"Glücklich ohne Erinnerung"

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Wasserblume

"Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Wasserblume » Mo Jun 20, 2022 9:05 pm

Es ist ein Evergreen: die Frage, ob man ohne seine Erinnerungen Frieden und Glück finden kann.
Ich bemerke, dass diese Aussage in der psychologischen Literatur, Ratgebern und Co sehr hartnäckig vertreten wird; dabei kenne ich von Betroffenenseite vor allem die Perspektive, dass die Unwissenheit mit Leiden und großen (Selbst)zweifeln begleitet wird. In meiner letzten Therapie war es letztlich einer der wesentlichen Punkte wo wir auseinandergegangen sind. Ich bin mir mittlerweile immer sicherer, dass ich für meinen Teil mit der Ungewissheit schlechter leben kann als mit jeder Erinnerung-ist natürlich leicht gesagt, wenn sie weg ist. Dennoch hab ich das Gefühl, dass dieses Leiden nicht so ernst genommen wird unter Fachpersonal, weil der gegenwärtige Kanon ja gegenteiliges sagt. Damit meine ich nicht, dass man nicht für eine Weile auch Zufrieden und stabil sein kann, ohne Erinnerung. Aber für mich persönlich ist es, als hätte man mir etwas genommen - eine Herkunft - auch wenn sie schlimm war. Ich meinte mal zu meiner alten Thera, dass ich das Gefühl habe, gar nicht zu wissen, wo ich herkomme und deswegen auch gar nicht weiß wo ich hingehe. Keine Richtung, keine Orientierung . Und das ist für mich immer noch wahr.
Meine neue Thera ist jetzt die erste Fachperson die das mal aufgegriffen hat und meinte, das würde ja eine eigene Form von Ohnmacht darstellen, das hat mich total erleichtert (thera antrag ist aber grad bei der Kasse/Fachgutachter, also eventuell wird es doch gar nicht meine neue Thera :cry: ).
Ich wollte mich einfach mal nach anderen Ansichten umhören, Erfahrungen. Gibt es die berüchtigen Personen, die ohne konkrete Erinnerungen angekommen sind? Ich freue mich über alle Gedanken dazu.

Laura
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Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Laura » Di Jun 21, 2022 7:03 am

Hey Wasserblume,

Jahrzehntelang hatte ich keine Erinnerung. Und dann war die Erinnerung an den MB plötzlich zurück. Es waren Wochen und Monaten von Flashbacks, Intrusionen, Alpträumen. Immer wieder sind neue Fragmente hoch gekommen... Sprichwörtlich die Hölle auf Erden!

Positiv ist, dass dieses Puzzleteil wohl dabei gefehlt hatte, um zu begreifen wer ich wirklich bin. Es war der Grund für meine tiefe unbeschreibliche Traurigkeit.... Naja und viele andere Dinge, die so einfach nicht gepasst haben.

Ich kann dir nicht sagen, ob alles vom Trauma hochgekommen ist. Mit der Bearbeitung in Tiefenhypnose und der direkten Arbeit mit dem Unterbewusstsein bin ich mit Sicherheit einen anderen Weg gegangen. Aber genau dort lag auch das Trauma. Es ist aber sehr viel hochgekommen in allen Details. 🙄

Seither ist einiges an Zeit und Therapie vergangenen. Und interessanterweise sind die Erinnerungen nun wieder sehr weit weg. Geblieben ist die Gewissheit, dass das damals passiert ist. Ich kann die Erinnerungen heute ruhen lassen und habe auch meinen Frieden damit gefunden, diese teilweise wieder zu vergessen, oder ggf. nicht alles zu kennen. Ich brauche das heute nicht mehr. Schließlich ist das die Vergangenheit!

Hätte ich diese grausame Phase der Verarbeitung nicht gehabt, dann wäre ich heute vermutlich nicht so sehr bei mir und mit mir zufrieden. Es war sehr wichtig Erinnerungen zurück zu bekommen. Und danach noch viel wichtiger diese einfach wieder loszulassen!!!

Alles Liebe
Laura

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Di Jun 21, 2022 7:53 am

Hallo wasserblume,

versteh wie sehr dich die Frage umtreibt. Hatte hier auch diverse treads zum Thema amnesie. :lol:
Ich glaube du weißt schon einiges von mir/ uns zu dem Thema..hoffe ist ok hier nochmal zu schreiben...

