Strukturelle Dissoziation und Amnesie

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wolke

Re: Strukturelle Dissoziation und Amnesie

Beitrag von wolke » Sa Feb 13, 2021 6:41 pm

hi wolfswald,
nee du kannst einfach schreiben, vollkommen ok. willkommen hier.
also ich hab gelesen, dass dann andere eps eben die bilder oder andere dinge tragen die zu den gefühls eps gehören. alle zusammen tragen dann die ganze erinnerung.

zu deiner weiteren frage: würd mich mal in transgenerationale weitergabe von trauma einlesen. gibt auch eine gute doku bei youtube dazu, die heisst vererbte narben. krass dissoziativ werden etc. tut man nicht wenn man es nicht selbst erlebt hat. vielleicht haben die menschen auch einfach diese veralteten klamotten getragen...
und ich wäre extrem vorsichtig bildern zu glauben, die im kontext psychoaktiver substanzen entstanden. da sieht man auch raumschiffe...egal ob da noch jemand was zu fragt oder nicht.
aber das musst du beurteilen und wenn sich das auch ohne diese drogen zeigt.. mmh würde das jedenfalls in zukunft lassen und mir ne vernünftige traumathera suchen, die so was nicht macht, wenn nicht schon vorhanden. an so zeug wie aus einem früheren leben oder aus kollketiven schichten glaube ich nicht. ja es gibt ein kollektives unbewusstes, das denke ich schon, aber der einfluss reicht nicht soweit, dass sich daraus bilder ergeben. aber das ist nur meine sehr subjektive meinung.
ich denke auf diesem weg - mit einer guten thera - kannst eher zu einer klärung kommen.

alles gute dir
wolke

wolfswald
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Re: Strukturelle Dissoziation und Amnesie

Beitrag von wolfswald » So Feb 14, 2021 12:17 pm

Danke Dir.

Ich komme gerade auch zu dem Schluss, dass es - jedenfalls für mich - nicht so ist, dass die verschiedenen Gefühle auf verschiedene EPs verteilt sind. Im Zusammenhang mit der Angst stieß ich gestern nacht zum Beispiel sehr überraschend für den Bruchteil einer Sekunde auf ein Gefühl von Schuld. Vielleicht ist es eher so, dass die verschiedenen EPs zu verschiedenen Situationen gehören.

Transgenerationale Traumata sagen mir schon was. Natürlich; ich bin "Kriegsenkel".

Nein. Der Weg über die Substanzen ist mit Sicherheit nicht für jeden etwas. Ich persönlich bin davon überzeugt. Schon bevor die Sache mit dem Missbrauch und jetzt mit dem organisierten Missbrauch aufkam, hat mir diese Arbeitsweise so unendlich viel über mich selber begreiflich gemacht, beispielsweise die Auswirkungen des Zustandes als alleingeborener Zwilling, die mein gesamtes Leben bis hin zur Wahl beider Berufe geprägt hat - ohne dass ich davon wusste. (Und Bilder aus Star Trek hatte ich auch schon in klassischen schamanischen Reisen. Auch diese Arbeitsweise funktioniert aber trotzdem. Ich könnte jetzt etwas dazu erzählen, wie es meiner Ansicht nach zu solchen Bildern kommt, aber das wäre hier off topic.)

Und um ehrlich zu sein: ich lese in Facebook in einem PTBS-Forum mit. Was die da so über Therapeuten und (anerkannte, v.a. Gesprächs-) Therapien schreiben, bestärkt mich eher in der Überzeugung, dass die anerkannten Wege _nicht_ funktionieren. Jedenfalls für mich nicht. Ich brauche diesen sehr körperbezogenen Weg, auch den ganz unmittelbaren körperlichen Kontakt zu den Begleitern (ist für mich persönlich Teil des Raumhaltens). Holotropes Atmen geht auch noch, ist ähnliche Arbeitsweise wie das mit Substanzen, geht für mich aber nicht tief genug (auch der Dauer wegen - nur zwei bis drei statt acht bis zehn Stunden am Stück).

