Ptbs Assistenzhunde

Hier findet Ihr einen Raum, in dem Ihr über alles reden könnt, was in den anderen Foren keinen Platz hat.
Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Fr Aug 07, 2020 4:29 am

Hallo Lara.

Ich versuche mal soweit es geht auf deine durchaus berechtigten Fragen einzugehen, soweit es hier möglich ist ohne erkannt zu werden.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Hallo leben,

ich weiß nicht mehr genau weshalb du den Assistenzhund genau brauchst und warum der Hund genau so eine Ausbildung durchlaufen soll.
Die Ausbildung dient in erster Linie zu meiner Stabilisierung, bzw. um meine krankheitsbedingten Schwächen auszugleichen. Dazu gehören zb Panikattacken und Dissoziationen daheim und unterwegs. Und noch einiges mehr was ein komplexes Trauma so mit sich bringt. Ohne Ausbildung weiß der Hund ja nicht, wie er reagieren soll, wenn es mir nicht gut geht.

Abgesehen davon ist es mein erster Hund. Und da wäre es für mich nicht zu verantworten ihm die Hundeschule vorzuenthalten.

Die Prüfung benötige ich dann, um überhaupt eine Chance zu erhalten ihn zum Arzt oder einkaufen mitzunehmen. Arbeiten kann ich ja schon länger nicht mehr. Und auch so ist mein Bewegungsradius krankheitsbedingt stark eingeschränkt.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Du scheinst bei keiner guten Trainer genau dafür gelandet zu sein. Bei denen wir nachgefragt hatten, die wussten zumindest die rechtlchen Fakten alle.
Mir sträuben sich ehrlich alle Haare, wenn dann jemand einfach mal so die Bescheinigung ausstellt, ohne wirklich einen Plan zu haben was dein Hund können muss. Was dein Hund können muss, bestimmt doch nicht irgendein Amt, sondern deine Behinderung und worin du genau Unterstützung benötigst.
Die Trainerin hat durchaus Erfahrung mit der Ausbildung von Assistenzhunden. Nur wie schon einmal erwähnt lief durch Corona einiges schief.

Welche Aufgaben der Hund haben soll ist mir zumindest in einigen Punkten klar. Wobei ich vermute, dass dort noch mehr möglich ist als ich mir bisher vorstellen kann.

Da wäre mir lieber gewesen, wenn die Trainerin eine Liste gehabt hätte, die sie Punkt für Punkt mit mir durchgegangen wäre.

Hier stimme ich dir zu, dass es dringend zu einer Vereinheitlichung kommen muss in Deutschland. Ähnlich wie beim Hilfeplan für Betreuung. Da wird ja auch vorher abgeklopft, wo die Klientin Unterstützung benötigt.

Denn woher soll man sonst wissen, was alles geht, wenn einem selbst die Erfahrung fehlt. Zumal man sich viele Dinge gar nicht mehr vorstellen kann aufgrund der eigenen Erkrankung.

Für mich wäre ein stressfreies Einkaufen schon viel.

Von Dingen wie Bahn fahren um positive Dinge zu erleben, wage ich derzeit nicht einmal zu träumen. Ganz abgesehen davon, dass ich gar nicht wüsste, was ich dann unternehmen sollte.

Und da gibt's für andere bestimmt noch einiges mehr was bei denen wie selbstverständlich zum Leben dazu gehört, mir jedoch verschlossen bleibt.

Soweit ich weiß, wird die Prüfung nicht von meiner Trainerin abgenommen, sondern extern. Womit ich mich wieder einmal meiner Prüfungsangst stellen muss.

Somit denke ich jedoch nicht, dass die Bescheinigung "einfach mal so" ausgestellt wird.

Und das die rechtlichen Bedingungen in Deutschland von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind ist ja leider auch Fakt. Alleine wenn man sich bei Martin Rütter die Sachkundeprüfung mit 20/40 anschaut, die ja nicht in jedem Bundesland gefordert wird. Oder ob der Hund angeleint sein muss.

