Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Hier findet Ihr einen Raum, in dem Ihr über alles reden könnt, was in den anderen Foren keinen Platz hat.
Extrem?

Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von Extrem? » Fr Dez 28, 2018 10:27 am

Hallo Forum ,

Ich lese hier sporadisch mit, ich war öfter hier .Früher. Die Zeiten haben sich geändert, die Themen sind dieselben.aber nach wie vor gibt es verschiedene Arten, damit umzugehen. der Mensch verändert sich, so auch ich, und sicherlich auch meine Einstellung zur Welt, den Menschen darin, dem Umgang der Menschen mit Problemen.

Ich frage mich, welchen Sinn es hat, so sehr an seinen Schwierigkeiten, am Missbrauchs Status, festzuhalten.da gibt es eine Party, meine Freundin will ihr Kind mitbringen, das Kind ist 7 Jahre alt, und deswegen gehe ich nicht zur Party. Das Kind hat absolut nicht meine Vergangenheit zu tun, die Freundin auch nicht, aber ich war damals sieben Jahre alt. Soll ich also jetzt inzwischen jedes 7 jährige Kind vermeiden? Jeden Ort, an dem ich ein siebenjähriges Kind sehen könnte? Das ist nur ein Beispiel , ein erfundenes, und ich hoffe, ich habe jetzt keinen Fred durch den Kakao gezogen, ich habe nicht alle vorher lesen können, damit ich nicht versehentlich ein ähnliches Beispiel konstruiere.

aber genau diese Art von Verhalten begegnet mir durch die ganzen langen Jahre hier immer wieder. Ich nenne es im Leid festhalten.sich selbst einschränken . Opfer bleiben. Und ich möchte zu Diskussion Stellen, wie sinnvoll das ist . Ob es nicht genau so sein sollte , sich dem zu stellen . Und damit meine ich nur nicht , dass ich in eine grundschule gehe um mir dort ständig 7 jährige Kinder rein zu ziehen , aber vielleicht sollte ich in dem Moment , wo mir so deutlich vor Augen steht , was mich einschränkt , an mir arbeiten . Mit oder ohne Hilfe ..

und wenn ich dann Ratschläge lese, die sich über die ganze Bandbreite erstrecken, von jaja, du hast alles Recht der Welt, da nicht hin zu gehen, die Freundin zum Mond zu schießen, weil sie dich respektieren muss, und dich im Bett zu vergraben und zu heulen über der liebe Gott wird es schon richten und am Tag des jüngstn Gerichts wirst du dann bei den Engeln sitzen bla bla...bis hin zu da musst du durch, sonst lernst du das nie, und je öfter du dich dem aussetzt, desto besser, dann frage ich mich, welchen sinn dieses Forum hier hat. Wenn ich zehn Ratschläge bekomme, dann könnten ja alle zehn falsch sein. Es gibt ja keine Experten für den Umgang mit Traumata, bzw jeder ist sein eigener Experte, und jeder Umgang kann hundertprozentig falsch fur alle anderen sein.

was ich mir wünsche, das wäre ein wenig mehr Reflexion manchmal. Ein wenig nachfragen, ein wenig Verständnis, aber auch gedankenanstöße. Ich würde mir wünschen, dass die Antworten denn in dem Moment bei mir bleiben, und keine Antwort kommt die da lautet also ICH mache das immer so und das andere Problem löse ICH immer anders und wenn das gleiche in grün passiert dann mache ICH vorher einen Purzelbaum und drehe mich dreimal im Kreis.denn wenn vorher nicht klar ist, ob ich diese Fähigkeiten habe, weil mich keiner fragt, wie ich sonst lebe, wer ich eigentlich bin, dann ist der Vorschlag doch echt für den Eimer. Dann braucht er hier nicht zu stehen. Oder?

