Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Antwort erstellen


Diese Frage dient dazu, das automatisierte Versenden von Formularen durch Spam-Bots zu verhindern.
Smilies
:D :) :( :o :shock: :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen:

BBCode ist eingeschaltet
[img] ist eingeschaltet
[flash] ist ausgeschaltet
[url] ist eingeschaltet
Smilies sind eingeschaltet

Die letzten Beiträge des Themas
   

Ansicht erweitern Die letzten Beiträge des Themas: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von gastacht » Mi Mai 29, 2019 10:36 pm

puuh aufatmende, das passt gerad sehr gut zu meiner heutigen thera stunde.
es berührt mich sehr.. manchmal ist es einfach so wortlos das namenlose grauen. jedes wort zu viel.. find es so schön wie du trotzdem immer wieder versuchst anzunähern. das ist ein großer schatz und ein guter weg zur heilung finde ich. da hast du dir schon sehr viel erarbeitet.
gastacht

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Mi Mai 29, 2019 11:22 am

Ich habe hier nach den Namen gesucht, die ich verteilt habe und mir ist aufgefallen, dass ich den Abschluss hier gar nicht mehr reingestellt habe. Bleibt jetzt so.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Imagica » Mo Feb 18, 2019 10:24 pm

Hallo Aufatmende,

Laras Idee finde ich super! Bei mir klappt das auch häufiger so, mit so einer Art "Vermittler", oder wenn ich einfach noch nicht genug hinsehen kann, weil ich es noch nicht aushalten kann, habe ich meine imaginierten Helfer oder echte Innenanteile, die sich dann erstmal kümmern können, so lange bis ich es selber auch richtig kann.

Ich hoffe, Du hast die Möglichkeit Dich bei der Arbeit noch ein wenig zurückzuhalten um überhaupt mal wieder richtig fit zu werden!

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von lara64unl » Mo Feb 18, 2019 10:05 pm

Hallo Aufatmende,

mir ging es ein wenig wie Imagica.

Mir ging noch durch den Kopf, ob das Drachenkind einen imaginativen Schutzbegleiter braucht. Ein Tier, ein Fabelwesen, dass vielleicht auch zwischen euch moderieren könnte. Keine Ahnung wie das bei dir ist. Hier gibt es solche Möglichkeiten immer wieder, oder es gibt ohnehin so ein Innenanteil, der so etwas übernehmen kann. Ich weiß, bei dir gibt es keine Anteile wie hier, aber doch auch Innenkinder. Ist da vielleicht eines dabei, dass so eine Aufgabe übernehmen kann. Oder doch ein Tier imaginieren.
Es gibt doch einen imaginativen Hund, vielleicht braucht das Drachenkind was in die Richtung. So ein Gedanke. Wenn das Quatsch ist, oder nicht passt, verwirf es einfach.

Ansonsten wünsche ich dir gute Rekonvaleszenz nach der langen Erkrankungszeit. Hoffe, du kannst deinem Körper nach dem Antibiotika etwas gutes tun, damit er damit besser zu Recht kommt. Und nicht gleich ganz so dolle auf der Arbeit loslegen.

Shalom - lara64

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Mo Feb 18, 2019 12:14 pm

Du hast recht. Das kommt bei ihr so rüber.
Aber momentan kann ich es nicht ändern.
Da mischt sich Resignation, dass es kein Ende nimmt, mit fehlender Energie, mich zu bewegen, weil ich von Fieber und Antibiotika noch angeschlagen bin.
Jetzt habe ich körperlich notgedrungen Pause gemacht. Aber es fühlt sich innerlich nicht nach Pause an.
Sondern maximal nach Atem holen.
Heute gehe ich wieder arbeiten. Mal sehen, wie das klappt.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Imagica » Di Feb 12, 2019 9:44 pm

Oh, die Wünsche nach echter Liebe ohne "Gegenleistung" kann ich sehr gut nachvollziehen.

