Ausgebrannte TRIGGERT

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Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Imagica » Mo Jun 17, 2019 8:27 pm

Liebe Aufatmende,

das klingt nach einem sehr schönen Abschluß :-)

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Silberfee » So Jun 16, 2019 8:17 pm

Das klingt sehr berührend.
Gut, dass die Heile so einen schönen Ort hat und nicht alleine sein muss.
Alles Gute für euch alle und vielleicht schaust du ja doch ab und zu mal vorbei : )

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » So Jun 16, 2019 5:30 pm

Vorgestern im Einschlafen tauchte die Heile noch immer auf der Kirchenbank im Keller auf. Als ich sie samt Bank an den sicheren inneren Ort transportiert habe, haben die anderen Anteile sie ein weiteres Mal sehr freundlich in Empfang genommen. Diesmal nicht nur aus der Entfernung und lächelnd. Sie haben sie vorsichtig berührt. Das hat durch den Körper mäandernde Schmerzen ausgelöst, die ich alle wieder langsam und nacheinander abschütteln musste, indem ich mich „auch“ vorsichtig berührt, gestreichelt habe bzw. am Rücken bewusst die Matratze, die Decke gespürt habe. Ich war so vollständig „bei mir“, dass ich in diesem Fall nicht aufstehen und mich besser erden musste. Offenbar hat der schwebende Anteil verhindert, dass ich die Dimension und Länge der Schmerzen vorher wahrnehmen konnte, Gott sei Dank. Von den Körpergefühlen her waren Hand- und Fußgelenke teilweise auch mit Kabelbinder oder so etwas aneinander gebunden.
Ich bin danach mit meiner Wahrnehmung und Atmung durch meinen gesamten Körper gewandert und habe die Missempfindungen „in die Matratze fließen lassen“. Schmerzen, nicht Missempfindungen, wendet die Heile ein. Ja, ich will es nicht bagatellisieren, und Hände und Füße kribbelnd wie eingeschlafen.
Die andern Innenkinder nehmen die Heile in ihre Mitte und umarmen sie wie eine gute Freundin, die man seit Jahren das erste Mal wieder persönlich sieht. Es rührt mich zu Tränen. Davon geht so viel Zusammengehörigkeit, Frieden und Liebe aus. Das bin ich. In mir ist es liebevoll und friedlich!
Ich habe euch alle lieb. Ich danke euch, dass ihr da seid. Ich bin berührt davon, wie offen, freundlich und hell der sichere innere Ort aussieht und wie er meinem realen Garten gleicht.
Inzwischen schläft die Heile. In einem Bett im Garten unter dem Sternenhimmel. Das Bett ist riesig und es schlafen noch andere Innenkinder darin. Dicht aneinander gekuschelt.

Ich hoffe, ich bin jetzt durch. Könnte sein, dass ich dann auch wieder wenig im Forum bin.

