Grenzen des Forums

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Wildi
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Grenzen des Forums

Beitrag von Wildi » Sa Jul 18, 2020 11:25 am

Hallo an alle.

Mich bedrückt seit einiger Zeit etwas, und nun versuche ich, Worte dafür zu finden.

Es geht darum, dass ich hier immer wieder sehe, wie manche extrem verzweifelt sind. Und dass ich nicht helfen kann. Dass im Grunde keiner wirklich helfen kann, weil wir alle Betroffene mit begrenzten Kapazitäten sind, und weil wir die anderen ja auch gar nicht kennen.

Es macht etwas mit mir, wenn die Menschen hier Suizid ankündigen, oder wenn sie plötzlich nicht mehr da sind, nachdem es ihnen sehr schlecht ging. Es macht etwas mit mir, wenn man nur "zulesen" kann, weil keine Kommunikation gewünscht oder möglich ist.

Ich mache mir Sorgen. Ich bin bedrückt. Ich fühle mich hilflos.

Vermutlich ist das so in einem Forum. Doch gerade komme ich schwer damit zurecht und überlege, das Forum auf meine Blacklist zu setzen und es für mich zu sperren. Aber eigentlich mag ich das nicht.

Wie geht es euch denn damit?
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Mucki
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Mucki » Sa Jul 18, 2020 12:16 pm

Ja, ich schlucke auch oft, versuche mir aber dann sachlich zu sagen, dass ich eben nicht helfen kann. Die meisten hier haben Unterstützung von Partnern, Freunden, Therapeuten, Ärzten, Betreuern und Familien und alle sind in der Realität viel dichter dran als wir hier. Letztendlich hat jeder seinen eigenen Willen und daher auch seine Verantwortung mit sich selbst. Für Einzelne sind solche Äußerungen oder so ein Verhalten auch ein Versuch Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen, aber auch das ist schlimm und traurig.
Wir können hier Verständnis füreinander haben, können aus eigener Erfahrung oder beruflicher Kompetenz etwas raten, aber mehr eben nicht.

Wenn dich diese Hilflosigkeit aber mehr belastet, als dass dir das Forum eine Unterstützung ist, ist evtl. zunächst eine Pause ok? Ich würde es bedauern hier nichts mehr von dir zu lesen.

Hab ein schönes, sonniges Wochenende und sei lieb gegrüßt von
Mucki

Wildi
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Wildi » So Jul 19, 2020 8:34 am

Hallo Mucki,

ich danke dir sehr für deine Antwort. Du hast recht mit dem, was du sagst.

Was mir klar geworden ist: Letztlich ist diese Fantasie, allen helfen zu wollen (und zu können) ja auch nur getarnter Größenwahn. Insofern ist es gut und richtig, sich immer wieder mal gesundzuschrumpfen und sich seine eigenen Grenzen aufzuzeigen.
Ich versuche gerade, das zu akzeptieren und ein richtiges Maß von Abstand zu finden.

Liebe Grüße!
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Mucki
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Mucki » So Jul 19, 2020 10:47 am

"Gesundschrumpfen" gefällt mir.
Wenn ich in der Therapie die Idee hatte verantwortlich dafür zu sein, dass es z.B. einer meiner Schwestern schlecht geht oder es der Therapeutin nicht gut geht, dann hat sie manchmal etwas provokant gesagt, dass ich so eine Macht sicher nicht hätte. Aus meiner Geschichte heraus fühle ich mich schnell schuldig, wenn irgendwo eine negative Stimmung zu spüren ist oder auch wenn Leute sich streiten. Ich weiß, dass das alte Gefühle sind, kann sie dann aber oft nicht abstellen. So ähnlich geht es mir hier bei Konflikten und wenn es jemandem schlecht geht und so ist der Umgang damit ein Übungsfeld.

