Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

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Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Laraaa » So Jul 19, 2020 9:38 pm

Danke nochmal für euer ganzes Feedback!

@Dorie:
Ja, mach das nicht unbedingt alleine. Ich habe das zusammen mit meiner Beratung gemacht. Finde ich auch gut. Ich mache Mitte August seit 5 Jahren Konfrontation, mit der Vergangenheit. Mache auch immer wieder die Erfahrung, wenn ich nicht die erste Situation finde, dann hackt es noch. Oder auch wenn es mit anderen Dingen gekoppelt ist. Weinen war bei mir aber nur mein Verbot, an nichts anderes gekoppelt.
Ja das ist interessant, meine Thera arbeitet da ganz ähnlich, komme damit auch echt gut zurecht. Ich habe nächstes we noch einen sehr wichtigen Termin im außen, dafür muss ich gerade noch viel vorbereiten. Aber danach werde ich das Thema angehen und hier gerne berichten wenn es andere auch interessiert. Ich finde das mit dem "Erlauben" in der Kindheitssituation von früher sehr vielversprechend, weil da einfach irre viel Resonanz kommt. Das ist bei mir immer ein gutes Zeichen.

@Jaffels:
Nein kein Körperkontakt, keine Berührungen oder Umarmungen. Das ist auch auch nicht schlimm, man kommt sich nicht ausgeliefert oder angestarrt vor! Man hat ja auch eine Art Beziehung auf professioneller Ebene von daher ist der erste Schritt wirklich, es sich zu erlauben. Der Rest kommt dann schon von alleine :)
Danke für deine Erfahrungen, das macht mir total Mut!!

@Lindsey:
Echt interessant, dass du da so einen Schalter umlegen konntest. Zur möglichen Reaktion vom Thera: Ich denke das kommt tatsächlich sehr auf den Patienten bzw. auch die Bindung zum/zur Thera an. Bei mir war es eben zb eine sehr wertvolle und wichtige Erfahrung, dass die Thera damals geweint hatte. Um selbst zu spüren, was das im Gegenüber auslösen kann, was ich nicht spüre. Da ging es aber zb auch um den Suizidversuch und meine Kinder (die ja noch sehr klein sind...). Ich war damals so in meinem Film von wegen "scheisse dass es nicht geklappt hat". Meine Thera sagte sie ist so froh, dass ich noch da bin und was es eben für die Kinder bedeutet. Dass da ein Teil von ihnen fehlt wenn die Mama so früh weg ist. Also da war es glaube ich echt wichtig, mich diese Emotionen spüren zu lassen. Aber auch im Zusammenhang von Traumainhalt (nicht persönlich erzählt, sondern zuvor per Email geschrieben) waren mal Tränen bei ihr da. Und auch da fand ich es heilsam und nicht belastend. Es hat mir einen kleinen Zugang zu den Emotionen ermöglicht. Wobei man auch dazu sagen muss, dass sie da nie tränenüberstömt oder aufgelöst vor mir saß, sondern eben einfach sehr sehr tief berührt. Ich kann deine Sicht darauf also schon verstehen, mir persönlich geht es damit aber etwas anders.
Irgendwann habe ich das auch wirklich aufgeschrieben. Im Sinne von "ich erlaube mir meine Emotionen loszulassen. Ich lasse alles zu, was kommen möchte. Alles darf kommen. Ich werde dadurch nicht sterben. Ich erlaube mir alles zu fühlen und anzunehmen. Wenn ich alles gefühlt und angenommen habe, dann darf ich das Trauma loslassen. Liebevoll lasse ich jeden Tag ein Stückchen meiner Vergangenheit und meines Traumas los. Ich erhebe mich über die Ängste und Begrenzungen meines Traumas und Erschaffe mein Leben neu. Ich darf frei sein. Mein Ziel ist ein Leben ohne Trauma."
Danke für die Zeilen, das ist wirklich ein schöner Vorsatz. Ich werde sowas mal für mich selbst schreiben und wurde da eben sehr inspiriert :wink:

Es "beruhigt" mich auch fast, dass da eben auch bei dir ein längerer Prozess dieser Erlaubnis vorangegangen ist. Ich bin mal gespannt, was ich damit anfangen werde.

Danke auch dir Silberlicht und Coralina!

