Befragung unabhängige Kommission

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Sayeda
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Befragung unabhängige Kommission

Beitrag von Sayeda » Di Okt 22, 2019 9:59 pm

Hallo,

nun habe ich endlich meinen Antrag für den Fond "Sexueller Missbrauch" mithilfe einer Mitarbeiterin bei einer Beratungsstelle ausgefüllt. Dabei erfuhr ich, dass dort auch Gespräche der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs stattfinden.

Ich bin von der Atmosphäre und der Achtsamkeit der Mitarbeiterinnen dort sehr angetan und es gibt Anteile, die sagen, dass es endlich Zeit wird offener mit dem Thema umzugehen. Eine Idee ist, mich für eine vertrauliche Anhörung anzumelden.

Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?
Was war gut?
Was war schlecht?
Was würdet ihr heute wie anders machen?
Würdet ihr es überhaupt nochmal machen?

Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen!

LG, sayeda
Wenn eine Frau ihre eigene Größe entdeckt hat, kann kein Lob sie größer, keine Kritik sie kleiner machen.
Der Käfig ist offen.
Verlassen musst du ihn selbst

Luisa Francia

~SteinHart~
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Re: Befragung unabhängige Kommission

Beitrag von ~SteinHart~ » Di Okt 22, 2019 10:25 pm

Hatte es gemacht und würde es auch wieder machen.

Allerdings schaffte ich es vor Ort nicht das zu sagen was ich sagen wollte.

Ich durfte es dann schriftlich als Email schicken.

Teile davon sind im Jahresbericht gelandet. Man fragte mich ob ich einverstanden bin, dass es veröffentlicht wird.

Alles in allem war es eine gute Erfahrung. Ich wünschte aber ich wäre bereits "weiter" gewesen, hätte es sagen können.

Der Umgang vor Ort und auch vorher via Mail und smn Telefon mit mir war sehr gut. Die beiden waren Therapeuten und sehr umsichtig. Es war auch kein Problem dass ich eine Decke dabei hatte, oder eben dass ich nur sehr wenig sagen konnte.

SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

Igraine

Re: Befragung unabhängige Kommission

Beitrag von Igraine » Mi Okt 23, 2019 12:36 am

Hallo Sayeda,

ich habe mich vor einiger Zeit für eine Anhörung angemeldet und meinen Termin kürzlich gehabt.
Durchgeführt wurde sie von zwei sehr netten Rechtsanwältinnen, die sich auf den Bereich spezialisiert haben.

Ich glaube, dass die Motivation das zu machen, wirklich entscheidend ist für den "Erfolg".
Ich denke, dass Kinder nur dann besser geschützt werden können vor Missbrauch, wenn die Gesellschaft versteht, wie vielfältig die Täter und Taten sind. Und die Gesellschaft kann dies nur verstehen, wenn die Menschen, die es erlebt haben, also wir, anfangen darüber zu sprechen. Ihre Erlebnisse teilen und die Vielfältigkeit so sichtbar machen.
Mein Anliegen war also, dazu beizutragen, dass Prävention besser wird.

Eine andere Motivation könnte z.B. sein, mit der Anhörung etwas verarbeiten zu wollen, das empfinde ich eher als schwierig.

Ich glaube, dass man schon relativ gefestigt sein sollte, wenn man diese Anhörung macht.
Die Anwältinnen haben gute Fragen gestellt, teilweise auch welche, die ich nicht beantworten konnte. Es ging dann um Aspekte, über die ich vorher noch nie nachgedacht hatte.... Das hat mich in Nachhinein doch noch ordentlich beschäftigt und eben auch leicht ins Wanken gebracht.
Beide waren aber dennoch sehr behutsam, haben gespürt, wo sie näher nachfragen können und wo sie sich mit oberflächlichen Beschreibungen zufrieden geben müssen.
Beide hatten eine ruhige Ausstrahlung und wir haben sogar zusammen lachen können. So fühlte sich irgendwie alles ganz leicht an und die 2h waren ziemlich schnell um.

Schlecht fand ich gar nichts. Alles wäre möglich gewesen.
Eine Begleitung durch jemanden von Wildwasser vor und nach der Anhörung, eine oder mehrere Pausen, jemanden mitbringen....
Ich habe nichts dergleichen gebraucht, aber alleine zu wissen, dass es geht, war schon gut.

