Ptbs Assistenzhunde

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unsicher

Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von unsicher » Do Okt 17, 2019 1:16 am

Ich wollte eben einen Beitrag verfassen, doch wäre es fast genauso das selbst wie deiner Imagica.
Deshalb danke dafür und ich schließe mich dem an.

Ich hatte und habe mein Leben lang Hunde und ich finde es kommt ein komischer Trend auf. Alles muss kontrolliert werden, Hunde rasten aus wenn sie keine Aufgabe haben. Training, Hundeführerschein etc.

Ich hatte nichts davon und meine Hunde waren mit allen verträglich, umgänglich, ich könnte sie überall mitnehmen.
Ich bin beim Welpen auch nicht ständig aufgestanden. Hab keinen Trainer gebraucht. Meine Hunde haben gehört und alles war super. Ich habe niemals schlechte Erfahrungen gemacht, niemals eine Beißerei o.ä. gehabt.

Ich seh es sehr kritisch. Ich kenne so einige Hundetrainer privat und ich halte nicht viel von ihnen. Trifft nicht auf alle zu, aber auf die Meisten.
Hundetrainer ist keine zertifizierte Ausbildung. Jeder kann sich so nennen. Sie ist nicht geschützt. Ich kann mich morgen Hundetrainer nennen. Egal ob ich Ahnung hab oder nicht.

Ich glaube es wäre gut wenn mehr Leute auf ihr Gefühl hören und nicht so sehr was andere Leute sagen oder was der Zeitgeist bestimmt.

Kein Hund dreht einfach so durch und ein Streicheln ist kein Übergriff. Ich mach das zwar selbst nicht einfach so außer der Hund drängt sich förmlich auf. Ja das gibt es.
Aber ich empfinde es nicht als übergriffig.

Ich habe fast eher das Gefühl, dass manche durch ihre Geschichte hier etwas zu sensibel damit sind. Besonders wenn sie niemals einen Hund vorher hatten oder mit ihm aufgewachsen sind. Das ist kein Angriff!

Ich habe nur fast das Gefühl. Mehr Lockerheit würde Hund und Halter gut tun.


Wer kommt auf die Idee, dass ein Hund dann den Beschützerinstinkt verliert weil er gestreichelt wird? Meine Hunde hätten mich aufs Blut verteidigt im Notfall.

Sind gegen meinen Freund gegangen als der wirklich ernsthaft mich verletzen wollte. Haben sofort aufgehört als ich Stop sagte.
Obwohl sie mit ihm Zusammenleben wie mit mir, von klein auf!
Hunde spüren das sehr genau. Wer auch immer das gesagt hat. Ich habe das in Jahrzehnten Hundehaltung und hauptteils Leben zwischen Hundehaltern, noch nie erlebt, dass ein Hund im Ernstfall oder auf der Straße reagieren würde wenn es nötig ist.

Wäre ja als ob man sagt niemand darf zu einem Kind freundlich sein, damit es nicht denkt alle Menschen sind nett und mit dem erst Besten mitgeht. Nur weil jemand mal nett zu ihm ist, verlieren Kinder ja auch nicht sofort alle Sicherheitsgefühle.

Ich hab wirklich das Gefühl, dass viele die noch nie Hunde hatten, denken es muss der angerichtete wohlerzogene Helfer sein. Ich hab manchmal das Gefühl etwas mehr Freund wäre gut.

Etwas mehr Gefühl. Etwas mehr das Tier hinter dem Trainingswesen sehen.
Das heißt nicht, man liebt den Hund nicht.

Aber Imagica hat wirklich Recht, dieser Trainings oder Aufgabentrend und alles muss kontrolliert sein, den gibt es erst seit ein paar Jahren, kaum der Rede wert.

Übrigens beißt auch nicht jeder Hund weil man ihm auf den Schwanz triff SH. Maulkorbpflicht überall, macht doch gleich Killermaschinen aus ihnen. Ich empfinde das wirklich als übertrieben.