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Do Jun 13, 2019 2:47 pm

Jetzt habe ich in anderen Threads geantwortet und bin um diesen geeiert, weil ich eine Antwort ganz schön schwierig finde.
Die Kraft:
ich arbeite 20 Stunden die Woche, meist vormittags. Die Arbeit ist anstrengend, aber oft erfüllend und lebt von Beziehung, Kommunikation. Ich denke oft, ich kann etwas von dem an andere zurück geben, was ich in meinen Therapien gelernt habe. Ich kann Gefühle ausdrücken, die möglicherweise hinter seltsamen Verhaltensweisen stehen, ich kann da bleiben, wo andere es nicht aushalten können, wo der Tod in der Tür steht.
Ich bedanke mich oft gerade bei den sperrigsten inneren Anteilen, weil sie mir besonders helfen, mit sperrigen Menschen umzugehen.
Ich kann das, was in mir ist, wertschätzen.
Ich kann es mir meistens erlauben, mich mittags hinzulegen, weil ich nachts oft schlecht schlafe. Dadurch komme ich nicht in ein riesiges Schlafdefizit.
Ich treibe regelmäßig Sport, da ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, habe ich schon einen "automatischen" Sockel.
Ich habe mehrere absolut verlässliche Freundinnen, die mich ein Stück durchtragen, wenn es mir schlecht geht. Umgekehrt natürlich auch.
Ich kann im Gesellschaftsspiele Spielen, Puzzeln, Musizieren, komplett abschalten und mich einfach des Lebens freuen.
Mein Garten macht zwar viel Arbeit, ist aber ebenso eine große Ressourcenquelle.
Ich lebe in einer zwar auch anstrengenden, aber erfüllten langjährigen Partnerschaft.
Unterm Strich habe ich extrem viele Ressourcen angehäuft.
Der Mut:
In der Bibel ist ständig von Heilung die Rede, auch von Wundern. Daran glaube ich felsenfest: Heilung ist möglich. Heißt für mich konkret: vorbehaltlose Annahme meiner Lebensgeschichte. Das gelingt natürlich nicht täglich.
"Sei mutig und stark" sagt Gott zu Josua, als er ihn beruft. Meinen Mut finde ich nicht in mir selber, sondern in meinem Glauben. Deshalb mache ich auch nichts allein, sondern mit "Christus in mir". Das ist mir körperliche, geistige spürbare Gewissheit. Aber natürlich auch nicht immer und nicht immer greifbar.
Ich spüre inzwischen schon im Ansatz, wenn ich dissoziiere und stoppe augenblicklich, was ich tue und verankere mich mit möglichst alles 5 Sinnen in der Gegenwart. Wenn ich dann den zweiten, dritten, vierten Versuch gemacht habe, selbstständig etwas zu verändern und es nicht funktioniert, maile ich meiner Therapeutin und wir vereinbaren einen Termin. Schauen danach, wie viel Abstand es wohl bis zum nächsten braucht.
Das funktioniert absolut geschmeidig, weil ich sie schon 10 Jahre kenne. Sie fällt also, wenn ich komme, "mit der Tür ins Haus", weil sie meine Mails präsent hat, wie sie sich diese Details merken kann, ist mir absolut rätselhaft, sie liest so gut wie nie in der Stunde nach, auch wenn ich ihr drei, vier Din-a-4-Seiten geschickt habe. Wir arbeiten wohl extrem effizient zusammen. Sie behandelt mich absolut gleichwertig und als Expertin für mich selber. "Manchmal braucht man eben zwei Gehirne", sagte sie, als wir einmal mit vier Anteilen gleichzeitig agiert haben und es für uns beide kunstvoll war, nicht den Überblick zu verlieren. Da hilft es, dass ich immer meine Puppe, manchmal auch mehrere mitbringe oder andere Symbole für Anteile habe, das letzte Mal ein Tuch mit einer Konservendose. Es passiert dann schon gewaltig viel, wenn ich nur den Anstand zwischen mir und dem Anteil verändere.
Das heißt, ich habe immer ein Sicherheitsnetz, wobei es sehr mühsam sein kann, mehrere Wochen zu überbrücken, weil ich ja nicht ihre einzige Patientin bin.
Ich weiß aus Erfahrung, dass es mir langfristig immer besser geht, wenn ich innere Anteile erfolgreich integrieren konnte. Auch wenn es Monate dauert. Und dass die Körpersymptome und mein grundsätzlich ansteigendes Körpergewicht sonst überhand nehmen.
Der Preis, den Mut aufzubringen, mir beharrlich Zeit für mich selber zu nehmen und ständig bis an die Grenze zu gehen, was noch selbstständig möglich ist, ist langfristig am geringsten. Kurzfristig hat es mich in letzter Zeit mit einem Infekt nach dem andern aus den Schuhen gehauen. Aber auch da ziehe ich früher die Reißleine und gehe nicht mit "Kopf unter dem Arm" arbeiten.
Angst habe ich immer, wenn ich mich so weit vorwage, aber sie ist nur selten überwältigend.
Kurz gefasst würde ich jetzt sagen: "Dein Glaube hat dir geholfen."
Auch wenn das wieder so fromm klingt und einige hier abschreckt.

