von ElisabethM » So Okt 18, 2026 3:09 pm
Hallo zusammen,
ich lese hier erst seit Kurzem mit und würde gerne mal einen Teil meiner Geschichte teilen, weil mich das Thema momentan wieder sehr beschäftigt.
Meine Mutter wurde als Kind über Jahre von ihrem eigenen Vater sexuell und körperlich missbraucht. Meine Oma wusste davon und hat sie nicht geschützt. Trotzdem hat meine Mutter den Kontakt zu ihrem Vater später nie abgebrochen. Im Gegenteil: Sie hatte weiterhin eine starke Bindung zu ihm, hat ihn bis zu seinem Tod gepflegt und erzählt bis heute auch viele positive Dinge über ihn. Sie sagt selbst, dass sie ihn geliebt hat und bis heute deutlich mehr Wut auf ihre Mutter als auf ihren Vater empfindet.
Gleichzeitig durften wir Kinder eine ganz normale Großvater Enkel Beziehung zu ihm aufbauen. Meine älteren Geschwister haben ihn regelmäßig gesehen, Ausflüge mit ihm gemacht usw. Mein Bruder wurde als kleines Kind sogar alleine bei ihm gelassen, weil meine Mutter davon überzeugt war, dass ihr Vater keine Jungen missbrauchen würde. Wenn ich sie heute darauf anspreche, sagt sie, sie habe ihrem Vater damals klargemacht, dass er uns niemals etwas antun dürfe und sie sonst sofort den Kontakt abbrechen würde.
Meine älteren Geschwister erfuhren wohl erst nach seinem Tod durch meine Tante, was dieser Mann meiner Mutter und ihr über Jahre angetan hatte. Meine Tante war anscheinend auch diejenige, die überhaupt nicht verstehen konnte, warum meine Mutter ihre Kinder weiterhin zu ihrem ehemaligen Täter ließ.
Was die Sache für mich noch komplizierter macht: Ich selbst wurde später als Kind von meinem zehn Jahre älteren Bruder sexuell missbraucht. Er hatte von uns Geschwistern eine besonders enge Beziehung zu unserem Opa. Meine Mutter hat meinen Bruder außerdem schon als Jugendlichen immer wieder mit ihrem Vater verglichen, sowohl äußerlich als auch in seiner Art. Sie hat mir sogar erzählt, dass sie bereits während der Schwangerschaft mit meinem Bruder Angst davor hatte, dass er als Junge später einmal Kinder missbrauchen könnte.
Ich weiß natürlich, dass daraus keine einfache Ursache Wirkung Kette entsteht und dass meine Mutter nicht für die Taten meines Bruders verantwortlich ist. Trotzdem empfinde ich bis heute enorme Wut und frage mich, wie sie uns trotz ihrer eigenen Erfahrungen so wenig schützen konnte. Ich bin außerdem in einem emotional sehr kalten und teilweise vernachlässigenden Haushalt aufgewachsen und es gibt bis heute Situationen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie etwas von dem Missbrauch durch meinen Bruder mitbekommen haben müsste. Sie sagt, sie habe nichts gewusst.
Ich bin heute sehr ambivalent meiner Mutter gegenüber. Einerseits habe ich Mitgefühl für das, was sie selbst erlebt hat, andererseits bin ich sehr wütend.
Hat jemand etwas Ähnliches erlebt? Wie geht ihr mit so einer Mutter und dieser Ambivalenz heute um? Denke ich zu hart über sie?
Hallo zusammen,
ich lese hier erst seit Kurzem mit und würde gerne mal einen Teil meiner Geschichte teilen, weil mich das Thema momentan wieder sehr beschäftigt.
Meine Mutter wurde als Kind über Jahre von ihrem eigenen Vater sexuell und körperlich missbraucht. Meine Oma wusste davon und hat sie nicht geschützt. Trotzdem hat meine Mutter den Kontakt zu ihrem Vater später nie abgebrochen. Im Gegenteil: Sie hatte weiterhin eine starke Bindung zu ihm, hat ihn bis zu seinem Tod gepflegt und erzählt bis heute auch viele positive Dinge über ihn. Sie sagt selbst, dass sie ihn geliebt hat und bis heute deutlich mehr Wut auf ihre Mutter als auf ihren Vater empfindet.
Gleichzeitig durften wir Kinder eine ganz normale Großvater Enkel Beziehung zu ihm aufbauen. Meine älteren Geschwister haben ihn regelmäßig gesehen, Ausflüge mit ihm gemacht usw. Mein Bruder wurde als kleines Kind sogar alleine bei ihm gelassen, weil meine Mutter davon überzeugt war, dass ihr Vater keine Jungen missbrauchen würde. Wenn ich sie heute darauf anspreche, sagt sie, sie habe ihrem Vater damals klargemacht, dass er uns niemals etwas antun dürfe und sie sonst sofort den Kontakt abbrechen würde.
Meine älteren Geschwister erfuhren wohl erst nach seinem Tod durch meine Tante, was dieser Mann meiner Mutter und ihr über Jahre angetan hatte. Meine Tante war anscheinend auch diejenige, die überhaupt nicht verstehen konnte, warum meine Mutter ihre Kinder weiterhin zu ihrem ehemaligen Täter ließ.
Was die Sache für mich noch komplizierter macht: Ich selbst wurde später als Kind von meinem zehn Jahre älteren Bruder sexuell missbraucht. Er hatte von uns Geschwistern eine besonders enge Beziehung zu unserem Opa. Meine Mutter hat meinen Bruder außerdem schon als Jugendlichen immer wieder mit ihrem Vater verglichen, sowohl äußerlich als auch in seiner Art. Sie hat mir sogar erzählt, dass sie bereits während der Schwangerschaft mit meinem Bruder Angst davor hatte, dass er als Junge später einmal Kinder missbrauchen könnte.
Ich weiß natürlich, dass daraus keine einfache Ursache Wirkung Kette entsteht und dass meine Mutter nicht für die Taten meines Bruders verantwortlich ist. Trotzdem empfinde ich bis heute enorme Wut und frage mich, wie sie uns trotz ihrer eigenen Erfahrungen so wenig schützen konnte. Ich bin außerdem in einem emotional sehr kalten und teilweise vernachlässigenden Haushalt aufgewachsen und es gibt bis heute Situationen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie etwas von dem Missbrauch durch meinen Bruder mitbekommen haben müsste. Sie sagt, sie habe nichts gewusst.
Ich bin heute sehr ambivalent meiner Mutter gegenüber. Einerseits habe ich Mitgefühl für das, was sie selbst erlebt hat, andererseits bin ich sehr wütend.
Hat jemand etwas Ähnliches erlebt? Wie geht ihr mit so einer Mutter und dieser Ambivalenz heute um? Denke ich zu hart über sie?