift und sagt, wie Scheisse er mich findet, dann verletzt mich das zutiefst. Wäre er nicht der Mann an der seine meiner besten Freundin, dann würde ich jetzt anders mit ihm umgehen. Er hat erklärt, dass er gar kein Problem mit mir hat, er sich nur oft nicht richtig ausgedrücken kann und ihm das dann entgleist. Er sieht, wie besonders die Beziehung zwischen uns Mädels ist, und wird sich in Zukunft zusammenreißen und mich nicht mehr so angehen. Wir haben vereinbart ein "Stopp" zu setzen, falls der andere einen antriggern sollte.
Mir ist es wichtig, dass ich mich bei meiner besten Freundin nicht verstellen muss und sein darf, wer ich bin.

Ich kann zum Teil verstehen, dass er sich getriggert gefühlt hatte. Aber auch nur nachdem mir im Nachgang der Kontext durch meine Freundin erklärt worden ist. Wenn er nicht artikuliert, das er sich bspw. plötzlich durch eine Argumentation zu einem Thema xy angegriffen fühlt, dann kann ich ja auch nicht darauf eingehen. Ich habe grosse Probleme zu verstehen, wenn jemand aus heiterem Himmel ausrastet und den gegenüber beleidigt. Dafür habe ich kein Verständnis! Meine Freundin leidet darunter auch immer wieder, wenn sie das abbekommt. Sie haben in vielen langen Gesprächen wohl auch schon daran gearbeitet und auch Schlüsselwörter vereinbart, um in so einer Wutspirale zu ihm durchzudringen. Klappt aber wohl auch nur bedingt. Manchmal rennt er dann halt raus und das Gespräch findet ein paar Stunden später statt.

Für mich wäre diese Unberechenbarkeit die Hölle auf Erden. Aber gut - jeder wie er will!!! So werde ich mich jedenfalls nicht nochmal angehen lassen!

Irgendwie jetzt Mal das ganze sacken lassen. Ich kann so eine Entschuldigung annehmen. Aber trotzdem muss ich sagen, fühle ich mich heute extrem nah am Wasser gebaut. Vorhin auch mit meinem Bruder bzgl der Beerdigung des Freundes gesprochen, der Suizid begangen hat und dabei auch schon wieder Tränen in den Augen gehabt.
Ich fühle mich gerade wirklich sehr verletzlich. Der Thera Termin hängt mir noch nach. Ich arbeite daran mich selbst zu finden und fühlen. Irgendwie bekomme ich das mit den Bewerbungsgesprächen gerade ordentlich geregelt. Aber wenn ich ehrlich bin, könnte ich auch die ganze Zeit einfach nur heulen. Vor allem seit der Verletzung gestern. Fassade weg ist auch echt Scheisse!

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » So Jul 25, 2021 10:08 pm

Erkenntnis des Tages:
Wenn man übt verletzlich zu sein und dann massiv angegriffen wird, dann hat das Auswirkungen auf den ganzen Kontext meiner Verarbeitung.

Ich war als Kind verletzlich, schutzlos und das wurde brutalst ausgenutzt. Im letzten Thera Termin habe ich einen Anteil gehen lassen. Den Anteil, der mein Innerstes beschützt hat und immer darauf geachtet hat, dass mich kein Mensch verletzen kann. Dass man mir nicht zu nahe kommen kann. Sie loszulassen war schmerzhaft und die Folgen davon ernte ich jetzt. Angetriggert durch das Gefühl, was gestern beim Angriff auf mich, in mir ausgelöst worden ist, kommen jetzt Gefühle von damals hoch. Ich habe eben wieder voller Schmerz und Verzweiflung geweint. Und es hat sich nochmal so viel tiefer angefühlt, als sonst.

Und ich hab mich selbst hinter dem einen Sessel in meinem Zimmer bei Oma und Opa sitzen sehen. Die Ecke, in der ich mich immer versteckt hatte. Dorthin habe ich mich wohl immer geflohen, am Tag nach dem MB... Dieses Weinen war das Weinen von damals. 😢

Ich glaub das ist wirklich passiert.

