Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

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Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von Frage » Do Mai 09, 2019 8:58 pm

Hallo,

Ich habe eine Frage, weiß aber nicht so recht, ob das hier überhaupt hingehört. Deswegen entschuldigt bitte, falls es unpassend ist, es darf bei Bedarf auch gerne wieder entfernt werden.

Also ich bin jetzt volljährig. Habe einige Zeit in einer therapeutischen Wohngruppe gewohnt und bin mit 18 in eine eigene Wohnung gezogen, weil es in der WG einfach nicht mehr funktioniert hat.

Ich war immer eine sehr gute Schülerin (soll jetzt nicht arrogant klingen) und bin auch immer gerne zur Schule gegangen. Ich bin allerdings seit Jahren psychisch sehr krank, habe auch eine anerkannte seelische Behinderung. Vor allem aufgrund von PTBS, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und einer schweren Essstörung. Ich habe auch schon viele Klinikaufenthalte hinter mir, ich weiß schon gar nicht mehr wie viele genau, weil es so oft vorkommt.

Ich hätte eigentlich Anfang diesen Jahres mein Abitur machen sollen. Es wäre von meinen Noten her auch überhaupt kein Problem gewesen, aber ich bin vorher wegen der zu hohen psychischen Belastung krankheitsbedingt zurückgetreten. Ich möchte eigentlich gerne freiwillig ein Jahr wiederholen, kriege das allerdings psychisch momentan nicht hin. Ich habe zuletzt immer häufiger Anfälle in der Schule bekommen, bin immer wieder suizidal und manövriere mich regelmäßig in ähnliche Krisensituationen hinein, sodass ich ständig in die Klinik eingewiesen werden musste. Deswegen bin ich jetzt seit Monaten von meinem Therapeut bis auf Weiteres krankgeschrieben. Es ist nicht das erste Mal. In der zehnten Klasse zum Beispiel war ich praktisch überhaupt nicht in der Schule, wurde aber aufgrund meiner guten Noten und mit Zustimmung der ADD trotzdem in die nächste Klasse versetzt.

Sowohl vonseiten der Schule als auch von meinem Therapeuten habe ich alle Unterstützung der Welt. Es macht mich unendlich traurig, dass ich es trotzdem nicht schaffe, zur Schule zu gehen. Ich würde es so gerne!

Ich habe allerdings seit etwa einem halben Jahr einen Nebenjob im Supermarkt. Es ist nur zwei Mal die Woche für ein paar Stunden, aber es ist trotzdem an meinem Limit, obwohl ich den Job mag. Dennoch würde ich zur Zeit keine Ausbildung schaffen und auch eine Anstellung in Teilzeit wäre schon zu viel. Trotzdem ist mir der Job sehr wichtig, weil er mir Struktur gibt und auch das Geld kann ich gut gebrauchen, weil ich die Miete für meine Wohnung ausschließlich von Kindergeld und Halbwaisenrente bezahle. Es ist wohl auch erlaubt, dass ich arbeiten gehe, obwohl ich gleichzeitig nicht am Schulunterricht teilnehmen kann, weil ich laut dem Attest zwar zur Zeit „schulunfähig“, nicht aber „arbeitsunfähig“ bin.

Nun meine eigentliche Frage: Wie wird es weitergehen, wenn ich auch in den nächsten Monaten nicht stabiler werde? Davon ist leider nur bedingt auszugehen. Was soll ich dann machen, wenn ich immer noch nicht zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen kann? Ich würde so gerne auch etwas leisten! Das andere Problem ist, dass dann meine sämtlichen Gelder wegfallen, wenn ich praktisch „nichts mache“. Also ich würde dann weder Kindergeld noch Halbwaisenrente mehr bekommen und das würde bedeuten, dass ich meine Wohnung verlieren würde, weil mir die 450€ von meinem Nebenjob allein nicht für den Lebensunterhalt reichen.

Hat vielleicht irgendjemand von euch Erfahrung damit, was man in so einem Fall machen kann? Ich bin da echt ratlos und habe große Angst vor der Zukunft. Für Ratschläge wäre ich euch deswegen wirklich sehr dankbar.

Viele Grüße

~SteinHart~
Beiträge: 3651
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Re: Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 09, 2019 10:57 pm

Ganz ehrlich, Ausbildung bedeutet auch BerufsSCHULE.

Ich kann mich noch gut erinnern dass meine Leiden zu Fachasbizeiten auch heftig waren, meine Thera da aber sehr konsequent darauf bestanden hat dass ich das durchziehe... Es war hart, aber ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Ich glaube dir dass du willst, weiß aber eben auch ein wenig wie man sich da selbst etwas vormacht mitunter.

Es wird dieses Mal keine Ausnahme für dich geben, das Abi bekommst du nicht einfach so, wegen sonst guter Leistungen.

Dreimal darfst du wiederholen... erst dann würde ich mir Gedanken über etwas anderes machen. Einen Ausbildungsberuf kannst du auch mit Abi in der Tasche beginnen, es muss kein Studium folgen.


Die Krankheit wird dir immer wieder mal das Leben schwer machen, aber gerade Schulabschluss und Ausbildung sind so wichtig für später. Später wird das nur noch schwieriger und komplizierter.