Evtl trigger
Ich habe jahrelang gelitten und sehr viel Zeit und Kraft ging drauf um Erinnerungen zu triggern, die nie kamen. Auch sehr destruktiv (zb Gewalt "Filme" schauen, mit mir selbst emdr machen und dadurch im Krankenhaus landen,weil ich vor Schmerzen mich nicht mehr bewegen konnte und neurologische ausfälle hatte...).

Die ex thera hat das nicht verstanden und nicht interessiert. Die hat ja gesagt, ich hätte alles verarbeitet, nur weil ich gesagt habe wie ich leide... (Ja unter der Amnesie...).

Die die sagen es ginge auch ohne Erinnerungen kennen auch mit Verlaub die Fachliteratur nicht.
1. Oft sind bei langen amnesien bis ins erwachsenen alter gerade frühe oder/und sehr krasse Gewalt der Grund.. es ist eben gerade kein zeichen, dass es die Psyche eben einfach so hinbekommt. Das habe ich auch Mal gehört.

2. Sitzt das Trauma ja im Körper und in der Seele. Zerstört. Ich hatte ja monatelang diese krassen schmerzen. Das war schon eine Krebs Vorstufe. Hat der Facharzt fest gestellt. also da gibt es reale Veränderungen im körper. Nicht rein psychosomatisch. Also wenn die Erinnerungen nicht raus kommen, schwelen sie im Körper, machen Entzündungen machen sucht, machen Depressionen.. die Amnesie hat einen extrem hohen Preis. Es ist keine gute Alternative.

3. Ich hatte all die Jahre das Gefühl, ich komme nicht weiter. Alle leben und ich vegetiere. Ich wollte nie leben, also eine Seite in mir. Im Beruf konnte ich zum Glück immer gut durch kommen, aber Beziehung etc. ging selten gut... dieses leblos sein und nicht leben ist ganz schlimm. Eine gute Freundin aus einer shg erlebt das sehr ähnlich... Habe mehr sorge sie bringt sich um weil sie bis heute keine Erinnerungen hat als um mich...

Und die Erinnerungen sind der Horror (du hast leider keinerlei Ahnung wie es ist..wie könnte man auch. ich hatte mir alles vorgestellt aber das nicht...) aber jetzt hat es wenigstens die Chance besser zu werden. Das gab es damals nicht. Das war nur eingefroren sein...das war alles, aber kein Friede und glück.
Denn wie sollte es das geben, wenn traumatisierte Anteile/Ego states etc in einem sind, die leiden...über kurz oder lang zeigen die sich. Zb durch Krankheiten...

Ich bin sehr gespannt wie du das siehst wenn Erinnerungen kommen.
Hast du denn gar keine? Also keine Bilder? Gefühle? Stimmen von deinen Eltern?
Was sagt die thera dazu? Wie wollt ihr daran arbeiten?

Und ja ich bin total bei dir. Die Herkunft fehlt. Die Identität. Wer man ist. Ich wusste nie, wer ich bin und am Ende war bzw bin ich ja auch viel mehr als ich ahnte. Was, so weh das alles tut, auch ein Gewinn ist.

Drück dir die Daumen wegen der Therapie.

Eli

wasserblume

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von wasserblume » Di Jun 28, 2022 6:01 pm

Hallo ihr zwei, danke für eure Antworten. Sie haben mir schon geholfen.
Komme jetzt erst zum schreiben, habe Corona, neuer (doofer) Job...

@Laura, also du hast Tiefenhypnose gemacht? Krass. Darf ich fragen- war das dann das, was deine Erinnerungen freigesetzt hat? oder etwas anderes zuvor? Oder eine Mischung....? Bei mir war es so, dass die ersten Erinnerungen durch eigene Meditation hervorkamen. Also vermutlich nicht ganz unähnlich einer Selbsthypnose... bin seitdem extrem vorsichtig geworden damit.
Ja, so wie du es anfangs beschreibst habe ich es auch erlebt mit einigen Erinnerungen (die, die ich halt habe bisher). Aber auch, dass das loslassen nicht erzwungen werden kann, sondern fast organisch passiert, wenn die Seele dafür bereit ist.
Positiv ist, dass dieses Puzzleteil wohl dabei gefehlt hatte, um zu begreifen wer ich wirklich bin.
Feel you. Das ist echt der Kern. Danke, dass du das nochmal so geschrieben hast, das bestätigt mein Gefühl sehr. Das auch das Schlimme ja Teil von einem ist und Amnesie keine einfache Lösung / nicht einfach die Lösung.