Hmm, ich weiß nicht ob mir das nur so vorkommt, aber mir fällt irgendwie auf, daß Du ihr oft sagst was nicht geht, oder was auch nichts bringt. Oder daß der Drachenschwanz nur lästig ist und sie sich nichtmal vernünftig damit hinsetzen kann. Auf mich wirkt das ein bißchen abwertend. Mir ist klar, daß Du das sicher nicht so meinst! Mein Gedanke war halt nur, wenn das für mich so rüberkommt, kommt es bei ihr vielleicht auch so rüber?
Keine Ahnung ob Du damit jetzt was anfangen kannst, wenn nicht, ignorier es einfach ;-) Böse gemeint wars auf jeden Fall nicht!

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Di Feb 12, 2019 3:47 pm

Es hat einige Fehlversuche gekostet, bis es mir gelungen ist, das Drachenkind an den sicheren inneren Ort zu bekommen. Ich habe gefragt, was es denn gerne tun möchte und dabei festgestellt, dass es durchaus dabei war, wenn ich im weitesten Sinne gespielt habe. Aber das Tun ist gar nicht der Punkt, auch nicht etwas spezifisch für eine Vierjährige zu tun, sondern etwas exklusiv mit meiner Mutter zu tun.
Ich kann das so gut verstehen, wie sehr du dir das wünscht. Dir wünscht, dass Mama etwas Schönes mit dir tut, etwas, das keinen Zweck hat und wo du nicht so nebenher läufst. Etwas, wo deine Schwester nicht dabei ist und wo du nichts leisten musst. Dass sie dir ihre Liebe zeigt und nicht nur sagt und dich dabei fest umklammert. Aber selbst wenn ich mir etwas für dich nur in meinem Kopf vorstelle, kann ich aus einer bösen Mama keine liebe Mama machen.
Ich kann dir nur zeigen, dass ich heute einen lieben Ehemann habe und dass heute meine Freundinnen da sind, die mich anrufen oder whatsappen und fragen, wie es mir geht und ob sie etwas einkaufen sollen und mir ein Brot vom Markt und einen Blumenstrauß mitbringen.
Was war, ist nicht wieder gut zu machen.
Ich freue mich, dass du das Kuschelschuppenkleid wieder angezogen hast. Auch wenn es gerade ein Anzug mit Kapuze ist, wo nur ein winziges Stückchen Gesicht heraus guckt. Und Drachenpantoffeln, sogar mit Krallen. Und ein Drachenschwanz. Der nur lästig ist. Mit dem du dich nicht einmal vernünftig hinsetzen kannst.
Ich verstehe, du brauchst ganz viel Schutz und der Drachenschwanz gibt dir Stärke. Aber ein Mann oder ein Junge kannst du damit auch nicht werden. Das funktioniert genauso wenig.
Du siehst so extrem traurig aus und es ist so schwer, mit dir zu reden, wenn du keine Antwort gibst.

Sie sieht mich an mit verschleiertem Blick. Dann legt sie sich auf das Gras am sicheren inneren Ort, so, wie ich gestern lag, als ich vorsichtig meine Dehnübungen gemacht habe. Diejenigen, die ich frustriert immer wieder aufgegeben habe, weil sie so unendlich viel Energie kosten, laut meiner Physiotherapeutin aber alternativlos sind: breitbeinig auf dem Rücken liegen, vorsichtig die maximale Spreizung finden, einen Fuß aufstellen und das andere Bein abspreizen und zur Mitte zurück führen. Die Ferse dabei über den Boden schleifen, damit die Bewegung aus der Hüfte und nicht aus der Rumpfmuskulatur kommt. Je langsamer, je mehr ich dabei mein Becken fokussiere, desto schwieriger. Als ob ich nicht bei Feldenkrais und bei Pilates schon übe und übe und übe und auch langsame, sanfte, schonende Entspannung finde.
Jetzt steht sie gekrümmt auf, fasst sich zwischen die Beine und weint.

Die dritte Pause, seit ich angefangen habe zu schreiben.