Laraaa

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Anonym83 » So Jul 19, 2020 9:14 pm

Ja Exposition ist hart...aber ich glaube, dass viele das nicht so können wie du es machst mit den Briefen. Aus verschiedenen Gründen.
Und da gibt es viel Forschung zu also es wird jetzt kein Quatsch sein, was man da macht.
Und es gibt ja eben Mittel, damit es aushaltbar wird z.B. Skills oder Distanzierungstechniken wie Innerer Beobachter.
Ich finde das jetzt glaube ich nicht anstrengender als das was du durchlebst.
Deine Methode geht vermutlich schneller, aber die Frage ist ob die bei jedem so funktioniert ... und die macht ja auch kaum jemand. Zumindest habe ich noch nie etwas zu gelesen.
Anonym83

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von lindsey » So Jul 19, 2020 8:33 pm

Ja aber ich muss ja nicht durch die Erinnerungen des Traumas gehen. Die Emotionen sind gesondert gespeichert worden und können ohne "Konfrontation" oder "Traumaexploration" raus gelassen werden. Und wenn die Emotionen aus ihrer Erstarrung gelöst sind, kann das Trauma integriert werden.

Ich würde auch am Rad drehen, wenn ständig auf dem Trauma rumgeritten werden würde. Das was mir damals passiert ist, ist im Gespräch mit den Theras nicht relevant. Wenn neue Erinnerungen kommen, dann spreche ich die an, wenn mir danach ist. Aber Exploration oder gar Exposition puuuuhhh nee danke! Kommt ja ner Art Selbstverletzung gleich...

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Silberlicht » So Jul 19, 2020 8:25 pm

Das macht mich nachdenklich:
Wenn PatientInnen durch das Sprechen über traumatische Erfahrungen massiv unter Druck geraten, so dass einige Stunden oder auch unmittelbar danach Symptome entstehen wieSchneidedruck, Alkohol-und Medikamentenabusus, Intrusion, Flashbacks oder abendliche Erregungszustände, ist dies ein Hinweis darauf, dass traumatische Erfahrungen dissoziiert gespeichert wurden. In diesem Fall ist eine vertiefende Traumaexploration- oder gar Exposition kontraindiziert.
Reddemann 2015

Seufz, es ist nicht leicht.

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Coralina » So Jul 19, 2020 7:50 pm

Mich betrifft dieses Thema auch...ich lese hier mit zurzeit.
Vielleicht schreibe ich auch mal etwas dazu.

Bis dahin wollte ich liebe Grüße hier lassen :-)

Coralina

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von lindsey » So Jul 19, 2020 7:41 pm

Gute Frage wie man zu diesem Einverständnis kommt... Klingt es jetzt blöd, wenn ich mit mir selbst innerlich ganze Plenarsitzungen und Abhandlungen geführt habe? Glaube das trifft es am besten. Ich habe das innerlich mit mir selbst besprochen, habe viel geschrieben und die Erkenntnis ist immer mehr gereift. Ich hatte auch das Buch "Sprache ohne Worte" von Levine gelesen. Und fachlich ist es nun Mal einfach so. Man kann ein Leben lang in Gesprächen das Trauma hoch und runter rezitieren und auseinander pflücken. wenn man nicht ins Fühlen kommt, dann kann man sich in der Zeit auch besser mit was anderem beschäftigen.

Irgendwann habe ich das auch wirklich aufgeschrieben. Im Sinne von "ich erlaube mir meine Emotionen loszulassen. Ich lasse alles zu, was kommen möchte. Alles darf kommen. Ich werde dadurch nicht sterben. Ich erlaube mir alles zu fühlen und anzunehmen. Wenn ich alles gefühlt und angenommen habe, dann darf ich das Trauma loslassen. Liebevoll lasse ich jeden Tag ein Stückchen meiner Vergangenheit und meines Traumas los. Ich erhebe mich über die Ängste und Begrenzungen meines Traumas und Erschaffe mein Leben neu. Ich darf frei sein. Mein Ziel ist ein Leben ohne Trauma."