Übrigens habe ich einen Sachkundenachweis plus die Erlaubnis zum Führen eines Listenhundes. Also einiges an Ahnung, das könnt ihr mir glauben. Das bekommt man noch schwerer als den reinen Hundeführerschein.
Ich weiß was ich tue und das ganz ohne Hundetrainer.

Sayeda
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » Do Okt 17, 2019 9:28 am

Hallo gennix,
ch seh es sehr kritisch. Ich kenne so einige Hundetrainer privat und ich halte nicht viel von ihnen. Trifft nicht auf alle zu, aber auf die Meisten.
Hundetrainer ist keine zertifizierte Ausbildung. Jeder kann sich so nennen. Sie ist nicht geschützt.
Tatsächlich gibt es ganz viele "Idioten" in der Hundetrainerszene.

Es ist wichtig nach der Ausbildung und in welchen Verbänden sie Mitglied sind zu schauen. Mir war unter anderem auch wichtig, dass ohne Strafe und auschließlich mit positiver Verstärkung gearbeitet wird.

Den Hundeführerschein halte ich für wichtig, da es so manche Idioten gibt, die keine Ahnung von Hunden haben und sich dann gleich noch einen extrem anspruchsvollen Hund zulegen und es dadurch u.a. zu Beißunfällen kommt. Auch wenn ich bereits Erfahrung mit Hunden hatte, so wurde mir bei dem Hundeführerschein einiges klarer. Und solch ein Führerschein bringt mir selbst auch viel. So habe ich von gesetzlichen Grundlagen, über 1. Hilfe beim Hund bis hin zu der Entwicklungsgeschichte des Hundes viel gelernt.

Und natürlich kann man es übertreiben. Es gibt auch hier zwischen Schwarz und Weiß ganz viele Grautöne.

Wer glaubt, ein Hund müsste immer 100% "funktionieren" sollte es besser lassen. Hund sind wunderbare Lebewesen und sollten auch als solche behandelt werden.

LG, sayeda
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Leben? » Do Okt 17, 2019 5:16 pm

Schaue mir gerade YouTube Videos zum Thema Assistenzhund an. Wenn ich mir vorstelle, dass in diesen Momenten die Hunde von unbedachten Außenstehenden abgelenkt werden, ganz gleich ob durch streicheln oder andere Aufmerksamkeit sind die Aufgaben des Hundes doch nicht mehr möglich. Außerdem bestehen zwischen PTBS Assistenzhund und Therapiehund große Unterschiede. Vielleicht beschäftigen sich die Pro Streicheln Leute mal mit den Aufgaben des Hundes in der jeweiligen Situation.

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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Okt 17, 2019 5:42 pm

Wer hat denn geschrieben dass man einen Hund im Dienst streicheln und ablenken soll, oder will?

Solange er erkennbar ist als Assistenzhund würde ich nicht streicheln. je nachdem aber den Besitzer neugierig fragen evtl. 8nich ob ich streicheln darf, sondern was für eine Aufgabe er hat zum Beispiel)

SH
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » Mi Jan 01, 2020 8:54 pm

Leben? hat geschrieben:
Fr Mär 09, 2018 3:41 pm
Dies soll ein offener Thread für alle sein, die Erfahrung mit einem PTBS Assistenzhund haben oder sich wie ich überlegen, ob sie sich einen vierbeinigen Freund suchen.

Mich interessiert dabei, wie veränderte sich euer Leben durch den Hund. Welche Hoffnungen erfüllten sich, wo war es schwierig.

Welcher Kostenträger übernahm die Anschaffungs- und Ausbildungskosten.

Wie wurde euer Hund ausgebildet und welche Erfahrungen gab es dabei?

Wie alt war der Hund als er zu euch kam? Im Welpenalter oder bereits fertig ausgebildet und nur noch die wichtigsten Punkte mit euch gemeinsam? Wie lief es später nach der Ausbildung weiter? Behält der Hund alles gelernte oder muss da immer wieder nachgeschult werden?