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von lara64 » Mi Jun 12, 2019 9:37 pm

liebe Aufatmende,
wo nimmst du die Kraft, Energie und den Mut her, das so alleine zu machen?
Wir würden das so NIEMALS hinbekommen, und hätten schlicht Angst, das auch nur ansatzweise so selber durchzustehen.
HUt ab wie du das immer wieder hinbekommst.

Shalom - lara64

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Imagica » Mo Jun 10, 2019 8:42 pm

Liebe Aufatmende,

das klingt mal wieder sehr schwer und aber auch sehr gut! Ok, brutal irgendwie auch, aber ich/wir haben schon ähnliches gemacht und es hat dann auch geholfen.

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Mo Jun 10, 2019 2:30 pm

Ich habe die Schwebende sowie die Ausgebrannte aufgeteilt in mit und ohne Hände zurück in den Keller geschafft auf eine alte, verzierte hölzerne Kirchenbank, so eine wie in meinem Heimatort stand. Mit LED-Lichterband. Ich als Erwachsene bin in den Kellerrraum getreten, dass die Teile da jetzt bleiben können und ich ihn als Erwachsene betreten kann, ist schon ein Wunder an sich.
Ich bin wirklich alle Sinneskanäle durchgegangen, habe meiner Mutter direkt in die Augen geblickt, habe ihr eine Tüte gefrorene Erbsen aus dem Gefrierschrank in den Nacken gelegt, habe ihr einen Teelöffel Sambal Olek zu essen gegeben, ihr Essigessenz unter die Nase gehalten, nichts hat ihre Salzsäulenerstarrung aufgelöst.
Zuletzt ist die Ausgebrannte ohne Hände zum Klavier gegangen und hat mit ihren Stümpfen wütend, voller Energie darauf rumgehämmert. Der reine Horrorfilm. Das hat meine Mutter aufgeweckt. Echt bizarr. Ich habe sie angeschrien und gerüttelt, dass sie jetzt gefälligst hinsehen soll, was da passiert. Laut geht das noch nicht.
Sie musste sich den ganzen Film ansehen. Sie hat erst geweint und dann, als mein Vater mir die auch noch angepisste Kartoffel in den Mund gesteckt hat, hat sie auf den Boden gekotzt.
Die drei Teile auf der Bank sind immer größer geworden und immer näher zusammengerückt. Dann haben sie sich angesehen, sich umarmt und sind zu einer verschmolzen. Diese eine Heile sagt meiner Mutter direkt ins Gesicht, dass sie ihr niemals verzeihen wird, wie sehr sie sie im Stich gelassen hat. Das kann ich gerade nicht gut aushalten, aber so ist es jetzt eben.
Ich habe noch einmal den Vorschlaghammer genommen, in Gedanken, in Zeitlupe, in normalem Tempo, ich musste sogar gedanklich auf einen Stuhl steigen, weil ich meine Mutter nicht kleiner bekam, und habe sie erschlagen. Krass anstrengend, nicht so nah dran, wie ich mit meiner Therapeutin gewesen wäre, näher habe ich mich nicht getraut. Ich hoffe, es funktioniert trotzdem.

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Sa Jun 08, 2019 11:13 pm

Danke Glitza
egalabjetzt
Löwenherz
Imagica

Wenn ich drinstecke, kommt es mir nicht so vor, dass ich etwas gut in Worte fassen kann und viele Ressourcen habe.
Dann ringe ich um Stabilität und um Kontakt mit den Anteilen und muss abwägen, ob ich noch verantwortungsvoll arbeiten kann.
Dann ringe ich darum, über die Resignation hinaus zu wachsen und bin total abhängig von meiner Therapeutin, die mich in meinem Körper in der Gegenwart verankert und wo alles sein darf, egal wie widersprüchlich und chaotisch es sich anfühlt.
Ja, es kostet immens viel Kraft, aber ich habe auch vieles, wo ich wieder Kraft schöpfen kann.
Ich habe 20 Jahre gebraucht, um so weit zu kommen. Die ruhigen Phasen werden immer länger und die Täler sind nicht mehr so tief.