Ich bin auch schamanisch unterwegs, auch mit einer ziemlich krassen Ausbildung vor einigen Jahren. Insofern ist mir das Arbeiten mit früheren Leben durchaus vertraut. Als Historikerin, die ich auch bin, war ich mir nie so hundertprozentig sicher, was ich davon halten soll, aber was solls: es funktioniert.

Interessant Deine Aussagen dazu, dass transgenerationale Traumata eher nicht zu tieferen dissoziativen Zuständen führen, kollektive Sachen eher nicht zu Bildern. Beides also quasi "weiter weg" ist. Derzeit führt oft allein schon der Gedanke an die Frage mit dem organisierten Missbrauch in tiefe dissoziative Zustände, bis hin zur Unmöglichkeit, mich zu bewegen - also wenn ich die Türen ins Innere nur ein winziges bischen aufmache, bin ich schwupps weg. Das gilt allerdings auch für viele andere Geschichten. Beim Durcharbeiten der Sache mit dem Zwilling bin ich bis Millimeter vor dem eigenen Tod gegangen, und noch geraume Zeit nach dem Durcharbeiten dieser Sache hat eine diesbezügliche Passage in einem Roman - die ich da absolut nicht erwartet hatte - mich sofort wieder in die Dissoziation geschickt (Situation war echt blöd, saß im Flieger, die Stewardess im Anmarsch auf meine Reihe, und ich habe gemerkt, dass das - siehe Stephen Porges und Johannes B. Schmidt - tatsächlich ein neurologisches Umschalten ist, das, wenn es erstmal läuft, nur mit großer Mühe aufgehalten werden kann ...).

Wenn ich Deine Aussage also weiterdenke, dann war es eben doch "ich". Dass die 30er-Jahre-Kleidung Ver-Kleidung gewesen sein kann, ist mir schon klar, auch wenn der gesamte Kontext sich so anfühlte (wie gesagt, ich bin Historikerin, ich achte auf solche Sachen). Wie dem auch sei ... das sind wenig erfreuliche Aussichten. Aber es nützt nix. Die Reaktionen sind so derartig präsent in meinem Körper, die müssen da raus.

EineVonUns50
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Re: Strukturelle Dissoziation und Amnesie

Beitrag von EineVonUns50 » So Feb 14, 2021 12:43 pm

Hallo,
ich denk, da gibts ein Unterschied zwischen "tieferen dissoziativen Zuständen", die jeder haben kann, je nach Situation und Überforderung und "struktureller dissoziativer Persönlichkeitsstruktur", soviel ich weiß, braucht letztere das persönliche Erleben zum Entstehen einer solchen.

Was die Bilder angeht - warum sollte kollektives nicht in Bildern auftauchen? Das hängt u.e. eher mit dem Persönlichkeitstyp zusammen, ob man eben eher visuell veranlagt ist oder anderes.. Ich könnte mir das auch Erklärung für die 30er jahre Bilder erklären, gerade wenn du Historikerin bist udn vertraut bist in die verschiedenen Zeiten einzutauchen, könnte das doch eine Leistung des Gehirns sein, solche bilder dann auch zu verwenden, um Erinnerungen ins Bewußtsein zu schieben? Es geht dabei ja weniger darum, wie das im Einzelnen abgelaufen ist, sondern wie man selbst das erlebt hat und dazu werden Bilder verwendet, die können, müssen aber nicht so der erlebten Realität entsprochen haben. So spontan denk ich: vielleicht ist das auch ein Selbstschutz des Gehirns, dann Bilder aus den 30er zu erzeugen, weil das Erleben dadurch weiter weg ist und eine Annäherung deshalb eher möglich? Gerade wenn du sonst sofort dissoziierst bei dem Gedanken an organ. Gewalt, ist es ja wohl eher möglich, sich in dieser Form damit auseinanderzusetzen und vielleicht ist ja das der Grund, warum das in dieser Form auftaucht?