Wart ihr bei der Ausbildung von Anfang an dabei?

Welche Rasse habt ihr?

Würde mich über einen regen Austausch freuen.
Ich richte mich am Ausgangspost aus, denn vor gut einer Woche ist nun meine angehende Assistenzhündin eingezogen.

Derzeit sind wir noch in der Phase uns aneinander zu gewöhnen. Bereits jetzt stelle ich Veränderungen bei mir fest. Ich gehe (zwangsläufig) öfter nach draußen und inzwischen durfte auch mal Besuch kommen.
In den Nächten schlafe ich besser und tweilweise sogar durch. Meine Hündin schläft neben meinem Bett und das gibt mir große Sicherheit.

Ich hoffe, dass der Fonds 10.000€ von den Anschaffungs- und Ausbildungskoste übernimmt. Der Antrag ist schon eine zeitlang dort. Den Rest stemme ich selbst.

Meine Hündin ist ein gutes Jahr alt. Momentan gehen wird erst mal noch zu einer "normalen" Hundetrainerin, um die Grundkommandos zu sichern und das Zusammenleben zu organisiere. Im April beginnt dann die Assistenzhundeausbildung, die ich selbst bei einer entsprechenden Trainerin machen werde.

Ich habe eine Barbet. Sie ist allergikerfreundlich und grundsätzlich sehr an ihrem Menschen orientiert, wie auch von einem sehr freundlichen Wesen.

Das mal als Anfang.

VG, sayeda
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von LunaSue » Fr Jan 03, 2020 12:57 pm

Hallo Sayeda,

ich wünsche dir und deiner Hündin ein glückliches Rudel-Leben!

Ich habe den Thread nicht komplett gelesen, aber tatsächlich viel gefunden,
auf den letzten Seiten, dass mich anregt...

Mal grundsätzlich: Hunde sind - wie Katzen, Pferde - domestizierte wilde Tiere.
Entsprechend sind sie riskant. Letztlich haben alle noch gewisse Instinkte, auch wenn
durch Menschenhand viel durch gezielte Zucht verändert wurde.
Besonders optisch, bekanntermaßen nicht gerade zum gesundheitlichen Vorteil des Hundes.

Hunde schlafen/ruhen am Tag beinahe ebenso viel wie Katzen.
So wie mein kleiner Jagdhund-Mix das gerade auch tut.
Die brauchen nicht den halben Tag Bespaßung und Aktion, im Gegenteil.

Meiner ist 18 Monate alt und eben ein - Hund.
Letzter Rang im Rudel.
Der Rasse entsprechend müsste sie jagen. Das kommt jetzt nicht so in Betracht.
Es geht auch ohne, sie ist ein ausgeglichener kleiner Hund. Die Mischung aus Bewegung
und Beschäftigung für den Kopf sowie schnüffeln/suchen reicht ihr völlig aus.

Hunde werden zum Problem, wenn sie unsicher sind, wo sie im Rudel stehen.
Oder wenn ihr natürlicher Drang unterdrückt, statt ersetzt wird.
Wenn die Haltung nicht so artgerecht ist, wie es in unserer ziviliserten eben möglich ist.

Tiere sollten nicht vermenschlicht werden und es ist wohl nur der Größe zuzuschreiben,
dass unsere Pferde nicht bei uns auf dem Sofa sitzen....
Insofern ist es klug sich mit dem Rudelverhalten zu bschäftigen. Darauf kann man prima das Training
aufbauen, die können nämlich ganz viel instinktiv oder haben schon alles mögliche im Nest gelernt.
Damit kann man arbeiten.

Natürlich binden sich Hund und Mensch emotional aneineander, aber dabei darf man eben nicht aus den
Augen verlieren: domestiziertes Rudel-Wildtier.

Einen Hund würde ich niemals ungefragt anfassen. Unseren darf auch keiner ungefragt anfassen.
Besonders Kinder nicht, da sie sich für einen Hund uverständlich verhalten.
Ich würde niemals behaupten, dass mein Hund nicht beißen würde. Domestiziertes Wildtier eben.