Seither gehen die Schleusen immer wieder auf. Seither spüre ich auch den Druck an diversen Stellen im Körper. Aktuell unterdrücke ich bspw. Emotionen, die mir im Hals die Lufts abschnüren. Zulassen bedeutet ja nicht vollständigen Kontrollverlust. Ich kann nach wie vor Dinge unterdrücken. Nur lösen sich momentan einfach Dinge aus der Tiefe, die dann eben raus müssen. Wenn man das dann nicht rauslässt, dann geht es einem sukzessive schlechter. Es ist also ratsam den Druck abzubauen. Nur hab ich da heute keinen Bock drauf. 🙄

Das innere Einverständnis an sich fühlt sich unglaublich stark an. Ich ziehe viel Stärke aus dem Gedanken, dass ich mein Leben nun neu erschaffe und selbst gestalte. Die Emotionen dagegen fühlen sich, wenn sie zugelassen werden, teilweise so schlimm an, dass es einen gefühlt innerlich in Stücke reisst. Danach ist der Druck weg und das ist grandios. Der nächste Tag ist voller Lebensenergie und einem Gefühl von Lebendigkeit. Ein Kontrast dazu, wenn man ein Leben lang innerlich "getötet" gewesen ist und sich selbst nicht gespürt hat.

Viele Traumatisierte Menschen haben das Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität. Das ist durchaus angeboren, da das Merkmal von 20% der Säugetiere getragen wird und evolutionär ein Selektionsvorteil gewesen ist. HSPs sind vulnerabler als "normale" Menschen, da sie Reize deutlich weniger filtern. Damit werden sie leichter zum "Opfer". Es gibt auch Vermutungen, dass schwere frühkindliche Traumata zu Persönlichkeitsausprägungen führen können, die HSP sehr ähnlich sind. Ist noch nicht vollständig erforscht. Eine Besonderheit ist es, dass man sehr empfindsam ist was die Gefühle und Emotionen anderer betrifft und dabei mitschwingt. Das ist also durchaus sehr normal. Abgrenzung ist das Schlüsselwort.

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Silberlicht » So Jul 19, 2020 7:11 pm

Spannendes Thema.

Ich gehöre auch zu denen, die in mühlseliger Kleinstarbeit ihre Gefühle "wiedergefunden" haben. Mir hatte in der Zeit Focusing sehr geholfen, meine Gefühle zu benennen, auch den Körperbereich, in dem ich meine Gefühle spüre.

Meine Gefühle sind je nach Anteil unterschiedlich stark ausgeprägt und während Kleinstkinder-Anteil in Todesstarre gar keine Gefühle mehr zu haben scheint, könnte ein anderer Anteil diese durchaus mehr oder weniger angemessen ausdrücken. In ein und demselben Atemzug könnte ich michdabei gleizeitig über- und unterfordern. Es wird nicht leichter, wenn man "alle" mitnehmen will.

Wie kommt man zu dem inneren Einverständnis, dieser inneren Erlaubnis?
Wie fühlt sich das an?

Fast schon widersprüchlich: während ich meine eigenen Gefühe kaum wahrnehmen konnte, mich also selbst vor dem Schmerz, der Trauer, der Wut.... schützen wollte, hatte ich gar keine Schwierigkeiten damit, mit anderen Menschen mitzuschwingen.
Je mehr ich jetzt bei mir sein kann, meine Gefühle selbst für mich wahrnehmen und benennen kann, desto mehr habe ich das Bedürfnis nicht mehr um jeden Preis bei Dritten mitzuschwingen. Es scheint mir fast, dass die Fähigkeit, sich gesund abzugrenzen, mit dem Sich-Selbst-Fühlen-(und-Annehmen)-Können wachsen möchte. (sorry, falls oT)

Was die Aufgaben und Kommunikationsmöglichkeiten der TherapeutInnen angeht - da bin ich ganz bei Lindsey!

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von lindsey » Sa Jul 18, 2020 11:13 pm

Hey Laraaa,

Ich habe heute morgen erst mit dem Körperthera gesprochen und er meint auch, dass der Zeitpunkt an dem ich Emotionen zulassen konnte, deutlich zu spüren war. Und das hing eben zentral mit dem "mir selbst erlauben" zusammen. Ich habe nichts zu verlieren. Ich weiss, dass der Weg zur Heilung, durch den Sturm geht. Ich kann dadurch nicht sterben, egal wie sehr es weh tut. Es wird mich nicht umbringen. Es kann aber Dinge lösen und Druck abbauen. Und dann lernt man das zu Steuern. Ich will das nicht über Jahre und Jahrzehnte ziehen. Ich will es eben JETZT zulassen, weil der Raum dazu da ist. Und plötzlich ging es...