Noch wilder die Willkür bei der Hundesteuer.

Da frage ich mich, ob eine Ausbildung aus Bayern in Niedersachsen überhaupt Anerkennung findet.

Und das wir selbst unsere besten Experten sein müssen, um unsere Rechte zu bekommen ist ja auch in anderen Bereichen so.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Sorry, wenn ich hier so deutlich werde. Ich engagiere mich seit 2 Jahren dafür, dass die Ausbildung vereinheitlicht wird, es klar definierete Mindeststandards gibt, was Basisqualifikation sein muss, was bei welchen Behinderungen geprüft und was dann noch individuell je nach Team geprüft werden muss.
Respekt, dass du die Kraft dafür findest, dich in diesem Bereich so zu engagieren.

Derartige Richtlinien würden mir persönlich viel Halt geben.

Auch wenn ich hoffe, dass die Assistenzhunde, welche vorher geprüft werden ihren Status dann behalten können. Und nicht jemand, der vorher schon etliches an Geld investierte, dann die Prüfung noch einmal durchlaufen muss.

Wobei eine regelmäßige Überprüfung ob das Mensch Hund Team noch funktioniert oder an der einen oder anderen Stelle nochmal Hilfestellung von außen nötig ist gegeben sein sollte. Und sichergestellt sein muss, dass der Hund gut versorgt wird.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Wozu muss dein Hund diese Ausbildung denn durchlaufen. Also wo musst du vorweisen können, dass dein Hund die Ausbildung durchlaufen hat??
Für mich sind das zwei verschiedene Punkte.

Die Ausbildung ist für den Hund wichtig, damit es ihm weiter gut geht, auch wenn ich schwierige Situationen bewältigen muss. Und er mir durch sein Verhalten helfen kann. In einer "normalen" Hundeschule lernt er zwar einfache Kommandos kennen, jedoch nicht wie er sich in konkreten Situationen verhalten soll. Oder suchen von Gegenständen.

Den Nachweis benötige ich beim Arzt / sonstigen Behandlern und beim Einkaufen. Wobei er ja bereits so in einige Läden mit hinein darf. Wir üben zb in Bauhäusern.

Wenn ich träumen darf, irgendwann einmal in öffentlichen Einrichtungen, Museen, VHS, beim Sport....

Jedoch fehlt mir dazu derzeit noch die Stabilität.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Nach allem was aktuell rechtlich gegeben ist,macht die Ausbildung zum Assistenzhund nur dann Sinn wenn der Hund im Öffentlichen Raum auch dort eingesetzt wird, wo es am warscheinlichsten ist, dass die Ausbildung überhaupt akzeptiert wird.
Denn trotz Hinweis auf die UN-Behindertenkonvention, das AGG oder §17 SGB I, solange es keine rechtliche Anerkennung der Ausbildung und damit der Prüfung ähnlich dem Blindenführhund gibt, bleiben wir mit unseren Assistenzhunden auf das Wohl und Wollen der jeweiligen "Hausherren, Ladenbestizer, Chefs, Ärzte etc. angewiesen".
Es gibt kein verbrieftes Recht den Hund mitzuführen.

Von daher finde ich jeden Cent unsinnig, wenn nicht erkennbar wird, dass eine sinnvolle Ausbildung überhaupt erfolgt.
Bis wir in Deutschland soweit sind wie in Österreich wird wohl noch einige Jahre dauern. Nur liegt der Sinn ja nicht nur in der Anerkennung, sondern in erster Linie bei den Leistungen des Hundes. Und die kann er ja auch je nach Bedarf daheim vollbringen. Nur die Preise sind exorbitant. Und die Aufklärung über die diversen Möglichkeiten viel zu gering. Deswegen startete ich diesen Thread ja auch lange bevor ich mir einen Welpen kaufte.