Es gibt Rassen oder gezielte Mischungen, die sich für bestimmte Aufgaben eignen.
Ich bin da ganz ambivalent, weil wir Menschen ein wildes Tier für uns arbeiten lassen...
Aber die Notwendigkeit und der große individuelle und gesellschaftliche Nutzen ist mir schon klar.

Dennoch denke ich, dass es wohl überlegt sein will, ob man einen Hund braucht.
Ganz grundsätzlich. Wir hätten unseren nicht, wäre er nicht da gewesen und hätte ein Zuhause gebraucht.
Extra ausgesucht oder irgendwo beim Züchter auf einen Wurf gewartet hätten wir nicht.

Es gibt zu viele Hunde auf der Welt und ich sehe auch keine Notwendigkeit darin
welche zu züchten. Jeder Mischling kann die Eignung zu einem Therapie- oder Assistenzhund oder für andere Aufgaben haben.
Zunehmend wird das auch erkannt, zum Glück.

Schlussendlich bleibt ein Hund ein Hund und sollte möglichst dem entsprechend mit uns zusammen leben.
Egal, ob er für uns arbeitet oder nicht. Arbeit ist der geringste Anteil in dem Hundeleben.
Der Belastbarkeit eines Hundes sind da deutliche Grenzen gesetzt.

Ich brauche keinen Assistenzhund.
Wer einen braucht, der soll einen haben.
Aber die Indikation dafür sollte aus meiner Sicht ganz streng gestellt werden.
Da ist ein Lebewesen im Spiel, dem wir eine Aufgabe auferlegen.
Je geringer die Anzahl der extra gezüchteten Tiere ist, um so besser.

Viele Grüße
LunaSue
Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt.
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.

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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » Fr Jan 03, 2020 5:20 pm

Hallo Luna Sue,

diese von dir genannten Ambivalenz hatte und habe ich noch immer und ich habe mich lange mit dem Thema befasst. In gewisser Weise war es auch eine egoistische Entscheidung.

Ja. Hunde schlafen viel. Das brauchen sie. Sobald ich bei der Arbeit sitze, liegt meine Hündin unter dem Tisch und darf dösen/ schlafen. Nur ganz selten werde ich sie dort brauchen. Da ich selbst ebenfalls viel Schlaf benötige, machen wir u.a. das Mittagsschläfchen gemeinsam. Das alles geht, weil ich nur 30% arbeite.

Bei dem Argument der Rangordnung fallen wir oft ins menschliche Denken. Wenn ich als Mensch Hilfe benötige, dann bin ich im untersten Rang. So "denken" Hunde aber nicht. Grundsätzlich bin ich die Rangoberste und sie tut etwas für mich. Ob das nun jagen, mich aus einer Dissoziation holen, morgens die Decke wegziehen oder anderes ist, ist für den Hund egal.

Alleine die Tatsache, dass sie da ist bewirkt bei mir, dass ich präsenter bin. Da ich bewusst erst mal als Gassigeherin im Tierheim angefagen habe, um zu schauen, wie ich mit Hunden zurecht komme, sind mir diese positive Effekte aufgefallen. Alleine, weil der Hund da ist. Übrigens habe ich auch dort die Augen und Ohren offen gehabt, um eventuell einen Hund dort zu finden. Da ich jedoch auf viele Hunde allergisch reagiere, blieb mir letztendlich nicht viel anderes übrig, als mich an eine Züchterin zu wenden. Es gibt wunderbare Hunde, die aus dem Tierschutz kommen und ihre Assistenzaufgaben (sei es als PTB-Assistenzhund, Menschensuchhund, Polizeihund etc.) sehr gut bewältigen.