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Imagica » Sa Jun 08, 2019 9:20 pm

Liebe Aufatmende,

ich habe es auch gelesen und kann mich den anderen nur anschließen. Es ist einerseits schrecklich und andererseits hast Dus aber auch zu einem schönen Abschluß gebracht. Also mit Abschluß meine ich jetzt nicht, das nun alles fertig und erledigt ist, aber dieser Teil hat einen schönen Abschluß bekommen. Ich finde, daß Du/Ihr das wirklich immer wieder richtig gut macht und hoffe, daß ich das auch mal so kann.

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Löwenherz*** » Sa Jun 08, 2019 3:32 pm

Liebe Aufatmende
Ich lese deine Schilderungen, Gedanken, Bilder immer, auch wenn es sehr schwer für mich ist,das auszuhalten. Ich habe so großen Respekt davor, wie Du dich stellst, und dass Du Worte und Bilder findest. Das gibt mir,zumindest innere, Worte...Es ist nicht Gleiches,aber Ähnliches. Da hinzuschauen, auszuhalten, davon bin ich noch Meilen entfernt. Lichtjahre.
Alles Beste für Dich und Euch
Löwenherz

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von egalabjetzt unl » Sa Jun 08, 2019 2:16 pm

liebe aufatmende,

ich habs gelesen. und bin berührt, immer und immer wieder. darüber, wie du prozesse beschreiben kannst und erlebbar machst. ich kann nur vermuten, dass das richtig harte arbeit ist, die wahrscheinlich deine kraftreserven fortlaufend an den rand ihrer kapazität bringen? es macht mir ein bisschen mut, wenn ich dich lese. weil ich eben sehe, dass es vorwärts gehen kann. danke fürs teilhaben lassen.
und nein, es ist keiner mehr hoffnungslos und verlassen. es gibt tolle ressourcen, kraftquellen in eurem leben.

liebe grüße,
egalabjetzt

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Glitza » Sa Jun 08, 2019 1:16 pm

Habs gelesen!

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Sa Jun 08, 2019 12:30 pm

jetzt kann ich mich wieder in den dunklen Keller stellen. Ich habe mich auch bewusst vom Fenster weg gedreht, die reale Dunkelheit „ankommen“ lassen und parallel den Estrich unter den Socken, die Tapete, den hölzernen Türrahmen gefühlt. Ich bin in Zeitlupe über Estrich, Fliesen, Steintreppe gelaufen, habe den hölzernen Handlauf und die Raufasertapete unter den Händen gefühlt. Oben angekommen bin ich in Gedanken den gleichen Weg aus dem Keller in meinem Elternhaus hinaus gelaufen. Das hat noch nicht so richtig funktioniert, ich glaube, das liegt daran, dass die Schwebende noch keinen „Boden unter den Füßen“ hat.
Ich bin aber im Geiste mitgelaufen!
Hast du denn überhaupt etwas von dem mitbekommen, was ich in den letzten drei Wochen musiziert, jongliert, geturnt habe?
Ein körperloses Etwas, das den Kopf nicht schütteln kann, weil keiner zu erkennen ist....
Seid ihr denn da jetzt alle weg aus dem Keller? Am sicheren inneren Ort angekommen ? Kann ich dieses Haus jetzt dem Erdboden gleich machen? Mit einer Abrissbirne und einer Maschine, die alles zu feinem Staub zermahlt?
Ja, das geht, wenn du nicht erwartest, dass wir auf einmal Eine werden. Wir sind am sicheren inneren Ort immer noch in einem grünen Raum. Aber der hat nur eine Wand und einen grünen Boden und ist ansonsten draußen.
Kann ich noch etwas Konkretes für dich tun, Schwebende?
Nein, ich gehe jetzt mit dir, eher über dir. Ich beobachte, was du tust. Essen, Schlafen, Überweisungen aufgeben, Buch lesen. Ich spüre jetzt auch deine Füße am Boden. Deine Finger auf der Tastatur. Dass dir fast die Augen zufallen, obwohl du schon eine Stunde geschlafen hast.