Sie ist weggegangen. Bestenfalls hat sie im Garten geschaukelt. Schlimmstenfalls hat sie auf dem Boden gesessen und sich hin und her gewiegt. Sie hat gefühlt stundenlang die einzelnen Blätter aus Gänseblümchen gezupft.
Es kostet Kraft, die Schaukel wieder aus dem elterlichen Garten an den sicheren inneren Ort zu verfrachten.
Es tut so weh, dich so zu sehen. Viel mehr als mein Hals schmerzte. Es ist so schwer, nicht auf dem Sofa zu versacken und mich nur noch zu wiegen. Es ist so zermürbend, dass du es immer im Kreis darstellst. Wieder und wieder und wieder. Schon, als du so klein warst. Und immer ist da der stumme, tränenlose Schrei nach Mama. Sie hat nicht geholfen. Das kann ich nicht ändern.
Da ist viel mehr Schmerz als Wut. Da braucht es wohl diese wahrhaft klösterlichen Tage im Bett und auf dem Sofa, an denen die Nase und die Ohren so dicht sind, dass der Fernseher nur dröhnt und aus bleibt.
Du warst ein tapferes kleines Mädchen. Ich danke dir, dass du alles vergessen hast. Ich danke dir, dass du damals deine Gefühle und Tränen vergraben hast. Wie schön, dass du jetzt weinst. Weil Tränen etwas auflösen und weg spülen.

Sie sitzt in der Hocke im Garten, unter der Magnolie in voller Blüte und gräbt. Sie dreht mir den Rücken zu. Offensichtlich ist sie beschäftigt und offensichtlich ist es nicht möglich, sie zu berühren und zu trösten.
Die anderen Innenkinder liegen um den frei stehenden Magnolienbaum auf dem Rücken im Gras, mit gespreizten Beinen. Sie zeigen, dass sie schon angekommen sind. Dass sie liegen können, wie sie wollen und mich an nichts mehr hindern. Die Sonne scheint. Vogelgezwitscher und Bienen in der Luft.
Ein Postkartenfoto. Fast. Kuschelschuppengrün ist die Hoffnung.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von lara64 » Sa Feb 09, 2019 9:53 pm

hallo Aufatmende,

ich habe alle beiden Texte gelesen und mir stehen gerade die Tränen in den Augen.
Es liest sich schmerzlich schöne, schwer und leicht und so vieles zugleich an Emotionen.

Ich wünsche dir für die Kinder, vor allem für das Drachenkind, dass ihr beiden euch so annähern könnt, dass es in der Nähe-Distanz möglich bleibt im Kontakt zu bleiben, auch wenn es schwer zu sein scheint, für beide Seiten.
Dir ganz viel Mut und Kraft für die Arbeit mit dem Drachenkinde.

Shalom - lara64

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Sa Feb 09, 2019 7:14 pm

Das Drachenkind, wieder nackt, liegt im Schnee, macht einen Schneeengel, steht vorsichtig auf, macht noch einen Schneeengel bis es einen Kreis im Schnee erzeugt hat. Dann fängt es an zu husten, so wie ich jetzt huste, und kotzt in den Schnee.
Ich verstehe: es war fürchterlich kalt um dich herum und deswegen nehme ich dich gerade nicht ernst, wenn ich versuche, dich zu wärmen und dich anzuziehen. Gerade kann ich dich nur so lassen. Und wir wissen beide, was du da heraus kotzt.
Ich bin stolz auf dich, weil du das Beste daraus gemacht hast: du hast dir so etwas wie einen magischen Kreis geschaffen und die Engel sind lebendig und lichtvoll und wärmend geworden und die waren immer da. Auch wenn sie nicht mehr getan haben, als zu verhindern, dass du stirbst.

Sie schüttelt den Kopf und blickt nach oben und ich sehe ihre Seele in den Himmel steigen. Und unten bleibt nur ihre kalte Hülle. Nicht schon wieder! Nicht schon wieder etwas, was fern von Leben und Hoffnung ist!
Als unsere Kinder im Grundschulalter waren, haben wir eine Theateraufführung der Schneekönigin gesehen. Ich war froh, dass mein Sohn auf meinem Schoß saß, weil die Parallele zu meiner Mutter mich schaudern ließen. Ich war betroffen darüber, dass ich Kay nicht hätte retten können, weil ich damals im Gegensatz zu Gerda keine Tränen hatte.
Wenn ich jetzt anfange, mit dir zu reden, dass es heute nicht mehr kalt ist und ich heute Tränen habe, dann hältst du dir die Ohren zu. Ich nehme jetzt unseren Strandkorb mit zu dir in den Schnee und setze mich ganz warm eingepackt hinein. Ich bin da und warte auf dich.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Imagica » Do Feb 07, 2019 9:29 pm

Das klingt sehr schön und aber auch nach sehr viel Arbeit! Mir fallen einfach keine passenden Worte ein weil ich viel zu beeindruckt bin, also wünsche ich Dir einfach mal gute Besserung!