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass die Bedürfnisse meiner Hündin gestillt werden. Von der Rasse her ist sie ein Jagdhund und das merke ich auch. Gleichzeitig ist sie sehr menschenbezogen und sie folgt mir wie ein Schatten auf Schritt und Tritt. Diese Eigenschaften kann ich im Alltag mit aufnehmen und ihr Aufgaben geben, die dem entsprechen. Wen sie spürt ( bzw. Hunde riechen es), wenn ich in eine Disso rutsche, dann unterbricht sie ggf. ihr Dösen und zeigt es mir an. Das ist nichts anderes, als wenn sie im Rudel ihrer Aufgabe nachgeht und anzeigt, dass etwas nicht stimmt. Genau das ist der Trick. Nicht den Hunden etwas überstülpen, sondern ihre Eigenschaften für mich nutzbar machen (also guter Geruchssinn als Jagdhund, Disso anzeigen als Jagdhund). Das ist dann eine win-win-Situation, denn der Hund freut sich, wenn es etwas positives getan hat (meine findet es total cool, wenn sie mir etwas aufheben darf, manchmal muss ich dann eben in Kauf nehmen, leicht feuchte Socken anzuziehen, da sie mir vorher heruntergefallen waren und ich sie darum bat, sie mir zu geben). Und deshalb ist es so wichtig einen Hund wirklich gut zu kennen, um ihm die entsprechende Ausbildung zu geben.

Ich halte von diesen hochgezüchteten Rassen gar nichts. Auch die Mischung aus Labrador und Pudel etc. hat gezeigt, was das für Probleme mitbringen kann. Es ist wichtig bei Züchter*innen genau hinzuschauen. Welches Ziel verfolgen sie, wie gehen sie mit ihren Hunden um etc..
Bei meiner Hündin handelt es sich um eine sehr alte Rasse, die fast ausgestorben ist. Bei der Zucht geht es u.a. auch um die Erhaltung der Rasse.

Was ebenfalls für mich wichtig war: Die Hündin muss immer gut versorgt sein. Egal, wie es mir geht. Sie braucht ihre Gassi- und Spielzeit, sie benötigt ihre Ruhezeit und sie braucht sonstige Beschäftigung. Das muss alles geregelt sein, sonst ist es nicht veratwortungsvoll, einen Assistenzhund zu haben.

Und ich gebe dir völlig Recht. Es braucht rechtliche Regelungen für Assistenzhunde. Das ist derzeit so ein "Räuberfeld", in dem viel Schindluder mit den Tieren, aber auch mit den Menschen getrieben wird. Es ist für Mensch und Tier eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Liebe Grüße
Sayeda




LunaSue hat geschrieben:
Fr Jan 03, 2020 12:57 pm
Hallo Sayeda,

ich wünsche dir und deiner Hündin ein glückliches Rudel-Leben!

Ich habe den Thread nicht komplett gelesen, aber tatsächlich viel gefunden,
auf den letzten Seiten, dass mich anregt...

Mal grundsätzlich: Hunde sind - wie Katzen, Pferde - domestizierte wilde Tiere.
Entsprechend sind sie riskant. Letztlich haben alle noch gewisse Instinkte, auch wenn
durch Menschenhand viel durch gezielte Zucht verändert wurde.
Besonders optisch, bekanntermaßen nicht gerade zum gesundheitlichen Vorteil des Hundes.

Hunde schlafen/ruhen am Tag beinahe ebenso viel wie Katzen.
So wie mein kleiner Jagdhund-Mix das gerade auch tut.
Die brauchen nicht den halben Tag Bespaßung und Aktion, im Gegenteil.

Meiner ist 18 Monate alt und eben ein - Hund.
Letzter Rang im Rudel.
Der Rasse entsprechend müsste sie jagen. Das kommt jetzt nicht so in Betracht.
Es geht auch ohne, sie ist ein ausgeglichener kleiner Hund. Die Mischung aus Bewegung
und Beschäftigung für den Kopf sowie schnüffeln/suchen reicht ihr völlig aus.

