Notizen

Hier findet Ihr einen Raum, in dem Ihr über alles reden könnt, was in den anderen Foren keinen Platz hat.
Cady
Beiträge: 36
Registriert: Fr Sep 27, 2019 3:37 pm

Re: Notizen

Beitrag von Cady » Do Okt 31, 2019 7:08 pm

Liebe Waldkatze,

dein Thema berührt mich, ich glaube, wir haben von der Struktur her ein ähnliches Mutter-Thema.

Bei mir kamen folgende Gedanken auf:
Wie vertraut ist deine Körpertherapeutin mit Trauma und Konfrontation? Wirkt sie, als ob sie viel auch fachlich dazu weiß?
Das ist bei Körpertherapeuten ja nicht immer so.
Wie begründet die Therapeutin, dass das für dich hilfreich wäre.
Siehst du das ebenso wie die Therapeutin oder denkst du - naja, sie ist Therapeutin, jetzt sollte ich das mal befolgen?
Was denkst du dazu?

Weil - mein Traumatherapeut zu Konfrontation gesagt hat:
nur dann, wenn die Dinge verarbeitet sind -
so wirkt es bei dir auf mich nicht beim Lesen.

Dann: neutraler Ort-

Plus: ganz wichtig:
wenn das Gegenüber verletzend reagiert, anfängt zu manipulieren, erneut Missbräuchliches stattfindet -
aufstehen und gehen. Das darf aufwühlen, aber einen nicht mehr völlig aus dem Takt bringen.
Wenn jemand einen nicht gut behandelt und es nicht klärbar ist, dann sollte man sich von der Person fernhalten, außer vielleicht man kann sich im Kontakt so schützen, dass man keinen Schaden nimmt.

Kontaktabbruch, vermutlich auch einfach aufstehen und gehen, kommt bei dir nicht in Frage sagst du. Angst hat ja auch Schutzfaktor und nicht nur Bremsendes - da würde ich versuchen hinzuschauen, ob die Angst, die du hast nicht sehr berechtigt ist und dich auf sinnvolle Art schützen will.

Wäre es dann nicht besser erstmal in einem geschützten Rahmen
Waldkatze hat geschrieben:Es steckt und stockt in mir, ich habe grosse Angst, eine Lawine loszutreten, wenn ich den Schmerz über das, was das Verhalten meiner Mutter mit mir und aus mir gemacht hat in Worte zu fassen versuche, wie die Thera mir dringend rät.
das in Worte fassen für dich, zu tun? Zu der Angst vor der Lawine zu schauen, usw. ganz in Ruhe, in deinem Tempo?

Wenn du das durch hast, verarbeitet und stabil damit einigermaßen -
dann erst Konfrontation?

Gruß, Cady

Waldkatze
Beiträge: 2471
Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mo Nov 04, 2019 1:13 pm

Es ist raus. Ich war im Wald und habe ein Bild von ihr angeklagt, zuerst ganz leise und zögerlich, später laut und tränenreich. Ach du Schreck tut das immer noch weh, und Wut und Trauer über die Folgen heute noch, jeden Tag.
Bin drei Tage herumgelegen wie wenn mir einer mit der Keule eins übergebraten hätte. Jetzt geht es wieder, aber weh tut es noch.

Mutter selbst bin ich aus dem Weg gegangen und hatte mit dem Schmerz auch eine Art Handhabe, um ihrem emotionalen Druck nicht nach zu geben.
Vorläufig gehe ich höchstens in Begleitung dort hin.

Die Körperthera ist mit Trauma vertraut.
Wichtiger aber war mir, dass ich spürte dass es notwendig ist.
Ich stolpere im Alltag andauernd drüber und es lähmt mich im Umgang mit der Exchefin. Es ist wichtig, ihm den richtigen Platz - bei meiner Mutter eben - zuzuweisen. Und die richtige Zeit, denn ich bin nicht mehr klein, und diese Frau ist nicht meine Mutter, ich bin nicht von ihr abhängig, und ich will nicht mehr klein und wehrlos werden wenn die bloss piep macht.