vielleicht führt das jetzt zu weit, aber ich muss da noch einen draufsetzen. Wenn ich Wörter lese, die aus mehr Sternchen und Abkürzungen bestehen, als Buchstaben übrig sind, aus denen ich mir irgendwelche Wörter basteln muss, dann frage ich mich, wo die Normalität geblieben ist . denn niemand von uns wurde MB. Und keine wurde VG
man muss es schon in aller Deutlichkeit sagen, dass es Missbrauch war und Vergewaltigung, dass es unendlich viele Schmerzen und Qualen verursacht hat das Leben immer noch einschränkt. Das auch Jahrzehnte später noch Ängste, panikattacken, flashbacks und Schlafstörungen das Leben beherrschen. Und wie soll ich den Umgang in der Welt damit erlernen, wenn ich nicht mal von mir selber oder vor Menschen, die mich verstehen könnten oder müssten, Wörter ausschreiben kann oder will.. die Taten klein machen und an den Folgen festhalten. Welchen Sinn kann das machen?

Grüße

Lichtschein unl.

Re: Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von Lichtschein unl. » Fr Dez 28, 2018 11:41 am

Liebe Extrem,

Hier sind viele unterschiedliche Menschen. Wenn Du bestimmte Sachen nicht hören willst, schreibe es doch dazu.

ICH fasse dieses Forum als Austausch auf - jeder muss seinen eigenen Weg finden.
Für mich persönlich (sorry, in dem Fall halte ich es für wichtig, weil eben jeder anders ist) ist es sehr hilfreich zu sehen, dass andere Menschen ähnliche Probleme haben und ICH (man kann leider nur für sich sprechen 😊) halte mich für fähig, mir die Sachen herauszupicken die ich sinnvoll finde.
--- könnte ich alles auch ohne 'ICH' schreiben, hielte es aber für anmaßend.

Dazu kommt, dass nicht mal ausgebildete Therapeuten einer Meinung sein werden, weil auch da jeder andere Priorität setzt oder andere Wege geht.

Ein Mittelweg ist sicher generell nicht schlecht, dazu könnte man verschiedene Meinungen reflektieren und schauen für einen selbst gerade passt /geht. Dasselbe kann ja zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich gut sein.
Und zu den Abkürzungen: ICH brauche sie nicht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es für andere in einer sehr kritischen ersten Phase anders aussieht. Finde es für MICH durchaus ok, das zu respektieren - es tut mir ja nicht weh, es so zu schreiben.
Und in einem eigenen Thread kannst Du ja machen, was Du willst!!

Gast

Re: Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von Gast » Fr Dez 28, 2018 3:41 pm

Nur mal kurz eine Zwischenfrage, wirst du jetzt deine Freundin 1 ganzes Jahr nicht mehr sehen dann, weil ihre Tochter 7 ist.

Das ist jetzt nicht böse gemeint

Mucki
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Registriert: Mi Jan 17, 2018 10:27 pm

Re: Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von Mucki » Fr Dez 28, 2018 5:51 pm

Liebe Extrem, vieles von dem, was Dir durch den Kopf geht, sehe ich ähnlich. Alles vermeiden, was triggern könnte oder wovor ich Angst habe, wäre nicht mein Weg und für mich kein Leben. Wenn ich in eine Situation gerate vor der ich Angst habe, frage ich mich innerlich, wie realistisch diese Angst ist und was ich konkret befürchte. Das klappt längst nicht immer, durch üben und Erfahrungen machen, aber immer besser.
Hier im Forum sind sehr viele verschiedene Menschen und manches Wege verursachen mir ein Kopfschütteln, dann aber mache ich mir klar, dass ich jeden so wertschätze, wie er nun gerade ist und dass jeder das Recht hat seinen Weg zu wählen. Wenn ich zunehmend merke, dass es mir schwer fällt, lese ich einfach seltener. Da ist es sehr von Vorteil, dass ich niemanden hier "live" kenne. In Phasen, wo ich innerlich den Kopf schüttle, ziehe ich den Hut vor allen Therapeuten, denn ich hätte ganz einfach nicht die Geduld bestimmte Verhaltensweisen zu ertragen. Und ich danke meiner Therapeutin, die mich sicher auch durch Phasen begleitet hat, in denen es schwierig mit mir war.
Meiner Ansicht nach lässt sich nicht jeder Trigger vermeiden, es gibt aber auch für mich bestimmte wenige Trigger, denen ich mich bewusst nicht aussetze. Ansonsten übe ich mich darin ein möglichst normales Leben zu führen und versuche so oft wie möglich den Focus auf schöne Dinge, Erlebnisse, Begegnungen usw. zu legen. Das ist aber auch nur das Ergebnis eines langen Prozesses.
Es mag sich bitte niemand angegriffen oder kritisiert fühlen, denn das war und ist nicht meine Absicht.