Hunde werden zum Problem, wenn sie unsicher sind, wo sie im Rudel stehen.
Oder wenn ihr natürlicher Drang unterdrückt, statt ersetzt wird.
Wenn die Haltung nicht so artgerecht ist, wie es in unserer ziviliserten eben möglich ist.

Tiere sollten nicht vermenschlicht werden und es ist wohl nur der Größe zuzuschreiben,
dass unsere Pferde nicht bei uns auf dem Sofa sitzen....
Insofern ist es klug sich mit dem Rudelverhalten zu bschäftigen. Darauf kann man prima das Training
aufbauen, die können nämlich ganz viel instinktiv oder haben schon alles mögliche im Nest gelernt.
Damit kann man arbeiten.

Natürlich binden sich Hund und Mensch emotional aneineander, aber dabei darf man eben nicht aus den
Augen verlieren: domestiziertes Rudel-Wildtier.

Einen Hund würde ich niemals ungefragt anfassen. Unseren darf auch keiner ungefragt anfassen.
Besonders Kinder nicht, da sie sich für einen Hund uverständlich verhalten.
Ich würde niemals behaupten, dass mein Hund nicht beißen würde. Domestiziertes Wildtier eben.

Es gibt Rassen oder gezielte Mischungen, die sich für bestimmte Aufgaben eignen.
Ich bin da ganz ambivalent, weil wir Menschen ein wildes Tier für uns arbeiten lassen...
Aber die Notwendigkeit und der große individuelle und gesellschaftliche Nutzen ist mir schon klar.

Dennoch denke ich, dass es wohl überlegt sein will, ob man einen Hund braucht.
Ganz grundsätzlich. Wir hätten unseren nicht, wäre er nicht da gewesen und hätte ein Zuhause gebraucht.
Extra ausgesucht oder irgendwo beim Züchter auf einen Wurf gewartet hätten wir nicht.

Es gibt zu viele Hunde auf der Welt und ich sehe auch keine Notwendigkeit darin
welche zu züchten. Jeder Mischling kann die Eignung zu einem Therapie- oder Assistenzhund oder für andere Aufgaben haben.
Zunehmend wird das auch erkannt, zum Glück.

Schlussendlich bleibt ein Hund ein Hund und sollte möglichst dem entsprechend mit uns zusammen leben.
Egal, ob er für uns arbeitet oder nicht. Arbeit ist der geringste Anteil in dem Hundeleben.
Der Belastbarkeit eines Hundes sind da deutliche Grenzen gesetzt.

Ich brauche keinen Assistenzhund.
Wer einen braucht, der soll einen haben.
Aber die Indikation dafür sollte aus meiner Sicht ganz streng gestellt werden.
Da ist ein Lebewesen im Spiel, dem wir eine Aufgabe auferlegen.
Je geringer die Anzahl der extra gezüchteten Tiere ist, um so besser.

Viele Grüße
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von LunaSue » Fr Jan 03, 2020 8:33 pm

Hallo Sayeda,

Mir ist bewusst, dass es gute Gründe dafür geben kann
einen Hund gezielt vom Züchter zu nehmen.
Ich finde es beachtlich, wie viele Gedanken du dir machst
und danke dir dafür, dass du das hier so ehrlich teilst.

Viele alte Rassen sind ja im 2. Weltkrieg beinahe verschwunden.
Deren Erhaltung finde ich gut. Leider ist der Genpool so geschrumpft... von der Rasse des Vaters unserer Hündin gab es gerade mal noch um die 60 nach 1945.

Die Nachfrage bestimmt leider oft die Zucht und in den Jahrzehnten, in denen ich bewusst mit Hunden umgehe
haben manche Rassen sich stark verändert.
So einen Boxer wie unseren ersten gibt es nicht mehr.

Aber damit schweife ich etwas ab.

Mir ist noch wichtig zu SH:
Die Verantwortung für den Hund hat immer der Mensch.
Wer seinen Hund mit in Gedränge, Züge etc mitnehmen muss
hat dafür zu sorgen, dass der Hund gesehen wird.
Leine ist selbstverständlich, alleine um den Hund zu schützen.
Am Bahnhof oder in der Stadt oder was du genannt hast ist die Leine Pflicht. Beißunfälle sind immer menschliches Versagen.