@eli, ich freue mich natürlich nochmal dazu was dazu lesen ;) und oooh man, ich erkenne mich extrem in dem was du von dir beschreibst mit versuchen die Erinnerung wiederzubekommen....
*****(Ab hier könnte evtl manches triggern, setze für alle Fälle mal eine Warnung)
Zu 2. Oh man, du Arme, das klingt sehr belastend mit den Körper"symptomen". Bei mir gab es auch einen Haufen Vorzeichen, aber da ich immerhin relativ zeitig mich um alles gekümmert habe und sicher auch Glück hatte, habe ich bisher die ganz großen Dinger umschiffen können(in meinem Fall konnte ich dadurch einigem entgegen wirken, geht natürlich nicht bei allen, ist klar).
3. Oh gott , das trifft es wirklich auf den Punkt. Ich meinte letztens zu einer Freundin, in mir hat jemand einfach die Uhr angehalten, aber im außen halt nicht.
Und doch, ich habe Erinnerungen.

(***immer noch triggerwarnung*** !! familiärer MB)
Es gab eine Reihe von MB Erfahrungen durch den Bruder, weiß nicht wie viele. Die Erinnerungen daran sind vor 10 Jahren hochgekommen. Daher kann ich es auch einschätzen- wie es sich anfühlt, wenn was integriert ist... leider habe ich mich damit hilfesuchend an die Mu**er gewendet, immerhin wieß ich heute dadurch, dass sie Mitwisserin ist, denn sie antwortete, sie habe ja damit gerechnet, mein Vater hätte mich MB (sie ist vom Fach).... seitdem einzelne Puzzlestücke, aber die Erinnerung an de erzeuger ist komplett weg. Gibt halt Szenen, die übergriffige Atmposhäre hatte, (zB habe ich einen P*rn* den er "vergessen" hatte gefunden und er verfolgte mich und rief mich zu sich, um ihm zu sagen, was ich davon halte, da war ich etwa 10 ?). Es ist klar, dass da "die Grenzen verschwommen sind", wie es meine Thera mal ausdrückte, aber nicht klar, wie weit. Es fehlt halt der größte Teil der Erinnerung an ihn.
(***trigger ende**)

Ich habe halt das Gefühl, dadurch, dass, als vor 10 Jahren einmal Erinnerungen kamen, und es so unfassbar kacke gelaufen ist (retraumatisierung durch die Mutter, Retraumatisierung / epistemische Gewalt im Klinikkontext), sind da ganz neue Wände entstanden, die davor gar nicht sooo stark waren.
Ich meinte einmal zu meiner Thera, ich habe das Gefühl, ich hätte mir was sehr stark gebrochen und es sei einfach irgendwie zusammengewachsen, aber halt total disfunktional. Und jetzt ist es nciht mehr "kaputt", weil halt verwachsen, aber funktioniert auch nicht und sieht nicht schön aus und ich bin dadurch eingeschränkt.... stichwort, schiefe nase nach einer Prügelei ;)
Gab es denn etwas, was euch geholfen hat? Außer das berühmte, "sei gut zu dir/deinen Anteilen..."?

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Di Jun 28, 2022 9:26 pm

Hallo wasserblume,

erstmal gute Besserung.

Jetzt erinnere ich mich an teile deiner Geschichte. Krass. Klingt sehr sehr nachvollziehbar mit den neuen Wänden.
Und dass das vom Erzeuger eben ganz weg ist weil es vermutlich noch um einiges schlimmer ist und du lernen musstest dass die m**Ter eben nie hilft.. das tut mir sehr leid und klingt wirklich sehr belastend.
Hast du das vom Bruder denn irgendwie verarbeitet? Weil du von integriert schreibst..

