Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

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Wasserblume

Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Wasserblume » Mi Mai 20, 2020 10:59 am

Hallo,

Ich hab jetzt seit einiger Zeit immer stärkere Körperempfindungen, die ich nicht zuordnen kann. Es kommt auch nix an konkreten Informationen hoch. Einfach so eine starke Angst, Herzrasen, partiell das Gefühl, berührt zu werden, obwohl da nix ist, und allgemein eine ganz heftige Schreckhaftigkeit, das ist ein großes Thema weswegen ich auch kein Auto und ungern Fahrrad fahre (hatte, durch das Erschrecken ausgelöst, auch schon mehrere kleinere Unfälle).
Mein Körper ist irgendwie, auch nach 6 Jahren gesprächsbasierter Traumatherapie, einfach in einer anderen Zeitzone, und ich bin langsam mit meinem Latein am Ende :?
Immer wieder hatte ich die Idee, etwas stärker körperorientiertes auszuprobieren, aber dann wieder ziemlich Angst vor hobby-trauma-therapeut*innen die mal einen Tag eine Fortbildung gemacht haben und komplex trauma nicht wirklich verstehen. Und damit vor erneuter Destabilisierung. Ich dreh mich da immer wieder im Kreis, denn grundsätzlich hab ich schon das Gefühl, dass mir da ergänzend zum Reden irgendetwas weiteres sehr helfen könnte.
Viele heilpraktiker*innen bieten ja Somatic Experience an, und da weiß ich irgendwie nicht, ob das wirklich stabilisierend bzw heilsam ist bei Komplex Trauma. Ich habe starke dissoziative Amnesien, also potentiell weitere Trauma Inhalte, die vergraben liegen.
Habt ihr mit irgendwelchen Ansätzen , ergänzend zur Gesprächstherapie, gute Erfahrungen gemacht? Oder könnt ihr von etwas total abraten, worum man einen Bogen machen sollte?
Ich hab schon einen Traumayogakurs gemacht, das war sehr sanft, vllt ein bisschen zu sanft, denn es hat sich nicht unbedingt positiv auf diese Symptome ausgewirkt.
Ich konnte dazu speziell keinen Thread finden und hoffe, ich hab keinen übersehen, worin das schon diskutiert wurde.
Viele Grüße und danke schonmal für alle Erfahrungen.

Gastacht

Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Gastacht » Mi Mai 20, 2020 3:52 pm

hallo wasserblume

ich finde Kunst Therapie sehr gut aber da muss man klar auch schauen wie viel Erfahrung jemand hat.
hatte einmal eine sehr schräge Körper thera die mich nach einer Stunde duzte und wollte dass ich mich auf einer Matratze rolle. die wusste vom MB. gruselig.

hast du denn "nur" geredet oder auch mal konfrontations verfahren gemacht wie emdr oder vier Felder Technik oder so etwas? das löst solche Symptome normalerweise kann aber schwierig sein weil es heftig ist und dabei neue Trauma Inhalte hoch schwappen können. eine Freundin hat eine dis und macht das schon lange hat gute Erfahrungen mit aber man muss dafür stabil sein und jemand sehr erfahrenen an der Hand haben.

ganz liebe Grüße
gastacht

Wildi
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Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Wildi » Mi Mai 20, 2020 4:41 pm

Ich mache seit einem Jahr Somatic Experiencing und bin soo froh, dass ich diese Methode gefunden habe!
Ich hatte genau solche Ängste, dass es eine Heilpraktikerin bestimmt nicht stemmen kann etc. Aber sie kann!

Dazu muss ich sagen, dass ich einen Großteil der Zeit parallel auch noch eine Gesprächstherapie hatte. Nur SE wäre mir zu wenig gewesen, weil wir da nicht so sehr viel sprechen.

SE empfinde ich als sehr entlastend, gleichzeitig auch als sehr anstrengend, weil sich viel im Körper löst. Für mich ist es ein unschätzbarer Gewinn – kam aber auch zur rechten Zeit.