Im anderen Umfeld von Gestalttherapie/ Hypnosetherapie ist es auch wirklich bereichernd! Dort habe ich häufiger bitterlich geweint. Und das ist nicht selbstverständlich für mich! Der Thera ist sehr empathisch. In Situationen, wo ich total aufgelöst gewesen bin, war er sehr aufgeräumt. Sehr ruhig. Hat sich das erstmal angesehen und mir den Raum gegeben das Problem zu benennen und meine Gefühle raus zu lassen. Hat ein paar Mal nachgefragt, um Dinge besser zu verstehen. Total angenehm. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass alles was kommt eben den Raum hat und angenommen wird.
ABER: Er ist nicht mit mir mitgeschwungen in einem Sinn von "mitleiden" bspw. so dass ich ihm das "Leid" extrem im Gesicht ansehen kann. Die Art, in der er mit mir in so einer Situation spricht, ist sehr ruhig und erdend. Ich habe immer das Gefühl, dass da ein "Anker" vor mir sitzt. Und dann hilft er mir dabei, mich zu sortieren und Wege zu finden, mit denen ich wieder einen klaren Kopf bekomme und im "Hier und Jetzt" ankomme.

Würde ein Therapeut mit Tränen in den Augen vor mir sitzen, dann wäre ich zutiefst verstört!!!!! Es würde mich vollkommen aus dem Konzept bringen und auf der Stelle dazu führen, dass ich "erstarre". Ich würde meinen Anker der Sicherheit verlieren und in dem Moment auf der Stelle aufhören meinen Emotionen Raum zu geben. Ich möchte nicht "Katastrophen" damit auslösen, was ich erzähle und fühle. Der normale Gegenüber kommt mit solchen Geschichten schwer klar, so dass ich viel distanziert er und abgeschwächter Dinge thematisiere. Ich erwarte von einem Thera, dass er sich zusammenreißt und mich damit nicht verunsichert und mich in Passivität und Erstarrung zwingt. Ist aber nur meine bescheidene Meinung und meine aktuelle Erkenntnis. Ich darf sein, wie ich bin und wenn ich Mal am Rad drehe, dann wird das angenommen und ich werde wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Alles andere würde mich nicht voran bringen! Ich glaube mein Thera ist echt gut! Er hat seine eigenen Traumata aber auch Mal selbst verarbeitet, nicht wie so viele andere Theras, die mit tiefsitzenden eigenen Störungen, anderen helfen sollen!

Sorry für den langen Text

Alles Liebe
Lindsey

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Jaffels » Sa Jul 18, 2020 10:45 pm

Laraaa hat geschrieben:
Sa Jul 18, 2020 8:36 pm
Wow danke euch, das hat mir jetzt sehr weitergeholfen!

@Jaffels:

Darf ich da nochmal nachfragen: Deine weibliche Thera hat da aber dann keinen Körperkontakt oder so zu dir (Hand halten oder so)? Finde das irgendwie in der Vorstellung mit diesem großen Abstand zwischeneinander ganz komisch, aber wahrscheinlich würde ich merken, dass es gar nicht so "schlimm" ist wenn's mal vorkommt.

Und ja kann mir gut vorstellen, dass das als Mann nochmal ein Stück schwieriger ist!!
Nein kein Körperkontakt, keine Berührungen oder Umarmungen. Das ist auch auch nicht schlimm, man kommt sich nicht ausgeliefert oder angestarrt vor! Man hat ja auch eine Art Beziehung auf professioneller Ebene von daher ist der erste Schritt wirklich, es sich zu erlauben. Der Rest kommt dann schon von alleine :)

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Dorie » Sa Jul 18, 2020 9:38 pm

Laraaa hat geschrieben:
Sa Jul 18, 2020 8:36 pm
@Dorie: Danke für deine Erfahrung! Den Film muss ich mir mal ansehen, habe gerade den Trailer geguckt :) Hab ja auch einen Wauzi.

Das ist eine wahnsinnig gute Idee, an die Stelle zu gehen, wo ich mir das verboten habe. Mir fallen da gleich spontan 3 "Großanlässe" ein, wo ich sehr gerne geweint hätte, es mir aber nicht erlaubt sondern alles geschluckt habe. Bin aber sicher da gibt es noch frühere Erfahrungen dazu bzw diese "Entscheidung" nicht zu weinen muss noch früher gefallen sein. Das werde ich mir in Ruhe durchgehen, evtl sogar bei der Thera. Ich arbeite auch gerne/erfolgreich damit, in der Vorstellung Dinge aus der Vergangenheit abzuändern/umzuschreiben (Traumamaterial), also da habe ich einen guten Zugang! Da bin ich echt gespannt und verspreche mir viel davon. Danke!
Sei vorsichtig. Der Film ist große Klasse, aber diese eine Szene vorm Schluss haut um. Mich hat es Tränenmässig echt umgehauen. Gerade wenn man Hunde liebt und auch wenn es ein Happy end hat, ist es krass. Und ich habe den schon oft gesehen und jedesmal die gleiche Szene, auch wenn ich weiß was passiert. Und da weinen wieder klappt, sind da jetzt mehrere Szenen zum weinen.