Die Puppe auf dem Schoß. Versuchsweise das Tuch wie eine Kopf- und Rückenbedeckung über sie gebreitet. Den „grünen Kellerraum“ mit gläsernen Seitenwänden versehen, weil es so windig draußen ist. Mich vergewissert, dass mein Vater begraben ist.
Es ist ein Geschenk für mich, dass ihr euch jetzt verbindet. Es hat mich dermaßen viel Kraft gekostet, euch beide im Blick zu behalten. Aber ich merke, wie ich so immens traurig werde, dass mir fast mein Herz zerspringt.
Ich ahnte es schon am Donnerstag, dass noch etwas fehlt, was mit meiner Mutter zu tun hat. Ich konnte es wohl nur finden, nachdem sie nun wieder zusammen sind: die Heile/ die Ausgebrannte, die Schwebende, nachdem sie sich wieder vollständig wahrnehmen können; deshalb habe ich wohl der Puppe auch vorhin Schuhe und Strümpfe ausgezogen. Sie können zupacken und weglaufen.
Ihre Mutter ist in den Kellerraum gekommen. Sie hat das Licht angemacht. Sie hat gesehen, was er tat. Sie hat sich herum gedreht, hat das Licht wieder ausgemacht und hat den Keller wieder verlassen. Wie ferngesteuert. Mit völlig erstarrten Gesichtszügen. Ohne ein einziges Wort.
Eine riesige Welle von Traurigkeit und Verzweiflung, die über mich schwappt. Aber eine lebendige Welle. Mit Trinken und Bewegen und Gänsehaut am ganzen Körper und Tränen, die auch jetzt beim Schreiben noch nicht aufhören.
Es tut mir so leid, was dir passiert ist. Du hast deine Hände verloren und deine Hoffnung verloren und deinen Körper verloren und hast das alles im Keller meines Unterbewusstseins zurück gelassen, damit ich leben konnte ohne zu verzweifeln. Damit ich es überhaupt wagen konnte, jemals im Leben wieder jemandem zu vertrauen und nicht in ständiger Angst zu leben, verlassen zu werden.
Ich bin so dankbar für meinen Mann und meine Söhne und meine Enkel und meine Gemeinde und meine Freundinnen und unser sicheres Haus und die Schönheit unseres Gartens und für meine Arbeitsstelle und für die Musik. Ich bin so dankbar, dass ich weiterleben konnte und mich entwickeln konnte trotz dieser Todesangst und abgrundtiefen Verlassenheit.
Ich danke euch, dass ihr für mich überlebt habt, auch wenn das bedeutet hat, dass ihr euch voneinander und von mir trennen musstet. Jetzt habe ich die Kraft und die Zeit, uns wieder zueinander zu bringen.

Der grüne Raum ist im Haus angekommen. Direkt neben dem Trauerraum, wo auch sonst. Die anderen Innenkinder betreten ihn einzeln. Umarmen die Heile, die jetzt von der Schwebenden wie umhüllt ist und weinen mit ihr. Wie nach der Beerdigung unseres Freundes, wo mich die Witwe hinterher in den Arm nahm und sich für etwas bedankte. Sie tragen alle etwas mit sich: ein Kartenspiel, ein Puzzle, einen Blumenstrauß, Noten, ein Familienalbum mit Fotos. Sie häufen meine Ressourcen zu einem Berg auf. Und bedanken sich beieinander, dass sie gemeinsam überlebt haben.
Es ist sehr, sehr berührend und sehr traurig.