Wenn ich meinen ggf. beleuchteten Hund eng bei mir führe und "Generation Kopf unten" latscht auf das Smartphone starrend in mich und Hund rein...
Dann hätten wir auch eine Laterne sein können. Dann wäre es eine Beule und kein Beißunfall.

Für das menschliche Versagen auf beiden Seiten - sowohl auf Seiten der Halter, wie auf der anderen Seiten - jetzt ALLE Hunde die Verantwortung tragen zu lassen in Form eines Maulkorbes?
Wirklich nicht.
Ich verstehe deinen Gedankengang. Aber die Lösung kann nicht sein, dass man einem Hund einen Maulkorb verpasst und sich damit in Sicherheit wähnt.
Ein verschreckter Hund kann dich auch mit Maulkorb erheblich verletzen.
Gegenseitige Rücksichtnahme vs "Zubehörteil" für ein Lebewesen.

Durch die ganze Diskussion und die vielen Aspekte der Hundehaltung ist ganz gut deutlich geworden, dass ein Assistenzhund eine echte Aufgabe ist.
So in dem Sinne, dass ein Pferd eben auch kein SportGERÄT ist.
Dass man bereits von der schlichten Anwesenheit profitiert, auch ohne Assistenzausbildung. Dass nicht die Rasse, sondern das Wesen und der vorherrschende Instinkt den Ausschlag gibt.

Allein der Aspekt, dass ein Hund die Aufmerksamkeit und Konzentration, Fürsorge und Pflege erfordert hilft mir schon weiter.
Und die Gesellschaft meiner kleinen Puderquaste mit Kulleraugen macht mir viel Freude. Raus zu müssen an die frische Luft tut gut. Bewegung auch natürlich.

Erstmal Gassigeher werden, ohne direkt die Verantwortung ganz und gar zu haben - das ist eine prima Idee.

Viele Grüße
LunaSue
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von ~SteinHart~ » So Jan 05, 2020 11:18 pm

So manchem traue ich vielleicht auch schlicht und ergreifend nicht zu sich kontinuierlich gut um einen Hund kümmern zu können.

Habe da einen Blog im Sinn von jemand, wo das ein Blinder mit Krückstock, nachts und im Nebel hätte sehen können... ihr überhaupt einen Hund zu vermitteln fand ich grob fahrlässig und von ihr extrem egoistisch.
Man weiß zwar nie was kommt, aber wer bei der Anschaffung nicht in der Lage ist sicher regelmäßig mehrmals am Tag die Wohnung zu verlassen, sollte sich keinen Hund holen, egal ob Assistenzhund/Therapiehund/Ottonormalhund. Um es mal an einem konkreten Beispiel fest zu machen.

SH
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von Sayeda » So Mär 01, 2020 5:39 pm

Nun ja, es macht aber keinen Sinn von einem Fall auf alle anderen zu schließen.

Übrigens reicht es meiner Hündin theoretisch 2x am Tag raus zu gehen. Dann eben jeweils eine Stunde.

-----------------------------------------

Inzwischen ist sie über zwei Monate bei mir und ich möchte sie nicht mehr missen. Wir hatten bereits Höhen und Tiefen miteinander und die Bewältigung der Probleme bringt uns immer näher. Glücklicherweise habe ich eine wunderbare Hundetrainerin an meiner Seite, die erst die Grundlagen mit uns macht, bevor die eigentliche Assistenzhundeausbildung bei einer anderen, ebenso guten Trainerin, beginnt.

Ja. Es ist eine große Verantwortung und ich lerne nochmal anders achtsam zu sein.