Wobei hier ja schon der Beratungsbedarf beginnt. Nicht jede/r ist in der Lage einen Welpen zu erziehen. Ohne entsprechende qualifizierte Vorkenntnisse in Erziehung hätte ich mich da nicht ran getraut. Und nicht jede Rasse ist für jeden geeignet. Ein Retriever wäre für mich nicht in Frage gekommen. Da wurde ich von der Trainerin beraten. Und informierte mich vorher über meine Rasse. (mag ich hier nicht nennen)

Wobei es ja auch Vereine gibt, die sich auf Retriever festlegen. Obwohl viele andere Rassen ja durchaus geeignet sind. Da kommt es ja nachher darauf an, wie das Team zusammen harmoniert.

Umso wichtiger, dass es Menschen wie dich gibt, die sich für klare Gesetze und gute Ausbildung einsetzen.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Sorry für meine offenen Worte. Aber ich hatte gerade erst die Situation, dass eine Klientin mit ihrem Assistenzhund (Ausgebildet in 8 Monaten ???!!) hier für ziemlich Wirbel gesorgt hat, und mir beinahe der Status von Yoda bei dem Kooperationspartner am Arbeitsplatz abhanden gekommen wäre.
Der Hund war nicht erst 8 Monate alt, oder? Da ist er doch eindeutig noch viel zu jung, um zuverlässig zu sein.

Ich rechne mit der Ausbildung bis zum 2. Lebensjahr. Und dann erst die Prüfung. Auch wenn wir jetzt schon im Einzelunterricht gewisse Dinge üben. Neben der allgemeinen Ausbildung für den Grundgehorsam.

Und danach immer wieder eine Auffrischung des Erlernten.

Hoffentlich konntest Du die Situation für Dich und Yoda gut klären. Und nicht über einen Kamm geschert werden.

Wobei das wieder einmal mehr bestätigt wie wichtig eine gute Ausbildung nach einheitlichem Qualitätsstandard ist.
lara64 hat geschrieben:
Do Aug 06, 2020 6:11 pm
Hat denn die Bera Ahnung von Assistenzhunden?? Hat sie einen??
Der Hund meiner Bera ist ein Therapiehund, kein Assistenzhund. Jedoch kennt sie mehrere Frauen mit Assistenzhund. Von daher denke ich schon, dass sie Ahnung hat.

ray of hope
Beiträge: 908
Registriert: Fr Nov 28, 2014 8:37 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von ray of hope » Fr Aug 21, 2020 7:04 pm

Hallo zusammen,

ich habe hier die letzten Beiträge überflogen. Von daher schreibe ich mal, was mir gerade durch den Kopf geht.

Ich selber habe einen PTBS Assistenzhund. Mit ihm war ich zwei Jahre in Ausbildung, wir haben gleich im Welpenalter angefangen.
Vieles hat der und auch von sich aus angeboten, was man dann gut aufgreifen konnte.
Und wegen der Stimmungsübertragung merkt ein Hund sehr viel mehr, was mit seinem Menschen los ist, als man glaubt.
Die Prüfung wurde durch eine andere Trainerin abgenommen. Alles wurde dokumentiert und es wurden Punkte vergeben. Es waren verschiedene Aufgaben aus dem Grundgehorsam gefragt, (Rückruf, Reize, Impulskontrolle u.s.w.). Und dann wurden auch noch Assistenzaufgaben abgefragt. Bevor ich die praktische Prüfung machen konnte, gab es auch einen Theorietest. Theorie wurde in Seminaren vermittelt.
Ich finde, schon ein ganz gutes Programm.
Bin aber auch der Meinung, dass die Ausbildung und auch Prüfung einheitlich sein sollte.
Und ja, Zutrittsrechte sind von den verschiedenen Inhabern abhängig.
Wobei ich mit meinem Ausweis auch schon in ein Museum gekommen bin. Arzt, Physio, Körpertherapie ist auch überhaupt kein Problem.