Was mir bzw uns half hab ich glaub mal irgendwo geschrieben:

Keinerlei Kontakt zu Tätern ( deinen Eltern und Bruder)

Und eben Therapie. Die Therapeutin muss offen und vor allem mutig und angstfrei mit dem vermuteten Trauma umgehen. Es direkt und indirekt ansprechen. Zeigen und sagen dass sie aushält. Raum geben darüber zu sprechen zu malen etc.
Und um im Bild zu bleiben langsam und vorsichtig den Verband über der Verwachsung lösen die vorsichtig lockern vorsichtig zeigen dass es doch beweglich ist und wieder anders wachsen kann.

Alles liebe
Eli

Wasserblume

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Wasserblume » Mi Jun 29, 2022 1:52 pm

Hi Eli,

Naja ich weiß nicht, es fühlt sich alles nicht so schlimm an, aber war es vermutlich :lol: ich weiß halt einfach nicht, ob es da zu konkreten Handlungen kam, oder nur diese ganze Atmosphäre etc... der Vater einer Freundin hatte "nur" eine sehr narzisstische Mutter und hat als Erwachsener ganz starke Amnesien gehabt... naja die Antworten liegen in mir begraben :(
Danke dir für die Tipps. Ist irgendwie wichtig nochmal zu lesen. Die neue Thera, falls das mit der Kasse klappen sollte, ist da schon anders drauf. Kann ja auch EMDR und wir hatten auch darüber gesprochen anhand einer Erinnerung wie man das , eingebettet in die Therapie, mal so vorsichtig ausprobieren könnte.
Wir hatten ja erst 5-6 Sitzungen und von daher kann ich sie noch nicht ganz einschätzen, aber manche Formulierungen ließen schon darauf schließen, dass sie nicht nur vermeidet und stabilisiert. Manchmal hab ich schon das Gefühl, die Erinnerungsfetzen die ich "habe" fallen mir immer wieder weg, weil ich die auch nie mal klar, systematisch oder sonstwie besprochen habe. Derealisation ist so ein lebensbegleitendes Ding bei mir derzeit/seit Jahren.
Frage mich mittlerweile immer mehr, ob Verhaltenstherapie überhaupt so richtig genug Methoden mitbringt, um so komplexe Biographien /Trauma nachhaltig zu behandeln. Also die vorherige Thera. Für andere Sachen (Struktur finden, Leben, Freundschaft besprechen, Trauma verorten...) war sie gut.
Ja, das mit dem Bruder habe ich verarbeitet. Ich merke, dass es zu einer normalen, aber unschönen Erinnerung geworden ist, da flutet mich nix mehr und vor allem sind die ganzen anderen Begleiterscheinungen weg.
Ich hab zwar keine Dis, aber das war schon ein komplett abgespaltener, eigener Anteil, nicht nur eine Erinnerung an eine Situation. Das war sehr krass, weil ich dann erstmal versucht habe den wieder wegzupacken und dann gabs gar keine Kooperation mehr und im Außen keine Hilfe und dann war der plötzlich sehr lange alleine auf der Bühne, kleines 5 jähriges Kind im Leben einer Anfang 20 Jährigen... wollte nur noch Keksteig essen (hat es auch, war echt kacke für die Gesundheit), bekam sonst nichts runter. Und immer Leuten hinterherlaufen die mal nett geguckt haben, egal wie schlecht die für einen waren... Berührungen aller Art gingen gar nicht mehr, nicht mal "neutrales" wie Schultern oder Arm. Und dabei so eine Sehnsucht mal in den Arm genommen zu werden. Puh... Ja das war echt hart. Aber dieser Anteil ist mittlerweile integriert und ich merke das, dass die Widerstände nachlassen, Umarmungen dürfen sein, wenn vorher abgesprochen, Essen ist manchmal schwierig aber dann gibt's Kompromisse, etc. Eigentlich richtig krass schön hoffnungsvoll. Das ist irgendwie so nebenbei passiert.
Liebe Grüße, pass auf dich/euch auf

Aufatmende
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Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Aufatmende » Mi Jun 29, 2022 3:32 pm

Meine erste konkrete Erinnerung kam im September 1997. Dann jeweils Wellen, als mein Vater bzw. meine Mutter gestorben sind. Dann Erinnerungen an noch mehr Beteiligte.
Dann sind plötzlich Innenpersonen aufgetaucht.
Dann mehrere Täter.
Dann, dass ich selber Täterin werden musste.
Das heißt, es kommen seit 25 Jahren immer mal Erinnerungen hoch.
Ich kann immer besser damit umgehen, war nur ein einziges Mal für 3 Wochen in einer (sinnfreien) psychosomatischen Reha.
Meist ist jeweils Schlimmeres als vorher aufgetaucht.
Es hat über die Jahre Unmengen an Lebensenergie verschlungen.
Ich warne nachdrücklich und eindringlich davor, Erinnerungen zu suchen oder zu beschleunigen.
Es kommt das hoch, was für dich dran ist.
Meine beiden Schwestern haben bis heute keine Erinnerungen und leben ein nach außen hin "normales" Leben.