Mucki

lara64
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von lara64 » Mo Jul 20, 2020 12:11 pm

Hallo Wildi,

ich denke die meisten die hier schreiben, kennen deine Empfindungen und einigen geht es sicherlich immer auch einmal so wie dir gerade mit manchen Userinnen hier im Forum.

mir hilft dann oft bei mir zu bleiben und zu klären, warum und wieso triggert mich das Thema/die Situation gerade. Was hat das mit meiner Biographie oder meinem aktuellen Alltag zu tun??

Gerade so Situationen in denen Suidiale Äußerungen, ob konkreter oder versteckter, im Raum stehen, oder ob deutlich wird es geht jemanden hier psychisch wie physisch schlecht rührt an unseren eigenen Ohnmachtsgefühlen und den eigenen Ohnmachtserfahrungen. Nähe und Distanz.
Das eigene innere Kind versorgen, dem gutes Tun und in Gedanken dem anderen oder der anderen hier aus dem Forum etwas gutes Wünschen.

WEnn du in therapeutischer Begleitung bist, kannst du das ja mit reinnehmen.
Vielleicht hilft wie Mucki schon meinte eine Pause. Nicht entweder oder - sondern zugleich. Also angemeldet sein und sich Pausen erlauben. Wir retten ohnehin niemanden - das ist manchmal so unsere Phantasie. Letztlich muss sich jede und jeder selbst retten bzw. nach Hilfe schauen.

Und die meisten haben das auch im RL, und sind dort an Hilfesysteme angebunden.

Shalom - lara64

Wildi
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Wildi » Di Jul 21, 2020 9:04 am

Danke dir für deine Antwort, lara64. Und auch dir, Mucki, für das Teilen deiner Erfahrungen.

Eigentlich war es mir schon klar, aber es ist mir jetzt noch mal bewusster geworden, dass das Schwierigste ist, wenn jemand plötzlich verschwindet. Denn, ja, das triggert persönliche Traumata.
Komisch, dass man das immer irgendwie weiß, aber dann plötzlich wieder fühlt.

Konkret war es so, dass gerade in den letzten Wochen hier im Forum einiges los war und jetzt auch zwei Userinnen praktisch verschwunden sind. Eine davon hat meine pn noch gelesen, aber nicht geantwortet. (Was okay ist.) Die PN an die andere ist seit Tagen nicht abgeholt und ich mache mir einfach große Sorgen. Und ich kann nichts tun. Und ich weiß nicht, was los ist. Riesentrigger. Ausgerechnet noch zu dieser Jahreszeit, als die tatsächlichen Ereignisse in meiner Kindheit stattgefunden haben.

Okay.
Ich nehme jetzt ein weiches Tuch für meine Kleine und meine Badesachen und gehe zum Schwimmen. Das ist jetzt und hier und heute.

Mögen alle die Möglichkeit haben, sich Hilfe und Unterstützung zu holen.

Danke für den Austausch.
Wildi
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Jaffels
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Jaffels » Do Jul 23, 2020 7:11 am

Ich schreibe hier in der Hoffnung dass es für @wildi okay ist, dass ich es tue. Aber ich finde es passt hier irgendwie her, weil es der Anfang davon ist, was Wildi als bedrückend beschreibt. Das BEVOR es eskaliert und Leute vielleicht wieder verschwinden könnten.

Wieder entbrannt hier gerade eine Diskussion, wieder können wir anderen nur zuschauen und nicht direkt eingreifen. Wir - der Rest - sind keine Streitschlichter, wir sind nicht verantwortlich. Zeitgleich fühlt man sich unendlich hilflos und hofft dass es diesmal nicht wieder eskaliert.

Ich bin noch nicht lange hier und trotzdem ist es das zweite Mal dass mich sowas bedrückt. Lasst es diesmal bitte nicht eskalieren...

Ich verstehe warum meine Therapeutin vorgestern gefragt hat ob ich diese Anmeldung wirklich als hilfreich erachte. Zu viel Anonymität, zu viel gegenseitiges verletzen, denn das geschriebene Wort geht oft leichter von der Hand als das Gesprochene.

