Notizen

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Waldkatze
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Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mo Apr 05, 2021 3:26 pm

Mutter möchte mit mir Kaffee trinken. Ich will nicht.
Ich will mich nicht in ihr Korsett drücken lassen und antanzen wann sie will und mir ihre Weltsicht anhören müssen.

So wie vorgestern morgen, als sie meine Kaffeemaschine gesehen hat, natürlich nicht ihre bevorzugte Marke (also sicher nichts Rechtes), auch nicht ihre Kaffeesorte (also entweder ungeniessbar oder teuer).
"Du musst sie einmal in der Woche komplett zerlegen und reinigen blabla bla."
Mir wird schlecht, am besten noch immer am selben Tag und um die selbe Uhrzeit und wenn ich das nicht schaffe bin ich nichts wert, mir wird schlecht.

Wie erklärt man solche Dinge jemandem, der sie nicht selbst erlebt hat?
Solche nichtigen Kleinigkeiten, sie hat ja recht dass man Dinge regelmässig tun soll damit sie erledigt sind und sich nicht aufstauen.
Wie erklärt man jemandem, der es nicht genau so kennt, dass solche "Regeln" wie ein eiserner Käfig ums Herz sind und es eine Katastrophe ist, wenn man versagt?
Wie erklärt man jemandem, der es nicht genau so erlebt hat, dass es unglaublich schwer ist, sich aus Zwang und Strafe (weil es immer eine Regel gibt, die man verletzt, da sich die Regeln teilweise widersprechen) zu lösen? Weil auch das wieder eine Regelverletzung ist, die die totale innere Abwertung bis zum Sterben wollen zur Folge hat?
Wie erklärt man so etwas, wie soll das irgendeiner kapieren (ich habe ja selbst lange genug dafür gebraucht und es fällt noch immer schwer)?
Es klingt alles so harmlos!

Eine einzelne Demütigung eines Kindes ist wie ein einzelner Klaps, das einzelne Ausrutschen einer Hand.
Sicherlich nicht gut, sicher mit mehr Verständnis und Achtsamkeit vermeidbar, niemals zu billigen, aber nachvollziehbar - und für ein Kind, das ansonsten gut und sicher geborgen ist bei seinen Eltern - verkraftbar.

Aber ständige Demütigung, versteckt in jedem Satz und jedem Blick, das ist wie ein Kind grün und blau schlagen sobald es nur auftaucht.
Das ist niemals verständlich und niemals zu billigen, mag auch eine einzelne Tat (mehr kriegen Aussenstehende ja selten mit, wenn überhaupt) harmlos aussehen.

Für so ein Kind existiert keine Sicherheit.

Ich bin nicht fähig, bis heute nicht, Dinge immer am selben Tag und/oder um die selbe Uhrzeit zu tun. Ich kann mir keinen Putzplan machen und bin nur schon froh, wenn ich überhaupt fähig bin, zu putzen. Am Besten mache ich alles bewusst anders als Mutter, andere Geräte, anderer Ablauf, dann geht es eine gewisse Zeit. Auch bei der Arbeit geht es, weil völlig andere Umgebung und kleine Einheiten.

Wie erklärt man jemandem, der nicht genau so aufgewachsen ist, dass die Aufforderung, die Kaffemaschine einmal wöchentlich zu putzen dem Gang eines Gladiators in die Arena voller Löwen gleicht? Wie?

Sorry, ich weiss, dass es so ist - unzählige male bewiesen und völlig logisch - aber gleichzeitig kapiere ich heute noch nicht warum ich so überreagieren muss. Wegen so einer Kleinigkeit.

*Ironie ein*
Sie meint es doch nur gut. Was habe ich nutzloses Balg schon für einen Grund, ihr aus dem Weg zu gehen. Reine Boshaftigkeit und Faulheit, etwas anderes kann es ja bei mir gar nicht sein.
*Ironie aus*.
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

Cady

Re: Notizen

Beitrag von Cady » Mo Apr 26, 2021 12:14 pm

Geliebt werden wollen - aber auch die Angst davor.
Sehnsucht nach etwas - aber nicht annehmen können, zulassen können, was ich ersehne.