Ohne Traumatherapie wäre ich nicht mehr am Leben.
Mein Leben jetzt hat Tiefe und Weite und Handlungsfreiheit.
Aber es ist gerade mal wieder extrem herausfordernd.
Rückfälle sind Vorfälle!

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Mi Jun 29, 2022 5:33 pm

@aufatmende:

Ich finde es gerade total faszinierend wie unterschiedlich das ist....
Also was du schreibst aufatmende. Und wie das bei mir war..
Beweist wie unterschiedlich mit Erfahrungen umgegangen wird je nachdem wie es irgendwie für die Seele am besten ist. Wie die Umstände sind.
Und am Ende sind so grundlegende Prozesse vermutlich gleich bzw ähnlich (zb das was aushtbar ist kommt hoch, vom "einfacheren"(!) zum schlimmeren etc...)
Und schließe mich an: nichts selbst forcieren. Mir sagte Mal ne Therapeutin das kann in Suizid oder Psychose(???) münden..

@wasserblume: ja das Gefühl ist abgespalten denke ich. Deshalb siehst du es als nicht schlimm an. Hatte ich auch jahrelang.
Meine Meinung ist dass es nicht nur die Atmosphäre ist..aber das wirst du erfahren wenn es auszuhalten ist und möchte auch nichts suggerieren..ich kenn dich nicht und bin eine fremde. Habe einfach schon rinige Biografien gehört...
Das mit dem keksteig etc klingt krass. Mehr wenn du magst per PN.
Freu mich so für dich mit der thera. Dass sie keine Angst hat. Finde ich ganz wichtig. Das spürt dein innen. Und ich kann mir gut vorstellen dass was kommt wenn klar ist die Kasse zahlt ...

Und freut mich auch mit den Fortschritten. Toll wie du das quasi allein geschafft hast.

Alles liebe
Eli

Aufatmende
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Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Aufatmende » Mi Jun 29, 2022 8:22 pm

Meine Thera ist Verhaltenstherapeutin.
In den 14 Jahren, in denen ich sie kenne (aber natürlich nicht durchgängig Therapie hatte), sind ihr die Werkzeuge nicht ausgegangen und sie hat praktisch nach jeder Sitzung mindestens eine Mail bekommen und meistens beantwortet.
Es kommt halt darauf an, ob man auf seinem Wissensstand stehenbleibt oder ob man Fortbildungen und Supervision macht.
Rückfälle sind Vorfälle!

Wasserblume

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Wasserblume » Mi Jun 29, 2022 10:10 pm

Hallo ihr beiden. Antworte euch bald liege grad mit corona Schädel im Kopf und kann nicht mehr auf einen Bildschirm schauen. Hoffe ihr seid / bleibt gesund. Viele Grüße

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Do Jun 30, 2022 12:05 pm

Gute Besserung dir!! Wünsche dir schnell gesund zu werden und gute Hilfe zu haben.
Eli

Wasserblume

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Wasserblume » Fr Jul 01, 2022 8:06 pm

Danke liebe Eli. Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf... immerhin jetzt mal ein Job, wo ich weiter bezahlt werde mit Krankschreibung...