Liebe Grüße,
Imagica

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Do Feb 07, 2019 4:34 pm

Das Folgende habe ich so ähnlich meiner Thera nach der letzten Sitzung in der letzten Januarwoche geschrieben. Ich habe jetzt gerade mal 8 Werktage gearbeitet, mit halber Stimmkraft, und bin ab heute mit Husten, Schnupfen und fast ohne Stimme schon wieder bis Ende nächster Woche krank geschrieben, muss Antibiotikum nehmen. Es drängt sich auf, dass sich trotz aller Anstrengung die Schweigegebote somatisieren, noch in mehr Aspekten, als ich hier öffentlich schreiben kann. Damit das Seifenkind und das Drachenkind wissen, dass ich es WIRKLICH ernst meine, dass niemand mich mehr zum Schweigen bringt, schreibe ich es jetzt doch hier. Auch wenn sich das Forum unsicher anfühlt und mir vieles zu negativ ist.

und wieder eine Sitzung, nach der ich heute denke: ich hätte nicht einen Millimeter weiter ohne die Hilfe meiner Therapeutin gehen können. Ich dachte, es sei schon gut für das Seifenkind, ich hätte genug getan. Mitnichten. Es fühlt sich wie eine neue Runde an: als hätte ich vor zwei Jahren Anteile, vor allem schwebende, die sich so verdammt nah am Tod angefühlt haben, eingesammelt aus Erinnerungen, wo so vieles vereinzelt und unzugänglich war. Und jetzt sind es unerträgliche Gefühle, die weit entfernt sind von Sprache. Es scheint mir, als hätte ich gestern so einige Schleifen gedreht, bis wir uns überhaupt dem Seifenkind angenähert haben.
Das war mir egal. Ich hab' gemerkt, wie sehr du dich gemüht hast. Wie ich gerne groß und stark sein wollte und es nicht ging. Und du mich gerne bei dir haben wolltest und es auch nicht ging. Und wie viiiel besser es war, als ich auf Frau S. Schoß sitzen durfte und du beide Hände frei hattest.
Es fühlt sich jetzt nicht rund an, sondern wund. Wie etwas, das mit keiner Macht der Welt wieder gut zu machen ist.
Ich bin traurig. Du hast meine Tränen wiedergefunden. Früher sollte ich lieb sein und still.
Ja, du darfst jetzt weinen, so lange du willst. So laut du willst. Die Wütende, die heißt vielleicht doch verkehrt. Die könnte gut auch die Traurige heißen. Die kann dich bestimmt trösten oder mit dir weinen.

Ich weiß noch, wie es war, als ich die ersten Erinnerungen aufgeschrieben oder erzählt habe. Da hing oft noch Wochen eine „magische Drohung“ meines Vaters in der Luft. Jetzt ist es anders. Jetzt ist es eine große Genugtuung, dass mir niemand mehr das Maul stopft, dass ich reden kann, wann ich will und wie ich will.