Es wäre sehr hilfreich für mich, wenn hier jemand etwas schreiben könnte. Auch wenn es nur: "Hab's gelesen", ist.
Das hilft diesen Innenkindern zu realisieren, dass sie heute nicht hoffnunslos und verlassen sind.

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Do Jun 06, 2019 7:24 pm

Heute bin ich in eine plötzliche Lücke bei meiner Therapeutin gerutscht und habe nun auch den letzten Anteil " im Regal" so einigermaßen eingesammelt. Ich habe heute danach fast den halben Tag verschlafen. Ich hoffe, morgen kriege ich meine Arbeit geregelt....

Re: Ausgebrannte TRIGGERT

von Aufatmende » Do Mai 30, 2019 5:39 pm

Ich habe mich entschlossen, nicht zum Himmelfahrtgottesdienst zu gehen. Habe stattdessen die Puppe auf meinen Schoß genommen, eine Weile gebraucht, um mich zu vergewissern, dass mein Vater nicht mehr im Keller ist, dass die Heile – es klemmt noch beim Schreiben – Kapuzenpullover und Hose trägt, mit ihr verhandelt, dass sie die Handschuhe auszieht. Der Keller in grün und inzwischen richtig hell. Im Regal, quasi in den Einmachgläsern ein zweidimensionaler, körperloser Teil. Das, was sonst schwebt. Einige Fehlversuche, den Teil aus der Wand zu lösen, die Heile näher heran zu bringen, obwohl ich mir schon einen konkreten kleinen Fixpunkt an der Wand meines Wohnzimmers gesucht hatte. Mit den Füßen, den Händen, dem Atem geerdet, immer noch nicht genug, um dort ohne meine Therapeutin auch nur hinzusehen, geschweige denn etwas zu verändern. So habe ich mir meine Bibel genommen, den ganzen Psalm gelesen, aus dem ein Vers in der Losung stand in der Übersetzung „Bibel in gerechter Sprache“ und dachte, mich trifft der Schlag:

„Immerzu ist Gott mir gegenwärtig.
Ist Gott zu meiner Rechten, so wanke ich nicht.
Darum freut sich mein Herz. Meine Würde tanzt!
Mein Körper ist wirklich in Sicherheit.
Du überlässt mein Leben nicht dem Totenreich.
Du lässt nicht zu, dass die, die dich lieben, das Grab sehen.“

Eine leuchtend bunte Lichtgestalt hat sich rechts neben dem Regal „materialisiert“ und diesen „schwebenden“ Anteil aus der Wand gelöst. Ihn an der rechten Hand genommen und zu der Heilen geführt, ist mit ihr aus dem Keller heraus an den sicheren inneren Ort getanzt. Die Heile hat ihre Handschuhe im Keller gelassen und trägt jetzt nur noch das rosa T-Shirt zu einer neongrünen Hose. Die Schwebende hat gezeigt, dass sie sich in die Wand gerettet hat, weil die Ausgebrannte dem Tod sehr nahe war. Atemnot, Drehschwindel, aber mit dem Psalm im Rücken genug Gegengewicht, um es stecknadelkopfgroß anzusehen. Der Unterschied zwischen Dunkelheit und Schwärze. Ohnmacht?
Tränen über den gegenwärtigen Christus in mir, über die Antwort auf meine gestammelte Frage: „Gott, wo warst du?“

Ich weiß nicht, ob ich nah genug dran war, um die Körpersymptome wirklich aufzulösen. Die Schwebende ist zwar am sicheren inneren Ort, aber noch nicht „gelandet“. Aber ich kann jetzt aus dem Keller weg. Dort ist nichts mehr zu tun. Meine persönliche Himmelfahrt. Gottesbegegnung.

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