Hallo Aufatmende, danke für den Beitrag und Erfahrungen.
Erinnerungen hochzuzerren die nicht reif sind ist sicher total destabilisierend. Allerdings hab ich bei mir zB das Gefühl, dass wie gesagt durch den Lauf der Dinge auch so einfach nix mehr kommen will und es tut sich auch so nichts. Meine Lebensqualität wird nicht besser, weil ich total im Leeren treibe, alles mögliche selbst sabotiere und nicht verstehe warum, nicht weiß wer ich bin etc. Es kommen aber auch keine neuen Erinnerungen, weil mein ErwachsenenIch nicht ankommt, sich die ganze Zeit wie eine Untote im Leben durchschleppt und diesen flucht/Camouflage Mofädus nicht ablegen kann. Wie ein Karen der mit Schwung in die Grube gefahren wurde und jetzt seit Jahren weder vor noch zurück fährt. Ich für meinen Teil vertraue da jetzt mittlerweile auf mein Gefühl, dass ich nicht einfach nur weiter abwarten muss, bis Erinnerungen kommen, aber will auch sicher kein Hypnose oder so machen, sondern hab mir deswegen zB jetzt nochmal eine andere Therapeutin gesucht. Irgendwie hab ich grad das Gefühl, dass alle Anteile warten, dass der jeweils andere Anteil was macht, und jetzt mach ich als Große halt mal was und versuche bessere Bedingungen zu erzeugen und das Gefühl zu vermitteln, das alles was raus will willkommen ist. Das Gefühl ist zB oft nicht so da, glaube ich.
Fand die Tipps von Eli auch gut, kein Täterkontakt ist zB bei mir grade nämlich leider nicht der Fall (Mails..), aber nehme das jetzt nochmal ernster (sofern ich da nen Ausweg finde).
Das mit der VT Thera fand ich sehr interessant und bestätigt mein Gefühl, dass meine alte Thera am Ende einfach unmotiviert/ausgebrannt war... sie hat sich nach meinem Gefühl gar nicht mehr weiter gebildet und meinte mal gegen Ende zu mir, ich würde ja mehr über Trauma wissen als sie. Das ist schon schwer zu verarbeiten, bei der ersten thera mit der man richtig geklickt hat und jahrelang zusammen gearbeitet. Aber sind im Endeffekt auch nur Menschen, die an ihrem Beruf oder sich zweifeln, plötzlich lieber Pferdehirtin wären oder so. Sie meinte auch zu mir, es solle ja keine Lebensbegleitung werden, deswegen müssten wir das mal zu einem Ende bringen. Das fand ich schon sehr verletzend nach 7 Jahren. Wieder so dieses, ich bin zu langsam, es geht nicht schnell genug, ... schade, dass sie da so aus der Rolle fallen musste, die ersten Jahre waren nämlich lebensverändert bei ihr.
Dass sich mit dem Tod von Personen aus dem damaligen Umfeld oft innerlich einiges bewegt, habe ich schon öfter gehört, das bleibt bei mir noch zu hoffen... aber vermutlich emotional in alle Richtungen.

@eli, ja hast recht, es ist vermutlich emotional abgespalten. Oder liegt woanders. Gibt bei mir oft so Verschiebungseffekte, dass dann was ganz anderes ganz schlimm ist, was eigentlich total die Lapalie ist, und dann denk ich mir, moment, das Gefühl gehört eigentlich woanders hin... :|
Würde dir gern ne pn schreiben, aber weiß nicht wie, ich hab auch selbst gar keinen festen Account hier...
Thera2 wurde grade bewilligt: 12 Stunden :lol: :lol: :lol: :lol: ist das deren ernst? Das ist doch höchstens ne gründliche Beratung. Thera2 hat mich schon angerufen und vorgewarnt, die Gutachterin wollte Informationen zu der vorausgegangenen Therapie und das wusste sie nicht, d.h. wenn ich aus Corona endlich raus bin müssen wir erstmal den Antrag neu formulieren. Naja. Mittlerweile hab ich da irgendwie echt ein dickes Fell.
Danke Eli, zum letzten Satz, aber auch wenn toll ist - alleine schaffen sollte eigentlich nicht sein müssen, wenn man früher zu viel alleine schaffen musste. Für mich wäre es wichtig gewesen, die richtige Hilfe zu bekommen. Hat nachträglich einiges vernarbt, obendrauf, auf die Ursprungserfahrung.
Liebe Grüße an euch beide. Bleibt gesund.