Das Seifenkind schläft. Entspannt und ruhig. Aber es will noch nicht Kakaokind heißen. Das hat, glaube ich, etwas damit zu tun, dass meine Mutter uns auch mit Essen das Maul gestopft hat. Dass das eine der seltenen Formen von Zuwendung war. Ich dachte, ich muss meine Wut finden, damit ich in schwierigen Situationen besser für meine Bedürfnisse eintreten kann. Vielleicht geht es viel mehr darum, mir selber nicht mehr das Maul zu stopfen.
(In der Sitzung habe ich imaginativ mit meiner Mutter vierhändig Klavier gespielt. Weil das die einzige Möglichkeit war, sie als ein Person wahrzunehmen und nicht dissoziiert, in mehrere Teile auseinander gefallen. Da war ein Lichtwesen, voller Liebe und Wärme, das ich in Ermangelung anderer Namen nur Jesus nennen kann. Der hat ihr die Hände auf die Schultern gelegt und sie zusammengefügt.)
Imzwischen hat sich das Klavierbild verändert: auf den weißen Tasten liegt jetzt ein Stück Seife, so eins wie man es im Hotel bekommt, auf den schwarzen Tasten ein nahezu identisch großes Täfelchen Schokolade. Meine Mutter hat die „Strafe“, ein Teil zu essen und auf einem elektronischen Tablett, das auf dem Notenständer steht, eine Tat meines Vaters anzusehen mit den Folgen, die es für mich hatte, die sie gehört oder gebilligt hat. Das fühlt sich gerecht an. Angemessen. Auch für das Seifenkind. Es wird eine Ewigkeit dauern, bis alle Tasten leer gegessen sind.
Das Drachenkind spielt Plastiktrompete, laut und fordernd. Ich ahnte es schon gestern, dass es nicht gut ist. Vielleicht geht es noch ein weiteres Mal darum, nicht meine Gefühle, meine Bedürfnisse mit Essen hinunter zu schlucken. Und vielleicht habe ich nicht wegen des MRT, sondern wegen dieser beiden Innenkinder so lang anhaltende und wiederkehrende Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.
Du weißt, dass ich mich um dich kümmere, so gut ich kann und dass auch du auf Frau S. Schoß sitzen darfst. Aber ich muss erst einmal Atem holen und mich um das Seifenkind kümmern. Ich sehe und höre dich.

Das Seifenkind schläft, hört mir aber zu und lächelt mich an. Es ist wohl sehr müde und darf jetzt endlich traurig sein. Gibt es so etwas, wohlige Trauer? Etwas, das nie sein durfte wie ein Loch im Bauch, das sich jetzt allmählich schließt. Ohne dass ich noch etwas tun muss. Außer gelegentlich einen Blick auf das Seifenkind zu werfen.
Etwas stimmt mit dem Namen Kakaokind nicht. Wie zur Illustration richtet das Seifenkind sich auf, trinkt genüßlich und langsam einen Kakao und schaut zu, wie er aus dem Loch im Bauch wieder hinaus läuft. Und schüttelt den Kopf.
Ich glaube, du willst mir sagen, dass von Kakao Trinken schon nichts besser geworden ist, als du klein warst. Das hat den Geschmack weg gemacht, aber nicht das Traurig Sein. Und wenn du traurig und verlassen und verstört sein darfst und du und ich das nicht mehr weg machen müssen, dann muss ich auch kein Loch mehr zustopfen.
Nicken
Mit Süßigkeiten. Dann kann ich heute, noch nicht ganz fit, langsam und achtsam Schnee fegen, mich daran freuen, was mein Knie noch alles kann und mich daran freuen, dass mein Puzzle bald fertig ist. Die Pausen, die ich noch brauche, genießen.
Ich will jetzt Glückskind heißen.
Das ist sehr paradox, wenn mir dabei die Tränen kommen.
Nein, Tränen können auch glücklich machen, wenn sie endlich fließen können. Das weiß ich, auch wenn ich klein bin.
Ich bin ein Glückskind, weil ich jetzt reden darf. Weil du für mich geredet hast und geschrieben.

Da stehen sie alle, die Innenkinder, und applaudieren. Stehende Ovationen.
Sie helfen dem Glückskind, ein Floß zu bauen, auf das ein Stück Seife passt. Ich kann spielend Sommer imaginieren und einen flachen, langsam fließenden Bach. Da lässt sie das Floß auf Nimmerwiedersehen wegschwimmen.
Aber Mama muss die Seife und die Schokolade noch alle aufessen. Die ist noch lange nicht fertig. Und ich kann traurig sein und glücklich sein. Beides. Sogar durcheinander.