Ja, mach das nicht unbedingt alleine. Ich habe das zusammen mit meiner Beratung gemacht. Finde ich auch gut. Ich mache Mitte August seit 5 Jahren Konfrontation, mit der Vergangenheit. Mache auch immer wieder die Erfahrung, wenn ich nicht die erste Situation finde, dann hackt es noch. Oder auch wenn es mit anderen Dingen gekoppelt ist. Weinen war bei mir aber nur mein Verbot, an nichts anderes gekoppelt.
Wir stärken immer erst das Kind (erste Erfahrung) und dann wirds auf die heutige Situation übertragen. Sie fragt ja jeden Termin, wie der Auftrag von mir lautet und zu dem Thema hiess mein Auftrag "Mach Mich zur Heulsuse". Genau so fühle ich mich manchmal auch,weil es wirklich gelöst ist. Aber Heulsuse ist bei mir positiv belegt.

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Laraaa » Sa Jul 18, 2020 8:36 pm

Wow danke euch, das hat mir jetzt sehr weitergeholfen!

@Jaffels: Das mit dem Rausgehen ist eine gute Idee als "Option", falls ich merke dass es (wenn es mal dazu käme :wink: ) mir zu sehr unangenehm ist. Bei mir hat die Thera tatsächlich auch schon 2-3mal geweint, während ich nur dumm da saß und etwas doof geguckt habe. Fand es aber irgendwie toll, wie sie da so authentisch und offen mit ihren Gefühlen umgehen konnte, das war Null aufgesetzt oder übertrieben sondern hat total gepasst damals. Nur ich war auch etwas überrumpelt und ehrlicherweise auch erstaunt, wie die das macht. "Einfach so" weinen, vor der Patientin, wow!

Darf ich da nochmal nachfragen: Deine weibliche Thera hat da aber dann keinen Körperkontakt oder so zu dir (Hand halten oder so)? Finde das irgendwie in der Vorstellung mit diesem großen Abstand zwischeneinander ganz komisch, aber wahrscheinlich würde ich merken, dass es gar nicht so "schlimm" ist wenn's mal vorkommt.

Und ja kann mir gut vorstellen, dass das als Mann nochmal ein Stück schwieriger ist!!

@Dorie: Danke für deine Erfahrung! Den Film muss ich mir mal ansehen, habe gerade den Trailer geguckt :) Hab ja auch einen Wauzi.

Das ist eine wahnsinnig gute Idee, an die Stelle zu gehen, wo ich mir das verboten habe. Mir fallen da gleich spontan 3 "Großanlässe" ein, wo ich sehr gerne geweint hätte, es mir aber nicht erlaubt sondern alles geschluckt habe. Bin aber sicher da gibt es noch frühere Erfahrungen dazu bzw diese "Entscheidung" nicht zu weinen muss noch früher gefallen sein. Das werde ich mir in Ruhe durchgehen, evtl sogar bei der Thera. Ich arbeite auch gerne/erfolgreich damit, in der Vorstellung Dinge aus der Vergangenheit abzuändern/umzuschreiben (Traumamaterial), also da habe ich einen guten Zugang! Da bin ich echt gespannt und verspreche mir viel davon. Danke!

@Perlentaucher: Danke auch dir für deinen Beitag, es tut einfach immer gut wenn man mit sowas nicht alleine ist! Sondern weiß es geht anderen auch so. Das mit den "Tränen hinter den Augen" kenne ich auch. Hatte auch schonmal eine minimal brüchige Stimme, aber sobald ein Wort brüchig ist stoppe ich das sprechen und gehe völlig aus der Situation. Das wäre dann wohl der "richtige" Moment um es einfach zuzulassen...