Gastacht

Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Gastacht » Do Mai 21, 2020 8:50 am

hi wildi
magst du mehr erzählen. hab gegoogelt aber nicht wirklich kapiert wie das abläuft...klingt auf jeden Fall sehr spannend.
levine schreibth auch so gut finde ich. wieviel nimmt sie die Stunde und wie oft gehst du hin?
gastacht

Igraine
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Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Igraine » Do Mai 21, 2020 9:11 am

Hallo Wasserblume,

ich bin bei einer Therapeutin, die eine tiefenpsychologisch fundierte Grundausbildung hat und zusätzlich noch HAKOMI Therapeutin ist.
Das ist auch eine körperorientiere Therapieform.

Ich empfinde das Zusammenspiel aus Gesprächstherapie und Arbeit mit dem Körper als sehr wirksam.
Meine Therapeutin ist darüber hinaus (natürlich) in Traumatherapie ausgebildet und so wird es irgendwie rund.
All die Dinge, die der Körper damals gerne getan hätte, aber nicht tun konnte, werden Schritt für Schritt aufgelöst.
Die Körperwahrnehmung verändert sich und das obwohl es eben immer nur fast beiläufig so Elemente für den Körper gibt.
Einfach immer, wenns passt.

LG

Wildi
Beiträge: 256
Registriert: Fr Feb 09, 2018 4:32 pm

Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Wildi » Do Mai 21, 2020 12:52 pm

SE läuft (bei mir) so ab, dass wir auf Stühlen einander gegenübersitzen, mit angenehmen Abstand.
Zunächst geht es ums Ankommen in Körper, ums Wahrnehmen. Das finde ich sehr angenehm und entspannend.
Dann fragt sie mich, ob ich ein spezielles Thema bearbeiten möchte. Das kann ein Erlebnis sein, eine Emotion oder einfach ein Körpergefühl. Und dem widmen wir uns dann. Gucken, was da ist, wie es sich im Körper anfühlt. Was dadurch ausgelöst wird etc. Die unterdrückten Emotionen sollen wieder im Körper beweglich und spürbar werden.

Sie achtet sehr sorgfältig darauf, dass ich niemals abdrifte, sondern immer im Hier und Jetzt bin. Dissoziationen werden sofort unterbunden, ich werde immer wieder aufgefordert, mich im Raum zu verorten und mir klar zu bleiben, dass ich erwachsen bin.

Meist können nur kleinste Sequenzen schwieriger Themen angeschaut werden, damit es nicht zu belastend wird. Sie achtet sehr genau, dass ich alles "containen" kann. Wir haben übrigens auch keine Anamnese gemacht, weil mir das zu belastend war. Fand sie nachvollziehbar. Jetzt erzähle ich halt immer so nach und nach.

Ich weine jedesmal sehr viel. Manchmal kommen Abreaktionen wie Schwindel, Zittern, Kälte, Müdigkeit. Ist aber alles nicht so heftig, wie ich mir das vorgestellt habe.

Zum Stundenende schaut sie immer, dass ich stabil bin und gut gehen kann.

Zwischen den Stunden finde ich es jedoch oft grauenhaft, was da noch nachkommt. Die abgespaltenen Emotionen waren ja nicht ohne Grund abgespalten. Und wenn die dann plötzlich einen Raum im Körper bekommen und gefühlt werden dürfen, dann fühlt man die halt. Und das finde ich teilweise richtig, richtig schlimm und schmerzhaft.
Aber es bringt mich mit Siebenmeilenstiefeln voran und ich bin mehr als bereit, die Schmerzen auf mich zu nehmen. Ich nehme mich als wesentlich stabiler, wacher und stärker wahr als zu Anfang.