Marnie
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Marnie » Do Jul 23, 2020 7:33 am

Da kann ich dir nur recht geben. Vielleicht meinst du diesmal mich, die ich ja einen @Thread vor die Nase gesetzr bekommen habe und mich ja irgendwie dazu äußern musste, ansonsten bin ich ja der Buhmann, der ich dadurch sowieso schon bin.
Mir geht es im realen Leben anders, da gibt es keine @Threads, wo jemand vor versammelter Mannschaft vorgeführt wird, was ich übrigens sehr traurig finde, egal, wen es nun betrifft.
Im realen Leben bespreche ich Konflikte, wenn es sie mal gibt, unter vier Augen und bisher konnte immer eine Lösung gefunden werden. Hier im Forum lesen hunderte User und schauen zu, denken sich ihren Teil oder ergreifen auch Partei. Zurück bleibt der Buhmann, der es ertragen musste, dass hunderte Mensvhen zugeschaut haben.

Meine Thera hat mir schon lange vom Forum abgeraten, manches habe ich ihr schon geschildert, da hat sie nur mit dem Kopf geschüttelt. Ich werde in Zukunft sehr vorsichtig sein und ich habe ja jederzeit die Freiheit, hier wieder zu verschwinden.

Jaffels
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Jaffels » Do Jul 23, 2020 7:50 am

Jeder hat Anteile an Eskalation... mal einen Schritt zurück gehen und sich selbst zurücknehmen könnte helfen. Für alle Beteiligten, da spreche ich Niemanden speziell an. Aber diese ausfallenden kurzen Nachrichten bei denen man immer sofort weiß wer gemeint ist, das ist nicht Erwachsen. Sich immer auf kindliche Anteile herauszureden (und für mich ist es ein herausreden), damit macht man es sich einfach. Auch Kinder dürfen nicht alles sagen, ständig hetzen und mit dem Finger auf andere zeigen.

Stacheleien von allen Seiten in Threads, in denen kommentieren unerwünscht ist und dann tausend andere Threads in denen der Disput hineingetragen wird. Nehmt euch selbst raus, lasst den anderen wüten bis es ihm selbst zu blöd ist, das kann doch nicht so schwer sein etwas einfach stehen zu lassen, nicht zu reagieren.

Ich beziehe keine Stellung, sehe alle Anteile objektiv, von außen und finde sie furchtbar anstrengend.

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LunaSue
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von LunaSue » Do Jul 23, 2020 7:53 am

Jaffels hat geschrieben:
Do Jul 23, 2020 7:11 am
Ich schreibe hier in der Hoffnung dass es für @wildi okay ist, dass ich es tue. Aber ich finde es passt hier irgendwie her, weil es der Anfang davon ist, was Wildi als bedrückend beschreibt. Das BEVOR es eskaliert und Leute vielleicht wieder verschwinden könnten.

Wieder entbrannt hier gerade eine Diskussion, wieder können wir anderen nur zuschauen und nicht direkt eingreifen. Wir - der Rest - sind keine Streitschlichter, wir sind nicht verantwortlich. Zeitgleich fühlt man sich unendlich hilflos und hofft dass es diesmal nicht wieder eskaliert.

Ich bin noch nicht lange hier und trotzdem ist es das zweite Mal dass mich sowas bedrückt. Lasst es diesmal bitte nicht eskalieren...

Ich verstehe warum meine Therapeutin vorgestern gefragt hat ob ich diese Anmeldung wirklich als hilfreich erachte. Zu viel Anonymität, zu viel gegenseitiges verletzen, denn das geschriebene Wort geht oft leichter von der Hand als das Gesprochene.
Hallo Jaffels,

Das ist ein kluger Einwand deiner Thera.

Das Internet und damit eben auch Foren haben Sinn, aber auch Tücken.
Ein Psychologe hat mal in einem Interview gemeint es sei mit Karneval zu vergleichen:
Hinter der Maske/Verkleidung getarnt und anonym würden dort die Menschen über die Stränge schlagen können, ohne erkannt zu werden.
So ist das mit der Anoymität im Forum ebenfalls.
Und zwar in jede Richtung.
Nicht nur, dass jemand im Forum einen barscheren Ton anschlägt, als das im realen Leben der Fall wäre.
Auch kann jemand dies nutzen, um "lauter zu Jammern". Soll heißen sich "so extrem" zu äußern, wie das außerhalb der Anonymität undenkbar wäre.