Laraaa

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Perlentaucher30 » Sa Jul 18, 2020 7:11 pm

Hallo Laraaa,
ich kann bisher auch nicht weinen bei Thera...zu Hause manchmal schon mittlerweile (v.a. wenn Kind-Anteile da sind)... Bei mir/uns ist das so, dass v.a. wohl welche von den Kleinen gerne mal bei Thera weinen würden...und es ist auch manchmal so, dass die Tränen schon hinter den Augen sind sozusagen...das ist bei uns v.a. so, wenn die Thera neben mir/uns sitzt und wir ihre Hand halten... sie hat auch schon oft gesagt, dass das o.k. ist, wenn man weint...aber ich kriege es auch noch nicht hin...verhindere das irgendwie...
Interessant ist, dass letzten Montag bei der Ergo-Thera zwei Mal Tränen kamen...die kennen wir noch nicht sooo lange und da ist irgendwie nochmal eine andere Dynamik...

Also...wie meistens, hab ich das Gefühl, dass ich jetzt nicht so weiterhelfen konnte ;), aber mag irgendwie bei dir gerne von meinen Erfahrungen berichten zu Dingen, die du beschreibst.

Liebe Grüße,
Perlentaucher

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Dorie » Sa Jul 18, 2020 6:18 pm

Hallo Laraaa

Bei mir war es so, das man mich nicht sah und oder das es den anderen ja egal war. Ich wurde trotzdem bestraft, gemobbt und oder körperlich attackiert. Irgendwann sagte ich mir, das weinen eh nichts bringt und habe mir geschworen, nie wieder zu weinen. Das funktionierte, ausser wenn meine Haustiere starben. Ansonsten ging gar nichts mehr mit weinen.
Vor 10 Jahren sagte ich das meiner 1. Thera und sie gab mir ein Film. "Antarctica, gefangen im Eis". Die letzten 15 Minuten ca, da war es vorbei, ich heulte wie ich seit Jahren nicht mehr konnte.

Vor ca 4 Jahren habe ich ein trauriges Thema verarbeitet und ich war so traurig und konnte nicht weinen. Also habe ich diese Situation gesucht, wo ich mir schwor, nie wieder zu weinen. Die musste ich angucken und im damals verändern und mir wieder erlauben. War nicht leicht, weil ich auch zugeben musste, das weinen hilft.

Seitdem ich mir das erlaube, habe ich schon viele Tränen vergossen. Vor Freude, vor Trauer, vor Berührung und wo man sonst noch weinen kann. Manchmal sogar einfach so, weil ich alleine bin, aber auch alleine sein will.

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Jaffels » Sa Jul 18, 2020 5:07 pm

Schließe mich Lindsey an!

Mein männlicher Thera hat mich gefragt wie er reagieren soll, was ich von ihm erwarte und was ich in solchen Situationen von ihm brauche. Bei ihm handhaben wir das so, dass er mich kurz allein lässt, wenn es das Gespräch zulässt. Ist vor ihm für mich nicht ganz einfach, das löst einfach in mir wieder dieses ewig unterschwellige Männlichkeits-Thema aus. Er weiß davon deswegen lässt er meinen Gefühlen Raum.

Ich habe einen Mann und eine Frau, mache zwei Therapien.

Meine weibliche Therapeutin hat einmal tatsächlich mitgeweint, das hat mich am Anfang völlig überfordert aber es war dann gut so und hat sich irgendwie stimmig angefühlt. Sie reagiert seither so, dass sie es anspricht, mir sagt dass alles okay so ist und dass sie es gut findet dass die Emotionen ein Ventil gefunden haben.

Weinen hab ich mir lange verboten... macht man nicht als Mann, habe ich als Kind schon so „gelernt“, aber es kann so vieles lösen und dann ist man wieder bereit den nächsten Schritt in der Therapie zu gehen

Re: Gefühle in Therapie rauslassen/zeigen

von Laraaa » Sa Jul 18, 2020 4:47 pm

Danke Lindsey!

Das ist echt spannend mit dem "Erlauben". Weil aktuell ist es wirklich ganz klar so, dass ich es mir verbiete. Obwohl ich es besser weiß und eben auch nicht ganz klar ist, warum ich es nicht "darf". Ich glaube ich muss das mit dem erlauben mal wirklich ganz in Ruhe und klar nach innen geben.

Darf ich noch fragen, wie dein Thera dann damit umgeht? Ist vielleicht eine blöde frage, aber kann es mir nicht so ganz vorstellen. Guckt er dich dann einfach an?

Laraaa

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