Was ich kritisch anmerken könnte ist, dass es bei mir technische Probleme gab mit der Weiterleitung meiner Kontaktdaten von der Kommission an die Anhörungsbeauftragen und ich dann "gezwungen" war da nachzuhaken und mit denen zu telefonieren. Aber alle waren sehr nett und bemüht, konnten für die technischen Probleme halt nichts und ich habs ja auch geschafft.

Nach der Anhörung sind mir noch viele Dinge durch den Kopf gegangen und mir war es dann noch ein Anliegen bestimmte Dinge nochmal aufzuschreiben und nachzureichen, weil ich dachte, ich hätte es nicht gut genug im Gespräch rübergebracht.
Das war gar kein Problem und die Anwältinnen geben das jetzt einfach mit an die Kommssion weiter, damit es mit in die Auswertung fließen kann.

Ich würde es jederzeit wieder tun.

Viele Grüße

Igraine

Punkte

Re: Befragung unabhängige Kommission

Beitrag von Punkte » Mi Okt 23, 2019 8:58 pm

Hallo,

ich habe in diesem Jahr auch an einer vertraulichen Anhörung teilgenommen und ich würde es auch wieder tun.

Die Anhörung war bei zwei Opferanwältinnen und ich hatte Begleitung von einer Mitarbeiterin aus einer Beratungsstelle. Ich konnte mit der Mitarbeiterin bereits vorab telefonieren und besprechen, was während der Anhörung wichtig ist und was ich hinterher tun kann, um gut für mich zu sorgen. Mir war das mit der Dame aus der Beratungsstelle wichtig, weil ich eine DIS habe und nicht so richtig wusste, ob es dort vielleicht zu einem Wechsel kommt und ich mich und die Anwältinnen nicht unnötig in eine schwierige Situation bringen wollte.
Wir haben auch besprochen, dass sie mich stoppen würde, wenn ich zu sehr ins Detail über die Taten gehe, weil das für die Anhörung nicht notwendig ist, detailiert über die erlebte Gewalt zu sprechen und eben das Risiko der Dekompensation stark erhöht.

Vor Ort war eine ganz angenehme Atmosphäre. Der Anfang fiel mir schwer, weil es eine komische Situation ist, wenn dann das Aufnahmegerät angeschaltet wird.
Ich konnte wählen, ob ich frei erzählen möchte oder lieber Fragen gestellt bekommen möchte. Ich habe mich für die Fragen entschieden.
Ja und dann war es eigentlich ein ganz gutes Gespräch und die Zeit verging sehr schnell.
An ein, zwei Stellen war ich ganz froh, dass die erfahrene Dame aus der Beratungsstelle da war, weil es da teilweise um fachliche Fragen zu meiner Diagnose ging oder um Aspekte meines Erlebens, die für die Anwältinnen so ganz neu waren und von der Dame dann nochmal genauer erklärt werden konnten.

Während der Anhörung habe ich sehr gut funktioniert, aber hinterher ging es mir erstmal ein paar Tage schlecht, weil ich natürlich zig Regeln der Täter verletzt habe. Ich wusste aber, dass das so sein würde und war daher gut darauf vorbereitet und wusste ja auch, dass es wieder vorbei gehen wird und dass es das richtige und auch wichtig war an dieser Anhörung teilzunehmen.

Es war eine gute Erfahrung für mich und ich bin auch ein wenig stolz auf mich und uns, dass es möglich war das zu machen und ich den Großteil von dem was ich gerne sagen wollte, gesagt habe. Ich hoffe sehr, dass meine Erfahrungen in Kombination mit den Erfahrungen, der vielen anderen, die an einer Anhörung teilgenommen haben, in Zukunft helfen können, Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Sayeda
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Re: Befragung unabhängige Kommission

Beitrag von Sayeda » Sa Nov 09, 2019 9:54 pm

Hallo ihr drei!

Herzlichen Dank für eure Beiträge und Erfahrungsberichte! Ich muss das noch in mir hin und her bewegen.

LG, sayeda
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Luisa Francia

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