Was ich noch ganz wichtig finde, der Assistenzhund muss auch einfach mal Hund sein dürfen. Toben, schnüffeln und spielen. Auch er muss mal seinen Stress los werden.

Viele Grüße

ray of hope

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Fr Sep 04, 2020 11:14 pm

Sorry. Mal wieder eine konkrete Frage an euch.

Was versteht ihr darunter, dass der Hund zwischendurch immer mal wieder Zeit braucht, in der er einfach nur Hund sein darf?

Frei laufen ohne Leine darf er jeden Tag beim spazieren gehen oder auch im Garten. Wenn er zum Spielen auffordert, gehe ich darauf ein. Nur, ist das Hund sein? Oder was ist sonst noch damit gemeint?

silan
Beiträge: 59
Registriert: Do Jul 18, 2019 9:17 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von silan » Fr Sep 04, 2020 11:42 pm

Wir handhaben das so, dass unsere Hündin gezielte Pausen von uns bekommt. Jetzt ist sie z.B. im Schlafzimmer bei unserer Frau und schläft. Wir schlafen derzeit vielleicht 2-3 Stunden, das wäre für das arme Tierchen zu anstrengend, da die ganze Zeit bei uns zu sein. Denn wie schon geschrieben wurde, Hunde haben so feine Antennen, die bekommen viel mehr mit als man meint.
Aber wir Sorgen auch dafür, dass sie "möglichst stressfreie" Spaziergänge bekommt( also nicht in die Stadt oder wohin, wo sie für uns da sein muss), dass sie jeden Tag andere Hunde zum spielen hat, Freilauf, Suchspiele, viele Pausen und noch mehr schlaf. Sie wird bald 2 Jahre alt und schläft immer noch ca 17- 18 Stunden am Tag. Und das als Aussie... Sie darf auch einfach mal im Garten rumliegen oder sowas, wo sie eben nicht mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei uns ist. Sie liebt ihre Bällesammlung ( ihr Spitzname ist "Hüterin der Bälle") Wir sagen immer, Assistenzhund ist sie ca eine Stunde am Tag... den Rest der Zeit darf sie Hund sein.

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » So Sep 06, 2020 10:06 pm

Danke euch für eure Rückmeldungen.

Spazieren gehen wir überwiegend in Feldern oder im Wald. Dabei wählen wir bewusst auch immer wieder neue Strecken aus, damit unser Hund Abwechslung beim schnüffeln bekommt. Ob es zum Spiel mit anderen kommt, ist da häufig Zufall. So wie heute. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, fragen wir andere Hundebesitzer, ob es in Ordnung ist, wenn er mit deren Hunden spielt.

Leckerli Suchen im Haus liebt er. Da läuft er auch oft raus in den Garten und ist enttäuscht, wenn in der Zwischenzeit mal nichts drinnen versteckt wurde. Da gibt er mir eine zweite Chance :lol: läuft nochmal raus und erwartet dann sein Such Leckerli.

Stadt üben wir in bewussten Einheiten, da wir dafür fahren müssen. Da kennt er noch nicht so viel. Und somit auch noch nicht so meine Probleme damit.

Noch ist er ja in Ausbildung. Da gibt's spielerisches Training. Wobei er schon sehr feinfühlig ist.

Sayeda
Beiträge: 223
Registriert: So Feb 02, 2014 11:30 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » Mo Sep 07, 2020 8:50 pm

Hallo Leben?,

einfach Hund sein lassen bedeutet für mich:
- gemeinsam spazieren gehen ohne viel Kommandos (nur, wenn es absolut notwendig ist) (entweder an Schleppleine oder frei)
- gemeinsam auf ein Bänkchen sitzen und die Ruhe genießen
- meine Hündin mit anderen Hunden herumtollen lassen
- schlafen lassen :-)
- gemeinsam herumtollen und Zerrspiele machen
- gemeinsam schwimmen oder meine Hündin alleine schwimmen lassen
- uns mit ihrer Hundefreundin und deren Zweibeinerin treffen und gemeinsam wandern oder spazieren gehen
- im Garten rumliegen lassen
Nur bedingt Suchspiele/ Apportierspiele/ Intelligenzspiele machen, da das schnell sehr fordernd werden kann.