Irgendwo ist da mittlerweile auch das Vertrauen in meine Instinkte. Wenn ich spüre, dass es not tut und die Kraft habe, es durchzuziehen - dann kann ich es auch ertragen und verarbeiten, zumindest so viel, wie freigegeben wird.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Waldkatze
Beiträge: 2471
Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mi Nov 13, 2019 12:00 am

Ich mag träumen
Vom Sommer
Lauen Abenden
Warmem Wind

Vom Baden im Fluss
Nackten Füssen
Dem Duft nach Heu
Und offenen Fenstern

Ich mag träumen
Von Licht und Freude
Kirschen vom Baum
Und einfach leben
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Waldkatze
Beiträge: 2471
Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Di Nov 19, 2019 1:05 pm

Schwer zur Zeit.
Ich bin es so leid, gegen immer dieselben Mauern zu rennen. Fenster zum Bewusstsein öffnen sich, und was ich sehe macht mich traurig.

Soziale Ängste bestimmen mich noch wesentlich mehr, als ich sehen und mir eingestehen konnte.
Ich bin nicht zu müde, um Freunde einzuladen, ich habe Angst davor.
Mir fehlt nicht die Zeit um raus zu gehen, ich fürchte mich vor Begegnungen.
Es liegt nicht an meinem Mann, dass ich mich bei meiner Familie nicht mehr sicher fühlte, es liegt daran, dass sich kein Mensch in denselben vier Wänden über längere Zeit für mich sicher anfühlt - vielleicht nie mehr.

Und ich frage mich, ob es sich lohnt zu kämpfen.
Aber was gibt es für Alternativen?
Ich muss zu einem gewissen Mass an sozialer Interaktion fähig sein und werden, denn so, wie es ist bewältige ich meinen Job, obwohl er nur wenig Kontakte erfordert, schlecht.
So habe ich auch keine Chance, etwas anderes zu finden - wer stellt schon jemanden an, der im Bewerbungsgespräch (trotz guter Vorbereitung und vorgängiger psychologischer Begleitung) zittert und kaum ein Wort heraus bringt?

Und ich übe doch so intensiv und konfrontiere mich, aber es verändert sich nicht wirklich. Es gibt vereinzelt gute Momente, aber meistens - und wenn es darauf ankommt - bleibt es, wie es ist.

Es gab einfach kein "davor". Kein Angenommen oder geliebt sein, kein einfach sein und schon gar kein richtig sein. Ich war bereits überflüssig, falsch und an allem Schuld bevor ich geboren wurde.
Wie soll man da so etwas wie Selbstbewusstsein entwickeln können?
Oder Selbstvertrauen, wenn doch gerade das, was einem schadet so sehr verinnerlicht wurde, dass man sich selbst eben nicht vertrauen kann?

Ich bin so müde.
Es ist schwer, die tiefen Verletzungen, die meiner Psyche beigebracht wurden zu würdigen. Es war (und ist) einfacher, zu sagen ich bin faul und wenn ich nur wollte könnte ich.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

elefantenkind
Beiträge: 540
Registriert: So Feb 19, 2012 9:26 pm

Re: Notizen

Beitrag von elefantenkind » Di Nov 19, 2019 10:32 pm

Das ist so traurig.
Es tut mir so leid. Gerade das Gefühl, dass es kein davor gab.

Ich wünsche dir Hoffnung für deine Heilung. Ich bin sicher, dass schon viel an Heilung passiert ist, was du gerade nicht spüren kannst. Und es wird weitergehen, du wirst weiter wachsen und immer, eben in kleinen Schritten, neues lernen entdecken aufnehmen ausprobieren...

Und auf der andren Seite steht das Annehmen. Sich selbst annehmen mit der Geschichte, die schon zur Geburt begonnen hatte. Mit den Einschränkungen. Mit der unendlich tiefen Verletzung.

Und das du jetzt siehst, dass du eben nicht zu müde oder zu faul für etwas bist, sondern eben einfach alles eine besondere Kraft kostet aufgrund deiner Geschichte, das ist ja auch ein großer Schritt im Annehmen.

Wünsche dir sanftheit mit dir selbst.
Alles Liebe
Elefantenmädchen

Waldkatze
Beiträge: 2471
Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mo Dez 02, 2019 1:03 pm

Merci dir. Sorry, bin extrem kontaktscheu wenn es mir so geht wie oben. Jedes Wort scheint so falsch dass sich regelrechte Katastrophen dahinter aufbauen, und so "sage" ich am Ende nichts.