Wolke

Re: Strukturelle Dissoziation und Amnesie

Beitrag von Wolke » So Feb 14, 2021 3:09 pm

hi

also dass so was wie körperreaktionen oder Dissoziation bei transgenerationalem trauma nicht passiert wurde in der genannten Doku gesagt und hat meine thera gesagt und hatte ich mal gelesen in einer Studie über traumatisierten vs nicht traumatisierte Kindern denen nur was erzählt wurde über ein Trauma. die hatten ein paar Bilder die sehr klischeehaft und undifferenziert waren aber keine körperlichen Reaktionen..

und meine Meinung ist dass es keinen Grund gibt stark zu dissozieren auch unabhängig von einer dis wenn man da nichts erlebt hat. wieso sollte man?

und wie sollen Bilder auftauchen von Dingen die man nie erlebt hat.. also ich bin da skeptisch. ok Bilder vielleicht schon wenn man ewig über die 30 er Jahre Bilder und Filme sieht oder was liest aber nicht in kombi mit Dissoziation oder Körper Reaktionen. wenn du die hast. mmh sorry aber das glaub ich einfach nicht und das ist auch nicht das was ich gelesen habe. sonst wäre ja fast jeder in Deutschland als Kriegsenkel etc sehr dissoziativ weil eben so krasse Erfahrungem der Eltern oder Grosseltern im 2. Weltkrieg. wenn man das mal weiter denkt...

wünsch dir jedenfalls eine gute Klärung. wenn du dem vertrauen kannst ist ja gut. könnte ich nicht. und ja es gibt wie immer denke ich auf allen Ebenen auch schlechte theras.. schlechte Schamanen etc. aber eben auch gute.

wolke

wolfswald
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Re: Strukturelle Dissoziation und Amnesie

Beitrag von wolfswald » So Feb 14, 2021 9:14 pm

@EineVonUns,

Du meinst so etwas wie tertiäre Dissoziation, richtig, wo es das persönliche Erleben für die Entstehung einer solchen Struktur braucht?

Was Du dann beschreibst, ist ziemlich genau der Vorgang, mit dem ich mir eben so Sachen wie StarTrek-Bilder im schamanischen Reisen erkläre, nur in etwas anderem Kontext. Das Gehirn sucht sich im eigenen Fundus Bilder, um etwas wiederzugeben, zu "illustrieren", sozusagen. Und das mag im Einzelfall auch ein Selbstschutzmechanismus sein; interessanter Gedanke.

Diese 30er-Jahre-Bilder waren die ersten, bei denen org. Gewalt sozusagen Teil der Geschichte ist. Vorher hatte ich das nicht - und hätte es, um ehrlich zu sein, auch für absolut unvorstellbar, un-denkbar gehalten. Es passt so definitiv überhaupt rein gar nicht in meine sonstigen Erinnerungen hinein.

Nach der Session mit diesen Bildern (nicht vorher, wohlgemerkt!!) wurde ich von jemandem auf den Film "Operation Zucker" hingewiesen, habe ihn schockiert geschaut, bin dann via Google auf den zweiten Teil davon gestoßen (Operation Zucker: Jagdgesellschaft). Die Wikipedia-Beschreibung dieses zweiten Teils ... was soll ich sagen. Teile dieses Textes hätten auch eins zu eins eine Beschreibung "meiner" Bilder sein können. Ohne die Krimigeschichte, aber sonst genau das: Haus im Wald (ok, Haus und Wald sahen bei mir anders aus), verkauft, gejagt. Genau das hatte ich. Bevor ich den Film gesehen habe. In meinen eigenen Bildern, mit Emotionen, mit Körperreaktionen, mit denen ich mich schon Jahre herumschlage.

@Wolke,

den Punkt, dass es ohne eigene Erfahrung keinen Grund gibt zu dissoziieren, den finde ich überzeugend.

Auftauchende Bilder ohne eigenes Erleben - siehe oben: zumindest im Kontext des schamanischen Reisens bin ich oft nicht sicher, wie weit die Bilder, die ich da habe, jetzt "real" oder "Verpackung" sind. Aber diese 30er-Jahre-Bilder waren anders, bei denen stellt sich für mich die Verpackungsfrage nicht. Und es ist nicht die Zeit, mit der ich beruflich oft zu tun hätte oder so (sie interessiert mich nicht mal besonders ...). Nein, ich bin sicher, das sind "reale" Bilder. Ich bin mir bisher nur nicht sicher, ob es "meine" realen Bilder sind. Aber das wird sich im Laufe der Zeit vielleicht zeigen.

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