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Sa Jul 02, 2022 8:56 am

Hallo wasserblume

freut mich dass der job etwas sicherheit bringt. das hilft dann schon in eh schon so blöden zeiten.

das Bild mit karren in der Grube und dem Gefühl zu sabotieren nicht zu verstehen, nicht zu wissen, wer man ist, das klingt sehr traurig für mich. Sehr hoffnunglos. Finde mich in einigem davon wieder.
Der Tenor meiner Ex Thera war auch neben: ich hätte ja schon so viel verarbeitet, dass es hoch käme , man müsse "einfach abwarten" (was sich ja auch etwas widerspricht.) Puuh dann wüsste ich heute noch nichts, oder wäre evtl schon t*t. Aber das ist totaler Quatsch irgendwie so eine häufige Annahme von Analytikerin, die sich mit Trauma nicht auskennen. Das ist wie über ein KInd zu sagen: Man müsse es nicht erziehen, das käme mit der Zeit alles. Man muss die Voraussetzungen schaffen damit sich total traumatisierte verängstigte Anteiile raus trauen, vertrauen fassen können. Und das passiert nicht wenn die andere Person null Ahnung und auch kein Interesse hat.

Das mit der alten Thera tut mir sehr leid. Das klingt alles sehr verletzend von wegen Lebensbegleitung etc. ein Armutszeugnis. Wenn sie wenigsten sagen würden (wie meine Ex Thera): Ich habe keine Ahnung von. Gehen sie woanders hin. Aber so wird wieder vermittelt man selbst sei eben sch...nunja das kennen wir alle. :roll: :cry:
Ich finde es genau richtig dass du als Erwachsene nun was änderst, das war ja auch bei mir entscheidend mit der neuen Thera, die vermittelt alles darf sein, und schon echt gut dass du immerhin spürst was die Anteile so denken...Mir hat eine Hypnotherapie null geholfen. von daher bin ich auch gegen hypnose. Die Thera nahm sau viel Geld für nichts. Ja sie sind auch menschen und dürfen sagen geht nicht, kann ich nicht, ABER was ich erwarte nach jahrelanger selbsterfahrung dass sie es eben sagen und einschätzen können und dann ggf sagen: nein kann ich nicht. es ist nicht ihre schuld. und nicht die eigene lebenszeit verschwenden die nie zurück kommt. die einem niemand bezahlt. ich hab ja echt auch viel gesagt ich glaub es gab da xyz und die hat das nicht interessiert, wie ein verletzter der zum arzt geht und der nichts tut. boa sorry dein tread.

find wichtig dass du diese verschiebungseffekte erkennst. sonst dreht man ja durch.. und verliert vor allem lebenszeit.
wir können nicht per pen schreiben weil du nicht angemeldet bist. sorry, das wusste ich nicht. :wink:
oh mann mist. ist das eine tp lerin und die ex thera war auch tp lerin? oder waren bzw. sind beides vt lerinnen? das könnte schwer werden wenn da keine zwei jahre pause zwischen sind. sch.. wenn sie unterschiedlich sind: die werden immer unverschämter von den kassen. sie sollen einspruch erheben, wenn sie nicht mehr als 12 stunden zahlen wollen (heisst anders, weiss nicht genau wie das heisst,) dann geht es zum obergutachter. ansonsten über den fonds?

Ich glaube das hast du vielleich missverstanden?: "zum letzten Satz, aber auch wenn toll ist - alleine schaffen sollte eigentlich nicht sein müssen, wenn man früher zu viel alleine schaffen musste. Für mich wäre es wichtig gewesen, die richtige Hilfe zu bekommen. Hat nachträglich einiges vernarbt, obendrauf, auf die Ursprungserfahrung. " Mein letzter satz bezieht sich eigentlich nur auf deine corona erkrankung

wünsche dir weiterhin gute besserung dafür und dass du bald wieder raus kannst. berichte gern wie es dir geht wenn es hilft dich weniger allein zu fühlen.

eli

Wasserblume

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Wasserblume » Mi Jul 13, 2022 8:11 pm

Hallo, puh... immer noch Corona erschöpft (und auch seelisch), aber die anderen Symptome sind weg und hoffe die Erschöpfung verzieht sich auch bald .