Mucki

OutOfTheDark
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Re: Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von OutOfTheDark » Mi Feb 06, 2019 12:20 pm

Vielleicht vermeiden auch einige hier so vehement alle trigger, weil es im realen Leben eben nicht möglich ist.

Nur so als Denkanstoß..
Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark

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LunaSue
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Re: Jeden Trigger vermeiden, koste es was es wolle

Beitrag von LunaSue » Fr Feb 08, 2019 10:42 am

Hallo Extrem?

Ich könnte deinen Post unterschreiben, aus meiner Sicht der Dinge heute.
Tue ich aber nicht, denn ich habe nicht meine Sicht der Dinge von 2006 vergessen.
Für mich war es und ist es immer noch so, dass der Mensch im Forum, auch außerhalb,
dort abgeholt gehört, wo er steht.

Wenn eine UserIn/ein User dieses Forum über einen längeren Zeitraum nutzt,
die notwendige Unterstützung erhält im real life und die Fähigkeit und Bereitschaft besitzt
sein Leben genau so in die Hand zu nehmen, wie du es schilderst - dann haben wir im Forum
auch die Chance die Fortschritte zu beobachten.
Sei es der Schreibstil, sei es die Beschreibung des Umgangs mit bestimmten Situationen usw.

Betrachte ich das, was ich hier lese, mit den Augen von damals und meinen Erfahrungen,
so ist mein Umgang damit echt wohlwollend.
Am Anfang war es für mich - auch objektiviert durch Fachpersonal - erstmal richtig mich nicht
noch mehr zu destabilisieren und durchaus zu vermeiden. Heute sieht die Welt und mein Leben ganz anders aus.

Der Sinn des Forums?
Erstmal irgendwohin mit dem Ganzen - weil "man" nichts anderes gefunden hat.
Hier vielleicht gute Hinweise auf die "richtige" Stelle finden. Besser als keine Hinweise.
Suchen, was für einen passt - das bleibt in der eigenen Verantwortung und auch, wie man mit den 10 "falschen" Ratschlägen umgeht.

"Man" bekommt hier nicht unbedingt die Antworten so, wie man die gerne hätte.
Ich lese hier auch manchmal Dinge, von denen ich nicht überzeugt bin, dass sie richtig und gut sind.
Allerdings maße ich mir auch nicht an das für den Adressaten zu bewerten und den Schreiber zu veruteilen.
Erstmal tut jeder das, was er kann.

In all den Jahren erlebe ich auch immer wieder genau das: UserInnen, die sich dem Forum "entwachsen" fühlen
und mit den "Notfall-Ratschlägen" so gar nicht mehr zurecht kommen, diese kritisieren und den Sinn eines Forums
in Frage stellen. Das hat auch seine Berechtigung. Aber die Konsequenz daraus musst du für dich selber ziehen.
Du kannst dich engagieren und deine, andere, in deinen Augen geeignete Wege zur Genesung zur Verfügung stellen.
Du kannst dich aus dem Forum zurück ziehen und für dich damit abschließen.
Du könntest es für dich als Übung sehen, um "Unsinn" auszuhalten und dich nicht darüber echauffieren.
... oder, oder, oder.
Mach für dich daraus, was du kannst oder möchtest.

Solche Denkanstöße wie deiner sind immer wieder wertvoll, für alle, die du damit erreichst.
Manche sind dafür (noch) nicht offen.
So vielfältig wie die Menschen sind deren Fähigkeiten und Bedürfnisse.

Viele Grüße
LunaSue
Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt.
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.

Viktor Frankl

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