LG, sayeda
Wenn eine Frau ihre eigene Größe entdeckt hat, kann kein Lob sie größer, keine Kritik sie kleiner machen.
Der Käfig ist offen.
Verlassen musst du ihn selbst

Luisa Francia

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Di Sep 08, 2020 2:12 am

Danke auch dir für deine Rückmeldung, Sayeda.

Lässt mich über manches nachdenklich werden.

Gar nicht so einfach dem Kleinen gerecht zu werden. Vor allem da einiges noch nicht so läuft wie ich es mir wünsche..

Du beschreibst so viele positive Unternehmungen.
Sayeda hat geschrieben:
Mo Sep 07, 2020 8:50 pm
einfach Hund sein lassen bedeutet für mich:
- gemeinsam spazieren gehen ohne viel Kommandos (nur, wenn es absolut notwendig ist) (entweder an Schleppleine oder frei)
- gemeinsam auf ein Bänkchen sitzen und die Ruhe genießen
- meine Hündin mit anderen Hunden herumtollen lassen
- schlafen lassen :-)
- gemeinsam herumtollen und Zerrspiele machen
- gemeinsam schwimmen oder meine Hündin alleine schwimmen lassen
- uns mit ihrer Hundefreundin und deren Zweibeinerin treffen und gemeinsam wandern oder spazieren gehen
- im Garten rumliegen lassen
Spaziergänge mit Freilauf bekommt er regelmäßig. Und auch andere Hundekontakte. Garten darf er hinaus, wenn er sich meldet. Und schlafen, ja.

Nur bei dir steckt da so viel mehr drin.

Wenn ich deine Worte lese ist da Lebendigkeit drin.

Nicht dieses erstarrte wie bei mir. Da muss ich noch mal genauer hinsehen.
Sayeda hat geschrieben:
Mo Sep 07, 2020 8:50 pm
Nur bedingt Suchspiele/ Apportierspiele/ Intelligenzspiele machen, da das schnell sehr fordernd werden kann.
Meinst du damit, dass du diese Spiele einschränkst, weil deine Hündin dann zu fordernd wird? So wie meiner, der sich das regelrecht fragt?

Dachte bisher es sei ok darauf einzugehen, wenn er es sich wünscht. Oder fördert das sein Dominanz Verhalten?

In dem Bereich bekommen wir derzeit immer mehr Stress mit ihm.

Wie häufig am Tag lässt du das denn zu? Wie lange? Wieviel Training ist für einen Junghund ok?

Wir können in der Hinsicht echt Hilfe brauchen. Bevor sich noch mehr einschleicht, was später nur schwer zu korrigieren ist.

silan
Beiträge: 59
Registriert: Do Jul 18, 2019 9:17 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von silan » Di Sep 08, 2020 8:27 am

Hallo Leben?
du fragst zwar nicht uns, aber ich kann dir ja mal antworten, wie wir das handhaben...
Gemeinsames Spielen kommt IMMER von uns, denn Akira würde den ganzen Tag wenn sie dürfte. Und wir begrenzen das auch zeitlich. Als sie noch klein war, 2-3 min, heute vielleicht 5 - höchstens 10 min am Stück. Hunde merken oft nicht, wenn sie in eine Überforderung kommen. Auch mit den Pausen ist von uns klar vorgegeben. Das haben wir anfangs richtig trainieren müssen. Also uns mit ihr hinsetzen und ruhig werden. Heute brauchen wir nur noch das Komando "Pause" geben, dann bricht sie quasi sofort zusammen, wo sie steht und geht... oft mitten im Raum. daher schicken wir sie mittlerweile auf ihre Decke, bevor wir sie in die Pause schicken.
Trainingseinheiten waren und sind noch heute immer nur 5 -10 min am Stück, ausnahme Hundeschule und Assistenzausbildung. Aber das verankern hinterher immer nur kurz, aber dafür häufig, so 6 - 8x am Tag.
Und wir haben das erste Jahr akribisch darauf geachtet, dass sie ihre mindestens 18 Std. schläft. Da war dann bei uns auch ruhe, kein Besuch, keine Enkelkinder und wenn doch, mussten die sich ruhig verhalten. Als Lohn haben wir heute einen Aussie, der nicht24/7 powern will, sondern absolut ausgeglichen und ruhig ist. nicht auf alles und jeden zustürmt, keine Jogger oder Fahrradfahrer "hüten"will etc.