Ich hatte Montag einen neuen Termin bei der neuen Thera und wir haben auch über den ungünstigen Ausgang mit der letzten Thera gesprochen. Das hat ein kleines bisschen geholfen. Habe mich damit gesehen gefühlt. Habe das Gefühl, die neue Thera kann was; legt den Finger in die Wunde (wenn notwendig) bzw spricht gezielt Sachen an, arbeitet richtig mit ... uff, das kenne ich gar nicht mehr aus den letzten Jahren haha .
Ja sehe es genauso wie du es formuliert, Eli, klar sagen, wo das Ende der eigenen Kompetenzen ist, ist Teil des thera Jobs.
Die alte Thera war VT und die neue TP, also eigentlich formal gesehen günstig (war auch ein Kriterium und wollte was anderes ausprobieren) . Sie muss was nachtragen für die Gutachterin ,warum die alte Therapie nicht so viel geholfen hat , also gibt's die Chance, dass es erstmal so klappt , mit dem Nachtrag. Ansonsten Widerspruch... und sonst lass ich es halt, keine Ahnung. Fonds ist leider leer. Für 2 Jahre rumschwatzen :roll: nein, das ist übertrieben, aber das eine Jahr hätte man echt streichen können und das Geld hätte ich lieber in was schönes investiert...

Und ehm, da war ich am Ende im corona Delirium. Ich hab es richtig verstanden (glaube ich), aber nicht deutlich gemacht worauf wiederum ich mich beziehe.
Und freut mich auch mit den Fortschritten. Toll wie du das quasi allein geschafft hast.
Darauf, aus deinem Beitrag davor:)
Mir gings nur darum, dass es bei mir und glaube auch anderen auch ein altes Motiv ist, dass man das Gefühl hat, man hätte keinen Anspruch auf Hilfe oder letztlich wäre das eine Schwäche, und neben dem, dass es toll ist, dass ich das irgendwie hingekriegt habe, nochmal zu sagen, dass es aber nicht so sein sollte und nicht gut getan hat. Habe das Gefühl dafür einen hohen Preis gezahlt zu haben wie jetzt zB mit den extrem verhärteten Amnesie Wänden, weil das Innen eben mitbekommen hat, niemand hilft uns, niemand da, heute wie damals.

Momentan kommen manchmal so kleine Erinnerungsblitze, aber nicht an Trauma, sondern ganz alltägliches. Ich hatte mit der alten Thera mal darüber gesprochen, dass mit 21 quasi durch die retraumatisierung ein neuer Anteil entstanden ist der total funktional, aber ohne Gefühle und Gedächtnis ist. Und es ist immer noch so, dass sich fast alles von vor 21 wie aus dem Leben einer anderen Person anfühlt. Oder halt gar nicht präsent ist. Und wenn jetzt manchmal was kommt, so was ganz alltägliches, ist das wie ein kleines Geschenk , also wäre ich aus einem Land geflohen und hätte alles hinter mir lassen müssen und finde zufällig, völlig unerwartet, ein paar alte Sachen aus der Heimat , eine Heimat die es heute nicht mehr gibt.

Eli

Re: "Glücklich ohne Erinnerung"

Beitrag von Eli » Do Jul 14, 2022 9:29 am

Hallo liebe wasserblume

Wünsche dir gute besserung mit der Erschöpfung
Gut dass Corona erstmal Rum ist.

Im ernst ein Verfahrenswechsel ging früher immer durch. Druck dir die Daumen. Vt kann ja nicht so lang gewesen sein.
Und klagen kannst du auch. Manchmal reicht schon die Androhung einer Klage bei der KK. War bei einer bekannten so.

Schön dass es mit der thera gut war und sie so engagiert war. ich kenne das. musste auch erstmal viel über die alte sch thera reden. Das mit dem Finger in die Wunde finde ich gut. Das können die meisten tp ler 8)

Oh ähm ja auch unsere Erfahrung mit dem Fonds... Einfach schade... Man sollte viel leichter in so Fällen Geld zurück fordern können von den sch theras.. naja.. kann man halt nicht beweisen..am Ende sind sie halt gut ausgebildet und man selbst nur die dumme irre...

Ah verstehe was du meinst. Ja du hast Recht. Man sollte es nicht allein schaffen müssen und es verbraucht viel Kraft.

Das mit dem Anteil und alles fühlt sich an wie ein anderes Leben das kriegt richtig krass und traurig. Aber auch gut weil ich finde das zeigt schön dass was in Bewegung kommt... Und vielleicht ja dann auch bald mehr.
Ich wünsche es dir und dann auch wieder gar nicht. Weil es so so schrecklich ist.

Alles liebe
Eli

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