Notizen

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WK unl.

Re: Notizen

Beitrag von WK unl. » Sa Dez 08, 2018 7:20 pm

Auch das Zusammenleben mit meinem Mann hat die Verleugnung meiner selbst erfordert. Nicht aus böser Absicht heraus, sondern weil er auch nicht er selbst werden durfte, es aber noch nicht aufgedeckt hat. Logisch geht das noch nicht von selbst, ich kann ja erst seit ein paar Wochen richtig daran arbeiten.

Waldkatze
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Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mi Dez 19, 2018 1:34 pm

Schwierige Zeit, Winterblues, Sonnenmangel und die blöden Festtage. Es ist dieses geradezu zwanghafte fröhlich sein müssen, während mir regelmässig gerade in dieser Zeit so viel schmerzhaftes hoch kommt.
Dieses Jahr das ganze gesammelte Urmisstrauen mit der daran hängenden Selbstwertproblematik, es kostet Kraft, sich da immer wieder aus Abwertung und Ängsten auf den Boden der Realität zu holen.
Und gerade da, wo ich vieles unter dem Teppich fühlen kann, zerreisst es mich fast zwischen meinem eigentlich zuverlässigen Gefühl, dem ich nicht traue weil ich mir selbst gerade nicht vertrauen kann, und der aufgesetzten Schein- und Fassadenwelt.

Nicht die Fassade ist (für mich selbst!) wahr, sondern mein Gefühl, und keiner darf mich mehr strafen und quälen, wenn ich mir und meinem Gefühl traue. Ich bin erwachsen und selbst für mich verantwortlich.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Gast

Re: Notizen

Beitrag von Gast » So Dez 23, 2018 9:51 pm

Winterblues, oh ja! Hab ich auch nicht realisiert bisher, es war einfacher zu denken ich sei bekloppt als das Naheliegende zu sehen. Vitamin D Tropfen helfen etwas, und jetzt gerade hab ich zumindest Zeit mehr zu schlafen - und wäre frei, an die Sonne zu gehen wenn sie denn mal scheinen würde.
Aber es ist echt saisonal viel schlimmer mit Ängsten, Antriebslosigkeit und fehlender Selbstsicherheit. Somit ist es zwar doof, erneut in so ein Winterloch zu rutschen ohne viel dagegen tun zu können, aber eben auch erleichternd, aus der Erfahrung heraus darauf vertrauen zu können, dass es gegen Frühling ganz von selbst wieder besser wird. Ich freue mich darauf.

WK

Gast

Re: Notizen

Beitrag von Gast » So Dez 23, 2018 11:04 pm

Ein Tag Muttisitting war wohl auch nicht gerade das, was ich heute gebraucht hätte, mein Gefühl hat es mir gesagt, aber ich habe wieder mal ihr Wohl vor meins gestellt. Nun denn, es ist, wie es ist, aber ich spüre die Auswirkungen und muss versuchen, das nächste mal möglichst daran zu denken.

WK

Gast

Re: Notizen

Beitrag von Gast » Mi Dez 26, 2018 2:09 pm

Wenn das Umfeld es einfach ohne grosses Aufhebens annehmen kann, dass bei mir nicht alles so läuft wie vielleicht erwartet wird - vielleicht sind teilweise auch die Erwartungen überzogen - dann hab ich auch kein Problem damit. Dann geh ich weiter und versuche es besser zu machen wenn es mich stört oder schaue woran es liegt, sind ja meist Kleinigkeiten.

Aber wenn ich an jedem Kleinscheiss gleich aufgehängt werde und der Fokus ausschliesslich auf den "Fehlern" liegt, kommt dieses Gefühl, mindestens Krank (im Kopf) oder eben ein absoluter Abfallmensch zu sein, völlig unbrauchbar.

Es wird wohl daran liegen, dass mir eben die Erfahrung des ok-und-angenommen-seins fehlt, dass ich anstelle dieses Gefühls von Sicherheit und Vertrauen das Gegenteil erfahren habe von meinen Eltern. Mutter hat es irgendwie geschafft, mir alles, wirklich alles was negatives passiert ist in die Schuhe zu schieben, und dieses Gefühl blieb (ich fühlte mich auch verantwortlich für die Fukushima-Katastrophe zum Beispiel). Sie wollte damit einfach die Verantwortung für mich auf mich Kind selbst abschieben, und die Verantwortung dafür, dass es ihr nicht gut ging, sie schlechte Laune hatte, sie Gewalt anwendete gegen uns Kinder usw dazu.