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Di Sep 08, 2020 9:30 am

Danke Silan für deine rasche Rückmeldung.

Dann wird es höchste Zeit für die Notbremse bei uns.

Mein Hundefreund gibt sich selten mit nur einem Spiel oder Übung zufrieden.

"Pause" kennt er zwar und akzeptiert es dann auch, aber er kommt schon von sich aus an und fordert uns auf. Stupst mit seiner Nase in Richtung Spiel oder Decke, die wir nach jeder Übung immer hoch legen. Bisher ging ich darauf ein. :(

Das werde ich nach deinem Tipp jetzt ändern.

Überfordert wirkt er echt selten.

Schlaf bekommt er seine festen Zeiten. Morgens ca eine Stunde wach sein, dann bis vormittags schlafen. Nach dem Mittagessen schläft er häufig bis zum Abendessen.

Unterbrochen wird das durch Hundeschule oder wenn wir uns mit Freunden treffen, damit er Hundekontakt erhält, bzw wir einkaufen müssen,Termine haben.

Besucher bei uns daheim sind eh eine Rarität.

Fahrräder, Autos, Motorräder, andere Tiere stellen bisher kein Problem dar.

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Di Sep 08, 2020 10:00 am

silan hat geschrieben:
Di Sep 08, 2020 8:27 am
Gemeinsames Spielen kommt IMMER von uns, denn Akira würde den ganzen Tag wenn sie dürfte. Und wir begrenzen das auch zeitlich.
Wie handhabt ihr das denn generell mit Spielzeug? Stehen Kuscheltiere und Kauobjekte zur freien Verfügung oder lasst ihr euren Hund danach fragen?

Intelligenzspielzeuge und Übungen brauchen ja unser Zutun.
silan hat geschrieben:
Di Sep 08, 2020 8:27 am
Hallo Leben?
du fragst zwar nicht uns, aber ich kann dir ja mal antworten, wie wir das handhaben...
Mir ist hier jede konstruktive Rückmeldung herzlich willkommen. Ebenso wie wenn andere Fragen hier auftauchen. Nur so kann ich für meinen Hund dazu lernen.

silan
Beiträge: 59
Registriert: Do Jul 18, 2019 9:17 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von silan » Di Sep 08, 2020 12:44 pm

hallo Leben?
so ihr normales Spielzeug hat sie zur freien verfügung. Wenn sie damit allerdings in interaktion mit uns gehen möchte, ignorieren wir das meistens. Wenn sie sich alleine damit beschäftigt ist das ok, wir haben das ab und zu mal kontrollierend beobachtet, länger als 10 min macht sie das auch nicht und schläft dann oft darüber ein. Intelligenzspielzeuge hat sie gar nicht, bis auf einen Schnüffelteppich. Der kommt allerdings nur zum Einsatz, wenn wir oder sie mal aus irgend welchen Gründen nicht so können wie wir wollen. Das schnüffeln sollte man nicht unterschätzen. 10 min Schnüffeln ist oft anstrengender als lange Spaziergänge. Daher sollte man Such- und Schnüffelspiela auch immer als Arbeit für den Hund bewerten, nicht als zusätzliches Spiel.