Auch mit etwas Abstand fühlt es sich so an, als ob sich nichts von dem Seifenkind/ Kakaokind/ Glückskind zum Drachenkind transportiert. Das steht im Schnee, nackt, nicht zitternd, sondern schon wie endgültig erfroren. Als ob das nicht reichen würde, klebt ein breiter Klebestreifen auf seinem Mund.
Ich bin verwirrt. Das hat das Glückskind schon gemacht. Ich kann doch mit dir nicht nochmal den gleichen Weg gehen.
Jetzt dreht sie mir den Rücken zu.
Das heißt doch jetzt nicht, dass ich nicht für dich sorgen will! Ich verstehe ja, dass du mir zeigen möchtest, wie verlassen und erstarrt du noch bist. Dass ich dich zwar in Sicherheit bringen konnte und wir etwas gefunden haben mit dem Wackelpudding und dem Kuschelschuppenkleid. Aber dass an dir eben auch noch Schweigen klebt.
Jetzt sieht sie mich wenigstens wieder an und ihre Wangen röten sich etwas.
Könntest du dir vorstellen, wieder an den sicheren inneren Ort zu kommen und dich warm anzuziehen, auch wenn dir noch ganz kalt innen ist? Oder Schlitten zu fahren oder einen Schneemann zu bauen, dich irgendwie zu bewegen? Und ich verspreche dir, dass wir mit Frau S. zusammen suchen, was dir noch fehlt, damit du richtig lebendig wirst?
Schon wieder falsch. Natürlich ist sie schon lebendig. Nur verstört.
Ich weiß, du bist sehr klein. Da ist das Reden schwierig. Aber ich traue mich gerade nicht, dich einfach auf den Schoß zu nehmen, weil du soooo kalt bist und soooo stumm. Damit steckst du mich an. Das hilft uns beiden nicht, wenn ich nicht mehr auf mich aufpassen kann.
Vielleicht kann ich auch etwas für dich malen, weil du nicht reden magst? Etwas Schönes? Einene Schneemann? Und wenn du dann mit einem Bild was erzählen willst, nehmen wir ein anderes Blatt.

Kontakt. Und Einverständnis. Es fühlt sich eher so an, als sollte ich mich nicht allzu viel kümmern, weil ich den Abstand nicht regulieren kann. Eben doch wieder Loch. Aber nicht im Bauch, sondern ein riesiges schwarzes im Boden. Unüberschaubar.
Das Glückskind malt mit einer Handvoll Fingerfarbe dem Drachenkind ein grünes Herz auf den Bauch. Auf die Stelle, wo sich bei dem Glückskind das Loch langsam schließt. Vielleicht transportiert sich doch etwas von der einen zu der anderen. Jedenfalls lässt sich das Drachenkind mit einigem Widerstand an der Hand an den sicheren inneren Ort ziehen. Dort wartet schon eine Große mit einem warmen Bademantel. Natürlich auch grün.
Grün ist die Hoffnung.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von lara64 » So Jan 20, 2019 1:35 pm

Liebe Aufatmende,

etwas Schnappatmung habe beim Wort Herkunftsfamilie - hoffe du kannst da gut für dich sorgen.
Ansonsten ist es sicherlich schwierig solche Dinge zu hören und keine Unterstützung bieten zu können.

Shalom - lara64

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » Fr Jan 18, 2019 3:00 pm

:( Gerade habe ich mit jemandem aus meiner Herkunftsfamilie telefoniert, der von einer Katastrophe in die andere schlittert. Es tut weh, das mit anzuhören und nichts tun zu können :cry:

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Aufatmende » So Jan 13, 2019 12:25 pm

Ohrschützer von Bein rutschen. Keine Idee, wie Upload geht. Dabei Avatar mal gehabt habe. Lange her. Du kennst sie noch. Sitzt auf dem Sofa.

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

von Sayeda » So Jan 13, 2019 10:38 am

Du können nach Bilder upload suchen, gespeichertes Foto du dann dort hochladen tust. Da probieren kannst, weil neugierig ich bin 8) .
Du Ohrschützer auf Ohren kannst tun. Dann Staub so laut nicht mehr. :mrgreen:

Nach oben