Ohne Boden haut dich alles um, jeder kleinste Kritikpunkt stellt gefühlt meine gesamte Existenz in Frage. Ich kann inzwischen mit dem Kopf dagegen angehen, aber das schlechte Gefühl und die Angst bleibt.
Ich fühle mich so oft minderwertig, überflüssig und nutzlos.

Aber es gibt jetzt auch das Andere, dieses in mir ruhen, diese Gelassenheit, in der diese kleinen Verfehlungen bleiben was sie sind, eben kleine Verfehlungen, die jedem passieren, die zum Mensch-sein gehören. Es ist noch fragil, aber es ist da - und so muss es sein, um als normaler Mensch ein weitgehend angstfreies Leben leben zu können.

Es ist höchste Zeit, mir mein Leben zu eigen zu machen und nach meinen Werten und Massstäben zu leben, zu lernen, mich auf mich selbst zu beziehen statt zum Anhängsel eines Partners, Chefs, whatever zu werden.

Es ist nicht mehr gefährlich, ich selbst zu sein und eine eigene Meinung zu haben. Ich stehe auf eigenen Füssen und darf eigene Entscheidungen treffen, ohne dass ich deshalb wertloser bin als andere Menschen.

WK unl.

Re: Notizen

Beitrag von WK unl. » Mi Jan 23, 2019 6:30 pm

Zum wiederholten mal in wichtigen Dingen vor den Kopf gestossen, weil ich nur einen müden Kompromiss angeboten bekam, statt des Üblichen. Wie bei der Jobsuche auch.

Erst auf die ich-bin-Müll-und-es-nicht-wert-Schiene geraten, dann war aber doch irgendwo in mir drin so eine nagende trotzig-wütende Stimme. Denkt ihr eigentlich alle mit mir könnt ihr 's machen, hat sie gefragt.

Ja, musste ich mir eingestehen, mit mir können sie es machen. Ich hab doch immer das Gefühl, ich sei ein Nichts und müsse noch unheimlich dankbar sein für die müden Kompromisse.

Halt, ich kann, was ich kann, und mag es auch nicht besonders viel sein, so habe ich es mir doch erarbeitet und nicht im Lotto gewonnen, sagte die Stimme. Ich bin auch wer und lasse nicht mehr auf mir herumtrampeln, lieber nehme ich nichts als den faulen Kompromiss, sollen sie sich meinetwegen einen anderen Dummen suchen, ich hab das so nicht nötig.

Und siehe da, wie schon beim Job hat auch hier die klare Ansage etwas gebracht.

Falsch gelehrt, Mutter, mit blossem Fleiss, übertriebener Bescheidenheit (bis hin zur Aufopferung) und Klappe halten kriegst du heute nichts mehr geschenkt.
Weg mit dem alten Kram. Ich bin auch jemand, ich bin ich.

Waldkatze

WK unl.

Re: Notizen

Beitrag von WK unl. » Fr Feb 08, 2019 1:32 pm

Selbstgespräch

- Ihr habt mir mein Leben gestohlen! Aber ich hole mir zurück, was ich kann!
- Wie denn, wann denn, wenn du gar keine Grundlage zum Leben hast, Müllmensch.
- Gerade deshalb, und wer mich als Müllmensch behandelt hat noch den weiteren Weg vor sich als ich.
- Ich kann nicht mehr
- Oh doch, du kannst. Was bleibt denn anderes als kämpfen, sterben gehen?
- Hast du unser Versprechen vergessen, zuerst wird alles andere probiert.
- Aber ich bin so müde, das schaffe ich nicht.
- Schau zurück. Es mag objektiv nicht viel sein, was du die letzten Jahre geschafft hast, aber jedes mal dachtest du, du schaffst es nicht.
- Also alles unmögliche Dinge, die du geschafft hast, Wunder sozusagen.
-Ich mag deinen Humor. Nein, keine Wunder, aber du bist vorwärts gegangen, Schritt für Schritt, nicht stehen geblieben.
- Pfeif auf die anderen. Sie kennen deinen Weg ebenso wenig wie du den ihren.
- Hör auf dein Herz. Es kennt den Weg, trotz aller Widrigkeiten, trotz aller Demütigungen, und ja, es ist irgendwo ein Wunder, dass ich wieder fühlen kann, glücklich sein und mich freuen kann, Glück und Freude teilen kann.
- Das habt ihr mir nicht stehlen können.
- Ich hoffe, ich liebe, ich lebe, ein echtes Leben. Mein Leben.