Ich gehe einmal wöchentlich hin. Größere Abstände sind auch möglich, fühlen sich für mich persönlich aber momentan noch nicht richtig an.
Finanziert habe ich die Therapie über den Fonds.

~SteinHart~
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Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 21, 2020 1:09 pm

Hallo Wildi,
wir hatten das Thema am Rande glaube ich mal kurz...

War interessant zu lesen wie SE bei dir/euch läuft.

Meine Thera arbeitet (fast schon erschreckend) ähnlich, bis gleich.

Hatte ja auch mindestens eine SE Fortbildung, oder Schulung.

Wollte ich nur kurz dazu schreiben.
Bisher wirkte es eher als gelbe es nur "normale" (gesprächsbasierte) Psychotherapie NEBEN alternativen/körperbezogenen Therapien.

Es geht auch beides... bei einer Person.

SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

Wasserblume

Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Wasserblume » So Mai 24, 2020 4:59 pm

Oh wow, danke für die verschiedenen Beiträge und Erfahrungsberichte.. ich weiß grad nicht wo mir der Kopf steht uns bin noch nicht dazu gekommen :shock: , aber ich lese sie die Tage in Ruhe und schreibe dann nochmal. Liebe Grüße an alle und einen schönen abend noch!

Wasserblume

Re: Alternative zu Gesprächstherapie -Erfahrungen?

Beitrag von Wasserblume » So Mai 31, 2020 7:57 pm

Danke nochmal an alle für die Beiträge!!
Das hat mir jetzt schon geholfen und Mut gemacht weiter zu suchen. Und ja, in meinem Fall eben ergänzend zur Gesprächstherapie, da ich eine habe mit der ich noch zufrieden bin und die sonst nichts anbietet mit anderen Methoden. Ich muss auch sagen, dass sich spontan alles bei mir zusammenzieht bei dem Gedanken, mit einer psychologischen Psychotherapeutin irgendwas Körperorientieres zu machen (bzw vielmehr irgendwas, wo sie nicht einfach nur schön auf ihren Stuhl sitzt und mir nicht näher kommt), aber das liegt an meiner Geschichte. Für andere bestimmt ein guter Zugang, beides bei einer Person zu haben.

Liebe Gastacht, mit meiner Thera spreche ich tatsächlich nur. Sie hat ihren Schwerpunkt auf Imagination (Pitt)/Ego-State, und ist bei allem anderen auch sehr skeptisch bei Komplextrauma... vor ihr war ich da leider in gegenteiligen Händen und hab sehr retraumatisierende Erfahrungen bei Theras gemacht, deswegen war ich bei ihr eigentlich sehr froh, aber jetzt fühlt es sich manchmal so an als ob was fehlt... Das klingt interessant von der Freundin zu hören mit der 4FelderTechnik, bzw emdr. Ich behalte das mal im Hinterkopf, danke...stabil bin ich, eigentlich- aber naja.. vielleicht überschätze ich mich auch total. Kunstherapie/Ergo hab ich schonmal nen Jahr gemacht, hat mir bei den Baustellen leider auch nicht geholfen, aber ist auf jeden Fall eine schöne Erfahrung. Vielleicht später nochmal im Leben.... Und liebe Grüße zurück:)
Wildi und Igraine, danke für eure Tipps zu Somatic Experience und Hakomi. Hab von beidem schon mal gehört, aber hätte mich jetzt so nicht dran getraut. Das klingt sehr gut... toll. Genau so was fehlt mir irgendwie. Tausend Dank.
Ich denke, im Endeffekt hängt dann doch wieder das meiste an der Person die man findet, an der Erfahrung und der Chemie zwischen einem, also werde ich mich jetzt wohl (gefühlt zum hunderttausendsten Mal in meinem Leben..) auf die Suche nach einer therapeutischen Unterstützung machen, die irgendetwas davon anbietet, und gucken, wie ich mich bei der Person fühle..
Lieben Dank nochmal und allen einen schönen Abend.

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