silan
Beiträge: 59
Registriert: Do Jul 18, 2019 9:17 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von silan » Di Sep 08, 2020 12:57 pm

Ich hab grad noch einmal gelesen, dein Hund ist ja noch ein Baby, denk dran pro Lebenswoche nur 1 Min laufen. und wirklich kurze sepuenzen mit Training. Dafür lieber mal mehr. und bis zu 6 Monaten sollte er wirklich 20 Std schlafen... Jetzt hast du die Chance ihn zur Ruhe zu erziehen. wenn er jetzt lernt, dass Action zu seinem Leben gehört, wird er die immer mehr einfordern. Zeig ihm ruhig Grenzen, besser sehr eng gesteckt als zu grob abgesteckt. Erweitern ist leicht, Grenzen enger zu machen ist sauschwer.
Und alles was er bis zur 16. Woche genacht hat, wird ihm später weniger Schwierigkeiten bereiten. Also ruhig auch ma Bus, Straßenbahn und Bahn fahren, Fahrstuhl, Taxi, Schiff, ins Wasser etc.

Sayeda
Beiträge: 223
Registriert: So Feb 02, 2014 11:30 am

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » Di Sep 08, 2020 5:09 pm

Silan hat ja bereits sehr viel ge- und beschrieben. So mache ich es auch.

Meine Hündin hat ihr Spielzeug auch zur freien Verfügung. Sie kann sich damit wunderbar auch selbst beschäftigen. Manchmal reagiere ich auch auf ihre Aufforderungen. Aber wenn es mir zu viel ist, dann ignoriere ich sie. Schnell hat sie verstanden, dass sie dann alleine spielen muss. Übrigens ist es auch eine schöne gemeinsame Beschäftigung, das Spielzeug am Ende des Tages einsammeln zu lassen.

Kauknochen etc. lass ich nur dann zur freien Verfügung, wenn ich da bin. Sobald sie alleine ist, räume ich es aus Sicherheitsgründen weg.

Übrigens finde ich das Wort "Dominanzverhalten" ganz schlimm. Für mich geht es bei der Hundeerziehung nicht um Dominanz. Ich zeige meiner Hündin die Welt und sie zeigt mir diese aus ihrer Sicht. Meine Aufgabe dabei ist, die entsprechenden Grenzen zu setzen, damit wir eine gute gemeinsame Zeit haben können. In einem Buch von Turid Rugaas (die ich übrigens zum Thema "Calmingsignale" nur empfehlen kann) habe ich einen Satz gelesen, der für mich das beschreibt was ich fühle und denke. Inhaltlich sagt dieser: "Es darf eine Freundschaft zwischen Hund und Mensch entstehen".

Und allgemein ist zu sagen: Weniger ist meistens mehr.
Zu Anfang wollte ich auch ganz viel machen. Dachte, mich anstrengen und meiner Hündin ganz viel bieten zu müssen. Damit habe ich mich und auch sie völlig überfordert. Immer mal wieder kleine Einheiten sind viel erfolgversprechender als lange.

Und denke bitte dran: Dein Hund ist noch ein Baby ... die brauchen noch ganz viel Schlaf und Ruhe und möchten gleichzeitig ganz viel von der Welt sehen.

LG, sayeda
Wenn eine Frau ihre eigene Größe entdeckt hat, kann kein Lob sie größer, keine Kritik sie kleiner machen.
Der Käfig ist offen.
Verlassen musst du ihn selbst

Luisa Francia

EineVonUns50
Beiträge: 1049
Registriert: Di Nov 22, 2016 8:00 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von EineVonUns50 » Di Sep 08, 2020 9:38 pm

hallo,
ich möcht noch mal gern die Buchtipps hier rein kopieren, sie stehen auch schon mal am Anfang vom Thread:

vor allem als basics finden wir die ersten beiden ein must-have, gerade auch um zu erkennen: will der hund jetzt immer mehr, weil er zu aufgedreht ist und gar nicht runterkommt oder ist ihm wirklich langweilig? machts ihm wirklich spaß oder ist er schon gestresst? (das ist, find ich, gerade bei den arbeitswilligen und motivierten hunden oft nicht so leicht zu unterscheiden, besonders wenn man noch nicht soviel erfahrung hat ...)