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Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Do Feb 14, 2019 8:06 am

Ich wünschte mir einfach weniger Kampf und mehr Leben. Ich bin es so leid, immer, (fast!) jede Minute gegen die innere Überzeugung, nichts wert zu sein kämpfen - oder angehen - zu müssen. Ich wünsche mir mehr Boden, mehr Sicherheit, damit ich auch sein kann und meine Fertigkeiten anwenden kann, ohne immer gleich wieder so kämpfen zu müssen. Ohne mich in Frage zu stellen, ohne zu denken, dass jeder mich hasst. Ohne jedes Problemchen gleich auf mich zu nehmen.
Ich wünsche mir meine Selbstsicherheit zurück, ich weiss gar nicht mehr, wie das ist, wenn ich sie habe, ich möchte soooo gerne einmal hinstehen können ohne mich in Frage zu stellen und Blackouts vor Angst zu haben.

Es darf sein, es darf da sein, denn es ist einfach doof. Ich darf auch einmal müde sein davon und ich darf wütend sein deswegen.
Trotzdem darf ich mich entscheiden, wieder vorwärts zu gehen, mit dem Wissen dass es ein Krampf ist, mit der Wut, der Müdigkeit und der Trauer, aber auch mit Dankbarkeit und Hoffnung, weil ich weiss, dass Veränderung möglich ist, auch wenn ich es im Moment nicht spüren kann.

Das heisst nicht, dass es nicht schwer sein darf. Es heisst nur, dass ich aufstehen will, nicht liegen bleiben.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

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Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Sa Apr 27, 2019 11:08 pm

Es ist schwer, die Verantwortung für sich vollumfänglich zu übernehmen, und da steht mir nach wie vor ein langer Weg bevor. Es ist diese Ohnmacht, die es immer wieder verhindert, die mangelnde Erfahrung von Selbstwirksamkeit, aber eben auch das gewohnheitsmässige Verleugnen meiner selbst.

Fallen, in die ich immer wieder gehe.

Kein Recht zu fühlen, Gefühle, die die Stimmen im Kopf als falsch bezeichnen, Gefühle, für die man ohnehin keine Zeit hat. Denken, was ich zu fühlen habe, und immer wieder schlechtes Gewissen weil ich auch Dinge fühle, die nicht schön/nützlich/erwünscht zu sein scheinen. Denken und bewerten, statt einfach nur nachzuspüren.

Diese tiefsitzende Wertlosigkeit, das herunterspielen meiner Fähigkeiten und meines Wissens und Könnens, das Gefühl, immer zweitklassig, Müllmensch zu bleiben, egal was ich auch leiste und tue.
Unsicherheit. Alle anderen haben recht und ich muss irren, alle anderen arbeiten gut und sämtliche Fehler gehen auf mein Konto, alle anderen sind jemand und ich bin ein Nichts.

Ohnmacht. Das Gefühl, egal was ich tue, nichts kann sich verändern, weil es mir bestimmt ist, für nichts gut zu sein und ich weder Glück noch Zufriedenheit verdiene. Kein Recht zu haben auf ein gutes Leben nach meinen eigenen Vorstellungen und Werten.

Das Gefühl, nichts bewirken zu können, nicht mal bei mir selbst. Hängenbleiben im Abwertungssumpf und darauf zu warten, dass sich zumindest jemand erbarmt, mich als Fussabtreter zu benutzen, statt zu kapieren, dass niemand ausser mir selbst mich aus diesem Sumpf ziehen kann, dass ich aber tatsächlich dazu fähig bin, und es auch darf.