Das kann sehr gut und wichtig sein, aber eben auch auf das Foren-Umfeld verstörend wirken.

Einen Vorteil sehe ich darin, dass man sich mehr Reaktionszeit nehmen kann bzw. das einfacher ist als im persönlichen Gespräch.
Das sollte man sich bewusst machen.

Letztlich ist es wichtig Eigenverantwortung auch zu tragen und das Zuviel an Forum zu erkennen, sich nicht in Dinge herein zu ziehen, die zu sehr belasten.

Viele Grüße
LunaSue
Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt.
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.

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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Jaffels » Do Jul 23, 2020 8:39 am

@LunaSue Unser Gespräch war umfassender als ich es hier wiedergegeben kann, das Meiste im Leben hat auch positive Seiten, auch wenn wir diese nicht immer gleich erkennen mögen. Ein Forum kann erste Anlaufstelle sein, es kann bei einem
Perspektivenwechsel helfen und vieles mehr, deshalb bin ich letztlich ja auch noch hier. Mir war es nur wichtig etwas dazu zu sagen. Anzumerken dass ein öffentlicher Disput immer auch etwas mit Anderen macht. Ich weiß was es heißt erkrankungsbedingt zu eskalieren, zu entgleiten und Beziehungen zu zerstören, deshalb ist es mir im Gesunden so wichtig das auf keinen Ebenen zuzulassen. Mir ist das wichtig, ich weiss aber auch dass das prinzipiell „mein Thema“ ist.

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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von LunaSue » Do Jul 23, 2020 9:12 am

Hallo Jaffels,

Danke, dass du das nochmal auf den Punkt bringst.

Viele Grüße
LunaSue
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Marnie
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Marnie » Do Jul 23, 2020 9:16 am

Es ist nicht immer leicht, sich herauszunehmen, gerade, wenn man selbst gemeint ist, das gebe ich zumindest für meinen Teil zu. Hat natürlich auch mit meiner eigenen Geschichte zu tun, wo ich immer schweigen musste und wenn ich dann mal mich getraut hatte, etwas zu sagen, sofort den Mund verboten bekam und auf das schlimmste verurteilt wurde.
Deswegen fällt mir einfach schweigen schwer, weil ich mich eben nicht mehr erniedrigen lassen möchte. Jeder hat ein Recht zu sprechen und sich zur Not auch zu verteidigen.

@Jaffells, da scheinst du schon weiter zu sein, aber nicht jeder ist so weit wie du!

Wildi
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Wildi » Do Jul 23, 2020 9:56 am

Hallo Jaffels,

herzlichen Dank für deine Ausführungen, über die ich mir Gedanken gemacht habe.

Ich glaube, dass jede(r) hier (mindestens) ein spezielles Thema hat, das eine entsprechende Sogwirkung auslöst. Sprich: Man kann dann schier nicht mehr loslassen. Es ist dann wie ein Zwang, in bestimmten Threads zu lesen, obwohl sie nicht guttun, helfen zu wollen, obwohl man es nicht kann, sich verteidigen zu müssen, den anderen runtermachen zu müssen etc.

Für mich habe ich gerade erkannt, dass der Sog das Alarmsignal schlechthin sein sollte. Wenn ich einen Sog spüre: Vorsicht! Das hat was mit mir zu tun. Und dann den Schritt zurücktreten, wie du es beschrieben hast.

Ich muss jetzt los und wünsche einen guten Tag!
Wildi

PS: Watch the Sog!
Watch the Sog! 8)

Jaffels
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Re: Grenzen des Forums

Beitrag von Jaffels » Do Jul 23, 2020 2:24 pm

Watch the Sog! Guter Satz, lass ich so stehen und nehme mich jetzt wieder raus! :)

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