Langsam, langsam wirklich fühlen und vertrauen.
Nicht mehr so getrennt von mir, von dem, aus dem ich bin.

Wüste, Wüstenlandschaft. Ödnis. Rapunzel.
Wüste, Leere aushalten - die Leere nimmt die Gestalt der Wüste an.
Immerhin Gestalt.

Nicht weglaufen. Mich einlassen.
Auf genau das, was ist. Nach wie vor das gleiche Lied. Nur wieder woanders stehen.

Da, wo nichts mehr ist, ist dann doch irgendwas, aber der Kontakt reißt.
Aber ich denke, es lohnt darauf zu vertrauen.
Hinter all den Widersprüchen. Hinter all den Auf und Abs des Lebens. Den Grenzen. Dem Versagen, usw.
Den Höhen, den Abgründen.

Wenn da nichts mehr scheint, wenigstens noch einer größeren Liebe, etwas Größerem treu bleiben.
Da ist vielleicht doch was, das all das zusammen hält.

Vertrauen.

Cady

Re: Notizen

Beitrag von Cady » Di Mai 18, 2021 8:10 pm

Habe gestern 2 wichtige Arzt-Sachen geschafft.
Konnte hinter die Dinge gehen, nicht in die "States" direkt rein. Kann besser nebeneinander von verschiedenen dissoziativen States wahrnehmen.
Mehr Verknüpfung. Auf und ab von Gefühlen ist besser verankert im Wissen.
Der Zustand jetzt wird auch nicht bleiben.

Bin teilweise gefasster, wenn es mir nicht gut geht.

Annehmen, wenn der Körper mir Grenzen zeigt. Auch wenn es mir sehr schlecht teils geht.

Werde vielleicht vorsichtig sichtbarer.

Kann zulassen konkreter vorsichtig berührt zu werden, auf materieller Ebene. Emotionen, Körper. Nicht nur über "Seele", den gut geschützten Kern.

Mich vom Kern her langsam öffnen und nicht emotionale Berührung nur in dissoziativen States. Fragmentiert.

Heißt auch Bindung besser ausbalancieren können.
Manches auch besser auf Distanz lassen und wissen: okay, auf der Distanz, in den Grenzen ist es okay.
Weil einfach doch das Notwendige machbar ist.

Auch dass Distanz erstmal nötig ist, um dann Nähe zuzulassen. Oder nötig ist,in Distanz bleiben zu können, für mich sein zu können.
Mit mir und meinen Gefühlen prinzipiell alleine bin.

Ich glaube, ich habe eine Menge geschafft.

Die körperlichen Probleme - da beginnt sich abzuzeichnen, was diese Entzündungsschübe sein könnten. Wird hoffentlich nicht wieder so eine Odyssee.
Dafür habe ich kaum Kraft, denke ich.
Habe mir bei einem Privatarzt einen Termin geben lassen. Noch nie gemacht. Komme sonst nicht weiter. In dem Feld gibt es hier auch kaum Kassenärzte.

Waldkatze
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Re: Notizen

Beitrag von Waldkatze » Mi Jun 23, 2021 4:01 pm

Ach ja. Wilkommen Komplexe, Minderwertigkeitsgefühle, keiner mag mich, Erschöpfung, Trauer.

Was soll denn auch anderes passieren, wenn Stunden fürs Hobby aufgewendet werden, Stunden, die weg sind - Stunden, die ich mir einbilde, zusätzlich aufwenden zu müssen um irgendjemandem etwas zu beweisen - wohl zuallererst mir.

Was nichts kostet, ist nichts wert - was nichts wert ist, darf nichts kosten.
Andere werden mir nicht das Gefühl von Wertlosigkeit nehmen - das muss ich schon selbst.

Denn meine Arbeit ist wertvoll. Kein anderer kann sie mit derselben Kompetenz ausführen, denn kein anderer ist so gut ausgebildet wie ich.

Ja, etwas Freiwilligenarbeit gehört dazu, aber das hier fällt nicht unter meine ehrenamtliche Tätigkeit, das ist etwas anderes.

Und: meine Arbeit ist genauso wertvoll wie die von irgendjemand anderem.
So wie ich genauso wertvoll bin wie jeder andere.

Endlosschleifen....
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

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