Etwas besser. Ein lieber Mensch war da, und ich gewann etwas Abstand.
Da sind keine grossen Dinge, die sich einfach so ändern lassen, aber doch einige kleine Dinge. Und ja, ich kämpfe immer noch mit denselben "Schwächen" und kann sie nicht abstreifen, aber immerhin verändert es sich, wenn auch im Schneckentempo.

Ich darf mir meine eigenen Masstäbe setzen und darf nach meinem eigenen Gefühl handeln, und dieses darf und soll ich wahrnehmen, nicht wegdrücken. Man kann nicht einfach beschliessen, was man zu fühlen hat und was nicht! Aber wenn ein Gefühl da ist und es mir gelingt, es anzunehmen, kann ich schauen, wie ich damit umgehen kann und will.

Ich darf mir Hilfe suchen - und ich darf meinem Gefühl vertrauen, welche art von Hilfe ich am ehesten benötige. Wichtig ist nicht, dass ich nach Lehrbuch oder nach Mutters, Arbeitgebers, Arztes Meinung vorgehe, sondern dass ich die Fäden in die Hand nehme und mir die Hilfe suche, die ich brauche.

Nach Gefühl am ehesten einen Coach einen Blick auf meine Lebensführung und Work-Life-Balance werfen lassen und mir da Anregung holen, wie ich aus dem gefühlten Hamsterrad herausfinden kann, bevor ich mir mit Therapie noch mehr aufhalse. Arbeitsfähig bin ich ja.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Waldkatze
Beiträge: 2471
Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Do Dez 05, 2019 12:35 pm

Waldkatze hat geschrieben:Es liegt nicht an meinem Mann, dass ich mich bei meiner Familie nicht mehr sicher fühlte, es liegt daran, dass sich kein Mensch in denselben vier Wänden über längere Zeit für mich sicher anfühlt - vielleicht nie mehr.
Das will noch betrauert werden. Denn auch wenn ich es war, die ging, und weiss, dass ich gehen musste, und auch wenn ich die positiven Auswirkungen sehe, so vermisse ich sie doch alle drei, den Alltag mit ihnen.
Ich hatte es mir anders vorgestellt und gewünscht, als wir zusammenkamen und eine Familie gründeten.

Und noch etwas. Es mag dauern, bis Menschen mein Vertrauen haben und mein enger Kreis ist klein. Aber wer einmal in meinem Herzen ist, der bleibt es, auch wenn sich die Wege trennen und sogar wenn mir weh getan wird.

Meine Familie ist und bleibt meine Familie, und ich bin stolz auf uns alle, dass wir das letzte Jahr mit der Trennung so gut, mit so wenig Narben wie möglich hingekriegt haben.

Es ist traurig, sie nicht mehr jeden Tag um mich zu haben, obschon mein jetziges Zuhause sich sicherer anfühlt als alles zuvor und obschon es wirklich viel einfacher ist, weil ich mich seither nicht mehr verliere und immer weiss, was meine Gefühle sind.
Das darf nebeneinander stehen, denn egal welchen Weg ich gegangen wäre (oder weiter gehe), es wird immer Gutes und weniger Gutes geben.

Mit jeder Entscheidung lässt man auch etwas hinter sich.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

elefantenkind
Beiträge: 540
Registriert: So Feb 19, 2012 9:26 pm

Re: Notizen

Beitrag von elefantenkind » Do Dez 05, 2019 12:58 pm

Liebe Waldkatze,
ich habe da was ganz schönes gelesen. Wenn wir uns auf Beziehungen und Nähe einlassen, haben wir mehr zu verlieren, werden wir mehr verlieren, aber unser Leben wird auch reicher.
Ich such das später mal raus, ich kann es nicht so schön wiedergeben.

Auf jeden Fall hat jede Entscheidung diese zwei Seiten und du folgst deinem Herzen, um für dich zu sorgen und zu heilen.
Es ist traurig, wenn das mit Mann und Kindern nicht gemeinsam geht, aber es gibt dazu keine Alternative . Bleiben wäre dann selbstmissachtung.

Ich freu mich, dass du sagen kannst, dass ihr einen Weg gefunden habt, bei dem jeder wenigstmöglich verletzt wurde. Das ist so schön. Dein Weg ist nicht leicht, aber ich kann lesen, dass du ganz nah bei dir selbst bist.

Antworten