Meine Hündin lehnte sich kürzlich so richtig an mich an und mir ging das Herz auf. Sie vertraut mir schon so sehr. Allgemein ist sie ein Hund mit einer extrem ausgeprägten positiven Ausstrahlung. Das wirkt sich auf mich aus.
Gleichzeitig: Mit ihrer Schulterhöhe von gut 60cm wirkt sie auf mich schon alleine durch ihr Dasein sichernd.

Sie kommt fast immer mit zur Arbeit. Nur dann nicht, wenn ich entsprechende Situationen mit ihr vorher noch nicht geübt habe und ich nicht weiß, wie es ihr in solchen Situationen geht und ich mich deshalb nicht auf meine Arbeit konzentrieren kann. Dann darf sie mit meinem Mann mit zur Arbeit. Auch dort funktioniert es wunderbar!

Meine Chefin möchte nicht, dass meine Hündin eine Kenndecke trägt. Da bin ich noch am Ausdiskutieren. Leider hatte sie in den letzten Wochen keine Zeit, damit wir uns mal in Ruhe über das Thema unterhalten konnten. Das kommt noch ... .

Sie liebt es mit mir gemeinsam Fahrrad zu fahren. Das passt gut, denn wir fahren auch mit dem Rad zur Arbeit. Und kürzlich brachte sie mich ganz bewusst wieder ins Hier und Jetzt. Und das, obwohl wir das erst ein mal geübt hatten ... .

An ihren Jagdverhalten müssen wir noch intensiv arbeiten. Es umlenken. Das kann manchmal anstrengend werden. Gleichzeitig lerne ich, dass es nicht darum geht etwas (natürliches) zu unterbinden, sondern es sinnvoll zu nutzen. Das ist durchaus auch übertragbar auf das Miteinander von Menschen :-).

Meine Hündin ist das Beste, was mir in letzter Zeit passiert ist!

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lara64
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Re: Ptbs Assistenzhunde

Beitrag von lara64 » Di Mär 03, 2020 5:50 pm

Hallo sayeda
Wir hatten bereits Höhen und Tiefen miteinander und die Bewältigung der Probleme bringt uns immer näher.
Ja, gerade dieses auf und ab kann einen Zusammenschweißen. Die Erfahrung konnten wir mit Yoda in den vergangenen 20 Monaten machen. Und das schöne, Hund lebt immer im hierundjetzt - der kennt keine Zukunftsängste und ist in aller Regel auch nicht nachtragend, wenn der HuHa mal ein Fehler unterläuft, oder mal was nicht so optimal im Tagesverlauf ist/war.
..und ich lerne nochmal anders achtsam zu sein.
Gerade auch beim gemeinsamen sich draußen bewegen und aufhalten konnten wir nochmals unsere Achtsamkeit schärfen für uns, Yoda aber auch für die Mitmenschen/das Umfeld. Nie werde ich die ersten warmen Tage mit Yoda vergessen, als wir die Welt erobert haben und gefühlt ewig vor einem Blümchen saßen oder am Seeufer manches Kleintier neu kennen gelernt haben 8)
Wünsche dir und deiner Hündin jetzt im kommenden Frühjahr auch solche wunderschönen Erfahrungen, die sich tief einprägen und die dann auch mal über so Momente hinwegtragen, wo es einem nicht so gut geht, oder mal was in der Erziehung nicht so rund läuft..

Yoda merkt inzwischen sehr gut und sehr schnell wenn es mir nicht gut geht, kommt angesprungen und je nach Situation auch mal auf den Sofa zum Kuscheln oder um mich zu trösten. Deine Hündin hat es da mit ihrer Schulterhöhe etwas einfacher, wie Yoda. Sie kann dir da sicherlich leichter genügend Sicherheit geben.

Zur Chefin und Kenndecke, wenn du öffentlich magst. Was spricht denn gegen die Kenndecke aus Sicht der Chefin??
Und warum ist die Kenndecke auf der Arbeit für dich wichtig?

Wünsche dir weiterhin viel Freude mit der Hündin und vor allem viele gut Erfahrungen gerade auch am Arbeitsplatz.

Shalom - lara64

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