Ich mag dir echt Mut machen das durchzuziehen. Kannst du mit dem Thera offen darüber reden, gibt er auch mal Kontra, oder macht er in der Sache einfach was du sagst und "willst?


SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

Frage

Re: Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von Frage » Fr Mai 10, 2019 12:58 am

Hallo Steinhart,

Danke für deine Antwort!

Also ich meinte ja, dass ich eine Ausbildung zur Zeit genauso wenig schaffen würde wie die Schule. Sorry, falls ich das irgendwie missverständlich ausgedrückt habe.

Ich weiß, dass ich das Abitur nicht einfach so bekomme. Davon mal abgesehen würde mir das auch gar nichts bringen, weil mir das Abitur nichts nützt, wenn ich nicht stabil genug zum Arbeiten/Studieren/Ausbildung bin.

Ich kann mit meinem Therapeuten offen darüber reden, denke ich. Er hat mich auch vorher nicht über Monate hinweg krankgeschrieben, sondern immer darauf bestanden, dass ich zur Schule gehe. Aber ich habe vor dem Abitur Rasierklingen geschluckt und musste dann natürlich erstmal in die Klinik, deswegen konnte ich das Abitur allein deswegen schon nicht schreiben. Nachschreiben wollte ich auch nicht, weil ich das meinen Lehrern nicht zumuten wollte, dass sie nur wegen mir neue Abiturklausuren einreichen müssen.

Als ich dann aus der Klinik kam und wieder zurück in die zwölfte Klasse gegangen bin, hatte ich ständig Anfälle in der Schule. Habe mich dauernd selbstverletzt und Ähnliches, sodass oft der Krankenwagen gerufen werden musste und ich immer wieder in der Klinik gelandet bin. Deswegen hat die Schule irgendwann gesagt, dass es für sie nicht mehr tragbar ist. Klar, es handelt sich schließlich auch eine Schule und nicht um eine Klinik. Aber deswegen blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich krankschreiben zu lassen.

Vielleicht hast du aber wirklich Recht und man wird unterbewusst deswegen noch instabiler, weil das irgendwie sowieso alle von einem erwarten. Obwohl ich eigentlich nie dieses Gefühl hatte, aber dein Beitrag bringt mich gerade zum Nachdenken.

Ich habe jedenfalls großen Respekt davor, dass du Schule und Ausbildung trotz Krankheit durchgezogen hast. Darf ich fragen, was du für Diagnosen hast? Und was hast du beruflich gemacht bzw. machst du jetzt? Sorry, falls dir das zu persönlich ist, du musst es natürlich nicht beantworten.

Viele Grüße

~SteinHart~
Beiträge: 3651
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Re: Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von ~SteinHart~ » Fr Mai 10, 2019 8:48 am

Hallo Frage,

ich kann gerade nur ganz kurz antworten. Mehr später, oder in ein paar Tagen. Das hat mit dir nichts zu tun, ich mag dich nur nicht so ganz ohne Antwort lassen gerade.

SH
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(William Gibson)

Frage

Re: Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von Frage » Fr Mai 10, 2019 9:28 pm

Oh, das ist so lieb von dir, dass du mir extra deswegen Bescheid gibst! Dankeschön, das macht mich irgendwie total glücklich gerade :oops:
Du kannst dir natürlich so viel Zeit lassen, wie du brauchst/willst. Es ist ja keine Verpflichtung, mir zu antworten. Gerade deswegen freut es mich so sehr, dass du dich trotzdem „abmeldest“. Danke.

Viele Grüße

Gast, berührt

Re: Nicht schulfähig - Wie kann es weitergehen?

Beitrag von Gast, berührt » Fr Mai 10, 2019 11:37 pm

Dein Post berührt mich, mag aber lieber sachlich antworten.

- wenn nicht schul-/ ausbildungsfähig hast du vermutlich Anspruch auf AlG2.
Vielleicht hilft die Webseite der Sozialberatung der Caritas dir weiter.
Ich konnte früher neben ALG2 einen Nebenjob haben, gab Freibeträge. Aber bin rechtlich nicht auf dem aktuellen Stand. Muss man besser im Einzelfall schauen

- es gibt im Berufsbereich Anlaufstellen für Menschen mit psychischen Problemen. Ausbildungen mit "Internat", in einem geschützteren Bereich - Berufserprobungen. Mögliche Anlaufstelle: Webseite der Berufsarbeitsgemeinschaft Berufsbildungswerke. Über die Qualität und wie das auf dem Arbeitsmarkt dann ist, weiß ich nichts.Aber vielleicht hilft dich in die Richtung zu informieren.

- wenn so knapp vorm Abi so große Probleme - therapeutisch schauen, ob Angst da ist: wenn ich das bestehe - was dann?
Eine Art Schwellenangst. Grad bei Persönlichkeitsstörungen habe ich das öfters mit bekommen.
Vielleicht wichtig die ausgetretenen Pfade, wo so schlimme Erinnerungen sind, in der Schule tatsächlich zu verlassen. Vielleicht läufst du da "Schlaufen".

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