"calming signals" von Rugaas (beschwichtigungssignale, um die "Hundesprache" besser zu verstehen, gibts in deutsch)

"stress bei hunden" von nagel, reinhardt
(wichtig, um die Signale besser zu erkennen, vor allem auch, wenn man speziell ausbilden möchte)

für den menschenkopf hilfreich:
"dominanz" von hallgren (kleine broschüre die mit ein paar hartnäckigen vorurteilen aufräumt)

und dann noch weitere tolle und aufschlußreiche bücher:
"es würde knochen regnen" von clothier
"das andere ende der leine" von mcConnel

hilfe, mein hund zieht von Rugaas (schon zur vorbeugung, toller ansatz zur leinenführigkeit)
nasenspiele, glaub auch von Rugaas für sinnvolle Beschäftigung

ich weiß jetzt nicht, wie man das machen könnte, aber da wir keine Hunde mehr haben und einen Riesenstapel toller Hunde- und Pferdefachbücher, können wir da gerne auch welche günstiger abgeben, wer Interesse hat, gerne mal PN... vielleicht würd man das ja irgendwie hinkriegen..

Leben?
Beiträge: 111
Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Sa Sep 12, 2020 4:51 pm

Bin euch so dankbar für eure Hilfe. :D

Seitdem ich die Trainingsdauer deutlich herunter fuhr wird die Beziehung zwischen mir und dem kleinen besser. Er ist ruhiger, entspannter, hört besser, wenn ich ihn rufe. Morgens kommt er nun manchmal schon später an. Und er ist weniger fordernd.

Dachte nicht, dass die Zeit fürs Training so eine große Rolle spielt.

Für Spaziergänge kannte ich die 5 Minuten pro Lebensmonat Regel. Nur wie kurz eine Trainingseinheit höchstens sein darf war mir nicht bewusst.

Inzwischen artet spazieren gehen nicht mehr so stark in Stress aus, sondern macht sogar Spaß.

Ganz riesengroßes Danke euch allen.

Sein Spielzeug reduzierte ich auf 3 Teile. Da wechsel ich nun ab. Auch wenn er immer wieder damit kommt, springe ich die letzten Tage weniger darauf an.

Seine Intelligenzspiele gibt's nicht mehr jeden Tag. Und wenn, dann nur noch eine Runde. Dann lieber zum Schluss ein Leckerli aus der Hand.

Er wirkt soviel ausgeglichener. :D

Schade, dass mir das nicht in der Schule gesagt wurde.

@sayeda - so wie er sich derzeit entwickelt verstand ich unter "Dominanzverhalten" wohl seine Art mir zu zeigen das er mir gefallen möchte und erkannte nicht das es ein Ausdruck von Überforderung war.

Nähe sucht er nach wie vor gerne, jedoch schon ruhiger als noch vor ein paar Tagen.

Wir unternehmen immer wieder kleine Ausflüge, um ihm Neues zu zeigen. Jedoch auf die Dinge reduziert, die für uns wichtig sind. Und Auto fahren immer mit Gassi und Spaß verbunden.

@EineVonUns 50 - Danke für deine Auflistung der Bücher. Nur möchte ich hier gerne anonym bleiben. Von daher kann ich dein Angebot leider nicht annehmen. Vielleicht hilfst du damit ja jemand anders. Für mich schaue ich mal, wie es finanziell möglich ist.

Calming Signals steht wohl ganz oben auf der Wunschliste. Früher erkennen was mein kleiner Freund mir sagen möchte.

@silan - Danke für deine Tipps. Wie eingangs beschrieben, hilft es uns sehr weiter.

Antworten