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Di Aug 03, 2021 6:42 pm

Ich bin unausgeglichen. Irgendwie traurig. Kann auch nicht richtig sagen weshalb. Einfach das Leben, das manchmal einfach so schwer ist. Extremes Rückzugsbedürfnis... und ich gehe ihm auch nach. Heute die 2. Impfung gehabt und da kann man sich dann halt auch einfach zurückziehen, ohne dass jemand dumm fragt. Aber auch egal.
Irgendwie fühle ich mich einsam.
Am Wochenende war die Hochzeit meines Bruders und sie war wirklich wunderschön. Mich macht es aber irgendwie auch traurig, dass ich einfach ewig Single bin und niemanden an meiner Seite habe. Ich würde so gerne verliebt sein und auch dieses Glück und diese Nähe empfinden.
Ich hatte gestern die dritte Runde Bewerbungsgespräch in dem Job, den ich wirklich gerne machen würde. Freitag bekomme ich bescheid. Es gibt wohl noch einen anderen Kandidaten. Ich habe Angst... Irgendwie habe ich keine wirkliche Alternative, die ich mir ernsthaft vorstellen könnte. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass ich Glück habe und diese Baustelle einfach vorbei wäre. Ich hab so hart gekämpft in den letzten Jahren.... Irgendwie finde ich, dass ich es jetzt verdient hätte, ein wenig Glück im Leben zu haben.
Ein wenig mehr Leichtigkeit! Ja das wäre wirklich sehr schön.
Nicht mehr traurig und voller Angst, dass ich es nicht schaffe, wieder auf die Beine zu kommen und einen Job zu finden, wo ich rein passe.
Ich habe auch Angst, dass ich keine Wohnung finde, bis ich hier raus muss.... Das ist alles wirklich nicht einfach hier in Köln.
Ich fühle mich einfach total überfordert und unsicher. Ich weiss, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und zwar mit allem... Ich muss jetzt einfach vertrauen, dass es schon wird. Ich weiss, dass das ein alter Glaubenssatz ist, aber ich hoffe, dass es genug war...

Laura
Beiträge: 405
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Aug 05, 2021 8:48 pm

Ich bin traurig. Ich wäre auch gerne so glücklich, wie mein Bruder und seine Braut. 😢 Ich finde es traurig, dass der MB auf mein Sozialleben und Beziehungsleben so eine Auswirkung hatte.
Ich glaube, die Impfung von Dienstag hängt mir noch nach... Bin total erschöpft. Aber auch das Wochenende und meine Vergangenheit und alles... Heute früh musste ich plötzlich einfach so losheulen. Da ist noch mehr, aber ich habe, oder will keinen Zugang dazu haben.
Ich habe solche Angst vor morgen. Ich wünsche mir so sehr, dass das mit dem Job klappt. Ich wünsche mir so sehr, dass ich die Zusage bekomme. Ich habe alles gegeben... Hab ich das richtige gesagt? War ich gut genug? Hat es gereicht? Bin ich genug? Der Thera sagt, ich soll dem Leben vertrauen. Ja.... Ich geb mir Mühe.... Das ist aber verdammt schwer....
Seit ner Weile sind endlich die Kopfschmerzen weg. Ich sitze auf dem Balkon und trinke ein zwei Kölsch. Ob das so gut ist? Naja egal! Sonst trinke ich ja auch nicht. Aber wie lange werde ich mein Zuhause noch haben? Wann ist mein Balkon nicht mehr da und meine Sonnenuntergänge Teil einer Erinnerung?
Ich fühle mich einsam. Aber ich will auch niemanden sehen. Gerade jetzt wo ich mich so erschöpft fühle.
Viel gerade in meinem Leben! Ich geb mir wirklich grosse Mühe und ich bekomme auch Zuspruch aus meinem Umfeld.
Aber ich finde es schon echt viel. Und das macht mir solche Angst!!!!

Antworten