Das Gleichgewicht zu finden zwischen Ruhe und Arbeit. Bestimmt zu mir selbst zu sein, ohne unnötige Härte und ohne Selbstabwertung. So für mich zu sorgen, dass meine Bedürfnisse soweit erfüllt sind, dass ich keine Last bin und für andere da sein kann, wenn es erforderlich ist - oder ich es will.

Wie viel einfacher wäre das alles, wenn ich hätte lernen dürfen, wie man lebt! Trotz aller Dankbarkeit, dass es sich nun verändern darf, bleibt doch die Trauer über die verlorene Zeit.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Gast

Re: Notizen

Beitrag von Gast » Mo Apr 29, 2019 10:51 pm

Unsicher heute morgen, besonders als die Chefin kam, vorher ging es. Sie ist wie Mutter, ich reagiere wie früher. Erschreckend. Noch immer unfassbar, dass ich so aufgewachsne bin und das irgendwie für normal hielt.
Nein, ich sah den Unterschied zu anderen schon, die Wärme und das angenommen sein, dass sie von den Eltern bekamen, und bei mir war nur dieses aufgesetzte Stolzlächeln, um mich hinterher fertig zu machen. Oh, das tut weh!

Deshalb fällt es mir so schwer, Schönes zu ertragen und anzunehmen, weil es weh tut, weil da immer das Gefühl ist, der Hammer kommt gleich und macht mich zu Boden. Und je glücklicher ich bin, desto heftiger schlägt er zu. 


Mutters Heischen kürzlich nach Aufmerksamkeit und meiner Gesellschaft, nur um mir hinterher wieder so Herunterputzmist zu schicken. ICH WERDE DARAUF NICHT MEHR REAGIEREN! Besser nicht einmal, um ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Auch wenn sie mir leid tut, bin ich mir doch selber die Nächste und nicht für ihr Wohlbefinden verantwortlich. Sie tut mir damit weh, und das darf sie ruhig merken, auch wenn sie sich einreden mag, wie sehr sie im Recht ist.
Darum geht es gar nicht, ich bin ihr Kind und ihr Job wäre gewesen und ist es irgendwie noch immer, mich einfach mal anzunehmen und meine Meinung und meine Gefühle und meinen CHARAKTER einfach mal stehen zu lassen und zu akzeptieren. Sie muss meine Meinung nicht teilen, aber sie mir lassen und akzeptieren.
Genau das muss sie, und wenn sie das nicht tut, muss sie sich nicht wundern, wenn ich ihr ausweiche.
Zudem ist das nicht mein Problem. Ich bin in erster Linie für mich verantwortlich, nicht für sie.

Ich schulde ihr nichts. Es ist mein Goodwill, wenn ich mich mit ihr abgebe, obwohl ich weiss, dass es mir nicht gut tut (wofür sie die Verantwortung trägt!).
Nein, das ist nicht Goodwill, das ist das alte Parentifizierungsmuster - es ist nicht mein Job, für sie zu sorgen, und sie soll Begegnungen auf Augenhöhe mit mir haben können, aber nichts, absolut nichts anderes.

Ich darf mich da nicht wieder reinziehen und instrumentieren lassen! Für ihr Leben und ihre Launen ist sie ebenso selbst verantwortlich, wie ich für die meinen.

Mich selbst muss ich aus dieser Ohnmacht rausziehen, nicht sie.

Das Kind spielen lassen, geschützt und unbelastet. Für dieses Kind sorge ich, weil sie es nicht tat, das ist das, was ich ihr abnehmen muss, weil sie mir sonst nur immer wieder Schmerz zufügt. Dieses Kind soll sich bei mir so geborgen und beschützt fühlen können, wie es sich für eiin Kind gehört und wie sie es nicht bieten konnte. Diesem Kind gilt meine Fürsorge, wie auch meinen anderen Kindern - aber nicht der Frau, die mich geboren, aber niemals als eigenen Menschen angenommen, geschweige denn beschützt hat.


Entspannung, wie wenn ein Mehlsack von meinen Schultern genommen worden wäre.

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